DIE ZEIT: Sie sind also der neue Konzernsheriff der Telekom. Richtig?

Thomas Kremer: Das ist etwas zu kurz gegriffen. Ich bin im Vorstand der Telekom verantwortlich für Datenschutz, Recht, Compliance und IT-Sicherheit. Dazu braucht es nicht nur die Qualitäten eines Sheriffs.

ZEIT: Aber Sie sorgen schon dafür, dass sich die Mitarbeiter an Recht und Gesetz halten?

Kremer: So sollte es selbstverständlich sein. Vor allem muss ich sicherstellen, dass die Telekom weltweit so organisiert ist, dass alle die Spielregeln kennen und befolgen.

ZEIT: Bevor Sie zur Telekom kamen, hatten Sie bei ThyssenKrupp einen ähnlichen Job. Dort scheint man mit den Spielregeln des Kartellrechts ja gewisse Probleme zu haben...

Kremer: ...jetzt bin ich bei der Telekom und habe ein neues Aufgabengebiet. Belassen wir es dabei.

ZEIT: Gerne. Wie hoch ist denn die Kriminalitätsrate bei der Telekom?

Kremer: Wir sind auf gutem Wege, die Zahl der Vorfälle weiter zu reduzieren. Und wir lassen das auch von externen Gutachtern überprüfen...

ZEIT: Geht es etwas konkreter? Mit welchen Fällen hat die Telekom zu tun? Mit Diebstahl? Oder Korruption?

Kremer: Bei rund 240.000 Mitarbeitern gibt es bei der Telekom Kriminalfälle, die Sie auch in einer Stadt dieser Größenordnung finden würden: vom Diebstahl von Druckerpatronen und Smartphones über falsche Spesenabrechnungen bis zu Korruptionsversuchen. Nichts davon wird toleriert. Unsere Kriminalitätsrate dürfte im Durchschnitt der deutschen Industrie liegen. Wichtig ist, dass der ganze Konzern von dem Gedanken durchdrungen wird, dass man sich an Regeln zu halten hat. Wir im Management treiben das voran – durch Richtlinien, Schulungen, aber auch durch unser »Tell me!«-Portal.

ZEIT: Ihre Plattform für Whistleblower?

Kremer: Das ist richtig. Dort können Mitarbeiter auf Missstände aufmerksam machen.

ZEIT: Was bekommen Sie denn auf diesem Weg zu hören?

Kremer: Ganz unterschiedliche Dinge, da kann es beispielsweise um Bestechungsversuche oder Provisionsbetrug gehen. In den beiden vergangenen Jahren haben wir so jeweils rund 200 Meldungen über mögliche Regelverstöße erhalten. Jedem davon gehen wir nach. Alles in allem bin ich mit dem Portal sehr zufrieden.