Rettet die Böden! Erst will man abwehren, wenn 400 Experten ausgerechnet in diesen Tagen vor dem Schwund der fruchtbaren Erdkrume warnen. Schließlich wirft die Weltklimakonferenz mit neuen Vier-Grad-Szenarien schon genug dunkle Schatten voraus. Muss uns die erste Global Soil Week da noch mit einem weiteren Ökodrama kommen?

Doch zu Recht werben Regierungsvertreter, Wissenschaftler und NGOs aus 60 Ländern, die Klaus Töpfer vom Potsdamer Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Berlin zusammengebracht hat, gerade jetzt um Aufmerksamkeit für die sensible Haut der Erde. Denn vielschichtig hängen der Urgrund allen Lebens und die Atmosphäre zusammen: Vor allem in Indien, Afrika und Südeuropa lässt die Erderwärmung den Humus vertrocknen, oder Überflutungen schwemmen ihn unwiederbringlich fort. Als Folge der weltweiten Verstädterung werden Agrarflächen bebaut, versiegelt, vergiftet. Entwaldung, Monokulturen und der Missbrauch von Agrarchemikalien lassen laut der Welternährungsorganisation FAO jedes Jahr 24 Milliarden Tonnen Erde verwehen. Allein in den letzten 50 Jahren hat sich die nutzbare Landfläche pro Kopf der Weltbevölkerung um die Hälfte verringert.

Und der Druck steigt weiter, nicht nur weil die Bevölkerung in Entwicklungs- und Schwellenländern wächst. Wir Europäer nehmen mit unseren Konsumgewohnheiten Millionen Hektar ertragreichen Bodens auf anderen Kontinenten in Anspruch. Zudem lockt die steigende Nachfrage nach Nahrungs- und Energiepflanzen immer mehr branchenfremde Investoren ins Agro-Business, oft in Regionen, in denen Konflikte um Landrechte schon mit Gewalt ausgetragen werden. Die Sorge ist begründet, dass sich Gutsherren aus der Finanzwelt um die Pflege des Gemeinschaftsgutes Boden nicht besonders scheren.

Dabei erfordert es fünf Jahrhunderte – 500 Jahre! –, bis sich zwei, drei Zentimeter fruchtbarer Humus neu bilden können. Gerade der Boden müsste Politiker und Bürger also lehren, langfristig zu denken. Das Berliner Agrarministerium hat zwar freiwillige Leitlinien zur Eindämmung der Landnahme gefördert und die Flächenversiegelung in Deutschland zumindest erschwert. Bei der lange geplanten Bodenschutzrichtlinie für Europa aber stellen sich gerade die Deutschen stur. Die FAO will mit globalen Regeln für nachhaltige Formen der Bodenbearbeitung nationalen und lokalen Regierungen Druck machen.

Solche Lösungsansätze stellt die Global Soil Week zur Debatte, und beim ersten Treffen sollte es nicht bleiben. Nicht zufällig erinnert der Titel an die World Water Week in Stockholm. Wie dieses alljährliche Forum Verantwortung und Innovation befördert hat, könnte Klaus Töpfers Bodeninitiative dazu beitragen, dass sich Politiker und Konsumenten endlich erden.