GesellschaftskritikÜber Männerschmuck

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Teenie-Star Justin Bieber bei den American Music Awards im November 2012

Teeniestar Justin Bieber  |  © Jonathan Alcorn/Reuters

Justin Bieber, der von Teenies umschwärmte Popstar, trägt jetzt beidseitig Ohrringe, ebenso der Fußballer Mario Götze, was das wohl heißen mag? Je nun! Einmal abgesehen davon, dass die Mode der Ohrringe bei Männern schon etwas älteren Datums ist und, wenn nicht alle Zeichen trügen, in Deutschland schon wieder im Abklingen, wird man wohl sagen müssen, dass es recht eigentlich zum Wesen des Ohrrings gehört, paarweise getragen zu werden.

Die Männer, wenn sie nun endlich beherzigen, was Frauen seit Jahrtausenden vorleben, beenden nur einen traurigen Sonderweg – einen von vielen Sonderwegen, die zu dem schlechten Ruf dieses Geschlechts beigetragen haben. Der Mann kann ja mit Schmuck nicht umgehen. Er hängt sich Goldkettchen und Goldkreuzchen, sogar Tigerzähne, Eberhauer und Bärenkrallen um den Hals und lässt sie im Gewölle seiner Brust verschwinden, aber wenn er die Brust enthaart (auch ein Thema für diese Kolumne!), sieht es noch erbärmlicher aus. Es leuchtet und glitzert und klingelt an der Stelle, wo eigentlich ein Dekolleté sein müsste, aber nun einmal leider keins ist – und wenn man das Hemd noch so weit aufknöpft.

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Deswegen weichen die Kerle manchmal auf Fingerringe aus, aber was für welche! Riesenoschis, wie der Berliner sagen würde. Am schlimmsten die sogenannten Kalten Platten, das sind die Wappenringe ohne Wappen drauf, der polierte Stein glänzt kahl wie ein Serviertablett, auf dem die Häppchen fehlen. Es ist nun einmal so, dass der einigermaßen geschmackssicher erzogene Mann nur die Möglichkeit hat, mit seiner Uhr anzugeben (aber hoffentlich keine Rolex mit Brillantkranz!), mit Manschettenknöpfen (aber auch da lauern ungeheuerliche Versuchungen) und mit Smoking- oder Frackknöpfen.

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Für Frackknöpfe kann man ein Vermögen ausgeben, da dürfen sogar Brillanten funkeln, aber wer hat schon einen Frack? Und wenn man ihn hat, wann kann man ihn tragen? Selten, sehr selten. Darum laufen so viele Männer, die sich narzisstisch in ihrer Kleidung spiegeln wollen, zu Maßschneidern und Maßschustern. Dort kann man auch viel Geld lassen – nur kann man die erworbene Ware leider nicht so gut kameratauglich ausstellen oder in Zeiten der Not zum Pfandhaus bringen. Es herrscht hier also eine gewisse Not, und diese Not ist es, die wir verstehen und zur Erklärung des männlichen Ohrrings heranziehen müssen. Schön ist er nicht, aber er verhindert Schlimmeres.

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    • Serie Gesellschaftskritik
    • Schlagworte Dekolletee | Justin Bieber | Mode | Popstar | Rolex | Schmuck
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