Audi A4 AvantVon A nach B

Christof Siemes fährt mit dem Audi A4 Avant 2.0 TDI von Hann. Münden bis Bad Brückenau. von 

Audi A4 Avant

Audi A4 Avant  |  © Hersteller

Wenn wir Hamburger Fischköppe mal in die Länder wollen, wo die Zitronen blühen, führt der Weg zwangsläufig über ein sehr deutsches Mittelgebirge: das Kurhessische Bergland. Wolfsanger, Morschen, Wabern, Queck und Schlitz heißen hier die Orte, dazu kommen viel Wald und noch mehr tote Hose. Für Autofahrer aber ist es ein Paradies: Der Abschnitt der A7 zwischen Hann. Münden und der hessisch-bayerischen Grenze bei Bad Brückenau ist, pardon my French, die geilste Autobahn Deutschlands. Eine sechsspurige Achterbahn, Steigungen und Gefälle von acht Prozent und mehr, enge Kurven ohne Ende, mal rechts, mal links, nur selten durch Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Vorsicht-Kurve-Schilder entschärft. Hier versteht man, warum Amerikaner, Inder und Chinesen nach Deutschland kommen, wenn sie sich automäßig mal so richtig austoben wollen.

Von A nach B
Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin

Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin  |  © .marqs/Photocase

Einziger Nachteil: Eigentlich regnet es immer, wenn man hier langkommt. Auch diesmal, aber das macht nichts, weil der eissilberne Test-Audi auch auf nasser Strecke fährt wie an der Schnur gezogen und über eine Scheibenwischerautomatik verfügt. Egal, wie hoch sich die wasserstoffbombenpilzartigen Gewitterwolken türmen, wie grell die Regenbögen in den Gischtschleiern leuchten – der Wischer wischt immer im richtigen Tempo. Überhaupt erweist sich dieser A4 TDI als durch und durch vernünftig, geradezu pädagogisch: Im Stau schaltet das Start-stop-System den Motor spritsparend aus, wenn kein Gang eingelegt ist (und bringt ihn beim Tritt auf die Kupplung gleich wieder in Gang). Nach einer gewissen Fahrzeit empfiehlt die Bordelektronik eine Kaffeepause. Und kleine grüne Ziffern mit Pfeil zeigen an, wann man ökologisch korrekt in den nächsthöheren Gang schalten soll.

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Das ist meist erstaunlich früh der Fall; an die untertourige Dieselei muss sich der hektische Benzinermensch erst einmal gewöhnen. Doch betulich ist dieser Kombi keinesfalls, selbst im sechsten Gang bergauf bei Tempo 160 durch den Knüllwald lässt er sich noch mal fett beschleunigen. Die Sportsitze vorn sind also durchaus ernst gemeint, allerdings auf langen Fahrten für den gewöhnlichen Familienvaterhintern etwas stramm. Auch der Kofferraum zeigt sich dem Gepäck von zwei großen und zwei kleinen Reisenden auf dem Weg nach Süden fast nicht gewachsen. Aber ist die Klappe erst mal zugequetscht, sind die 150 Kilometer auf der kurhessischen Achterbahn, nun ja, einfach geil.

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 105 kW (143 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 9,5 s
Höchstgeschwindigkeit: 208 km/h
CO2-Emission: 124 g/km
Durchschnittsverbrauch: 4,7 Liter
Basispreis: 33.650 Euro

Christof Siemes ist Kulturreporter und Redaktionsleiter »ZEIT App«

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Leserkommentare
  1. ... gehört zu den ätzendsten auf diesem Planeten. Ständig total überfüllt, endlos lange 120 km/h-Limits und Unmengen von Fischköppen, welche nur das platte Land gewöhnt sind, dementsprechend die Rolle als Verkehrshindernis blendend drauf haben und es "geil" finden, einen harmlosen Hang mit 120 rauf- oder runter-"brettern" zu dürfen – die "Kasseler Berge" sind nicht zu unrecht gefürchtet. Egal in welcher Richtung.

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    • Calzone
    • 01. Dezember 2012 11:52 Uhr

    Das Gleiche kenne ich hier von der Schwarzwaldhochstraße und den Touris aus Niederdeutschland, die nicht wissen, daß man am Berg zurückschalten muß.
    Allerdings kenne ich noch die "Kasseler Berge" noch ohne Tempolimit aus besseren Zeiten : Als die Mauer noch stand und ich dort durch mußte um nach Helmstedt zum Grenzübergang zu gelangen .

    • pekka
    • 01. Dezember 2012 12:37 Uhr

    und dann hängt man als Bewohner Flachlandistans doch des öfteren hinter irgendwelchen lahmen Hessen, die es einfach nicht merken wollen, dass auch Autos aus niedersächsischer Produktion schnell fahren und beschleunigen können…

    • Calzone
    • 01. Dezember 2012 11:52 Uhr

    Das Gleiche kenne ich hier von der Schwarzwaldhochstraße und den Touris aus Niederdeutschland, die nicht wissen, daß man am Berg zurückschalten muß.
    Allerdings kenne ich noch die "Kasseler Berge" noch ohne Tempolimit aus besseren Zeiten : Als die Mauer noch stand und ich dort durch mußte um nach Helmstedt zum Grenzübergang zu gelangen .

    • pekka
    • 01. Dezember 2012 12:37 Uhr

    und dann hängt man als Bewohner Flachlandistans doch des öfteren hinter irgendwelchen lahmen Hessen, die es einfach nicht merken wollen, dass auch Autos aus niedersächsischer Produktion schnell fahren und beschleunigen können…

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