Bundeswehr : Ohne Fürsorge weggetreten

Die Bundeswehr tut sich schwer mit verletzten Soldaten.

Auf Plakatwänden und in Fernsehspots wirbt die Bundeswehr um Freiwillige mit dem Slogan: »Wir. Dienen. Deutschland«. Die Armee präsentiert sich bei Berufsmessen und Volksfesten mit ihren »Karrieretrucks« als moderner Arbeitgeber, der sich um seine Angestellten kümmert. Verteidigungsminister Thomas de Maizière schlug vor Kurzem sogar vor, einen Veteranentag zu feiern. Der Minister, Generäle und Politiker der Regierungsparteien betonen immer wieder, wie gut die Versorgung ehemaliger Soldaten in Deutschland sei.

Doch Soldaten, die im Dienst dauerhaft krank werden oder sich schwer verletzen, werden von der Truppe oft alleingelassen. Seit Jahrzehnten kämpfen Bundeswehrangehörige, die von Radargeräten verstrahlt wurden, um eine angemessene Entschädigung. Soldaten, die während ihrer Einsätze in Somalia, im Kosovo und in Afghanistan traumatisiert wurden, und Reservisten, die bei Manövern in Deutschland Verletzungen davontrugen, streiten jahrelang mit Behörden um die Anerkennung ihrer Wehrdienstbeschädigung. Ohne diese WDB, wie man beim Militär sagt, erhalten ehemalige Bundeswehrangehörige keine Ausgleichs- und Versorgungszahlungen.

Im Jahr 2011 habe es 5.367 WDB-Anträge gegeben, von denen 1918 anerkannt worden seien, heißt es beim Bundesverteidigungsministerium. Im Jahr davor waren es ähnliche Zahlen. Viele Verfahren dauern Jahre. So warten einige Soldaten, die im Jahr 2003 bei einem Sprengstoffanschlag in Kabul auf zwei Bundeswehr-Busse schwer verletzt und traumatisiert wurden, immer noch darauf, dass ihre Wehrdienstbeschädigung dauerhaft anerkannt wird.

Betroffene Soldaten haben vor drei Jahren die Organisation Deutsche Kriegsopferfürsorge (DKOF) gegründet. Sie vertritt die Interessen von Soldaten, die im Dienst krank wurden. Die DKOF veröffentlicht Informationen für Betroffene im Internet, berät und hilft. Die Organisation warnt davor, dass kranken und verwundeten Soldaten nach Dienstende ein Abrutschen in Armut und Obdachlosigkeit drohe.

Andreas Felser, 24 Jahre alt, ehemaliger Wehrdienstleistender, heute Stabsgefreiter der Reserve, hat Anfang November Hartz IV beantragt. Er verletzte sich am 4. Juli 2007 im Dienst in der Kaserne im bayerischen Kümmersbruck, als er den Reifen eines Geländewagens wechselte. Die Diagnose: »Bandscheibenvorfall L5/S1 mit chronischem Schmerzsyndrom«.

Ein Oberfeldarzt bestätigte drei Jahre später, im November 2010, den Befund, dass es »beim dienstlichen Radwechsel zum Verheben« kam. »Seit dieser Zeit besteht ein chronischer Rückenschmerz, der bei Belastung ins rechte Bein ausstrahlt.« Die Bundesagentur für Arbeit stellte den Soldaten im März 2012 mit »einem schwerbehinderten Menschen« gleich.

Die Bundeswehr, sagt Felser, habe ihn an den Stock gebracht. Seine Anträge auf Wehrdienstbeschädigung aber lehnen Bundeswehrbehörden immer wieder ab. Im Mai 2011 teilte ihm die Wehrbereichsverwaltung in einem Brief mit, er leide an einer »schicksalsbedingten Erkrankung«. Diese habe nichts mit dem Unfall zu tun. Bei seiner Musterung wurde jedoch keine Vorbelastung festgestellt. Er erhielt die zweitbeste Tauglichkeitsstufe – T2.

»Ich fühle mich veräppelt«, sagt Felser. »Die Bundeswehrärzte sagen, ich bin krank. Fürsorge bekomme ich dennoch keine. So einfach lasse ich die aus der Verantwortung nicht heraus.« Felser klagt nun gegen die Bundesrepublik – er will die Anerkennung seiner WDB vor Gericht erzwingen.

Fehlende Fürsorge der Bundeswehr beklagt auch der ehemalige Soldat Patrick Karbach. Mehrmals nahm er an Auslandseinsätzen teil. 2003 kam der Heeresflieger nach Kabul. Afghanistan habe ihn krank gemacht, sagt Karbach. Die Bilder aus dem Einsatz lassen ihn nicht mehr los. Jeden Abend nimmt er Tabletten, sonst beherrscht Afghanistan seine Träume. Im Jahr 2009 stellten Mediziner fest, dass Karbach an einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet. Die Krankheit habe ihn verändert, sagt er. Angst und Panikattacken bestimmten sein Leben. Häufig schließe er sich in seiner Wohnung ein. Seine Partnerin habe ihn verlassen. Die Armee bestreitet, dass Karbachs Krankheit mit dem Dienst zu tun habe.

Karbach hat sich nun ebenfalls einen Anwalt genommen. Er wolle die Anerkennung einer WDB erreichen, damit er im Bundeswehrkrankenhaus behandelt werden könne. »Ich will diesen Blödsinn aus dem Kopf bekommen«, sagt er. »Und ich brauche eine soziale Absicherung.« Momentan holt er sich sein Essen bei der Tafel, einer Wohltätigkeitsorganisation, die Nahrungsmittel an Bedürftige verteilt. Wie andere ehemalige Soldaten auch wird er immer wieder von Ärzten und Psychologen begutachtet, die ihn nie gesehen haben. Die Gutachten werden nach Aktenlage erstellt. »Die Bundeswehr hat 1.000 Ausreden, warum eine WDB nicht anerkannt wird«, sagt Karbach.

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Kommentare

68 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Für ihr Land riskieren Soldaten ihre Gesundheit ....

ist dem wirklcih so. Haben "wir" unsere Soldaten zur Verteidigung der Freiheit am Hindukusch versetzt?

Sicherlich, jeder veröletzte oder getötete Soldat ist einer zuviel, aber dieses sinnlose Morden jetzt als Dienst am Volke abzutun hat schon einen schalen Beigeschmack. Um so schlimmer ist es dann, wenn im "Schadensfall" auch noc so getan wird, als wenn alles eitler Sonnenschein ist.

Aber auch hier kann man ja vom grossen Bruder USA lernen, dort sind die Veteranen immer gern genommenes Füllmaterial für igrnedwelche Militärshows, vielleicht schaffen wir solche menschenverachtende Dinge auch noch.

USA: Selbstmordrate übersteigt Kriegsopfer

Ergänzend sollte darauf hingewiesen werden, dass jeder Truppeneinsatz nicht nur direkte Opfer in einer kriegerischen Auseinandersetzung zur Folge, sondern dass Spätfolgen ebenfalls gravierend sind.

Politiker halten sich aus dieser Debatte raus.

Herr Gauck hat in seiner Rede vor der Führungsakademie die Bundeswehr zu Auslandseinsätzen ermuntert. Drei Sätze enthielten den Begriff "Frieden"

1. "Dass Frieden, Freiheit und Achtung der Menschenrechte vielfach nicht von alleine entstehen – wer wüsste das besser als wir Deutschen? Es waren ausländische Soldaten.."

2."Sie hat deshalb unser Zutrauen verdient, nicht nur in Debatten um den „gerechten Krieg“ zu bestehen, sondern auch einem „gerechten Frieden“ den Weg zu bahnen.."

3. "Die Bundeswehr ist...zu einem Friedensmotor geworden".

Die Folgeschäden werden nicht genannt. Alarmierend ist das Beispiel der USA
"Army Suicides This Year Exceed 2012 Combat Deaths in Afghanistan"

http://cnsnews.com/news/a...

Mich würde interessieren, wie die BW- Administration mit diesen Opfern umgeht. Hat die Bundeswehr bereits den Segen unseres Bundespräsidenten für den nächsten Einsatz in Syrien?

Wenn nicht endlich die Friedensbemühungen ernsthaft unterstützt werden, steigt das Risiko.

Die Kämpfe nähern sich einem kritischen Punkt, aber die deutsche Bevölkerung wird durch "Nichtberichterstattung" "geschont". Viele Tatsachen belegen es.

Ja "Wir" haben...

...denn (ich spreche jetzt mal nur für mich) ich habe NICHT Die Linke gewählt, die IMHO einzige Partei, die diesen sinnlosen Kriegseinsatz konsequent ablehnt.

Ich habe dies bewusst getan OBWOHL ich strikt gegen diesen Kriegseinsatz war und bin. Mit der Verantwortung muss ich leben.

Ich habe auch (vor rund 2 Jahren ?) in diesem Forum vorhergesagt das man die Soldaten im Stich lassen würde, so wie hier im Artikel zu lesen.

Schließlich und endlich möchte ich anmerken das es der Job von Soldaten ist, zu tun was ihnen die gewählte Führung des Landes anordnet zu tun. Die Gewissenlosigkeit, mit der diese Führung, ob nun Regierung oder Opposition, gegen den konstanten mehrheitlichen Willen der Bevölkerung entscheidet, kann man den Soldaten wohl kaum vorwerfen.

Für alle deutschen Regierungen war das Engagement in Afghanistan nur ein notwendiges Übel um den vasallenpflichen gegenüber Amerika nachzukommen, und das so billig wie möglich.
Da passt eine kalt- und engherzige Behandlung der Verletzten nur Konsequent dazu.

Sehr geehrter Hummingbird,

diese Feststellung zielte in eine andere Richtung.

Dieser Einsatz leidet, mal abgesehen von klaren militärischen Auftrag, an vielfältigsten materiallen und personllen Mängeln.

Immer noch; da stellt sich doch die Frage warum so lange Zeit das Gefecht der verbundenen Waffen geübt wurde, wenn dann (nur um nicht zu militärisch zu wirken!) der Großteil der Einsatzmittel erst nach Jahren auch den Weg dorthin findet!

Wer sich entschlossen hat Militär einzusetzten muss diesem auch die vorhandenen wirksamen Mittel an die Hand geben. Wer dies unterläßt profiliert sich in "Bündnisfragen" auf dem Rücken der Truppe!

MfG KM

Sie machen es sich zu einfach,

die Regierung und das Parlament haben die Soldaten in den Krieg geschickt, beide Institutionen sind demokratisch legitimiert und gewählt von der Wahlbevölkerung. Also sind die Soldaten im Interesse des Wahlberechtigten (ob er nun wählt oder nicht ist egal) im Krieg. Ansonsten könnten sie ebensogut sagen, die Verfassung, all unsere Gesetze habe ich nicht direkt mitbeschlossen, also gelten sie nicht für mich. Da fange ich am Demokratieverständnis der Bevölkerung an zu zweifeln. So gesehen sollte man von mehr Beteiligung absehen, wie unverantwortlich einige entscheiden würden, kaum abzusehen.

Sie verdrehen Tatsachen

Das Volk war gegen den Krieg und die Soldaten wollten mit Ballerei Geld verdienen. Deutschland war zu keinem tzeitpunkt bedroht. Sie verbreiten falsche Tatsachen. Die beiden Herren haben sich die Taschen voll verdient, jetzt haben sie ein zweite Chnace, sie haben überlebt. Zeit Einsicht einziehen zu lassen und das Gejammere einzustllen. Wie sehr wohl die afghanischen Familien Leiden die Fraeune und Kinder durch diese beiden Schießhelden verloren haben?

Die Bundeswehr dient nicht Ihren Soldaten

Ich habe vor 30 Jahren gedient. Bin Oberfeldwebel der Reserve.
Unsere Armee tat/tut sich immer noch schwer mit Verletzten Kameraden. Warum das so ist,ist sowohl einer Verantwortungslosigkeit in Berlin zu suchen. Mein Großvater hat den WW II. erlebt. 5 Jahre Krieg. Er überlebte. An Körper und Seele gezeichnet für den Rest des Lebens. Wie wieder Krieg sagt Er uns Kinder. Denn Ihr verliert immer ob Leben oder Eure Seele.
Warum kann und tun die Regierung nicht genug für die Soldaten unseres Landes?
Sind die Politiker unseres Landes blind und taub?
Oder sind die Ausreden nur die Feigheit wenn es um Tote und Verletzte bzw. Traumas geht?
Wenn die Politik nicht handelt muss der Bundesgerichtshof da über endlich entscheiden.
Die USA sind hier ein Vorbild in der Versorgung Ihrer Soldaten.
Wer dient, muss wissen, das Ihm gedient wird wenn ER krank an Körper und Seele ist.

Das mit dem wer dient wem ist richtig und

und die Antwort ist einfach.

Die dt. Soldaten die in die Krisengebiete gehen, tun dies größtenteils freiwillig und werden dafür fürstlich entlohnt. Anders ist es nicht möglich nach drei Jahren ein Eigenheim mit Anwesen cash zu bezahlen oder sich einen neuen Traktor für den eigenen Hof zu kaufen.

Das den meisten nicht klar ist, dass sie einen Arbeitvertrag unterschrieben haben, der diese Berufsrisiken beinhaltet, weil sie nicht bis übermorgen denken oder denken leicht verdientes Geld, ist eine andere Sache.

Wo ist denn die Zulage des Heeresfliegers Karbach geblieben, die neben seinem Sold nicht unerheblich gewesen sein dürfte.

Gleiches gilt mMn für den Sanitäter, der als Reservist nicht aus guter Samariter Einstellung nach Somalia gegangen ist, sondern weil wahrsch. die Auslöse zu reizvoll war, und wenn ihm nicht bewusst ist das Kameraden sterben können, fragt man sich, was er die ganze Zeit bei der Armee gemacht hat.

Jeder der sich als Soldat verpflichtet weiß was in seiner Arbeitsbeschreibung steht und kann nun nicht den Staat für sein labile Gemütslage verantwortlich machen. Können andere auch nicht und warum hat man von seiner Zulage nicht eine BU abgeschlossen, wie es jeder andere der in Krisengebieten tätig ist auch tut.

Der einzige Vorwurf der dem Staat mMn zu machen ist, ist dass sie bei der Anwerbung nicht ausreichende Tests (psychologischer und psychratischer Natur) über die Wehrfähigkeit der Kameraden gemacht haben.

Blackwater

Als Freiberufler des Krieges würden unsere Soldaten das 8 bis 10 fache verdienen. Wenn es nur Gier ist der sie dazu bringt sich in Gefahr zu bringen, wieso denn nicht gleich als richtiger Söldner? Weil es eine Frage der Ehre ist. Man dient seinem Land als Soldat und dies ist eine schöne Aufgabe. Dass die Führung des Landes einem dann missbraucht ist ein gesellschaftliches Problem. Nicht vergessen: Es waren die Friedenstauben von Rot-Grün (gewählt von den meisten Soldatenbashern hier im Forum) die, die uns den Afghanistan, Bosnien, Kosovo und ein langes etc von Einsätzen eingebrockt haben. Und sein sie versichert: Egal wer die nächste Wahl gewinnt, die neue "Führung" wird weiterhin deutsches Blut als politische Münze benutzen (die wollen ja ihren Platz an der Sonne behaupten).

Dürfte schwer werden

bei Blackwater anzufangen, sie meinen bestimmt Academi.
Zu ihrer Frage warum die Pfadfinder die zur Bundeswehr gehen, dort nicht anfangen, richtig weil sie da wissen, dass dies (8 bis 10 fache was übrigens nicht stimmt s.u.) kein leicht verdientes Geld, wie bei der Bundeswehr ist.
Wer von denen bei der BW würde freiwillig in die Krisengebiete gehen, wenn es nicht die steuerfreie Zulage von 92 Euro/Tag Afghanistan geben würde. (BBesG §58a) Damit kommt ein Hauptfeldwebel der in den ersten Dienstjahren ist mit Sold auf 5000 Euro/Monat größtenteils steuerfrei und hat so gut wie keine Ausgaben (Miete,Kleidung,Verpflegung) Macht also 60k im Jahr.
Bei den von ihnen genannten Outfits verdienen die Söldner 46k-61k im Jahr (http://www.sourcewatch.or...) und müssen sich um alles selber kümmenrn.
Die dt. BW Soldaten waren durch 50 Jahre Kalter Krieg verwöhnt, denn da konnte man eine ruhige Kugel schieben und wurde gut bezahlt.