Hackerattacken"400.000 Angriffe am Tag"

Unternehmen wie die Telekom werden über das Netz und von innen bedroht. Erstmals spricht der neue Datenschutz-Vorstand Thomas Kremer über kriminelle Mitarbeiter, Hackerattacken und Verteidigungsstrategien. von 

DIE ZEIT: Sie sind also der neue Konzernsheriff der Telekom. Richtig?

Thomas Kremer: Das ist etwas zu kurz gegriffen. Ich bin im Vorstand der Telekom verantwortlich für Datenschutz, Recht, Compliance und IT-Sicherheit. Dazu braucht es nicht nur die Qualitäten eines Sheriffs.

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ZEIT: Aber Sie sorgen schon dafür, dass sich die Mitarbeiter an Recht und Gesetz halten?

Kremer: So sollte es selbstverständlich sein. Vor allem muss ich sicherstellen, dass die Telekom weltweit so organisiert ist, dass alle die Spielregeln kennen und befolgen.

ZEIT: Bevor Sie zur Telekom kamen, hatten Sie bei ThyssenKrupp einen ähnlichen Job. Dort scheint man mit den Spielregeln des Kartellrechts ja gewisse Probleme zu haben...

Kremer: ...jetzt bin ich bei der Telekom und habe ein neues Aufgabengebiet. Belassen wir es dabei.

Thomas Kremer

Der 53-jährige Jurist ist seit Juni 2012 neues Vorstandsmitglied bei der Deutschen Telekom und vor allem für den Schutz und die Sicherheit von Daten zuständig. Er folgt auf Manfred Balz, für den das Ressort 2008 neu gegründet wurde, um die sogenannte Spitzelaffäre um überwachte Kommunikationsdaten von Mitarbeitern und Journalisten aufzuarbeiten.

Bevor er zur Telekom wechselte, arbeitete Kremer rund 18 Jahre lang in verschiedenen juristischen Positionen bei ThyssenKrupp. Dort hatte er mit heiklen Themen zu tun, etwa der Aufarbeitung wettbewerbswidriger Absprachen in der Aufzugssparte oder zuletzt mit dem Verdacht, das Unternehmen sei Teil eines Kartells um Eisenbahnschienen.

ZEIT: Gerne. Wie hoch ist denn die Kriminalitätsrate bei der Telekom?

Kremer: Wir sind auf gutem Wege, die Zahl der Vorfälle weiter zu reduzieren. Und wir lassen das auch von externen Gutachtern überprüfen...

ZEIT: Geht es etwas konkreter? Mit welchen Fällen hat die Telekom zu tun? Mit Diebstahl? Oder Korruption?

Kremer: Bei rund 240.000 Mitarbeitern gibt es bei der Telekom Kriminalfälle, die Sie auch in einer Stadt dieser Größenordnung finden würden: vom Diebstahl von Druckerpatronen und Smartphones über falsche Spesenabrechnungen bis zu Korruptionsversuchen. Nichts davon wird toleriert. Unsere Kriminalitätsrate dürfte im Durchschnitt der deutschen Industrie liegen. Wichtig ist, dass der ganze Konzern von dem Gedanken durchdrungen wird, dass man sich an Regeln zu halten hat. Wir im Management treiben das voran – durch Richtlinien, Schulungen, aber auch durch unser »Tell me!«-Portal.

ZEIT: Ihre Plattform für Whistleblower?

Kremer: Das ist richtig. Dort können Mitarbeiter auf Missstände aufmerksam machen.

ZEIT: Was bekommen Sie denn auf diesem Weg zu hören?

Kremer: Ganz unterschiedliche Dinge, da kann es beispielsweise um Bestechungsversuche oder Provisionsbetrug gehen. In den beiden vergangenen Jahren haben wir so jeweils rund 200 Meldungen über mögliche Regelverstöße erhalten. Jedem davon gehen wir nach. Alles in allem bin ich mit dem Portal sehr zufrieden.

Leserkommentare
  1. um ihn zu verstehen muß man folgenden Code kennen:

    kriminelle Mitarbeiter: (wahrscheinlich) Service Personal
    Hacker Angriff: Kunden, die sich beschweren
    Abwehrmethoden: Call Center + Warteschleife

    Sorry, dass mußte sein.

    Aber die Telekom könnte wirklich einen Großteil der Hackerangriffe in den Griff bekommen, wenn alle durch ihre CallCenter müßten. Da kommen nur die Härtesten durch. Und dann ein bisschen Sicherheitstechnik obendrauf und fertig ist der Lack.

    • lufkin
    • 01. Dezember 2012 9:51 Uhr

    Wie kann man in einem Atemzug noch eine Meldepflicht befürworten wenn man zuvor von bis zu 400.000 Angriffen an einem Tag gesprochen hat? Wer soll das alles verarbeiten?
    Nimmt man die ganze dt. Industrie und die Behörden zusammen, kommt man täglich sicher schnell auf einen zweistelligen Millionenbetrag potentieller Angriffe. Die alle zu erfassen, zu protokollieren und zentral auszuwerten und zu verwalten ist Wahnsinn und wenn man einfach nur sammelt, Unternehmen Y hat heute soundso viele Angriffe verzeichnet, kann man es auch gleich lassen, denn das nütz niemandem.
    Es müsste imo nur eine Meldepflicht für erfolgreich kompromittierte Nutzer- und Kundendaten her aber jeden Angriff zu melden ist Blödsinn.

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    • t_t_h
    • 01. Dezember 2012 10:14 Uhr

    Es kommt doch immer darauf an, was ein "Angriff" ist und wie dieser bewertet wird.
    Die 400.000 von denen Herr Kremer spricht waren sicherlich keine einzelnen, voneinander unabhängigen Angriffe.
    Ich tippe mal eher auf ein Botnetze, die "Distributed Denial-of-Service" (DDOS) Angriffe ausführen. Mit ein bisschen Statistik kann man sicherlich die 400.000 auf einige wenige (ca 1-100) meldbare Angriffe herunterbrechen. Oder man definiert gewisse Gefährdungsgerade ab denen ein Angriff gemeldet werden muss.
    Z.B. ob die Datensicherheit gefährdet wurde oder das Verfügbarkeit eines Systems.
    Ein einfacher Portscan ist für sich gesehen ungefährlich, kann aber trotzdem von Intrusion-Detection-Systemen erkannt werden. Melden muss man ihn deshalb nicht.

    • t_t_h
    • 01. Dezember 2012 10:14 Uhr

    Es kommt doch immer darauf an, was ein "Angriff" ist und wie dieser bewertet wird.
    Die 400.000 von denen Herr Kremer spricht waren sicherlich keine einzelnen, voneinander unabhängigen Angriffe.
    Ich tippe mal eher auf ein Botnetze, die "Distributed Denial-of-Service" (DDOS) Angriffe ausführen. Mit ein bisschen Statistik kann man sicherlich die 400.000 auf einige wenige (ca 1-100) meldbare Angriffe herunterbrechen. Oder man definiert gewisse Gefährdungsgerade ab denen ein Angriff gemeldet werden muss.
    Z.B. ob die Datensicherheit gefährdet wurde oder das Verfügbarkeit eines Systems.
    Ein einfacher Portscan ist für sich gesehen ungefährlich, kann aber trotzdem von Intrusion-Detection-Systemen erkannt werden. Melden muss man ihn deshalb nicht.

    Antwort auf "Meldepflicht... "
  2. hat die ehemalige Behörde, bei der jetzt AG obendrüber steht, nötig.

    Als ich vor ein paar Jahren bei denen meinen Anschluss kündigte führten die sich unmöglich auf.

    Den Begriff Kündigung verstehen die als Einladung zum palavern und drohten mir mit der Abschaltung.

    Aber anstatt mich abzuschalten kassierten sie fleißig weiter.

  3. Ein digitales Prüfsiegel ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Jedoch nicht in die der "Sicherheit", sondern in die des Bewusstwerdens technischer Unsicherheit. Technische Standards waren noch nie eine schlechte Idee. Aber man darf dem ganzen nicht das Image der Unfehlbarkeit geben.

    Zu der Ermöglichung solcher Standards sollte man aber vorher das Gesetz kippen, das zur Zeit (immer noch) alle Systemadministratoren zu Kriminellen macht, wenn sie ihre Systeme testen wollen. Computerprogramme, die einen Angriff ausführen oder simulieren können, sind (afaik) nach wie vor illegal.

  4. Der Staat soll helfen, weil die digitale Bedrohung für die deutsche Wirtschaft eine Gefahr darstellt und er den Unternehmen künftig mit Subventionen zur Gefahrenabwehr beispringen soll?

    Das könnte ich verstehen, wenn der Interviewte ein Bäckermeister wäre, der sich um seine Backrezepte sorgt. Von einem Telekommunikationsunternehmen aber, dessen Geschäftsmodell auf dem digitalen Austausch von Daten und deren Sicherheit basiert, klingt das 1. besorgniserregend und 2. nach der Vorbereitung auf privatwirtschaftliches Subventionsschmarotzertum.

    Liebe Telekom, wenn du ein Problem, deines Kerngeschäftes nicht ohne zusätzliche Steuergelder in den Griff bekommst, dann mach den Laden zu!

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    • Panic
    • 01. Dezember 2012 12:35 Uhr

    steht da gar nichts. Woher haben Sie diese Aussage? Fest steht, dass Konzerne dieser Größe kontinuierlich attackiert werden. Und davor müssen sie sich schützen. Wem das alles zu virtuell ist, der kann sich das ja auch mal anders vor Augen führen: Ein Gebäude, das ständigen Angriffen ausgesetzt ist. Da kommen Menschen mit der Leiter, einem Dietrich, C4 oder schleichen sich mal eben am Sicherheitsdienst vorbei. Whatever...

    Erstaunlicherweise werden die virtuellen Gefahren immer noch unterschätzt, weil hier, zumindest physisch, erst mal niemand direkt angegangen wird. Fakt ist: Es ist illegal und kriminell. Das Ziel ist doch klar, wie bei einem klassischen Bankraub: Eindringen und nehmen, was man benötigt. Selbst wenn es darum ginge nur Chaos zu verursachen. Die Kosten, die hiebei verursacht werden sind enorm. Ich persönlich habe keinen Bock, dass mir jemand meine Festplatten mal eben löscht oder sich in meine Registry einnistet. Nochmal: Würde ich nachts aufwachen, und jemand stünde in meine Küche, dann würde ich auch Cops rufen.

    cheers

    • Panic
    • 01. Dezember 2012 12:35 Uhr

    steht da gar nichts. Woher haben Sie diese Aussage? Fest steht, dass Konzerne dieser Größe kontinuierlich attackiert werden. Und davor müssen sie sich schützen. Wem das alles zu virtuell ist, der kann sich das ja auch mal anders vor Augen führen: Ein Gebäude, das ständigen Angriffen ausgesetzt ist. Da kommen Menschen mit der Leiter, einem Dietrich, C4 oder schleichen sich mal eben am Sicherheitsdienst vorbei. Whatever...

    Erstaunlicherweise werden die virtuellen Gefahren immer noch unterschätzt, weil hier, zumindest physisch, erst mal niemand direkt angegangen wird. Fakt ist: Es ist illegal und kriminell. Das Ziel ist doch klar, wie bei einem klassischen Bankraub: Eindringen und nehmen, was man benötigt. Selbst wenn es darum ginge nur Chaos zu verursachen. Die Kosten, die hiebei verursacht werden sind enorm. Ich persönlich habe keinen Bock, dass mir jemand meine Festplatten mal eben löscht oder sich in meine Registry einnistet. Nochmal: Würde ich nachts aufwachen, und jemand stünde in meine Küche, dann würde ich auch Cops rufen.

    cheers

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    ...Banken danach rufen, dass die Politik sie unterstützen soll, ihre Tresore sicherer zu machen, könnten Sie das auch verstehen?

    Es ist die Aufgabe von privatwirtschaftlichen Unternehmen für die Sicherheit ihrer Produkte zu sorgen. Dafür bezahlen die Kunden.

    Die Politik um Hilfe zu ersuchen, damit Ihre Festplatte und Ihre Registry sauber bleibt ist lächerlich. Wenn jemand in Ihrer Küche steht, weil die "Telekom" die Tür offen gelassen hat, hilft Ihnen weder ein Cop noch eine digitale Null im Parlament. Die kleben höchstens einen TÜV-Stempel auf die Hardware: Zugang für Viren, Trojaner verboten!

    Sie haben keine Regitsry, es sein denn, Sie haben ein Unternehmen dem diese tatsächlich gehört und lizensieren diese für Ihre Lizensnehmer. Das sich jemand dann in deren persönlichem Eigentum und unter deren lizensierten Software, von Ihnen, etwas in dieser Registry zulassen oder ermöglichen kann, das ist, damit Sie kein Monopolist wären, nämlich für die Software die den Computer erst umfassendere Funktionsfähigkeit nach Maßgabe der Hardware ermöglicht.

    Was Sie oder sonstwer sich an virtuellen Systemen antut, ist Ihre und deren Sache, wenn Sie die Registry nicht nach Vorgaben des Lizensgebers verändern, ist das Ihre Angelegenheit, wenn diese von jemandem andern "attakiert" wird, ist es <em>nicht</em> Ihre Angelegenheit.

    Die "Unternehmen" die ominösen, die mit der Mauer des Schweigens umhüllten, die keiner je gesehen hatt und die namenlos vor sich hin schuften, in all den unzähligen kleinen und großen Attacken auf.......

    Da gibt es ja nur sehr wenige, eines schreibt sich Microsoft.

  5. ...Banken danach rufen, dass die Politik sie unterstützen soll, ihre Tresore sicherer zu machen, könnten Sie das auch verstehen?

    Es ist die Aufgabe von privatwirtschaftlichen Unternehmen für die Sicherheit ihrer Produkte zu sorgen. Dafür bezahlen die Kunden.

    Die Politik um Hilfe zu ersuchen, damit Ihre Festplatte und Ihre Registry sauber bleibt ist lächerlich. Wenn jemand in Ihrer Küche steht, weil die "Telekom" die Tür offen gelassen hat, hilft Ihnen weder ein Cop noch eine digitale Null im Parlament. Die kleben höchstens einen TÜV-Stempel auf die Hardware: Zugang für Viren, Trojaner verboten!

    Antwort auf "Von Subventionen"

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