Stimmt's?War Napoleon besonders klein?

…fragt Stephan Raßmann aus Nümbrecht. von 

Napoleon Sarkozy Frankreich

Eine übergroße Figur auf einem Karnevalswagen präsentiert Nicolas Sarkozy als Napoleon.  |  © Fabio Muzzi/AFP/Getty Images

Fünf Fuß, zwei Zoll und drei Linien – das war die Körpergröße Napoleons, gemessen von seinem persönlichen Kammerdiener. Klingt nicht nach viel, wenn man in den Maßeinheiten denkt, die heute noch in den USA gebräuchlich sind. Das wären nämlich etwa 158 Zentimeter.

Aber Fuß und Zoll hatten zu Napoleons Zeiten in unterschiedlichen Ländern unterschiedliche Größen. Der französische Fuß maß 32,48 Zentimeter, der englische (der heute noch in Amerika verwendet wird) nur 30,48 Zentimeter. Rechnet man das französische Maß um, dann kommt man schon auf 168,5 Zentimeter.

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Damit war Napoleon zwar größer als Nicolas Sarkozy (1,65 Meter), würde aber heute eher zu den kleineren Menschen gehören. Aber zu seinen Lebzeiten waren die Menschen insgesamt kleiner als heute. Noch 1835, vierzehn Jahre nach Napoleons Tod, maß der durchschnittliche Rekrut der französischen Armee nur 1,62 Meter.

Serie: Stimmt's?
Stimmt's?

Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild  |  © Jeff J. Mitchell/Getty Images

Das Bild vom Kaiser, der seinen Kleinwuchs durch große Eroberungen zu kompensieren suchte, ist also falsch. Warum wurde es dann verbreitet, insbesondere von den Engländern?

Entweder haben die es nicht besser gewusst, weil sie die französischen Maße in ihr System übersetzt haben, oder es war Propaganda. Es heißt auch, Napoleon habe sich mit besonders hochgewachsenen Männern umgeben und sei dadurch kleiner erschienen. Auf jeden Fall hat der von Alfred Adler so genannte »Napoleon-Komplex« für Kleine mit großem Gehabe den falschen Namen.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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Leserkommentare
  1. Restaurationszeit, nicht Reaktionszeit.

    Antwort auf "Modernisierungsschub"
  2. Oft liest man, Napoleon habe der Durschnittsgröße in jener Zeit entsprochen (1,68 Meter fällt als Zahl), er wurde jedoch als Karrikatur-Lieblingsobjekt der britischen Zeitungen gerne "geschrumpft".

    Doch verwundern tut die Diskussion dennoch, schließlich ist die Ära Napoleon noch nicht weit her: Unsere (schon verstorbenen) Großväter erlebten schließlich noch Zeitgenossen oder waren zumindest Zeitgenossen der Folgegeneration Napoleon I. Die uneheliche Tochter Napoleons Helene Napoleone Bonaparte (Gräfin Montholon) beispielsweise lebte immerhin bis 1916, da gibt es sogar heute noch (zugegebenerweise damals sehr junge) Zeitgenossen.

  3. 19. Zynisch

    Ich kann mich der Meinung von Eustochium nur anschließen. Sie schreiben, dass Deutsche und Russen dankbar für die nationalitätsstiftende Wirkung der französischen Expansionspolitik sein sollten. Das können Sie unmöglich ernst meinen: in Gedanken gehe ich gerade in der Geschichte die Völkermörder durch und wer ihnen - Ihrer Logik folgend - alles dankbar sein sollte. Da kann man nur fassungslos sein.

    3 Leserempfehlungen
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    • vonDü
    • 03. Dezember 2012 5:27 Uhr

    "Sie schreiben, dass Deutsche und Russen dankbar für die nationalitätsstiftende Wirkung der französischen Expansionspolitik sein sollten."

    Ich schrieb das? Sie verwechseln ihre Phantasien zum Text, mit dem Text.

    Die Beförderung nationaler Identitäten, war eine bedeutende Folge der napoleonischen Ära.

    Die Beseitigung der Kleinstaaterei in Deutschland, Zurückdrängen der Macht der Kirchen und Verbreitung der Ideen der bürgerlichen Zivilgesellschaft, waren nachhaltige und positive Folgen napoleonischer Expansionspolitik.

    Außer Römern und Amis fällt mir keiner ein, der in Europa ähnliche Spuren hinterlassen hat. Die Entwicklung von Demokratie und Zivilgesellschaften in Europa, sowie die Geschichte vieler Länder hätte ohne Napoleon einen anderen Verlauf genommen. Da die Zivilgesellschaft bis heute als Errungenschaft gilt, fällt es mir schwer, Napoleon als Beschleuniger dieser Entwicklung, so einseitig zu betrachten wie Sie. Als Eroberer wurde er übrigens nicht in jeder Region betrachtet. In vielen Regionen wurde die französische Armee als Befreier begrüßt. Ihr Image vom Schlächter und Massenmörder hatte Napoleon für seine Zeitgenossen, erst am Ende seiner Herrschaft.

    Und lange dominiert hat dieses Bild nicht. Schon wenige Jahrzehnte nach seinem Tod, war Napoleon schon wieder Gegenstand der Verehrung, nicht nur in Frankreich. Die Figur Napoleon ist zu komplex, um sie unreflektiert in die Schublade für "Schlächter und Massenmörder" zu stecken.

    • vonDü
    • 03. Dezember 2012 5:27 Uhr
    20. Lesen!

    "Sie schreiben, dass Deutsche und Russen dankbar für die nationalitätsstiftende Wirkung der französischen Expansionspolitik sein sollten."

    Ich schrieb das? Sie verwechseln ihre Phantasien zum Text, mit dem Text.

    Die Beförderung nationaler Identitäten, war eine bedeutende Folge der napoleonischen Ära.

    Die Beseitigung der Kleinstaaterei in Deutschland, Zurückdrängen der Macht der Kirchen und Verbreitung der Ideen der bürgerlichen Zivilgesellschaft, waren nachhaltige und positive Folgen napoleonischer Expansionspolitik.

    Außer Römern und Amis fällt mir keiner ein, der in Europa ähnliche Spuren hinterlassen hat. Die Entwicklung von Demokratie und Zivilgesellschaften in Europa, sowie die Geschichte vieler Länder hätte ohne Napoleon einen anderen Verlauf genommen. Da die Zivilgesellschaft bis heute als Errungenschaft gilt, fällt es mir schwer, Napoleon als Beschleuniger dieser Entwicklung, so einseitig zu betrachten wie Sie. Als Eroberer wurde er übrigens nicht in jeder Region betrachtet. In vielen Regionen wurde die französische Armee als Befreier begrüßt. Ihr Image vom Schlächter und Massenmörder hatte Napoleon für seine Zeitgenossen, erst am Ende seiner Herrschaft.

    Und lange dominiert hat dieses Bild nicht. Schon wenige Jahrzehnte nach seinem Tod, war Napoleon schon wieder Gegenstand der Verehrung, nicht nur in Frankreich. Die Figur Napoleon ist zu komplex, um sie unreflektiert in die Schublade für "Schlächter und Massenmörder" zu stecken.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Zynisch"
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    was es ausser römern und amis so an prägendem gab:
    die griechen, die punier, die kelten, die germanen und slaven,
    die normannen und mauren, die lombardischen städte und die hanse,die rkk, die ritterorden, die irischen mönche, die reformatoren, die holländischen und englischen revolutionäre, el cid, caesare borgia und cromwell- die conquestadores, die schweiz und die schweizer, die pfälzer, die tschechen, die preussen, die litauer....da kommen wir dann auch schon langsam vom äussersten westen nach osten voran und müssten wieder in der antike beginnen
    sie sehen
    die einflüsse sind so manigfaltig
    währe die revolution gekommen ohne das england bewiesen hätte das die welt auch nicht untergeht wenn man den könig köpft?
    ohne das preussen bewies das schütze arsch den krieg entscheidet?
    man weis es nicht
    monokausalität in der geschichtsbetrachtung allerdings ist von übel
    das weis man

  4. "Er ist die größte Schande Frankreichs. Seltsamerweise wollen viele Franzosen davon nichts wissen."

    Wissen Sie, gnädiger Herr, einem Franzmann so wie ich, der nach dem Tod De Gaulle geboren ist, ist dieser Kaiser des vorletzten Jahrhunderts völlig Wurst. Nur sollte man darauf hinweisen, dass die drei Könige, die ihm folgten, auch nicht besonders clever waren. Für mich ist die entscheidendste Zeit des französischen Staats eher die der 1870er. Nach dem Krieg gegen Preußen hat die Republik und derer Werte dank vernünftigen Regierungsleuten (die meisten waren trotzdem überzeugte Monarchisten) wirklich aufblühen können.

  5. "In vielen Regionen wurde die französische Armee als Befreier begrüßt."
    dies lag primär daran das die menschen sich etwas erwarteten das zu liefern überhaupt nicht auf der tagesordnung stand
    die republik war seit seiner übernahme tod, aber sie war es an die die menschen dachten wenn sie die trikolore sahen
    der code-napoleon war ein schönes stück poesie, in der realität wurde mit sondergenemigungen notstandsrechten, übergangsmodellen etc an ihm vorbeiregiert als würde er nicht existieren
    und die französischen besatzungsgregieme brachten selbst den francophilsten napoleon/revolutionsverehrer zum grübeln.
    napoleon der heros der revolution, aus einem krieg geboren der die oberschicht aus kleinadel und bürgertum des heeres der bedürftigen entledigte, da diese aus dem feindgebiet furagiert werden konnte, und den robispiere verurteilte, da niemand bewaffnete missionare liebe, starb als er sich selber kröhnte.

    Eine Leserempfehlung
  6. was es ausser römern und amis so an prägendem gab:
    die griechen, die punier, die kelten, die germanen und slaven,
    die normannen und mauren, die lombardischen städte und die hanse,die rkk, die ritterorden, die irischen mönche, die reformatoren, die holländischen und englischen revolutionäre, el cid, caesare borgia und cromwell- die conquestadores, die schweiz und die schweizer, die pfälzer, die tschechen, die preussen, die litauer....da kommen wir dann auch schon langsam vom äussersten westen nach osten voran und müssten wieder in der antike beginnen
    sie sehen
    die einflüsse sind so manigfaltig
    währe die revolution gekommen ohne das england bewiesen hätte das die welt auch nicht untergeht wenn man den könig köpft?
    ohne das preussen bewies das schütze arsch den krieg entscheidet?
    man weis es nicht
    monokausalität in der geschichtsbetrachtung allerdings ist von übel
    das weis man

    Antwort auf "Lesen!"
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    • vonDü
    • 04. Dezember 2012 7:53 Uhr

    aus Ihrer Aufzählung haben tatsächlich einen vergleichbaren, nachhaltigen und europaweiten Einfluss gehabt, wie Römer, Amis oder Napoleon?
    Vielleicht die Reformatoren, deren Wirkung in Deutschland, zu mehr Opfern und weniger Spuren in der heutigen Zivilgesellschaft führte.

    Dass die Gegenwart immer das Ergebnis aller Ereignisse im System ist, ist klar. Aber nicht jedes Ereignis betrifft das ganze System, oder verändert es grundlegend. Die französische Revolution und ihre Ideen waren ein Ereignis, das das gesamte System Europa erschüttert hat. Ein Ereignis mit dem sich jeder in Europa auseinandersetzen musste. Und Folgen davon, durch Napoleon, auf unterschiedlichste Art, erleben musste.

    Europa musste sich zum ersten Mal mit dem neuen Begriff der "Nation" auseinandersetzen. Die den Dynastien alter Prägung und Regionalherrschern deutlich überlegen war. Mit der Besatzung kam auch das französische Recht und französische Ideen. Die unumstrittene Reichweite der französischen Revolution, wäre ohne Napoleon geringer ausgefallen.

    Dass er als Kriegsherr mit enormen Geldbedarf, mit zunehmender Zeit, zu einem immer unangenehmeren Besatzer wurde, hat ihn und seine Soldaten vertrieben, aber nicht die Ideen. Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis bei Kommunismus und Religion den prominenter Vertreter an den Tag legen, löscht die Ideen nicht auch nicht aus.

    Wenn jeder Akteur gleich wichtig wäre, wie Sie es implizieren, könnte man sich Geschichtswissenschaft sparen.

    • vonDü
    • 04. Dezember 2012 7:53 Uhr

    aus Ihrer Aufzählung haben tatsächlich einen vergleichbaren, nachhaltigen und europaweiten Einfluss gehabt, wie Römer, Amis oder Napoleon?
    Vielleicht die Reformatoren, deren Wirkung in Deutschland, zu mehr Opfern und weniger Spuren in der heutigen Zivilgesellschaft führte.

    Dass die Gegenwart immer das Ergebnis aller Ereignisse im System ist, ist klar. Aber nicht jedes Ereignis betrifft das ganze System, oder verändert es grundlegend. Die französische Revolution und ihre Ideen waren ein Ereignis, das das gesamte System Europa erschüttert hat. Ein Ereignis mit dem sich jeder in Europa auseinandersetzen musste. Und Folgen davon, durch Napoleon, auf unterschiedlichste Art, erleben musste.

    Europa musste sich zum ersten Mal mit dem neuen Begriff der "Nation" auseinandersetzen. Die den Dynastien alter Prägung und Regionalherrschern deutlich überlegen war. Mit der Besatzung kam auch das französische Recht und französische Ideen. Die unumstrittene Reichweite der französischen Revolution, wäre ohne Napoleon geringer ausgefallen.

    Dass er als Kriegsherr mit enormen Geldbedarf, mit zunehmender Zeit, zu einem immer unangenehmeren Besatzer wurde, hat ihn und seine Soldaten vertrieben, aber nicht die Ideen. Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis bei Kommunismus und Religion den prominenter Vertreter an den Tag legen, löscht die Ideen nicht auch nicht aus.

    Wenn jeder Akteur gleich wichtig wäre, wie Sie es implizieren, könnte man sich Geschichtswissenschaft sparen.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "zur erinnerung"
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    gerade weil verschiedene einflüsse zusammenkommen ist geschichtswissenschaft wichtig
    die nation als idee der legitimation begegnet uns bereits viel früher, sogar in frankreich.
    sie ist der kern des "free-born englishman" in der magnacharta, und die propagandafigur hinter der legende von johanna, sie ist der kitt der schweiz und der niederlande, welche sich beide schon früher aus den dynastischen systhemen verabschiedeten.
    dies sind alles einflüsse die zur französisch zentralistischen nation führten
    übrigens heist es "enfants de la patrie" nich "de la natione"
    womit wir bei einer anderen propagandafigur währen, dem väterlichen staat, auch wieder keine französiische erfindung, aber doch der zentralbegriff.

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  • Serie Stimmt's
  • Schlagworte Napoleon Bonaparte | Frankreich | Anatomie | Körper
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