Umstrittene Swap-GeschäfteSchlechter Tausch

Banken haben Verbraucher in riskante Zins- und Währungswetten gedrängt. Nun entscheiden Gerichte. von Daniel Schönwitz

Günther Tecklenburg hat sich mal mit einer deutschen Großbank angelegt. Zwar hat er inzwischen wieder Frieden geschlossen, aber sein Fall ist so relevant, dass er davon berichten will. Tecklenburgs richtiger Name lautet dabei anders, er bat um Anonymität. Um der Ruhe willen.

Sein Kundenberater habe ihm im Jahr 2008 einen Swap verkauft, berichtet Tecklenburg, ein ganz besonderes Finanzprodukt. Das Angebot hörte sich vielversprechend an, war aber eine Wette mit der Bank. In den Jahren 2009 und 2010, so hieß es, würde Tecklenburg jeweils 3.000 Euro erhalten, ohne einen Cent einzuzahlen. Was am Laufzeitende im Jahr 2011 geschehe, hing allerdings von der Wertentwicklung eines eigens konstruierten Index ab, der die Entwicklung von 20 verschiedenen Währungen abbildete. Kaum hatte Tecklenburg unterzeichnet, knickte der Index ein. Zwar erhielt der Anleger trotzdem die anfänglichen garantierten Zahlungen von insgesamt 6.000 Euro, aber 2011 forderte die Bank plötzlich mehr als 30.000 Euro von ihm. Das Geschäft entpuppte sich als finanzielles Desaster.

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»Mir wurde verschwiegen, dass es sich um eine hochriskante Devisenspekulation handelte«, sagt Tecklenburg heute. Er wandte sich an die Beschwerdestelle des Bundesverbandes deutscher Banken, die Konflikte außergerichtlich beilegen soll. Vor wenigen Wochen entschieden die Schlichter: Die Bank müsse Tecklenburg sein Geld zurückzahlen. Sie habe über die hohen Risiken des Geschäfts nicht korrekt aufgeklärt. Das Votum ist zwar nicht bindend, aber wenig später habe die Bank einen »attraktiven« Vergleich angeboten, wie Tecklenburg sagt. Zahlreiche seiner Leidensgenossen dagegen kämpfen bis heute um ihr Geld.

Klagewelle gegen Banken

Etliche Banken und Sparkassen haben in den vergangenen Jahren riskante Finanzwetten dieser oder vergleichbarer Bauart verkauft. Die Produkte trugen Namen wie Cross-Currency- oder Harvest-Swaps oder ganz andere Bezeichnungen. Zielgruppe der Banker waren zunächst Kommunen oder Unternehmen, die inzwischen eine Klagewelle losgetreten haben. »Die Finanzprodukte wurden aber auch an Großverdiener und Kunden aus der gehobenen Mittelschicht verkauft«, berichtet Franz-Josef Lederer, Anwalt bei der Kanzlei Rössner in München, die mehr als 50 Betroffene betreut.

In den vergangenen Monaten haben Gerichte viele kundenfreundliche Urteile gefällt. »Die große Mehrheit der Landgerichte hat entschieden, dass das Institut nicht ausreichend über die Risiken aufgeklärt hat«, sagt Lederer. Jetzt erreicht die Prozesswelle die nächsten Instanzen: Am 22. November befasst sich das Oberlandesgericht Hamm mit dem Fall eines Geschäftsführers, der 66.000 Euro abschreiben musste, am 6. Dezember verhandelt das Kammergericht Berlin über die Klage eines Softwareentwicklers, der 21.000 Euro verlor.

Richter: keine Wette unter Gleichen

Die Richter der ersten Instanz hatten vor allem moniert, die Swaps seien keine Wetten unter Gleichen gewesen, die Bank sei von Anfang an bevorteilt gewesen. »Die Swap-Konditionen waren so gestaltet, dass der Marktwert für die Kunden negativ war«, erklärt Lederer. Die Finanzmathematiker der Banken, die Konditionen mithilfe komplexer Wechselkursmodelle festlegten, sorgten für höhere Gewinnchancen ihres Arbeitgebers. Somit attestierte das Landgericht Münster einen »schwerwiegenden Interessenkonflikt«. Manche Bank hält dagegen, der »negative Marktwert« sei eine Gebühr für den Kauf des Produkts.

Für bessere eigene Gewinnchancen sorgten Banken auch bei jener großen Gruppe von Finanzwetten, mit denen Kreditnehmer ihre Zinsbelastung senken konnten. Kein Wunder, dass Kunden auch hier reihenweise Verluste einfuhren. Etwa ein Manager aus dem Rheinland, der mehrere Immobilien kaufte – zum Großteil auf Pump. Dabei ließ er sich auf einen Cross-Currency-Swap ein, tauschte also die Kreditsumme in Schweizer Franken. Das Problem: Als der Franken im Zuge der europäischen Schuldenkrise zulegte, stieg auch die Tilgungslast enorm.

Leserkommentare
  1. .. oder auch das seit frühen Usenet-Zeiten in entsprechenden Kreisen bekannte TAANSTAFL: there ain’t no such thing as a free lunch.

    Es gibt nix geschenkt.

    Wenn (auf den ersten Blick) doch, dann lehrt einem der gesunde Menschenverstand doch, nach Haken zu suchen, und -nicht nur bei "Finanzprodukten" bei Chancen eben auch nach den Risiken zu suchen:

    In den Jahren 2009 und 2010, so hieß es, würde Tecklenburg jeweils 3.000 Euro erhalten, ohne einen Cent einzuzahlen. Was am Laufzeitende im Jahr 2011 geschehe, hing allerdings von der Wertentwicklung eines eigens konstruierten Index ab, der die Entwicklung von 20 verschiedenen Währungen abbildete.

    Wie naiv kann ein Verbraucher sein..?
    Dieselben Menschen, die so einen Vertrag unterzeichnen, beschweren sich dann aber garantiert über die Gier von Bankstern, und über die Korruption von Politikern.

    Geld arbeitet nicht.
    Zins geht mit Risiko einher.
    Wer im Erfolgsfall die Profite trägt, muss im Schadensfall auch für die Risiken einstehen.

    Solange diese für jede Geld/Wirtschaftsform elementaren Grundpfeiler weiterhin und (rückblickend auf die letzten 25 Jahre) auch noch in stetig zunehmendem Maße pervertiert werden, so lange kann von Ende der -selbstverständlich systemimannenten- Finanzkrise niemals die Rede sein - und es wird weiterhin versäumt, das Übel an der Wurzel zu packen...

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • mr_hype
    • 10. Dezember 2012 17:59 Uhr

    ... im Fall Griechenlands möchte kaum einer auf seine Investitionen und Zinserträge verzichten. Damit das Geschäft rund läuft und Banken ja keine Verluste machen, springt also der Staat ein. Und der holt sich das Geld wiederum wo? Genau: bei der Bank.

  2. dann hat niemand den Mann mit den Swaps bedrängt, er war einfach gierig und hat in Sachen investiert, von denen er keine Ahnung hat und die er nicht überblickt.
    Wenn mir jemand erzählt du erhälst 9000 Euro für nichts und dann schauen wir mal, da würden aber alle Alarmglocken angehen.

    Oder der Manager der cleverer als der Rest seine wollte und neben Immobilien auf Kredit auch noch Cross-Currency-Swaps machte, was ihn in meinen Augen als Manager disqualifiziert, da er keine Ahnung von Geschäften und Risikomanagement hat.

    CCS sind übrigens etwas von dem jeder halbwegs intelligente Investor die Finger lässt, solange er es nicht als das nimmt was es, ist nämlich Glücksspiel.

    Alle geschilderten und angerissenen Fälle haben mMn eins gemeinsam, Männer die denken, sie würden alles können und sie wären Finanzmarktexperten und bei denen Gier Gehirn gefressen hat, so es überhaupt da war.
    Man hat gezockt und verloren, die einzigen die jetzt verdienen sind die Anwälte, die ihren Klienten einreden, da kann man noch etwas machen.

  3. Derartige Geschichten werden immer wieder vorkommen, solange die Menschen den Typen in der Bank, der ihnen Finanzprodukte verkaufen will, als "Bankberater" bezeichnen.

    Offensichtlich hat dies auch die Presse noch nicht begriffen und plappert weiter fröhlich vom "Bankberater".

    Den Typen, der jemandem im Autohaus Autos verkaufen will, nennt man doch auch nicht "Autoberater", da spricht man ganz klar von einem Autoverkäufer. Vielleicht spricht man dann auch endlich mal vom "Bankverkäufer".

    • mr_hype
    • 10. Dezember 2012 17:59 Uhr

    ... im Fall Griechenlands möchte kaum einer auf seine Investitionen und Zinserträge verzichten. Damit das Geschäft rund läuft und Banken ja keine Verluste machen, springt also der Staat ein. Und der holt sich das Geld wiederum wo? Genau: bei der Bank.

    Antwort auf "GFH: Gier frisst Hirn"
  4. Wo sind wir denn gelandet?

    Warum darf eine Bank ueberhaupt solche Geschaefte anbieten...die sollten ins Kasino verbannt werden...
    aber auch die Frage taucht auf, warum fragen die Kunden nach solch riskanten Papieren...
    Hier muss reguliert werden, denn ich will nicht mit meinen Einlagen fuer solche Geschaefte gerade stehen muessen!

    Wetten muessen dahin, wo sie hingehoeren, ins Kasino!

    Eine Leserempfehlung

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