Warten ist grausam. Und worauf wartet man nicht alles: auf den Frühling, auf den Bus, auf bessere Laune und auf einen klaren Trend in Sachen Geldanlage. Wie werden sich die Kurse entwickeln?

Seltsamerweise scheint immer genau jetzt der Zeitpunkt zu sein, an dem man gerade nicht genau sagen kann, in was man investieren soll. Man weiß ja auch nie, was die Märkte als Nächstes vorhaben. Also abwarten, das Geld parken (als ob es ein Auto wäre) und dann mal sehen, ob sich noch ein klarer Trend herausbildet. Rückblickend lässt sich das immer ganz toll erkennen, aber ex ante weiß man nie etwas. So ist das mit Prognosen, das haben wir hier ja weiß Gott schon oft genug beschrieben. Aber das nur am Rande.

Bleiben wir lieber beim Warten, also dem Parken. Tagesgeldkonten sind die klassischen Parkplätze, -häuser oder meinetwegen auch Tiefgaragen fürs Geld. Kein Anlegermagazin oder Internetportal, das nicht einen Vergleichsrechner zum Tagesgeld anbietet. Man kann sich stundenlang darin verlieren auf der Jagd nach Zinsen und Nachkommastellen. Am besten aber fängt man gar nicht erst an, es lohnt nämlich nicht.

Ein Beispiel gefällig? Nehmen wir mal an, Sie haben 10.000 Euro übrig (und wer hat das schon?). Die Summe wollen Sie irgendwo parken, weil sie momentan noch keinen klaren Börsentrend erkennen können, um in Aktien zu investieren. Nicht zu lange, nicht zu kurz, sagen wir, ein halbes Jahr lang. Dann finden Sie die besten Tagesgeldsätze zwischen 1,75 und 2,2 Prozent per annum bei seltsamen Direktbanken, deren Namen Sie nie zuvor gehört haben. Jetzt rechnen Sie mal: Der Unterschied zwischen diesen Spitzenangeboten beträgt bei sechs Monaten 22,50 Euro.

Aber da Sie vermutlich kein Konto bei der Hastdunichtgesehen-Bank haben, müssen Sie dort erst ein Konto eröffnen. Einen Freistellungsauftrag erteilen. Den Freistellungsauftrag bei Ihrer alten Bank reduzieren, damit der Fiskus stillhält. Die Papiere abheften, die Ihnen die neue Bank schickt. Und das alles für 22,50 Euro. Mal im Ernst: Wollen Sie das wirklich?