FührungsfrauenVerändern sie die Welt?
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Immer noch steht Frauen auf dem Weg nach oben viel im Weg

Frau bleiben, auch mal Gefühle zeigen, ja. Aber entschlossen sein, wenn’s drauf ankommt. Fürsorglichkeit und Führungsanspruch. Empathie und Ergebnisorientierung. Für Angelika Gifford sind das keine Gegensätze. Frauen wollten in der Sache überzeugen, sagt sie, aber die Sache sei nicht alles. Manche müssten politischer werden und lernen, Allianzen zu bilden. »Nicht so verliebt sein ins Was«, nennt sie das, »aufs Wie achten.« So sieht Angelika Gifford das: Die Frauen verändern die Wirtschaftswelt – aber nur, wenn sie sich auch selbst verändern.

Immer noch steht Frauen auf dem Weg nach oben viel im Weg. Arbeitgeber, die flexible Arbeitszeiten predigen, aber nicht praktizieren. Städte mit knappen Kitaplätzen. Das Ehegattensplitting, das die klassische Rollenteilung fördert. Milieus, die aktive Väter als Softies abtun – oder arbeitende Frauen als Rabenmütter. Doch jetzt, wo die Frauen in größerer Zahl oben ankommen, sind sie mit der Frage konfrontiert, was sie dort oben vorhaben. Ob sie in dieser historisch einmaligen Situation die Wirtschaft prägen, verbessern, vielleicht gar retten wollen.

Wer mit dieser Frage durch Deutschland reist und sie Topmanagerinnen von München bis Hamburg stellt, findet heraus, dass sie die Frauen in zwei Lager spaltet. Das eine Lager bilden die Sendungsbewussten, das andere diejenigen, die jede Mission ablehnen. Die einen rücken die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in den Vordergrund, für die anderen spielen sie keine Rolle. Es geht dabei um mehr als bloß ein weibliches Selbstverständnis. Je nachdem, welches Lager die Deutungshoheit gewinnt, entscheidet sich auch, welche Rolle die Gesellschaft weiblichen Führungskräften künftig beimisst. Treten sie an für einen besseren Kapitalismus – oder nur für sich selbst?

Interne Zielsetzung statt Quote

Wenn es so etwas wie eine Schaltzentrale der Antimissionare gibt, dann liegt sie hinter der letzten Tür eines endlos langen Flures in der Bonner Telekom-Zentrale. Das Büro sieht aus, als lasse sich darin ein Imagefilm über die schöne neue Arbeitswelt drehen. Weiße Sofamöbel, magentafarbene Flügelsessel, viel Licht. Stehpult statt Schreibtisch, Barhocker statt Stühlen. An der Wand Naturfotografien auf reflektierenden Aluminiumplatten. Nirgendwo Papier, nur ein silbernes iPad. Auf dem Tisch steht ein Teller mit Schokoriegeln.

Marion Schick, Personalvorstand der Telekom, hat das Büro neu einrichten lassen, als sie es im Mai von ihrem Vorgänger übernahm. Der bevorzugte dunkle, schwere Möbel. Schick, 54, freundliche Stimme mit bayerischem Tonfall, bittet in die helle Couchecke. Sie ist eine von zwei Frauen im Vorstand der Telekom. Oben sein, das kennt sie, aber oft war sie dort allein. Die promovierte Berufspädagogin stand als erste Frau an der Spitze einer bayerischen Hochschule, sie war das erste weibliche Vorstandsmitglied der Fraunhofer-Gesellschaft. Danach holte der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) sie als Kultusministerin in ein ziemlich männliches Kabinett.

Hat sie sich nie einsam gefühlt? »Ich war immer eine willkommene Frau«, antwortet Schick. Ob es sie störe, dass manche sie als Quotenfrau bezeichnen? »Diese Diskussion führe ich nicht. Und das rate ich auch allen anderen Frauen: Steckt keine Energie in dieses Thema!« Überhaupt, die Quote. Schon das Wort mag Schick nicht, auch wenn sie nun bei der Telekom genau dafür zuständig ist. Als erster Konzern in Deutschland hat sich die Telekom das Ziel auferlegt, 30 Prozent Frauen in Führungspositionen zu bringen. Schick sagt statt Quote lieber »interne Unternehmenszielsetzung«. Die Quote sei ein Ziel wie jedes andere, das umgesetzt werden müsse. Bloß nicht moralisieren.

Verändert weibliche Führung die Wirtschaft? »Ich wehre mich dagegen, als Frau noch ein paar zusätzliche Rucksäcke aufgesetzt zu bekommen. Ich bin nicht hier, um die Wirtschaft zu verändern. Ich bin hier, um einen guten Job zu machen.« Schick sieht die Sache mit den Frauen distanziert. Sie sagt: »Ich glaube nicht an einen weiblichen oder einen männlichen Führungsstil. Eine Topführungskraft muss alle Stile beherrschen und jeden zur rechten Zeit anwenden können.« Mal bestimmen, mal einbeziehen. Mal viel kommunizieren, mal weniger. Das sei keine Frage von Mann oder Frau, sondern eine von Effizienz. Am Ende zählten die Ergebnisse. Punkt.

Die Vielfalt macht’s

Wenn Männer und Frauen sich gar nicht unterscheiden, warum braucht die Telekom dann überhaupt eine Quote? »Um nicht die Hälfte der Bevölkerung aus dem Talentpool auszuschließen. Über die Quote vergrößern wir den Pool«, antwortet Schick. Und dann ist sie wieder bei den Ergebnissen, die bei gemischten Teams nun einmal besser seien, wie Studien belegten. Doch das liege nicht an den Frauen an sich, sondern daran, dass eine vielfältige Gruppe einfach besser arbeite als eine einfältige, weil sie verschiedene Perspektiven vereine. Auch weibliche Teams seien erfolgreicher, wenn ein paar Männer dazukämen. Die Vielfalt macht’s, nicht das Geschlecht. Das ist Schicks Botschaft.

Sind die Spielregeln in der Wirtschaft nicht aber immer noch ziemlich männlich? »Wenn Sie als Frau in einen Konzern gehen, der jahrelang von Männern geprägt worden ist, sollten Sie vielleicht nicht in der luftigsten Sommergarderobe auftauchen.« Ob sie deswegen nur Hosenanzüge trägt? Die Frage findet Marion Schick unzulässig. Sie befasse sich nicht mit ihrem persönlichen Kleidungsstil, sagt sie. »Und ich will nichts diskutieren, was Sie mit einem Mann nicht auch diskutieren würden.«

Für Marion Schick ist die Geschlechterfrage in den Führungsetagen überwunden. Das Thema sei überbewertet. Ob Mann oder Frau, die Guten setzten sich durch. Schick hat es ja selbst vorgemacht.

Um die Frage zu beantworten, ob Frauen anders führen als Männer, nimmt sich Tina Müller dagegen viel Zeit – und Raum. Zwei eng beschriebene DIN-A4-Seiten, um genau zu sein. Vor dem Treffen hat sie ihre Gedanken in einer E-Mail formuliert. Müller holt in der Geschlechterfrage weit aus, schreibt von »hormonbedingten, strukturellen neurologischen Unterschieden zwischen dem männlichen und weiblichen Gehirn«. Zum Beispiel beim Sprechen und Zuhören. Frauen hätten im dafür zuständigen Hirnzentrum viel mehr Neuronen als Männer. Dafür fielen die Areale für Sex, Action und Aggression deutlich kleiner aus.

Leserkommentare
  1. "...Sprechen und Zuhören. Frauen hätten im dafür zuständigen Hirnzentrum viel mehr Neuronen als Männer. Dafür fielen die Areale für Sex, Action und Aggression deutlich kleiner aus."

    Das klingt für mich sehr ähnlich, wie die Pseudowissenschaft, mit der in den schlechten alten Zeiten begründet wurde, warum Frauen, Schwarze etc für Führungsaufgaben nicht geeignet sind.

    10 Leserempfehlungen
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    gehirnaktivität und dichte lassen sich objektiv messen - keine ahnung, was daran pseudowissenschaftlich sein soll. der punkt ist, dass gehirnregionen (grosshirn!) dann vermehrt aktiviert werden, wenn eben dies zuvor "trainiert" wurde. sprache und kommunikation fällt darunter; wenn man sich beklagt, wass männer weniger gut kommunizieren können, hat das nichts mit vorgegebner tatsache (vererbung) zu tun, sondern dass sie ihr leben lang kommunikation nicht im selben mass betrieben haben wie andere mit besser ausgeprägter kommunikationsgabe. eben dies beschränkt sich folglich nicht auf ein bestimmtes geschlecht - es gibt nur auskunft darüber, wie unterschiedlich wir unsere kinder erziehen; mehr wilde spiele mit burschen, mehr kommunikation (im weitesten sinne) mit mädchen. oft genug habe ich es selbst gehört von eltern: er/sie tut das, weil er/sie ein bursch/mädchen ist. mit dieser einstellung geben wir verhaltensmuster weiter, determinieren sie mehr oder minder.

  2. 2. [...]

    Entfernt. Verzichten Sie auf polemische und unterstellende Äußerungen. Die Redaktion/mak

    2 Leserempfehlungen
    • tgoff
    • 06. Januar 2013 17:03 Uhr

    Bascha Mika, die feministische Autorin, nannte den Führungsstil von Fr. Merkel in der Frankfurter Rundschau im letzten Sommer autokratisch, Frau Höhler ging noch deutlich weiter. Empathisch, aber autokratisch, ein Machtmensch, die niemanden neben sich duldet und ohne eigene politisch, inhaltliche Ziel. Müsste eigentlich ein MAnn sein?!

    Wenn es nach den Ankündigungen von Redakteurinnen wie Frau Bund ginge, müssten wir, wie Frau Merkel auf dem letzten CDU-Parteitag sehr unbescheiden meinte, tatsächlich die beste Regierung seit langer Zeit haben, fällt mir schwer, das zu glauben. Dabei müsste die weibliche Kultur in der Regierung mit 30% Frauen in der Regierung längst wirken.

    Maggie Thatcher schickte die Gewerkschaften per Gesetz in die Wüste und lieferte die britische Wirtschaft der Finanzwirtschaft aus. Sie hob die Trennung der Banken (Investment- und Kundenbanken) per Gesetz auf und „befreite“ die Finanzwirtschaft. UK ist heute so abhängig von der Finanzindustrie, dass die Briten jede wirkungsvolle Regulierung blockieren. Sie und die Queen hatten die Spitzenämter.

    Alice Schwarzer gilt als extrem autokratisch, ehemalige Mitarbeiterinnen haben ganze Bücher darüber geschrieben (Spiegel in einem Artikel zu ihrem 70. Geburtstag).

    10 Leserempfehlungen
    • tgoff
    • 06. Januar 2013 17:07 Uhr

    „Kommunizieren, einbinden, überzeugen. Das sind die neuen Führungsprinzipien“.
    Daran arbeiten Unternehmen seit zig Jahren, das hat mit weiblichem Führungsstil wenig zu tun.

    Die deutsche Industrie ist als Männerwirtschaft auch ohne große Bodenschätze (Norwegen kann sich mit Öl und Gas die Quotenwirtschaft eher leisten als wir) wirtschaftlich erfolgreich.

    Mit autokratischer Führung und ohne größte Kooperationsfähigkeit wäre das nie möglich gewesen. Planung und Bau und Betrieb von industriellen Großanlagen (bis heute i.W. Männerwirtschaft) ist ohne die Kreativität der einzelnen und einen hohen Grad an Kooperation nicht denkbar.

    Ist schon sehr sexistisch, was die Frauen sich hier so ausdenken.
    Sie argumentieren gegen Zustände, die es vielleicht vor 50 Jahren gab.

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  3. Hinsichtlich der Frauenförderung dreht sich die Diskussion immer nur darum, ob Frauen sich per se besser verhalten als Männer oder "nur" wie Männer. Wer hat entschieden, dass evtl. Unterschiede, wenn überhaupt vorhanden, dann nur zugunsten von Frauen wirken dürfen?

    Nein, das soll kein Argument gegen Frauenförderung sein. Es ist nur ein Argument gegen die in der heutigen Presse übliche Dauer-Abwertung von Männern. Vielleicht hängen die seit einigen Jahren schlechteren schulischen Leistungen von Jungen auch damit zusammen, dass niemand von ihnen Positives erwartet...

    Was würden die werten Mitforist(inn)en davon halten, wenn die Beteiligung von Migrant(inn)en in der deutschen Politik nur unter dem Aspekt "so schlecht wie Deutsche oder besser" diskutiert würde?

    4 Leserempfehlungen
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    Wenn Frauen "nur" anders gut und nicht per se besser im Management wären, dann ist eine Zwangsquote aufgrund eines Geschlechts (welche Nebenbei gegen das Grundgesetz verstößt) äußerst schwer kommunizierbar.
    Da könnten als nächstes Homosexuelle, Atheisten, Muslime, Menschen mit Migrationshintergrund etc. kommen und auch eine Quote für sich fordern. Denn sie sind evtl. auch in den Führungskreisen unterrepräsentiert.

  4. Wenn Frauen "nur" anders gut und nicht per se besser im Management wären, dann ist eine Zwangsquote aufgrund eines Geschlechts (welche Nebenbei gegen das Grundgesetz verstößt) äußerst schwer kommunizierbar.
    Da könnten als nächstes Homosexuelle, Atheisten, Muslime, Menschen mit Migrationshintergrund etc. kommen und auch eine Quote für sich fordern. Denn sie sind evtl. auch in den Führungskreisen unterrepräsentiert.

    2 Leserempfehlungen
    • jop
    • 06. Januar 2013 17:41 Uhr

    Aus dem Artikel zitiert:

    || Ein Projekt über die Chancen der Frauen gemeinsam mit Sozialdemokraten, eines mit Leuten von der Union. Im März berief der TUI-Reisekonzern sie in ihren Aufsichtsrat, im Juli übernahm sie die neue Aufgabe bei Microsoft. ||

    Das sind 3 Vollzeitjobs gleichzeitig, daneben noch die Familie. Gut, ein Aufsichtsratposten heißt gutbezahltes Nichtstun, aber wenn man wirklich in einem "Projekt" produktiv mitarbeiten will, dann kann man nicht noch einen anderen Vollzeitjob nebenbei machen. Fazit: die Dame achtet wohl mehr auf ihren Status als auf ihre Arbeitsleistung...

    || Ihr achtjähriger Sohn freut sich, dass Mama wieder einen spannenden Job hat. [...] Auch dass sie jetzt unter den Top 25 ist, weiß der Junge genau: Laut dem neuesten Ranking der Financial Times Deutschland gehört sie zu den Topfrauen der deutschen Wirtschaft. So etwas ist wichtig in der Familie Gifford: Mami ist schließlich nicht Superwoman, auch sie hat Zweifel an ihrer Rolle, braucht Bestätigung. ||

    [...] und..

    || »Sie kommunizieren besser, arbeiten lieber im Team. Und es geht ihnen mehr um die Sache als um den Status.« ||

    ..woraus wir offenbar schließen können, daß Mama Gifford ein Mann ist, denn statusverliebter geht's ja wohl kaum :-)

    Daß diese Pauschalaussage sexistischer Unsinn ist, wissen aber eh die meisten (außerhalb der Zeit-Redaktion, innerhalb eher nicht - Gender-Biotop halt)

    13 Leserempfehlungen
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    ...Sie kommunizieren besser, arbeiten lieber im Team. Und es geht ihnen mehr um die Sache als um den Status.

    Was für ein Schenkelklopfer ! Jeder der einmal mit einem Frauen zusammen gearbeitet hat und diesen Satz gehört, krümmt sich die Bauchspeicheldrüse !

    [...]

    Bitte verzichten Sie auf pauschale Herabwürdigungen. Danke, die Redaktion/fk.

    • klaus.p
    • 06. Januar 2013 17:55 Uhr
    8. [...]

    Entfernt. Verzichten Sie auf polemische Äußerungen. Die Redaktion/mak

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