Red BullIch war eine Dose

Das System Red Bull: Wie die Firma mithilfe wagemutiger Sportler ein Ereignis- und Medienimperium aufbaut. von Felix Rohrbeck

Die Aufholjagd des Sebastian Vettel begann Ende September mit dem Rennen in Singapur. Eigentlich wollte er anschließend so schnell wie möglich nach Hause jetten, in sein altes Bauernhaus mit Fachwerk in der Schweiz. Doch dann wünschte Servus TV, ein österreichischer Privatsender aus Wals-Himmelsreich, ein Exklusivinterview am späten Abend, nach dem ganzen Rummel. Zuerst sträubte sich Vettel, am Ende aber gab er das Interview doch.

Warum hat ein vermeintlich unbedeutender Provinzsender einen solchen Einfluss auf Vettel? Er gehört zu Red Bull, ebenso wie der Rennstall, für den Vettel fährt.

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Seit drei Jahren schon dominiert der Konzern die Formel 1, pumpt, während andere Teams sparen müssen, jedes Jahr rund 200 Millionen Euro hinein. Er fördert Vettel, seitdem der zwölf ist. Und übernimmt die Inszenierung der eigenen Erfolge zunehmend selbst. Neben Servus TV gehören dem Konzern diverse Magazine, ein Produktionsstudio und eine Mobilfunksparte. Red Bull ist dabei, ein eigenes, globales Medienimperium zu schmieden.

Mehr als 600 Athleten unter Vertrag

Mit einem herkömmlichen Unternehmen, das etwas Bestimmtes herstellt, bewirbt und verkauft, hat der Konzern nur noch wenig gemeinsam. Die Produktion des Energydrinks ist komplett outgesourct. Dafür stehen über 600 Athleten unter Vertrag. Der Konzern erfindet Sportarten wie Red Bull Crashed Ice, eine Abfahrt auf Schlittschuhen. Zum Saisonfinale kamen im März über 100.000 Menschen. Und er investiert gewaltige Summen in den Fußball: in Österreich, Deutschland, den USA, Ghana und Brasilien. Eine Aufzählung sämtlicher seiner Aktivitäten füllt mehrere DIN-A4-Seiten.

Was soll das alles? Und wohin soll es führen?

Man könnte es sich einfach machen, so wie das manager magazin, und Red Bull als »verrücktestes Unternehmen der Welt« bezeichnen. Man würde dem Konzern damit einen Gefallen tun, denn genau so will er rüberkommen: ein bisschen durchgeknallt, extrem. Doch Red Bull ist nicht durchgeknallt. Es ist ein Konzern neuen Typs, der sich über viele Jahre eine geschlossene Medien-, Marken- und Ereigniswelt aufgebaut hat. Wie kein anderer schafft er globale Ereignisse, die von einem schlichten Aufputschgetränk finanziert werden und umgekehrt den Absatz dieser nach Gummibärchen schmeckenden Flüssigkeit fördern. Und mit dieser Strategie dient Red Bull längst als Vorbild für andere Konzerne.

Das Unternehmen hinter der Marke agiert allerdings am liebsten im Stillen. Es ist die Marke Red Bull, die in der Öffentlichkeit leuchten soll. Schätzungsweise 1,4 Milliarden Euro flossen 2011 in das Marketing, ein Drittel der gesamten Einnahmen. Zum Vergleich: Apple gab 933 Millionen Dollar für Werbung aus, das entspricht einem Prozent des Umsatzes.

Leserkommentare
  1. Schöner Artikel, der zum Nachdenken anregt. Diese Qualität findet sich eben nur in den paar Leitmedien, die am Ende übrig bleiben werden. Medien für Menschen, die die Zusammenhänge begreifen wollen. Vermarktungsmedien sind tatsächlich nur was für die Lemminge. Besser sie folgen der Gummibrause als dem Mann aus Braunau.

    • seppel5
    • 02. Dezember 2012 10:41 Uhr

    dass ich hier Red Bull verteidigen möchte, aber das Sterberisiko nehmen Extremsportler immer in Kauf. Das muss folglich auch ein Sponsor tun, wenn er solche Veranstaltungen fördert. Ob es Red Bull "egal" ist, halte ich für eine Unterstellung. Die werden sich sicherlich eines negativen Werbeeffektes bewusst sein, der Eintritt wenn so etwas schief geht. Lebensmüde Extremsportler gab es schon lange vor Red Bull und wird es auch noch lange nach Red Bull geben. Nur die mediale Inszenierung ist vielleicht eine neue. Dafür müssen Sie nur mal etwas auf Youtube herumsurfen. Da finden Sie genügend Vollidioten ohne kompetenten Sponsor dahinter. Also von daher...

    • frebl
    • 02. Dezember 2012 13:15 Uhr

    .
    Sie nehmen einen korrigierten Syntax-Fehler als Anlass ihre nationalistischen Aversionen auszuleben?

    Vielen Dank für Bestätigung meiner Ressentiments.

    Ich wünsche ihnen einen schönen *Sanntag, aber hiermit beende ich dieses fruchtlose Geplänkel.

    Mit nachbarschaftlichem Gruß.

    *Extra für Sie einbaut.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Nette Deutsche?"
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    Und, gibts diesmal keinen Nachtrag, frebl? Alles beim ersten mal gleich gemacht? Schoen. Da werden sich deine Lehrer und besonders deine Eltern bestimmt freuen.

  2. Um Mateschitz Absichten (insb. von Servus TV) noch besser zu verstehen, empfehle ich folgendes Interview vom 24.11.12: http://t.co/6KusBblQ

  3. niemand der denken zu seinen fähigkeiten zählt würde auf die blöde idee kommen, unglückliche unfälle bei extrremsportarten dem sponsor in die schuhe zu schieben.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Bregens
    • 02. Dezember 2012 14:23 Uhr

    Wenn man halsbrecherische Stunts zum Bestandteil seiner Marketing-Strategie macht, nimmt man den Tod von Menschen willentlich in Kauf.

    *~ fine ~

    *mittelhochdeutsch für: "Das Thema verliert seinen Reiz!"

    • Bregens
    • 02. Dezember 2012 14:23 Uhr

    Wenn man halsbrecherische Stunts zum Bestandteil seiner Marketing-Strategie macht, nimmt man den Tod von Menschen willentlich in Kauf.

    *~ fine ~

    *mittelhochdeutsch für: "Das Thema verliert seinen Reiz!"

    Antwort auf "keine angst..."
  4. "Dooping für die Unterschicht ist noch die beste Beschreibung für das Zeug."
    -----------------
    Doping? Durch Koffein? Ist Jacobs Krönung auch Doping?
    Was den Preis von Red Bull angeht meinen Sie wohl eher Doping für die Oberschicht? Unterschichtenniveau hat der jedenfalls nicht.

    Antwort auf "Dooping ..."
    • Xdenker
    • 02. Dezember 2012 21:47 Uhr

    Noch so ein österreichisches Showtalent wie jenen dilettierenden Braunauer Kunstmaler mit dem so ausgeprägten SET-Faktor (Sensation, Exitement, Thrill) brauchen wir jedenfalls nicht.

    Dies nur als Replik auf ihre wenig geistreiche, antideutsche Pauschalattacke. Wobei sich jeder Vergleich jenes Herren mit den "Roten Ochsen" aus der schönen Alpenrepublik natürlich komplett verbietet und schon deshalb von mir keineswegs intendiert ist.

    Antwort auf "No German bulls"

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