JobsucheDas Zitat... und Ihr Gewinn

Immanuel Kant sagt: Der ziellose Mensch erleidet sein Schicksal, der zielbewusste gestaltet. von 

Vor einiger Zeit sah ich eine TV-Reportage über erfolglose Bewerber. Einer wurde als Musterknabe dargestellt: 30 Bewerbungen pro Woche – und 30 Absagen. Der Reporter fragte: »Wie kann es sein, dass jemand trotz so vieler Bewerbungen scheitert?« Ebenso könnte man fragen: »Wie kann es sein, dass jemand pro Woche 30 Heiratsanträge macht und 30 Absagen kassiert?« Nicht trotz, sondern wegen der vielen Bewerbungen waren die Chancen so gering!

Der zielbewusste Mensch gestaltet sein Schicksal, wie Kant es sagt, statt sich durch wahllose Bewerbungen zum Opfer des eigenen Übereifers zu machen. Wer vier bis fünf Bewerbungen an einem Tag schreibt, überschwemmt die Firmen mit Einheitsbrei – und so werden sie von den Unternehmen behandelt: als Spam. Nur 30 bis 40 Sekunden dauert es, ehe ein Personaler entschieden hat, auf welchem Stapel eine Bewerbung landet: brauchbar, vielleicht brauchbar oder unbrauchbar. Nichts ruft den Aussortierreflex schneller hervor als eine offensichtliche Standardbewerbung, die nur am Rand auf die Stellenausschreibung eingeht und im selben Wortlaut an andere Firmen gegangen sein könnte.

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Eine Bewerbung ist eine Arbeitsprobe: Wie gut kann der Bewerber auf Kundenwünsche eingehen? Kunde ist in diesem Fall das Unternehmen.

Martin Wehrle
Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn".

Die Firmen erwarten, dass der Bewerber die Schnittfläche zwischen der Stellenausschreibung und seiner Qualifikation herausarbeitet. Sie erwarten, dass er erklärt, warum gerade er dieses Unternehmen bereichert. Nicht nur das Anschreiben, auch der Lebenslauf sollte auf eine Firma zugeschnitten sein: Welche Erfahrungen der Vergangenheit sind für die aktuelle Aufgabe am nützlichsten? Je deutlicher ein Bewerber diese Punkte hervorhebt, desto eher landet er auf dem Stapel »brauchbar«.

Solche Maßarbeit setzt eine gründliche Recherche über die Firma voraus. Und sie braucht Zeit; eine Mappe pro Tag, mehr ist nicht drin. Gelungene Bewerbungen sind wie Liebesbriefe: Sie geben dem Empfänger zu verstehen, dass man ihn in seiner Einmaligkeit erkannt hat.

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Leserkommentare
    • evidee
    • 23. Dezember 2012 21:26 Uhr

    ... unter Liebesbrief verstehe ich etwas anderes. Ich finde, dieser Begriff hat in einem seit Jahrzehnten zum Teil auch aus rechtlichen Gründen hochformalisierten Prozess nichts verloren. Bewerbungen sind doch heutzutage überwiegend nur noch digital über Online-Portale mit begrenzt verfügbarer Kapazität möglich, damit die Bewerber für den Personaler schnell vergleichbar sind. Die ausgeschriebenen Stellen sind häufig immer noch Korsette, in die der Bewerber sich möglichst widerspruchsfrei einpassen soll - wenig inspirierend. Und Kunststück: Wer kennt den Empfänger einer Bewerbung schon so gut, dass er diesen in seiner "Einmaligkeit" erkennt... Gemeint ist wohl das Team-Gefüge in das er passen soll. Darüber ist doch in der Kürze eines Bewerbungsverfahrens nichts erfahrbar, nicht einmal bei einer Absage nach einem Vorstellungsgespräch. Der hier gegebene Tipp ist alt und genügt nicht. Für das Finden einer passenden Stelle braucht es mehr, z.B. Kontakt zu sich und den anderen, um herauszufinden welche Tätigkeit und welches Unternehmen passt eigentlich zu mir?

    • felix78
    • 23. Dezember 2012 23:21 Uhr

    wie kann man den einen lebenslauf auf eine stelle "zuschneiden"?^^ klingt für mich nach "kreativer" lebensrückschau..also geschönt gelogen was man darunter eben so verstehen möchte :D

    • felix78
    • 23. Dezember 2012 23:24 Uhr

    die suche nach einer arbeitsstelle mit kant in einem satz zu setzen ist schon mutig..^^ der zielbewuste mensch gestalltet sein schuicksal..^^ also wenn ich das so sehe bewirbt man sich auf gefühlte 20 praktikas macht 5 am stück wechselt von einer zeit arbeit firma zur anderen und bekommt maximal jahresverträge...da kann man zielbewust sein wie man will, wenn der arbeitsmarkt "flexibel" gestalltet ist muss man schon sehr oft sehr zielbewust sein um auf einen grünen zweig zu kommen.

    vorsicht habe ein wenig übertriben an der ein oder anderen stelle meines kommentars :)

  1. Dieser Artikel ist in der Gesamtaussage zu 100% Stimmig.
    Titel, Artikelinhalt, Foto.
    -
    ...oder ist er keine Satire?

    Fröhliche Festtage :)

  2. X- Millionen Arbeitslose auf X-Hunderttausend offene Stellen.
    Mehr braucht man nicht zu wissen um all dieses Gerede als Propaganda zu erkennen.
    Immer schön nach dem Motto: Selber schuld!

    Übrigens wegen "nicht brauchbar":
    wer kennt den Film "Soilent Grün"?

    Frohe Weihnacht!

    Eine Leserempfehlung
    • DK1987
    • 24. Dezember 2012 13:36 Uhr

    Ganz einfach.. Das ist mehr Schein als Sein.

    Mit hartem Bewerbungsverfahren wollen sich Unternehmen als Elite darstellen.

  3. aber wenn ich mir Herrn Wehrles Werdegang anschaue, dann denke ich mir, dass das für Journalisten möglicherweise so sein mag. Vielleicht auch in einem "Lifestyle-Konzern" (Wikipedia). Aus der Industrie hört man gelegentlich auch das Gegenteil. Eine schön individuelle Bewerbung ist da mitunter das beste Mittel sich direkt aus dem Bewerbungsverfahren herauszuschießen, weil der Bewerbungsempfänger die wichtigen Informationen nicht findet und sich über den zusätzlichen Arbeitsaufwand aufregt. Die wichtigen Informationen sachlich übermitteln ist da eher das Stichwort. Aber alle diese Tipps sind sowieso für den ..sch, weil: Die Bewerbungsempfänger sind so unterschiedlich, wie es auch die Bewerber sind. Ergo, was bei dem Einen zieht, ist bei dem Anderen ein Ausschlusskriterium.

    Eine Leserempfehlung
  4. ist sicherlich das wichtigste. Die Aussage, dass Personaler besonders schnell aussieben ist auch richtig. Ich denke das Hauptproblem ist, dass der Lebenslauf einfach nur schnell "nebenbei" erstellt wird. Mehr sorgfalt.

    Jeder der Ideen für ein Design braucht, kann ja mal die Templates von https://moleh.net ausprobieren.

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  • Serie Das Zitat und Ihr Gewinn
  • Schlagworte Karriere | Karriereberatung | Bewerbung
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