Bulgarien"Wir sind anders"

Striktes Sparen lohne sich, sagt der bulgarische Finanzminister Simeon Djankov. von 

DIE ZEIT: Herr Minister, Ihr Land präsentiert ausgesprochen gute Schulden- und Haushaltszahlen. Was kann Europa von Bulgarien lernen?

Simeon Djankov: Erstens, dass es nicht nur für große Exportnationen, sondern auch für kleine Volkswirtschaften möglich ist, mit strikter Haushaltsdisziplin gut durch harte Zeiten zu kommen. Zweitens, dass man trotz Austeritätspolitik weiter wachsen kann. Und drittens, dass es hierbei nicht um irgendwelche kulturellen Dinge geht. Es wird ja immer gesagt, der sogenannte Norden könne besser und disziplinierter wirtschaften als der Süden. Bulgarien gehört zum Süden und zum Balkan. Wir können es trotzdem.

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ZEIT: Das Land stand schon vor der großen europäischen Krise relativ gut da. Warum musste die Regierung dann so stark auf die Bremse treten?

Djankov: Um uns vom Rest der Region abzuheben. Um zu zeigen, dass wir anders sind. Wir hatten 1997 eine tiefe Banken- und Finanzkrise. Wir haben erfahren, dass derjenige, der es sich eine Weile zu gut gehen lässt, irgendwann dafür zahlen muss. Bulgarien hat seine Lektion gelernt.

ZEIT: Jetzt erfüllen Sie alle Maastricht-Kriterien – und haben dennoch entschieden, den Euro vorerst nicht haben zu wollen. Wieso?

Djankov: Gegenwärtig erfüllen in Europa nur Länder die Maastricht-Kriterien, die nicht in der Euro-Zone sind. Einem Club beizutreten, der so offenkundig seine eigenen Regeln nicht befolgt, ergibt aber absolut keinen Sinn...

ZEIT: ...weil Bulgarien dann für andere Euro-Mitglieder zahlen müsste?

Djankov: Natürlich, wären wir Mitglied im Euro-Club, müssten wohl auch wir für die Schulden einiger undisziplinierter Staaten aufkommen. In der Slowakei ist darüber eine Regierung gestürzt. Aber es geht nicht nur ums Geld: Nationen, die jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt haben, sollte grundsätzlich nicht geholfen werden – es sei denn, sie verpflichteten sich zu tief greifenden Reformen.

ZEIT: Unter welchen Voraussetzungen wäre der Euro für Sie wieder attraktiv?

Djankov: Langfristig wollen wir den Euro. Dafür müsste aber der gerade beschlossene Fiskalpakt wirklich Zähne bekommen. Es müsste sehr harte Strafen für Länder geben, die den Regeln nicht folgen, und diese Strafen müssten auch durchgesetzt werden. Außerdem lehnt Bulgarien die von manchen großen Euro-Ländern angestrebte Steuerharmonisierung ab. Wir benötigen unsere niedrige Einheitssteuer, um aufzuholen, und wir brauchen sie noch für zehn oder 15 Jahre.

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