InternetportalHer mit den Daten!

Die Deutsche Digitale Bibliothek hat ihr Internetportal freigeschaltet. Jetzt muss es mit Inhalt gefüllt werden von 

Groß waren die Erwartungen an die Deutsche Digitale Bibliothek . Objekte aus »30.000 deutschen Kultureinrichtungen« sollten darin virtuell zusammengetragen werden und für alle zugänglich sein. 2007 wurde das Projekt gestartet, jetzt endlich ist es online gegangen. Die hohen Erwartungen müssen nun etwas gedämpft werden. Viele Kultureinrichtungen fehlen noch, man kann nicht jedes Dokument von vorne bis hinten durchblättern, und zeitgenössische Romane wird man dort ebenfalls noch nicht finden. Trotzdem ist der Schritt in die Öffentlichkeit konsequent: Nur wenn die DDB sichtbar ist, kann sie größer werden.

Der Name Bibliothek ist etwas irreführend, denn die DDB will viel mehr sein als ein virtueller Raum für Literatur und Sachbücher . Sie will das gesamte kulturelle Erbe Deutschlands präsentieren – alles, was die Bibliotheken, Museen, Archive und Sammlungen hierzulande in ihren Mauern bergen. Und sie will die einzelnen Stücke miteinander in Verbindung bringen.

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Wer also » Johann Sebastian Bach « in die Suchmaske mit dem Pusteblumenlogo eingibt, könnte Biografien des Komponisten, Porträts und Notenmaterial ebenso wie Tonaufnahmen finden. Von jedem Objekt aus wird man dann auf die Homepage der Institution weitergeleitet, in deren Besitz es sich befindet.

In diesem Schritt zeigt sich allerdings auch die Komplexität des Projekts. Die DDB hat keinen eigenen Bestand, sondern verweist lediglich als Portal auf die Bestände anderer. Das bedeutet nicht nur, dass viele Akteure bei dieser Kooperation mitreden. Der Inhalt der DDB hängt auch davon ab, was die einzelnen einspeisen.

Gesetzliche Lösung für verwaiste Werke erwünscht

Mit rund 5,6 Millionen Objekten beginnt die DDB – 2,7 Millionen davon sind jedoch nur erfasst, lassen sich aber noch nicht betrachten. Während die Bayerische Staatsbibliothek mit knapp 900.000 Titeln die Liste der Digitalisierer anführt, haben andere Einrichtungen noch kein einziges Blatt gespeichert.

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Vorstandssprecher des DDB-Kompetenznetzwerks, versteht die Freischaltung des Portals daher als Weckruf an die Institutionen: »Jetzt müssen die Daten kommen!« Und als Appell an die Politik, mehr Mittel für die Digitalisierung bereitzustellen. Bislang fördert vor allem die Deutschen Forschungsgemeinschaft einzelne Projekte.

Probleme bereitet zurzeit die rechtliche Lage. Bei Werken, die vor Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden sind, ist der Urheberrechtsschutz erloschen – sie können also ins Netz gestellt werden. Bei jüngeren Objekten muss jedoch erst die Zustimmung des Rechteinhabers eingeholt werden. Ist der nicht auffindbar, ist nichts zu machen. Für diese sogenannten verwaisten Werke wünscht sich Parzinger eine gesetzliche Lösung: »Das gesamte 20. Jahrhundert bliebe sonst ein dunkler Fleck.«

Geduld ist also vom Nutzer gefordert, der sich auf www.deutsche-digitale-bibliothek.de umsieht. Möglicherweise kommt auch die Technik hier oder da einmal ins Stocken – derzeit halte die Seite etwa 1000 Anfragen pro Sekunde aus, heißt es beim Fachinformationszentrum Karlsruhe, ihrem Betreiber. Bis zum Regelbetrieb in einem Jahr wird noch an Details gearbeitet. Bald soll es auch Ausstellungen geben, die Objekte thematisch kombinieren. Was an entfernten Orten lagert, wird dann virtuell vereint.

www.zeit.de/audio

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Leserkommentare
  1. Haben

    "Der nekrophile Mensch konzentriert all seine Energie auf tote Dinge, auf Materielles, auf Monetäres. Er ist nicht, sondern er hat. Auch im 21. Jahrhundert noch lassen sich Menschen einteilen in „arm“ oder „reich“ – es zählt nicht in erster Linie, wer sie sind, sondern was sie haben. Als „Haben“ klassifiziert Fromm aber nicht bloß das, sondern alles, was sich in irgendeiner Form aneignen lässt. Bildung etwa, oder gesellschaftliche Anerkennung. Dinge eben, die sich unter „Haben“ verbuchen lassen. Er nennt das Beispiel eines Studenten in einer Vorlesung. Der Haben-Student horte lediglich Informationen um sie später reproduzieren zu können, die Informationen gehen aber nicht in sein Denken über, „sie bereichern es nicht“."

    Sein

    "Der biophile Mensch ist das Gegenteil. Er hat nichts, gar nichts, und es kümmert ihn auch nicht, irgendetwas zu haben. Ihm geht es einzig um das Sein. Das physische und das spirituelle Sein. Er ist, und das sowohl aktiv als auch passiv. Passivität ist nicht gleich Nichtsein – bewusste, erlebte Passivität ist eine Form von Sein. Ein Mensch ohne Besitz, ohne Bedürfnisse ist ein friedfertiger und toleranter Mensch, so Fromm. Hingegen resultieren Egoismus, Intoleranz, Konfliktbereitschaft aus der Existenzform des Habens. Denn das Haben erzeugt immer Konkurrenz, erzeugt Abgrenzung und somit negative Spannung."

    das wissen gehört ohne künstliche schranken ALLEN.

    4 Leserempfehlungen
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    • mirko h
    • 29. November 2012 9:36 Uhr

    nur um sein bloßes Sein geht, braucht er zumindest gewisse Mittel dieses zu erhalten.

  2. ganz nach der Agenda der WTO verträge der Tod der Zivilgesellschaftlichen Errungenschaften... Kultur wurde immer geteilt, war immer in einem Open Source Verhältnis zwischen allen Bürgern aufgeteilt und wurde über Generationen weitergegeben ohne das einer dieser gierigen (heute Steueroptimierte Aktionäre und Investoren) seine grabschende Hand drauflegen musste um von allen Bürgern und deren kommunalen Einrichtungen (Bibliotheken, Schulen etc.) fiese Lizengebühren abzuzwacken....

    Es sind diese Lizengebühren, gerne auch über mehrere Generationen vererbbar, die am Ende nichts mehr als ein leistungsloses Einkommen für wenige ist, für die alle anderen bezahlen...

    Die WTO Verträge und deren Derivate wie in dem Fall das TRIPS Abkommen haben nichts anderes im Sinn als alle möglichen BEreiche unseres zusammenlebens auf Profitmöglichkeiten abzugrasen und diese sicherzustellen. Dazu wird auch mal ein Gemeinschaftseigentum verkauft (privatisiert) weil auch wieder nach den WTO Verträgen die Gemeinschaft bzw. der Staat keine profitablen Systeme betreiben darf und solche Steuern verbrauchen schon gar nicht.... Die auf diese Weise aufgewendeten Steuern gelten den Neoliberalen Ideologen und Mitläufern schon als Raub...

    Das urheberecht ist nur ein Aspekte des systematischen Ausraubens der Gesellschaft. Ab und zu gibt es im Gegenzug ein paar lausige Arbeitsplätze, Steuern werden so oder so vermieden bis zum geht nicht mehr... Was also haben wir alle davon???

    12 Leserempfehlungen
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    und Zerschlagung der Allmende. @morgenrot: so ist es, Sie schreiben mir aus dem Herzen.

  3. und Zerschlagung der Allmende. @morgenrot: so ist es, Sie schreiben mir aus dem Herzen.

    3 Leserempfehlungen
  4. Dass das 20. Jahrhundert ein dunkler Flecken ist in derartigen Kollektionen ist ja wohl ein von der Politik in Kauf genommener Kollateralschaden der mehrmaligen Verlängerungen der Urheberrechtsschutzfristen. Wenn ein Werk 1970 von einem 30 Jährigen verfasst wurde und dieser 85 wurde, dann wird dieses Werk erst im Jahr 2095 gemeinfrei.

    Und Geschichten wie das LSR zeigen ja, dass Deutschland sich weiter entfernt von sinnvollen Reglungen wie Fair-Use. Politik und etablierte Konzerne (wie z.B. Verlage) ersticken damit erfolgreich Innovationen wie sie in den USA möglich wurden. Kein großer Internet Konzern hätte in Deutschland starten können allein aus dem Grund.

    5 Leserempfehlungen
    • mirko h
    • 29. November 2012 9:36 Uhr

    nur um sein bloßes Sein geht, braucht er zumindest gewisse Mittel dieses zu erhalten.

    Antwort auf "Erich Fromm"

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  • Schlagworte Johann Sebastian Bach | Archiv | Bibliothek | Biografie | Digitalisierung | Komponist
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