ZEIT: Warum sollte die Politik Ihnen denn bei dem Vorhaben helfen?

Kremer: Weil sichere Informationstechnologie elementar wichtig für den Standort Deutschland ist. Hacker sind kaum noch Einzelgänger, die auf Schwachstellen hinweisen wollen. Da ist sehr viel organisierte Kriminalität im Spiel. Unternehmen werden mit der Drohung erpresst, ihre Computersysteme lahmzulegen...

ZEIT: ...auch die Telekom?

Kremer: Nein. Aber wir wissen, dass so etwas in Deutschland bereits vorgekommen ist. Ferner steigt die Bedrohung durch digitale Industriespionage. Eine Volkswirtschaft darf diese Gefahr nicht unterschätzen.

ZEIT: Im Verdacht der digitalen Spionage steht immer wieder China. Wie sehen Sie das?

Kremer: Reden ist das eine, Wissen ist das andere. Und im Ergebnis wissen wir nichts.

ZEIT: Wissen die USA mehr? Erst im Oktober bezeichnete ein Kongressausschuss die chinesischen Telekommunikationsausrüster Huawei und ZTE als Risiko für die nationale Sicherheit. Deren Technik ermögliche Cyberattacken und Industriespionage.

Kremer: Natürlich nehmen wir Warnungen des US-Kongresses sehr ernst. Der Bericht war allerdings eher vage. Darin ging es vor allem um die – nach westlichem Verständnis – wenig transparenten Firmenstrukturen.

ZEIT: Arbeitet die Telekom denn mit den beiden Unternehmen zusammen?

Kremer: Huawei und ZTE gehören zu unseren Zulieferern, wir verwenden ihre Technik in unseren Netzen. Wir schauen uns deren Komponenten aber sehr genau an und überprüfen sie äußerst intensiv. Bis jetzt haben wir keinen konkreten Hinweis auf eine mögliche Industriespionage gefunden. Aus heutiger Sicht sind ZTE und Huawei kein Sicherheitsrisiko. Aber natürlich bleiben wir wachsam, das sind wir unseren Kunden schuldig.