ZZ-Top-Gitarrist : "Viele glauben, ich sei ein durchgeknallter Fan, der einen Bart wie Billy Gibbons trägt"

Nachdem ein Freund Billy Gibbons förmlich zu einer schwerelosen Erfahrung zwang, machte er jede Nacht Ausflüge in eine Parallelwelt.

Ich träume jede Nacht. Meistens irgendetwas mit Musik. Früher bin ich oft frustriert aufgewacht, weil tolle Songs, die eben noch durch meinen Kopf rasten, weg waren. Aber dann las ich, wie der Erfinder Thomas Edison dieses Problem für sich gelöst hat. Bei seinen Nickerchen hielt er schwere Stahlkugeln in den Händen. Sobald er anfing, wild zu träumen, lösten sich seine Finger, und die Kugeln fielen krachend zu Boden. Edison wachte auf und notierte die Idee, die er gerade geträumt hatte. Diese Methode habe ich übernommen und verdanke ihr einige interessante Songs, Cheap Sunglasses zum Beispiel.

BILLY GIBBONS

62, geboren in Texas, ist einer der besten Bluesrock-Gitarristen der Welt. Seit mehr als vier Jahrzehnten ist er mit seiner Band ZZ Top erfolgreich. Zuletzt erschien nach neun Jahren Pause ZZ Tops neues Album »La Futura«

Dass ich nach vier Jahrzehnten immer noch mit ZZ Top Musik mache, ist sowieso ein Traum. Seit ich als Teenager eine E-Gitarre zu Weihnachten bekam, bin ich vernarrt in dieses Instrument. Vom Rock ’n’ Roll hatte ich schon geträumt, als ich fünf war. Damals hatte meine Mutter mich und meine kleine Schwester zu einem Konzert von Elvis Presley mitgenommen. So was hatte ich noch nie gesehen. Ich war fassungslos und wusste, dass ich das auch machen wollte. Dieser Spaß am Rock ’n’ Roll trägt mich bis heute durchs Leben.

Viele Leute denken, dass mein langer Bart ein Albtraum ist, weil ich durch ihn immer erkannt werde. Aber das ist ein Irrtum. Viele glauben, ich sei ein durchgeknallter Fan, der einen Bart wie Billy Gibbons trägt. Sie zeigen mit dem Finger auf mich und sagen, der will wohl aussehen wie der Typ von ZZ Top. Ich lächle dann, schweige und habe meine Ruhe.

Alle bisherigen Träume zum Nachlesen

Vor fünf Jahren rief mich ein Freund an, der bei der Nasa Astronauten trainiert, also die Kandidaten auf die Schwerelosigkeit vorbereitet. Die Nasa hat ein Flugzeug, das 60.000 Fuß hochfliegt und dann steil runterschießt, sodass die potenziellen Astronauten in der Luft schweben. Dieser Freund also fragte mich, ob ich mich da mal reinsetzen will. Ich sagte, sitzen ja, fliegen nein. Als ich in der Maschine saß, fragte er, ob wir mal kurz über den Flugplatz fahren wollen. Okay. Aber auf einmal wurden die Triebwerke immer lauter. Dann hoben wir ab. Er hatte mich reingelegt. Es war furchterregend, aber aufregend. Vier Stunden lang saß ich in dieser Höllenmaschine und erlebte tatsächlich die Schwerelosigkeit. Als wir wieder am Boden waren, lachten wir. Dass Menschen nicht dafür gemacht sind, frei durch die Luft zu schweben, wurde mir dann schon in der Nacht darauf klar: In den vier Wochen nach diesem Ausflug in die Schwerelosigkeit habe ich jede Nacht unfassbar wilde Dinge geträumt. Jede Nacht war wie ein Ausflug in eine Parallelwelt. Die Träume hörten gar nicht mehr auf. Ich schrieb 31 dieser Träume auf und machte sogar einige Illustrationen dazu. Vielleicht veröffentliche ich diese Träume irgendwann als Buch. Auf unserem neuen Album ist der Song Flyin’ High , den mein Nasa-Freund vor einer Weile auf dem Weg zum Space Shuttle abgespielt hat. So hoch hinaus möchte ich aber nie. Das Weltall ist mir zu einsam. Und nach der Rückkehr sind die Träume viel zu wild. Ich bin ein Junge aus Texas , der lieber mit beiden Füßen auf dem Boden bleibt.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unterwww.zeit.de/audio

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Kommentare

5 Kommentare Kommentieren

Schwer zu glauben

Ohne Herrn Gibbons kleine Anekdote als Unwahr bezeichnen zu wollen, aber es fällt mir doch schwer zu glauben, dass sie sich so begeben haben soll wie hier beschrieben.

Also der NASA-Kumpel hat ihm zu einem Schwerelosigkeitsflug genötigt - waren da dann nur die beiden an Bord? Falls ja, war Herr Gibbons dann ganz alleine der Schwerlosigkeit ausgesetzt? Verursacht so ein Flug nicht auch Kosten, ich meine, darf ein NASA-Mitarbeiter (welchen Ranges auch immer) sich ein solches Flugzeug einfach mal "ausleihen"??? Dürfte/sollte ein zu einem solchen Flug genötigter Privantmensch, auch wenn er Billy Gibbons heißt, einfach so einen öffentlichen Bericht dazu verfassen?

Es liest sich jedenfalls so, als hätten sich zwei kleine Rabauken das Rennrad des großen Bruders geliehen, um mal den Berg runterzuheizen.

No Sir, I can boogie

Abgesehen davon, dass ich überdurchschnittlich cool bin, fand ich Herrn Gibbons Anekdote einfach halbherzig erzählt. Wie erwähnt, wollte ich sie nicht als unwahr bezeichnen.
Trotzdem danke für Ihren Ratschlag. Ich geh dann mal raus und lass mir von ein paar bärtigen, alten Knackern 'ne Weltraumgeschichte vorlesen (uncool much ?!).

Alles Schoene mich auch, A. winkler!