Red BullIch war eine Dose
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 Das Red-Bull-Konzept findet Nachahmer

Mittlerweile ist aus dem Laster das Red Bull Media House erwachsen. Es bündelt Printmagazine, Fernsehen und Mobilfunk unter einem Dach. Man sei eines der »weltweit führenden Medienunternehmen für Premium-Content«, heißt es auf der Homepage. Und verfüge über ein globales Korrespondenten-Netzwerk, das in mehr als 160 Länder reicht.

Es ist ein System, das mittlerweile auch die Wissenschaft beschäftigt. Denn es findet Nachahmer. Sogar im deutschen Mittelstand. Das Familienunternehmen Stihl etwa hat mit der Timber Sports Series die weltweit führende Wettkampfserie im Sportholzfällen initiiert – und vermarktet sie über seinen eigenen YouTube-Kanal. Von »Markenmedien« spricht Andreas Baetzgen, Professor an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Gemeinsam mit seinem Kollegen Jörg Tropp hat er eine Delphi-Studie über sie durchgeführt. Das Ergebnis: »Sie werden das Verhältnis von Marken, Medien und Konsumenten grundlegend verändern.«

Und doch taugt Red Bull nur bedingt als role model. Dazu agiert Mateschitz zu vielschichtig, auch widersprüchlich. »Alles, was wir tun, tun wir für den Wert und das Image der Marke«, hat er mal gesagt. Für sein Medienimperium aber scheint das nicht mehr zu gelten. Das Monatsmagazin Servus ist ein Heimatmagazin, angelehnt an die deutsche Zeitschrift Landlust . Mit einer Auflage von 110.000 ist es sehr erfolgreich. Doch einen Bezug zur Marke sucht man vergeblich. Auch die Terra Marta Factual Studios passen nicht ins Konzept. Sie produzieren hochwertige Dokumentarfilme, kooperieren unter anderem mit der BBC.

Manchmal sieht es so aus, als mache Mateschitz, wozu er gerade Lust habe. Doch das kann er gar nicht. Er hat Red Bull 1984 gemeinsam mit der thailändischen Unternehmerfamilie Yoovidhya gegründet, bis heute hält sie 51 Prozent der Firma. Zwar lässt sie Mateschitz weitgehend freie Hand. Doch für kostspielige Projekte ohne strategisches Ziel hätte sie kein Verständnis. Wozu also Medien ohne Markenbezug?

Es ist wohl wieder das Trial-and-Error-Prinzip, mit dem Mateschitz sich in die Zukunft vortastet. Der Schwachpunkt am System Red Bull: Es wird allein über die Dose finanziert. Doch deren Absatz lässt sich nicht ins Unendliche steigern. Zwar argumentiert ein Red-Bull-Manager, dass ein Energydrink ein »besserer Kaffee« sei – und etwa der deutsche Pro-Kopf-Konsum pro Jahr (3 Liter) noch weit unter dem von Kaffee liege (146 Liter). Doch Mateschitz selbst rechnet mit einer Abflachung des Wachstums in einigen Jahren. Was mit einer medialen Kontrolle über die Marke begonnen hat, soll deshalb nun zu einem eigenen, profitablen Geschäftsfeld ausgebaut werden. Ein Beispiel dafür ist auch Red Bull Mobile. Mobilfunk-Kunden verspricht der Konzern einen erleichterten Zugang zu den »Mega-Erlebnissen aus der Welt von Red Bull«. Nicht das Medium stärkt hier die Marke, sondern die Marke das Medium.

Am liebsten trifft Mateschitz sich mit seinen Gesprächspartnern im Hangar 7, einem futuristischen Gebäude am Salzburger Flughafen, das entfernt an einen Flügel erinnert und seine Sammlung historischer Flugzeuge, Helikopter und Rennwagen beherbergt. Hier spinnt er neue Ideen, die er später in seinen Konzern einwebt. Marke, Persönlichkeit und Strategie verschmelzen dabei zu etwas, das wohl nur er selbst ganz durchdringt. Mateschitz ist der Kopf.

Inwieweit das System ohne ihn lebensfähig wäre, weiß niemand. Die Unternehmenskultur habe eine »Tendenz zum Lemmingtum«, sagt ein Exmitarbeiter. Alles ist auf Mateschitz ausgerichtet. Eine Nummer zwei gibt es nicht – und der einzige Sohn spielt im Konzern keine Rolle. Mit seinen 68 Jahren führt Mateschitz das Unternehmen, als hätte Red Bull ihm nicht nur Flügel verliehen, sondern ihn auch unsterblich gemacht.

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Leserkommentare
  1. ... für die Unterschicht ist noch die beste Beschreibung für das Zeug.

    Es gibt zwar nicht viele Firmen, die ein Drittel vom Umsatz für Werbung ausgeben, es gibt aber einige die solche Gewinne erzielen.

    Z.B. Software wie SAP und Microsoft, oder Intel oder Vale (Eisenerz)

    Zum Steuern einziehen ist Red Bull auch noch gut, weil das Meistverkaufte an deutschen Autobahn Rastätten ist die Dose für 3,99.

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    • 15thMD
    • 01. Dezember 2012 21:02 Uhr

    Also wenn die Unterschicht 99% sind, dann stimme ich Ihnen vollkommen zu.

    "Dooping für die Unterschicht ist noch die beste Beschreibung für das Zeug."
    -----------------
    Doping? Durch Koffein? Ist Jacobs Krönung auch Doping?
    Was den Preis von Red Bull angeht meinen Sie wohl eher Doping für die Oberschicht? Unterschichtenniveau hat der jedenfalls nicht.

    • Bregens
    • 01. Dezember 2012 20:39 Uhr
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    Red Bull wären diese Sportler nicht gesprungen ? Merkwürdige Schlussfolgerung einer Zeitung.....

    • seppel5
    • 02. Dezember 2012 10:41 Uhr

    dass ich hier Red Bull verteidigen möchte, aber das Sterberisiko nehmen Extremsportler immer in Kauf. Das muss folglich auch ein Sponsor tun, wenn er solche Veranstaltungen fördert. Ob es Red Bull "egal" ist, halte ich für eine Unterstellung. Die werden sich sicherlich eines negativen Werbeeffektes bewusst sein, der Eintritt wenn so etwas schief geht. Lebensmüde Extremsportler gab es schon lange vor Red Bull und wird es auch noch lange nach Red Bull geben. Nur die mediale Inszenierung ist vielleicht eine neue. Dafür müssen Sie nur mal etwas auf Youtube herumsurfen. Da finden Sie genügend Vollidioten ohne kompetenten Sponsor dahinter. Also von daher...

    niemand der denken zu seinen fähigkeiten zählt würde auf die blöde idee kommen, unglückliche unfälle bei extrremsportarten dem sponsor in die schuhe zu schieben.

    • 15thMD
    • 01. Dezember 2012 21:02 Uhr

    Also wenn die Unterschicht 99% sind, dann stimme ich Ihnen vollkommen zu.

    Antwort auf "Dooping ..."
  2. Red Bull wären diese Sportler nicht gesprungen ? Merkwürdige Schlussfolgerung einer Zeitung.....

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    • Bregens
    • 01. Dezember 2012 21:13 Uhr

    .
    zu einer erhöhten, tödlichen Risikobereitschaft ermuntert hat.

    Vor allen Dingen glaube ich aber, dass es dem RB-Management völlig egal ist!

    • Bregens
    • 01. Dezember 2012 21:13 Uhr

    .
    zu einer erhöhten, tödlichen Risikobereitschaft ermuntert hat.

    Vor allen Dingen glaube ich aber, dass es dem RB-Management völlig egal ist!

    • Xdenker
    • 01. Dezember 2012 21:49 Uhr

    ... müssen sie in diversen Ländern sogenannte politische Parteien als affiliates/Konzerntöchter gründen. Politik ist, wie die Medienwirklichkeit zeigt, längst zum Unterhaltungsbusiness mit allerdings noch erheblich ausbaufähiger Reichweite und Profitabilität (Raab fragen) aufgestiegen. Auf die Zahl der Mitglieder kommt es dabei nicht an. Hier zählen, wie in jedem Business, Kundenbesitz und Systemführerschaft, die im U-Business auf der stringenten Maximierung des strategischen SET-Potenzials: Sensation, Excitement, Thrill basieren. Gleichwohl sollten sie von Beginn an durchaus auch Abos als wirksames Kundenbindungsinstrument und konzernweites Cross-Selling-Tool implementieren und forcieren. So kann das was werden.

  3. 7. Neid!

    Red Bull hat mehr geschafft als viele Verlage im letzten Jahrzehnt!

    Aus einem Gummi Brause Hersteller ist ein Konzern entstanden das etablierte und alternative Sportarten fördert, einen TV Sender und ein Life Style Magazin erfolgreich leitet.

    Jetzt wo das große sterben der Zeitungen beginnt, in der viele in den letzten Jahrzehnt eher zu Grün-Linken Umerziehungsanstalten mutiert in einer geschlossenen Journalistenwelt verkommen sind, werden neue Feindbilder gesucht! Wie Red Bull!

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    • lxththf
    • 01. Dezember 2012 23:26 Uhr

    als Feindbild konstruiert? Wie kommen Sie darauf? Fakt ist, die Welt lebt von Innovationen und genauso eben auch der Sport. Das RB quer Beet sponsort finde ich persönlich sehr gut, weil es neben dem Massensportarten gerade auch Nieschensportarten hilft.
    @Kommentar #5: Ist Ihnen das Wort "Extremsport/ler" ein Begriff? Menschen riskieren täglich ihre Leben, ob mit Sponsor oder nicht ist dabei egal. Der Unterschied ist vielleicht sogar noch der. Da ein Sponsor wie RB keine negative Publicity will, wird besonders viel Wert auf Sicherheit gelegt und niemand hat Baumgartner gezwungen, denn es war ja seine eigene Idee. Ob der Konzern, oder das Management die beiden von Ihnen genannten Opfer bedauert, wissen weder Sie noch ich.

    • lxththf
    • 01. Dezember 2012 23:26 Uhr

    als Feindbild konstruiert? Wie kommen Sie darauf? Fakt ist, die Welt lebt von Innovationen und genauso eben auch der Sport. Das RB quer Beet sponsort finde ich persönlich sehr gut, weil es neben dem Massensportarten gerade auch Nieschensportarten hilft.
    @Kommentar #5: Ist Ihnen das Wort "Extremsport/ler" ein Begriff? Menschen riskieren täglich ihre Leben, ob mit Sponsor oder nicht ist dabei egal. Der Unterschied ist vielleicht sogar noch der. Da ein Sponsor wie RB keine negative Publicity will, wird besonders viel Wert auf Sicherheit gelegt und niemand hat Baumgartner gezwungen, denn es war ja seine eigene Idee. Ob der Konzern, oder das Management die beiden von Ihnen genannten Opfer bedauert, wissen weder Sie noch ich.

    Antwort auf "Neid!"
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    "weil es neben dem Massensportarten gerade auch Nieschensportarten hilft."

    Die Verlage und ihre Zeitungen hatten Jahrelang eine Lizens zum Geld drucken! Das haben die verschlafen, nun ist halt Red Bull drin und veranstaltet und promotet Top Nischen Events die gut ankommen.

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