Red BullIch war eine Dose
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 Ein Unternehmen mit Mut und Geld

Deshalb das Treffen mit Rangnick. Mateschitz will wissen, was er glaube, woran es hapere. Das Gespräch dauert fast zwei Stunden. Rangnick sagt, die Spieler seien mit 29 Jahren im Durchschnitt zu alt. Das passe doch gar nicht zur Marke, deren Kernzielgruppe die 20- bis 25-Jährigen seien.

Vielleicht weiß Mateschitz in diesem Moment, dass er den Richtigen gefunden hat, und macht Rangnick zum Sportdirektor beider Vereine. Der verjüngt daraufhin nicht nur die Teams, er lässt auch auf eine Weise Fußball spielen, die zur Marke passt: schnell, aggressiv – und ohne große Schnörkel nach vorne.

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»In fünf Sekunden muss die Mannschaft den Ball zurückerobern«, sagt Rangnick auf einer Konferenz der International Football Arena (IFA) in Zürich. »Dann dürfe es noch einmal zehn Sekunden dauern, bis der Ball im Tor ist. »Wir spielen nicht nur gegen den Gegner, sondern auch gegen die Zeit.« Als Rangnick das »Red Bull Global Soccer Project« der globalen Fußballelite vorstellt, zeigt er eine Szene aus dem Spiel Salzburg gegen Admira. Sobald Salzburg den Ball hat, läuft im Bild eine »Count Down Clock« von zehn rückwärts. Bei 0,3 Sekunden überschreitet der Ball die Torlinie. »Dieses System«, so Rangnick, »lehren wir in unseren Akademien auf der ganzen Welt.« Eine Karte poppt auf. Überall Red-Bull-Akademien. »In ein paar Jahren«, sagt er, »geht es nur noch um die Frage, wie wir die Spieler auf unsere Teams verteilen.«

Im Publikum sitzen Manager europäischer Spitzenclubs wie Chelsea-CEO Ron Gourlay. Man ist beeindruckt. Es ist das Vettel-Prinzip, mit dem der Konzern auch den Fußball erobern will: früh fördern, ausprobieren – und wenn es dann passt, so viele Millionen wie eben nötig ins System pumpen.

Es ist eine Stärke von Mateschitz, dass er Menschen, an die er glaubt, fast alle Freiheiten gibt. Im Konzern verfügen 30-Jährige über Budgets, von denen viele Dax-Manager nur träumen können. »First idea, then money« lautet das simple Prinzip. So entstehen außergewöhnliche Projekte wie der Sprung von Felix Baumgartner aus der Stratosphäre. Red Bull hat Mut. Und Red Bull hat Geld. »Bei Unternehmen eine seltene Kombination«, sagt Volker Helm, Geschäftsführer der Agentur Mediaplus. Rund 50 Millionen Euro hat Red Bull in den Sprung investiert. Den Werbewert beziffern Experten auf mehrere Milliarden.

Auch Servus TV hat den Sprung übertragen. Noch nie haben so viele Menschen einen österreichischen Privatsender eingeschaltet. Es ist der Vorgeschmack auf ein mehr oder weniger geschlossenes System: Red Bull produziert Erfolgsgeschichten, Stars und Mega-Events. Diese werden dann vom eigenen Medienimperium ins rechte Licht gerückt. Das wiederum steigert den Absatz der Dose, bei der die Gewinnmarge so groß ist, dass es an Geld nie mangelt. Der Kreislauf beginnt vor vorne.

Es ist kein System, das Mateschitz von Anfang an so geplant hat. Das Medienimperium hat seinen Ursprung in einem ausklappbaren Laster, in dem das Formel-1-Magazin Red Bulletin 2005 beim Grand Prix in Monaco zum ersten Mal produziert und gedruckt wird, direkt an der Rennstrecke. »Das war der Spaß meines Lebens«, sagt einer, der dabei war. Eigentlich ist es nur ein schräges Projekt, mit dem man in der Formel 1 für Aufsehen sorgt. Doch Mateschitz ist von der Resonanz begeistert. Er spinnt die Idee weiter. Einer aus seinem Umfeld fasst die Überlegung so zusammen: »Wenn du von der Verbreitung über die Medien nicht abhängig sein willst, schaffst du dir am besten deine eigenen.«

Leserkommentare
  1. ... für die Unterschicht ist noch die beste Beschreibung für das Zeug.

    Es gibt zwar nicht viele Firmen, die ein Drittel vom Umsatz für Werbung ausgeben, es gibt aber einige die solche Gewinne erzielen.

    Z.B. Software wie SAP und Microsoft, oder Intel oder Vale (Eisenerz)

    Zum Steuern einziehen ist Red Bull auch noch gut, weil das Meistverkaufte an deutschen Autobahn Rastätten ist die Dose für 3,99.

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    • 15thMD
    • 01. Dezember 2012 21:02 Uhr

    Also wenn die Unterschicht 99% sind, dann stimme ich Ihnen vollkommen zu.

    "Dooping für die Unterschicht ist noch die beste Beschreibung für das Zeug."
    -----------------
    Doping? Durch Koffein? Ist Jacobs Krönung auch Doping?
    Was den Preis von Red Bull angeht meinen Sie wohl eher Doping für die Oberschicht? Unterschichtenniveau hat der jedenfalls nicht.

    • Bregens
    • 01. Dezember 2012 20:39 Uhr

    .
    ...dieser Werbeveranstaltung nicht verwässert:

    http://www.bote.ch/commun...

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    Red Bull wären diese Sportler nicht gesprungen ? Merkwürdige Schlussfolgerung einer Zeitung.....

    • seppel5
    • 02. Dezember 2012 10:41 Uhr

    dass ich hier Red Bull verteidigen möchte, aber das Sterberisiko nehmen Extremsportler immer in Kauf. Das muss folglich auch ein Sponsor tun, wenn er solche Veranstaltungen fördert. Ob es Red Bull "egal" ist, halte ich für eine Unterstellung. Die werden sich sicherlich eines negativen Werbeeffektes bewusst sein, der Eintritt wenn so etwas schief geht. Lebensmüde Extremsportler gab es schon lange vor Red Bull und wird es auch noch lange nach Red Bull geben. Nur die mediale Inszenierung ist vielleicht eine neue. Dafür müssen Sie nur mal etwas auf Youtube herumsurfen. Da finden Sie genügend Vollidioten ohne kompetenten Sponsor dahinter. Also von daher...

    niemand der denken zu seinen fähigkeiten zählt würde auf die blöde idee kommen, unglückliche unfälle bei extrremsportarten dem sponsor in die schuhe zu schieben.

    • 15thMD
    • 01. Dezember 2012 21:02 Uhr

    Also wenn die Unterschicht 99% sind, dann stimme ich Ihnen vollkommen zu.

    Antwort auf "Dooping ..."
  2. Red Bull wären diese Sportler nicht gesprungen ? Merkwürdige Schlussfolgerung einer Zeitung.....

    2 Leserempfehlungen
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    • Bregens
    • 01. Dezember 2012 21:13 Uhr

    .
    zu einer erhöhten, tödlichen Risikobereitschaft ermuntert hat.

    Vor allen Dingen glaube ich aber, dass es dem RB-Management völlig egal ist!

    • Bregens
    • 01. Dezember 2012 21:13 Uhr

    .
    zu einer erhöhten, tödlichen Risikobereitschaft ermuntert hat.

    Vor allen Dingen glaube ich aber, dass es dem RB-Management völlig egal ist!

    • Xdenker
    • 01. Dezember 2012 21:49 Uhr

    ... müssen sie in diversen Ländern sogenannte politische Parteien als affiliates/Konzerntöchter gründen. Politik ist, wie die Medienwirklichkeit zeigt, längst zum Unterhaltungsbusiness mit allerdings noch erheblich ausbaufähiger Reichweite und Profitabilität (Raab fragen) aufgestiegen. Auf die Zahl der Mitglieder kommt es dabei nicht an. Hier zählen, wie in jedem Business, Kundenbesitz und Systemführerschaft, die im U-Business auf der stringenten Maximierung des strategischen SET-Potenzials: Sensation, Excitement, Thrill basieren. Gleichwohl sollten sie von Beginn an durchaus auch Abos als wirksames Kundenbindungsinstrument und konzernweites Cross-Selling-Tool implementieren und forcieren. So kann das was werden.

  3. 7. Neid!

    Red Bull hat mehr geschafft als viele Verlage im letzten Jahrzehnt!

    Aus einem Gummi Brause Hersteller ist ein Konzern entstanden das etablierte und alternative Sportarten fördert, einen TV Sender und ein Life Style Magazin erfolgreich leitet.

    Jetzt wo das große sterben der Zeitungen beginnt, in der viele in den letzten Jahrzehnt eher zu Grün-Linken Umerziehungsanstalten mutiert in einer geschlossenen Journalistenwelt verkommen sind, werden neue Feindbilder gesucht! Wie Red Bull!

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    • lxththf
    • 01. Dezember 2012 23:26 Uhr

    als Feindbild konstruiert? Wie kommen Sie darauf? Fakt ist, die Welt lebt von Innovationen und genauso eben auch der Sport. Das RB quer Beet sponsort finde ich persönlich sehr gut, weil es neben dem Massensportarten gerade auch Nieschensportarten hilft.
    @Kommentar #5: Ist Ihnen das Wort "Extremsport/ler" ein Begriff? Menschen riskieren täglich ihre Leben, ob mit Sponsor oder nicht ist dabei egal. Der Unterschied ist vielleicht sogar noch der. Da ein Sponsor wie RB keine negative Publicity will, wird besonders viel Wert auf Sicherheit gelegt und niemand hat Baumgartner gezwungen, denn es war ja seine eigene Idee. Ob der Konzern, oder das Management die beiden von Ihnen genannten Opfer bedauert, wissen weder Sie noch ich.

    • lxththf
    • 01. Dezember 2012 23:26 Uhr

    als Feindbild konstruiert? Wie kommen Sie darauf? Fakt ist, die Welt lebt von Innovationen und genauso eben auch der Sport. Das RB quer Beet sponsort finde ich persönlich sehr gut, weil es neben dem Massensportarten gerade auch Nieschensportarten hilft.
    @Kommentar #5: Ist Ihnen das Wort "Extremsport/ler" ein Begriff? Menschen riskieren täglich ihre Leben, ob mit Sponsor oder nicht ist dabei egal. Der Unterschied ist vielleicht sogar noch der. Da ein Sponsor wie RB keine negative Publicity will, wird besonders viel Wert auf Sicherheit gelegt und niemand hat Baumgartner gezwungen, denn es war ja seine eigene Idee. Ob der Konzern, oder das Management die beiden von Ihnen genannten Opfer bedauert, wissen weder Sie noch ich.

    Antwort auf "Neid!"
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    "weil es neben dem Massensportarten gerade auch Nieschensportarten hilft."

    Die Verlage und ihre Zeitungen hatten Jahrelang eine Lizens zum Geld drucken! Das haben die verschlafen, nun ist halt Red Bull drin und veranstaltet und promotet Top Nischen Events die gut ankommen.

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