FührungsfrauenVerändern sie die Welt?

Frauen setzen sich in der Wirtschaft durch – und sind sich uneinig: Die einen betonen weibliche Tugenden, die anderen wollen von Unterschieden zwischen den Geschlechtern nichts wissen. von  und

Die Tür geht auf, sie tritt auf den Gang, auf hochhackigen Stiefeln durchquert sie den großen Flur. Schnelle, zielstrebige Schritte. Diese Frau ist da, ehe sie vor einem steht. Maximale Präsenz: schwarzer Anzug über blendend weißer Bluse. Das blonde Haar in Passform. Der funkelnde Stein an der linken Hand breit wie zwei Finger. Der Anhänger an der Kette groß wie ein Eishockey-Puck. Aufschrift: »Love, Peace and Happiness«. Sie streckt die rechte Hand aus. »Angie Gifford«, sagt sie. »Kommen Sie.« Und eilt zurück in den Besprechungsraum.

Münchner Norden, Deutschland-Zentrale von Microsoft. Angelika »Angie« Gifford, 47, verantwortlich für die öffentlichen Aufträge in Europa, Afrika und im Mittleren Osten, setzt sich neben ihre litauische Assistentin, die für sie die laufende Videokonferenz verfolgt. European Forecast Call heißt die Veranstaltung: Die Regionalvertreter aus dem ganzen Kontinent erklären, wie es bei ihnen um den Gewinn bestellt ist.

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Die Chefin aus Deutschland meldet sich zu Wort. Gut, wenn aus den roten wenigstens orangefarbene Zahlen würden, drängt sie ihr Team auf Englisch. »Und wenn ihr am Ende doch noch grüne Zahlen erreicht, kaufe ich euch allen ein Weihnachtsgeschenk.«

Kurze Zeit später referiert eine Managerin aus Italien endlos über die Besonderheiten in ihrem Krisenland. Angelika Gifford hebt die Schultern, rollt mit den Augen. Komm auf den Punkt, Mädchen, würde ein Mann jetzt vielleicht sagen. Gifford sagt nichts. Sie lässt die Mitarbeiterin ausreden.

Bei Microsoft Deutschland sind ein Viertel der Beschäftigten weiblich

Rund ein Viertel der Beschäftigten von Microsoft Deutschland sind Frauen, und in der Geschäftsleitung sind es neuerdings sogar 50 Prozent. Das liegt nicht allein an Angelika Gifford, aber keine ist drinnen wie draußen so bekannt wie sie. »Ja, ich bin ein Rollenvorbild«, sagt sie, während die Videokonferenz noch läuft. Mit Ende dreißig war sie schon Mitglied in der Geschäftsleitung, dann kam ihr Sohn Kevin zur Welt. Sechs Wochen später arbeitete sie wieder, weil die Aufgabe es verlangte und sie zu Hause unruhig wurde.

Unterschiede

Viele Studien, ein Ergebnis: Frauen verhalten sich anders. Zum Beispiel in Verhandlungen, wo sie eher den Konsens suchen. Generell achten sie mehr auf wirtschaftliche Risiken. Die Frage ist aber, ob diese Unterschiede bestehen bleiben. Zum Beispiel interpretieren Analysten die Aussagen von weiblichen Managern anders als die von männlichen. Also passen die Frauen, die ja die Minderheit stellen, sich an und reden vorsichtiger. Was aber, wenn nicht fünf, sondern fünfzig Prozent der Chefs weiblich sind? Dann entsteht eine neue Dynamik ungewissen Ausgangs.

Vergangenes Jahr, kurz vor Kevins Einschulung, zog sie den Stecker, wie sie es nennt: 15 Monate aufgeschobene Erziehungszeit. Erst ging sie mit ihrem amerikanischen Ehemann, dem gemeinsamen Sohn und den Stiefkindern knapp ein halbes Jahr auf Weltreise. Dann kümmerte sie sich ums Land und um die Sache mit den Frauen. Ein Projekt über die Chancen der Frauen gemeinsam mit Sozialdemokraten, eines mit Leuten von der Union. Im März berief der TUI-Reisekonzern sie in ihren Aufsichtsrat, im Juli übernahm sie die neue Aufgabe bei Microsoft.

Ihr achtjähriger Sohn freut sich, dass Mama wieder einen spannenden Job hat. Das sagt er auf dem Rücksitz des schwarzen BMW, in dem Gifford ihn nachmittags nach einem Termin bei der Lehrerin von der internationalen Schule nach Hause fährt. Auch dass sie jetzt unter den Top 25 ist, weiß der Junge genau: Laut dem neuesten Ranking der Financial Times Deutschland gehört sie zu den Topfrauen der deutschen Wirtschaft. So etwas ist wichtig in der Familie Gifford: Mami ist schließlich nicht Superwoman, auch sie hat Zweifel an ihrer Rolle, braucht Bestätigung.

Jetzt ist Gifford oben angekommen – und dort ist sie nicht die Einzige. Zuletzt besetzten die hiesigen Konzerne 40 Prozent der frei werdenden Posten in Vorständen und Aufsichtsräten mit Frauen – deutlich mehr als im restlichen Europa. Im Mittelstand steht in mehr als jedem fünften Unternehmen eine Frau an der Spitze. Die gläserne Decke hat Risse. Quote hin oder her, die Frauen sind auf dem Weg nach oben. Nie waren sie stärker im Fokus, und erstmals kann man in Deutschland in größerem Umfang beobachten, wie Frauen die Führungsrolle interpretieren.

Für eine Frauenquote
  • Es geht um Chancengleichheit und Gleichberechtigung: Frauen stellen die Hälfte der Bevölkerung und sie sind genauso gut ausgebildet wie Männer.
  • Unternehmen, deren Führungsspitze aus Männern und Frauen besteht, erzielen bessere Ergebnisse.
  • Ein Großteil der Kaufentscheidungen wird von Frauen getroffen. 
  • Durch einen höheren Frauenanteil verbessert sich das Betriebsklima, die von Männern geprägten Spielregeln in Kommunikation und Karriereverhalten ändern sich mit mehr Frauen an der Spitze. 
  • Männer fördern eher Männer – und weil die Führungspositionen überwiegend mit Männern besetzt sind, rücken Frauen bei der Besetzung der Spitzenposten weniger ins Blickfeld. Es handelt sich um ein sich selbst erhaltendes System.
  • Frauen sind aufgrund ihrer geschlechtsspezifischen Sozialisierung oft nicht so stark darin, ihre Stärken und Erfolge zu kommunizieren. Sie machen weniger stark auf sich aufmerksam.
  • Es gibt viele Karrierenetzwerke und Eliteklubs, zu denen nur Männer Zutritt haben. Hier findet informelles Mentoring statt und hier werden die entscheidenden Karrierekontakte gemacht. Weil Frauen keinen oder nur schwer Zugang zu den Männernetzwerken haben, können sie von den Netzwerken kaum profitieren.

Fehlt ein Argument? Kontaktieren Sie uns: @zeitonline_kar

Gegen eine Frauenquote
  • Eine Frauenquote diskriminiert Männer.
  • Eine gesetzliche Quote greift in die unternehmerische Freiheit ein.
  • Durch die Quote wird Geschlecht zum Kriterium für die Besetzung einer Spitzenposition. Dabei sollte die Leistung und die Qualifizierung entscheidend sein.
  • Frauen werden als Quotenfrau in Unternehmen stigmatisiert.
  • In einigen Branchen und Unternehmen gibt es nicht ausreichend qualifizierte Frauen, um eine Quote einzuführen und einzuhalten.
  • Mädchen und junge Frauen wählen immer noch traditionelle Frauenberufe, aus denen heraus eine Karriere in eine Führungsposition unwahrscheinlich ist.
  • Viele Frauen wollen gar keine Karriere machen, sondern entscheiden sich bewusst für Familie.

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Angelika Gifford denkt viel nach über die Geschlechterunterschiede. Frauen seien den Männern in einigen Dingen überlegen, glaubt sie. »Sie kommunizieren besser, arbeiten lieber im Team. Und es geht ihnen mehr um die Sache als um den Status.«

Aber sie müssten dazulernen. Vielen jungen Frauen bei Microsoft ist Gifford eine Mentorin. In Gesprächen verwendet sie gern das Bild einer Treppe, an deren Ende eine Tür einen Spalt weit offen steht. Dahinter wartet eine neue Aufgabe. Frauen stiegen die Stufen zögerlich hinauf, spähten durch den Schlitz und fragten sich: Ob ich da wohl hingehöre? Ob ich das kann? Während sie überlegten, falle die Tür langsam zu. Ein Mann dagegen eile die Stufen hinauf, stoße die Tür auf und presche hindurch: Hier bin ich! Was steht an?

Leserkommentare
    • jop
    • 06. Januar 2013 17:41 Uhr

    Aus dem Artikel zitiert:

    || Ein Projekt über die Chancen der Frauen gemeinsam mit Sozialdemokraten, eines mit Leuten von der Union. Im März berief der TUI-Reisekonzern sie in ihren Aufsichtsrat, im Juli übernahm sie die neue Aufgabe bei Microsoft. ||

    Das sind 3 Vollzeitjobs gleichzeitig, daneben noch die Familie. Gut, ein Aufsichtsratposten heißt gutbezahltes Nichtstun, aber wenn man wirklich in einem "Projekt" produktiv mitarbeiten will, dann kann man nicht noch einen anderen Vollzeitjob nebenbei machen. Fazit: die Dame achtet wohl mehr auf ihren Status als auf ihre Arbeitsleistung...

    || Ihr achtjähriger Sohn freut sich, dass Mama wieder einen spannenden Job hat. [...] Auch dass sie jetzt unter den Top 25 ist, weiß der Junge genau: Laut dem neuesten Ranking der Financial Times Deutschland gehört sie zu den Topfrauen der deutschen Wirtschaft. So etwas ist wichtig in der Familie Gifford: Mami ist schließlich nicht Superwoman, auch sie hat Zweifel an ihrer Rolle, braucht Bestätigung. ||

    [...] und..

    || »Sie kommunizieren besser, arbeiten lieber im Team. Und es geht ihnen mehr um die Sache als um den Status.« ||

    ..woraus wir offenbar schließen können, daß Mama Gifford ein Mann ist, denn statusverliebter geht's ja wohl kaum :-)

    Daß diese Pauschalaussage sexistischer Unsinn ist, wissen aber eh die meisten (außerhalb der Zeit-Redaktion, innerhalb eher nicht - Gender-Biotop halt)

    13 Leserempfehlungen
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    ...Sie kommunizieren besser, arbeiten lieber im Team. Und es geht ihnen mehr um die Sache als um den Status.

    Was für ein Schenkelklopfer ! Jeder der einmal mit einem Frauen zusammen gearbeitet hat und diesen Satz gehört, krümmt sich die Bauchspeicheldrüse !

    [...]

    Bitte verzichten Sie auf pauschale Herabwürdigungen. Danke, die Redaktion/fk.

  1. "...Sprechen und Zuhören. Frauen hätten im dafür zuständigen Hirnzentrum viel mehr Neuronen als Männer. Dafür fielen die Areale für Sex, Action und Aggression deutlich kleiner aus."

    Das klingt für mich sehr ähnlich, wie die Pseudowissenschaft, mit der in den schlechten alten Zeiten begründet wurde, warum Frauen, Schwarze etc für Führungsaufgaben nicht geeignet sind.

    10 Leserempfehlungen
    • tgoff
    • 06. Januar 2013 17:03 Uhr

    Bascha Mika, die feministische Autorin, nannte den Führungsstil von Fr. Merkel in der Frankfurter Rundschau im letzten Sommer autokratisch, Frau Höhler ging noch deutlich weiter. Empathisch, aber autokratisch, ein Machtmensch, die niemanden neben sich duldet und ohne eigene politisch, inhaltliche Ziel. Müsste eigentlich ein MAnn sein?!

    Wenn es nach den Ankündigungen von Redakteurinnen wie Frau Bund ginge, müssten wir, wie Frau Merkel auf dem letzten CDU-Parteitag sehr unbescheiden meinte, tatsächlich die beste Regierung seit langer Zeit haben, fällt mir schwer, das zu glauben. Dabei müsste die weibliche Kultur in der Regierung mit 30% Frauen in der Regierung längst wirken.

    Maggie Thatcher schickte die Gewerkschaften per Gesetz in die Wüste und lieferte die britische Wirtschaft der Finanzwirtschaft aus. Sie hob die Trennung der Banken (Investment- und Kundenbanken) per Gesetz auf und „befreite“ die Finanzwirtschaft. UK ist heute so abhängig von der Finanzindustrie, dass die Briten jede wirkungsvolle Regulierung blockieren. Sie und die Queen hatten die Spitzenämter.

    Alice Schwarzer gilt als extrem autokratisch, ehemalige Mitarbeiterinnen haben ganze Bücher darüber geschrieben (Spiegel in einem Artikel zu ihrem 70. Geburtstag).

    10 Leserempfehlungen
    • tgoff
    • 06. Januar 2013 17:07 Uhr

    „Kommunizieren, einbinden, überzeugen. Das sind die neuen Führungsprinzipien“.
    Daran arbeiten Unternehmen seit zig Jahren, das hat mit weiblichem Führungsstil wenig zu tun.

    Die deutsche Industrie ist als Männerwirtschaft auch ohne große Bodenschätze (Norwegen kann sich mit Öl und Gas die Quotenwirtschaft eher leisten als wir) wirtschaftlich erfolgreich.

    Mit autokratischer Führung und ohne größte Kooperationsfähigkeit wäre das nie möglich gewesen. Planung und Bau und Betrieb von industriellen Großanlagen (bis heute i.W. Männerwirtschaft) ist ohne die Kreativität der einzelnen und einen hohen Grad an Kooperation nicht denkbar.

    Ist schon sehr sexistisch, was die Frauen sich hier so ausdenken.
    Sie argumentieren gegen Zustände, die es vielleicht vor 50 Jahren gab.

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  2. 15. Naja,

    dank des Öls kann sich Norwegen so einiges leisten. Mir gings eigentlich um die performance der Firmen, Zahl und Wert der börsennotierten Unternehmen etc., also die Fakten, auf die sich diese Politik unmittelbar auswirkt - nicht darum, dass Norwegen erstens reich ist und zweitens eine typisch skandinavische Verteilungspolitik befolgt (was beides nichts mit der Quotenfrage zu tun hat).

    Aber womöglich ist das schon zu konkret und detailliert?

    7 Leserempfehlungen
  3. Dann schließe ich daraus, dass die Nummern 3 und 4 der Liste der Länder mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen, Kuwait und Brunei, auch Paradebeispiele in Sachen Gleichberechtigung sind, und dass sie ihren wirtschaftlichen Erfolg aus dem hohen Frauenanteil in Führungspositionen ziehen. Oder es liegt am Öl.

    Es ist aber schon bezeichnend, dass Kausalitäten gesehen werden, wo nur Korrelationen vorliegen, wenn es der Ideologie passt. Verstehen Sie mich nicht falsch, Gender Pay Gaps sind mir auch ein extremer Dorn im Auge, aber die haltlose Dichotomiosierung von weiblichem und männlichem Verhalten nervt einfach vollständig.

    Und selbst, wenn sich Männer und Frauen in vielerlei Hinsicht im Mittel(!) unterscheiden, dann fällt doch leider fast immer die Frage unter den Tisch, wie groß diese Unterschiede sind und wie groß die Überlappung der beiden Populationen sind. Oft sind die Unterschiede minimal, d.h. 40% der Männer haben eine höhere Ausprägung als die Durchschnittliche Frau oder umgekehrt.

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    • TimmyS
    • 06. Januar 2013 23:37 Uhr

    Hallo Frau Kerstin Bund, hallo Herr Uwe Jean Heuser,

    Danke für diesen Artikel. Leider stört mich der letzte Satz im Artikel, und verdeutlicht was mir, während ich den Artikel las, ständig im Gedanken schwirrte.
    "Die Führung wird weiblicher." Aber was ist denn weiblich? Oder wie weit ist Führung weiblich oder weiblicher?
    Ich bin ein Mann der sog. Generation Y, und ich halte nicht viel vom steten Gendern. Wir besprechen nicht den optimalen Umgang, die Kooperation, die Interaktion mit Unterschieden und deren Vielfalt, sondern nur die Vor- und Nachteile von Unterscheidungen. Dabei wird immer wieder der Klischee-Kampf ausgepackt.
    Was kommt dann noch? Kürzlich musste ich lesen – auch wenn es eine unbedeutende Überschrift der BILD war – dass eine Professorin eine Mütterquote verlangt. Soll dies ehrlich die nächste Diskussion sein, ob eine Frau mit oder ohne Kind besser ist? Ich hoffe doch nicht. Wir dürfen nicht vergessen, dass mit der Antidiskriminierung einer Gruppe stets eine andere Gruppierung diskriminiert wird.
    Und ja, wenn man sich das Ganze durchdenkt, ist die ganze Sache ziemlich komplex. Und genau darin liegt ein Lösungsvorschlag: Wir sollten uns mehr auf Teambildung konzentrieren, darauf wie die Team-Akteure mit einander umgehen, interagieren, den Aufgaben entsprechend gestaltet sind, also eine Frage nach der Kombination aus Alter, Erfahrung, Geschlecht, Herkunft etc. Darin steckt eine unerschöpfliche Vielfalt. Die perfekte Gruppe wird es eh nie geben, zum Glück.

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