3. September 1985 am Isonzo

Lieber Siegfried,

gerade habe ich ein Erlebnis gehabt, oder es mir gemacht: ich bin im schönen, klaren, eisigen Wasser des Isonzo geschwommen, und jetzt denke ich an Dich, der Du »der Schwimmer« bist, und

grüße Dich als
Dein Peter

Hof bei Salzburg
17. August [1986]

Lieber Peter,

ich danke Dir noch einmal für die Gespräche, für das Zusammensein. Ich las noch einmal Deine große Übertragung [von Prometheus, gefesselt – d. Red.], dieses große Epos in dem Einsicht und Menschlichkeit über der Gewalt stehen, das Dienen über dem Herrschen. Ich las, mit dem Blick über den See, Deine Befragung, »was Dauer ist«, las Deine Sicherheit, daß »das Gute am Ende doch siegen wird.« [...]

Die schönen Tage von Fuschl sind vorüber, bald wird mich mein Alltag wiederhaben, und auch Du wirst aus Deiner »Zeit an dem Griffener See« zurückgekehrt sein. Du wirst verstehen, daß mich das umtreibt, was in Dir »unschlüssig« ist. Ich will Dich nicht bedrängen, nur bitten, mich zu verstehen. Dein Gedicht lesend, über den See blickend, einen Welschriesling Kabinett vom Neusiedlersee genießend, denke auch ich an die Dauer unserer Beziehung, die ich mir so sehr wünsche. Wie die Jahresringe des Baumes soll Dein Werk im Suhrkamp Verlag wachsen. Es wird leichter dauern in der Sammlung. Ich denke an unser erstes Wiener Treffen und an meinen Flug nach Frankfurt, Dein Manuskript lesend. Ich bin glücklich, Dein Verleger sein zu dürfen, gönne es mir weiterhin. [...]

Realisiere Deine Idee einer Weltreise: am entferntesten Ort (z. B. Hawaii) möchte ich Dich dann treffen, den Welschriesling bringe ich dann mit.

Sehr herzlich
Dein Siegfried

[Salzburg]
13. Oktober 1986

Lieber Siegfried,

es war schön, Dich so überraschend für eine Stunde am Flughafen zu treffen, vor allem, weil es um gar nichts Besonderes ging. Kein neues Buch, kein »Echo«, keine Zukunft, nur um die Gegenwart von Dir und mir, und dann der Dritten. Nur eins: Bitte geh sorgsam mit Dir um, setz Dich zwar weiter so ein für den Fortgang der Bücher, aber vielleicht mit einer mehr gelassenen, Dich selber auch mehr in der Ruhe lassenden Einstellung; Du wirst schon wissen, wie; für viele, auch für den Unterzeichneten, bist Du in Deiner Art und Aufmerksamkeit unentbehrlich. Daß Du kein langsameres Tempo leben kannst, ist mir klar; nur wäre es beruhigend, Dich manchmal, wie Du es ohnehin beherrschst, als den Spieler dieses Tempos statt als den Gefangenen zu sehen. Aber Du wirst es besser wissen. [...]

Herzlich,
Dein Peter

[Frankfurt am Main]
11. Dezember 2001

Lieber Peter

hier das erste, handgebundene Exemplar [von Der Bildverlust – d. Red.]: das hast Du für drei Tage allein. Es ist ein schönes Buch geworden, aber es ist ein großartiges Werk, eine bedeutende Dichtung.

Ich gratuliere Dir (und mir!)

Herzlich
Dein Siegfried