IslamIm Schatten des deutschen Rechtsstaats entsteht islamische Paralleljustiz

Selbst ernannte "Friedensrichter" verhandeln Scheidungen und vereiteln Strafverfahren. Einspruch!, ruft die muslimische Juristin Seyran Ateş. von Seyran Ateş

Nach den Themen Zwangsheirat und Ehrenmorde wird uns in den nächsten Jahren das Thema Islamische Paralleljustiz Kopfschmerzen bereiten. Denn die Gefahr einer parallelen islamischen Rechtsprechung im Schatten der Demokratie ist akut.

Nur Ignoranten verschließen die Augen davor, dass inzwischen in einigen deutschen Großstädten wie Berlin und Bremen sogenannte Friedensrichter unter Umgehung deutscher Gerichte Strafanzeigen und Verurteilungen vereiteln. Diese Richter von Gottes Gnaden lassen Probleme wie häusliche Gewalt innerfamiliär vor einem Imam lösen. Und bei Ehestreitigkeiten geben sie gemäß der Scharia den Männern Rückendeckung und maßregeln die Frauen. Hier geht es im Namen des Islams um die Aufrechterhaltung patriarchaler Macht in der Ehe und um Machtkämpfe zwischen konkurrierenden arabischen oder türkisch-kurdischen Großfamilien. Die Familien tragen die Rivalitäten verfeindeter Stämme aus ihren Herkunftsländern nach Deutschland.

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Dies alles geschieht unterm Deckmantel der Religionsfreiheit. Selbst ernannte Friedensrichter müssen sich weder vor Richtern noch vorm Verfassungsschutz fürchten, denn der deutsche Staat und die deutschen Gerichte sehen nicht, dass es eine Paralleljustiz, auch Schattenjustiz genannt, überhaupt gibt. Sie kennen die muslimischen Milieus nicht, in denen Allahs Gebote mehr gelten als das Grundgesetz. Weil sie die Kultur der Migranten nicht kennen und deren Sprache nicht sprechen, können sie nur schwer beurteilen, ob eine echte Bedrohung für den Geltungsanspruch unseres Rechtsstaates vorliegt.

Tatsächlich ist die islamische Schattenjustiz bedrohlich. Wie der Name schon sagt, bewegen wir uns im Schatten unserer Gesellschaft. Rechtsprechung wird ins Private verlagert. Weil dieser Bereich aber weder der Polizei noch den Gerichten problemlos zugänglich ist, bleibt das Ausmaß der Gefahr undiskutiert. Nach guter deutscher Manier warten wir stattdessen auf Zahlen und Statistiken als Beweis für ein neues gesellschaftliches Phänomen, bevor wir uns mehrheitlich aufregen und etwas unternehmen. Derweil protestieren einige wenige Menschenrechtler auf verlorenem Posten und arbeiten sich an dem Thema ab.

Sobald genügend krasse Fälle von Paralleljustiz vorliegen, wird sicher irgendein Ministerium eine Studie in Auftrag geben, um dann rückblickend zu sagen, was man vorbeugend hätte tun können. In der Zwischenzeit aber werden im Namen Allahs weitere Strafverfahren vereitelt, Zeugen beeinflusst und Scheidungen verhandelt. Noch gibt es in Deutschland zum Glück keine offiziellen Scharia-Schlichter und keine Scharia-Courts, wie sie in Großbritannien üblich sind.

Aber weit entfernt sind wir davon nicht, wenn sich außerhalb der deutschen Rechtsprechung Straftaten einfach erledigen und Ehen nur noch vor dem Imam geschlossen werden, damit spätere Konflikte dem Einspruch der Justiz entzogen bleiben. In Großbritannien hat auch alles im Schatten der Gesellschaft angefangen. Aus den Fehlern der Nachbarn lernend, muss man in Deutschland jetzt rufen: Wehret den Anfängen! – Aber wollen wir das auch?

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Leserkommentare
    • Furkan
    • 07. Dezember 2012 18:50 Uhr

    Erst einmal musste ich mich zusammen reisen das ich nicht vom Stuhl falle...
    Es ist doch einfach nur übertrieben was Sie hier schreiben. Sie haben einfach mal in der Vorurteilskiste rumgewühlt und Sachen wie
    "Und bei Ehestreitigkeiten geben sie gemäß der Scharia den Männern Rückendeckung und maßregeln die Frauen"
    rausgefunden.
    Können Sie solche Aussagen denn belegen oder muss ich annehmen das dieser Betreig fälschlicherweise in der Zeit erschienen ist, anstatt in der Bild?

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    • tchonk
    • 07. Dezember 2012 19:48 Uhr

    "Es ist doch einfach nur übertrieben was Sie hier schreiben. Sie haben einfach mal in der Vorurteilskiste rumgewühlt und Sachen wie
    "Und bei Ehestreitigkeiten geben sie gemäß der Scharia den Männern Rückendeckung und maßregeln die Frauen"
    rausgefunden."

    Es ist ja ohnehin egal, wer was schreibt, die Vorwürfe sind hier immer die selben. Und selbst wenn die Autorin hier konkrete Beispiele nennen würde, würde es wieder heißen: "Das sind doch nur ein paar Beispiele, das Problem wird total überschätzt."

    Im Übrigen klingt Ihr Kommentar auch sehr nach Vorurteilen gegenüber der Autorin.

    • 2M
    • 07. Dezember 2012 21:11 Uhr

    Bitte lesen Sie das 2011 erschienene Buch von Joachim Wagner: "Richter ohne Gesetz: Islamische Paralleljustiz gefährdet unseren Rechtsstaat"

    ... einem Film Beitrag von RTL?

    http://www.youtube.com/wa...

    Das sollte eigentlich reichen. Solche Parallel Gesellschaften sollten ausgeräumt werden. Das ist doch sehr bedenklich.

    Wir brauchen so klar denkende mutige Frauen wie Sie, die den Finger auf das Unrecht legen!
    DANKE

    ich denke, ja. man kann auch selbst nachlesen: z.B. einfach auf dieser gleichen Webseite weiter unten die Links auf ältere Berichte zum Thema oder z.B. hier (zufällige Auswahl von Berichten seit 2008):
    http://www.spiegel.de/spi...
    http://www.spiegel.de/spi...
    http://www.spiegel.de/spi...
    und auch hier:
    http://www.nordbayern.de/...
    http://www.spiegel.de/spi...
    http://www.spiegel.de/pan...
    ...

    • kasi_z
    • 09. Dezember 2012 17:26 Uhr

    Ich weiß ja nicht, in was für einer Welt Sie leben....
    Natürlich ist es absolut realistisch, was Fau Ates hier in ihrem Artikel beschrieben hat. Ich arbeite seit mehr als 10 Jahren in einer Apotheke in Berlin- im Wedding- wo ein großer Teil der Bevölkerung türkisch ist. Was meinen Sie, was die Patientinnen mir schon alles aus ihren Familien berichtet haben, und das geht quer durch alle Altersschichten von 20-80 Jahre! Man sollte meinen, daß gerade die jüngeren Menschen, die hier leben, einen anderen Weg einschlagen, weil die es doch besser wissen müßten.....Fehlanzeige!
    Ich weiß nicht wie viele Jahre da noch ins Land gehen müssen, es gibt große Defizite....

    Ich sehe das genauso wie Sie; die Autorin übertreibt maßlos.

    Übrigens: Dass die Autorin "muslimische Juristin" ist, macht ihre Argumente m.E. weder zutreffender noch unzutreffender. Was immer "muslimische Juristin" auch bedeuten soll, die Information ist ambivalent.

    Ansonsten kurz und knapp:

    (i) Die Autorin scheint sich nicht bewusst zu sein, dass es keine Pflicht gibt, "Vergehen" anzuzeigen und durch die Justiz bearbeiten zu lassen, scheint dies aber von Muslimen zu verlangen.

    (ii) Die Autorin ist sich auch offenbar nicht im Klaren darüber, dass alternative Streitbeilegung (Mediation, Schlichtung etc.) in Deutschland in sämtlichen Bereichen (von Familien- bis Wirtschaftsstreitigkeiten) praktiziert wird und vom Gesetzgeber noch ausgebaut werden soll (Stichwort Mediationsgesetz); scheint aber von Muslimen zu verlangen, vollständig auf derartiges zu verzichten.

    (iii) Die Autorin hat wohl auch keine Kenntnis darüber, dass eine standesamtliche Eheschließung in Deutschland grds. konstitutiv, jedoch nicht verpflichtend ist; will jedoch Muslimen diese Pflicht auferlegen.

    (iv) Die Autorin hat offenbar keine Kenntnis der Artt. 13ff. EGBGB, sonst würde sie zu der Frage der Eheschließung vor einem Imam (Anwendung islamischen Rechts) etwas informierter und differenzierter Stellung nehmen.

    Der Beitrag ist v.a. wegen offenbar mangelnder juristischer Sachkenntnis und extremer Übertreibung bei der Bekämpfung von tatsächlich existierenden Parallelwelten ohne jeglichen Wert.

  1. Werte Autorin,

    sehr guter Beitrag den ich als Jurist nur beipflichten kann. Es muss in unserem Staat eine eindeutige Trennung zwischen Religion und Staat erfolgen (auch wenn wir natürlich Kirchenrecht etc. kennen), zudem muss das Gewaltmonopol, wie es das Wort schon sagt, ausschließlich in den Händen des Staates bleiben.

    Oft wird ja argumentiert, dass solche Friedensrichter (ein schönes Wort) besser, und für die Entlastung der dt. Justiz, handeln, aber erstens sehe ich hier oben genannte Gründe und ferner wird dies nicht mit unserem Wertekanon vereinbar sein (man denke an Frauenrechte, Homosexuelle etc.). Des Weiteren sind diese Entscheidungen ja weder anfechtbar noch objektiv zu überprüfen.

    Dem Amt des Friedensrichters gilt es entschieden zu begegnen. sonst können wir ja gleich eine innere Prüfung der Verfassungsmäßigkeit durch "nationale Richter" der NPD fordern... (satirische Randbemerkung..). Aber im Ernst: Wir dürfen im Interesse aller Bürger keine "Extrawürste" oder gar einen Einfluss der Scharia (man denke an Scheidungen) erlauben.

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    Sehr geehrter Herr Jurist,

    wenn das Ihre Meinung ist, sollten wir schleunigst mit den sogenannten Sportgerichten aufräumen. Da gibt es einen Wildwuchs von Kreissportkammern, Bezirkssportkammern, Verbandssportkammern und Höchstes Sportgericht auf Organisationsebene, oder sogar Jugendsportgerichte.

    Jegliche Schiedsgerichte sind natürlich von Übel.

    Die neue Mode, statt Gerichte einzuschalten, vor deren Inanspruchnahme teilweise Mediationsverfahren gesetzlich zwingend vorzusehen ist ungeheuerlich.

    Ganz schlimm ist natürlich, dass solche Verfahren bei Einvernehmen bindend sind.

    Diese letzte Eigenschaft mangelt allerdings den Entscheidungen dieser Friedensrichter. Ihre Bemerkung: "Des Weiteren sind diese Entscheidungen ja weder anfechtbar noch objektiv zu überprüfen" ist schlichtweg ignorant und falsch.

    Natürlich kann sich jeder, der damit nicht einverstanden ist, jederzeit an das zuständige Gericht wenden.

    Mal andersrum gefragt: Was ist eigentlich einzuwenden, wenn Leute ihre Streitigkeiten unter sich schlichten, ohne die ohnehin knappen und teuren juristischen Ressourcen unserer Justiz in Anspruch zu nehmen? Soll Nachbarn, die sich miteinander streiten, verboten werden, einen Vermittler in Anspruch zu nehmen und sie gezwungen werden, sich auf den Justizweg zu begeben?

    Hinzu kommt noch, dass die Frage aufzuwerfen ist, warum diese sogenannten Friedensrichter eingeschaltet werden. Könnte das auch mit dem mangelhaften Vertrauen in den deutschen Justizapparat zusammenhängen?

    • lxththf
    • 08. Dezember 2012 1:39 Uhr

    ist ja sehr interessant. Was wird denn in der Gesellschaft von Anwälten im Schatten so alles geregelt? Aussergerichtlich?
    Fakt ist. Man kann niemanden zwingen Anzeige zu erheben. Man kann niemanden zwingen, eine Ehe standesamtlich zu vollziehen (auch wenn sich daraus natürlich diverse Nachteile ergeben.
    Es mutet schon sehr merkwürdig an, denn das eigentliche Problem ist keine Schattenjustiz, sondern eine Parallelgesellschaft, die auf einem massiven Missverständnis beruht. Die einen meinen, wir müssen integriert werden, die anderen sagen, ihr müsst euch integrieren (wird gern mit Bringschuld argumentiert). Beide haben Recht, aber die richtigen Konsequenzen werden von beiden Seiten verweigert und von daher wundert es mich nicht, dass es eine Gesellschaft in der Gesellschaft gibt.
    Ich finde den Artikel ein wenig kontraproduktiv, denn weder bietet er einen Lösungsansatz, noch geht er auf die alltäglichen Probleme ein.
    Wieviele "deutsche" Beziehungen in denen es häusliche Gewalt gibt werden gesellschaftlich verharmlost und von der Justiz nicht bearbeitet, weil es zu keiner Anzeige kommt?
    Ich möchte nichts relativieren, aber im konkreten Kontext und den Fällen die die Autorin genannt hat, sehe ich keine Möglichkeit, konkret etwas zu ändern, denn im Zweifel muss das Opfer den Weg der Justiz gehen.

    • krister
    • 17. Dezember 2012 11:17 Uhr

    2."Dem Amt des Friedensrichters gilt es entschieden zu begegnen."

    Diese Verneidlichung "Friedensrichter" sollte man austauschen gegen den realen Begriff der Schariarichter.

    einer völlig gefährlichen Einräumung von Religionsprivilegien deren Ergebnisse sich als Zeitbombe mit großer Sprengkraft entladen wird. Was geht nur in deren Köpfen vor, sind die denn alle mit Blindheit beschlagen? Das jüngste Votum zur Beschneidungspraxis ist ein solches trauriges Beispiel und wenn man jetzt noch religiöse Hilfspolizisten zulässt,dann ebnet man auch noch auf dem juristischen Sektor die Bestrebungen religiös implizierter Einflussnahme!

  2. Ich kann mich daran erinnern, über genau diese Problematik schon vor einigen Jahren in verschiedenen Medien gelesen zu haben. Hat wohl kaum jemand Ernst genommen. Gerade vor dem Hintergrund der "Ehrenmorde" in D ist dieses Thema allerdings aktuell. Aber hier steht sich die s.g. "political corectness" selbst im Weg. Es handelt sich nicht um die überwiegende Zahl der Mitbürger muslimischen Glaubens, sondern um eine kleine, radikale, unbelehrbare Minderheit, die aber umso mehr von sich Reden macht. DAS SOLLTE AUCH SO GESAGT WERDEN.

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  3. "Aus den Fehlern der Nachbarn lernend, muss man in Deutschland jetzt rufen: Wehret den Anfängen! – Aber wollen wir das auch?"

    Nein, den Anfängen wollen wir nicht wehren, sondern in Deutschland wie weltweit gegenüber dem Islamismus und archaischen Strukturen immer weiter zurückweichen. Wer den Anfängen wehrt, wird als "Aufklärungsfundamentalist" entlarvt. Wer die Unterdrückung der Frauen in den islamischen Kulturkreisen, also auch bei uns, kritisiert, ist ein "feministischer Fundamentalist" und wer die Freiheit des Westens verteidigt, ist offenbar ein Freiheitsfundamentalist.

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    Warum besteht aus Sicht mancher Muslime überhaupt ein Bedarf an religiösen Richtern? Warum lassen sich die Menschen nicht von den Ideen der Aufklärung überzeugen und bleiben stattdessen traditionellen Strukturen verhaftet?

    Nun, zum einen ist das wohl eine Machtfrage, da die von der traditionellen Praxis profitierenden Personen diese nicht freiwillig aufgeben möchten.

    Zum zweiten ist vermutlich ein Problem mangelnder Bildung, das den Menschen das Tor zur Aufklärung versperrt. Hier könnte man in den Schulen wohl einiges anregen, sofern man denn will. Natürlich kann nicht jeder Kant oder Smith lesen bzw. verstehen, aber das ist auch gar nicht zwingend notwendig. Es reicht, wenn die Menschen unser Grundgesetz akzeptieren und die moralische Werte, die mit ihm verknüpft sind, leben. Nun übernehmen Menschen moralische Werte einer Gruppe allerdings nur dann, wenn es ihnen attraktiv erscheint dieser anzugehören. Warum also ist die Übernahme westlicher Werte scheinbar so unattraktiv, obwohl diese doch nach unserem Verständnis überlegen sind? Ich wage die These, dass es auch daran liegt, dass diese Werte zwar durch unser Rechtssystem gesichert sind, wir sie aber tagtäglich nicht in ausreichendem Maße mit Leben füllen...

    Für Außenstehende, insbesondere solche, die aus wertkonservativen Milieus stammen und eine starke Orientierung an Leitbildern brauchen, erscheint der eher materiell orientierte westliche Lebensstil möglicherweise als sinnfrei, heuchlerisch und daher unattraktiv. Das ist zwar ein Zerrbild der Wirklichkeit, aber eines, das einen wahren Kern aufweist. In der Tat stecken wir nämlich in einem vom unaufgeklärten Kapitalismus verursachten Sinnvakuum, in welches fundamentalistische Strömungen aller Art stoßen. Wie kann man einen Menschen von der Idee der Menschenrechte überzeugen, wenn man gleichzeitig Schwächeren die Solidarität verweigert oder den eigenen Wohlstand auf der Ausbeutung anderer aufbaut? Wie kann man das Banner einer allgemeinen Menschenvernunft tragen, wenn man es gleichzeitig mit seiner Gier in Brand steckt? Wie kann man die Würde des Menschen hoch halten, wenn man sie zugleich mit den Füßen des Nützlichkeitsdenkens tritt?

  4. Noch eine Anmerkung:

    Ich finde es zudem sehr gut, dass eine Juristin mit Migrations-Hintergrund (das darf ich jedenfalls annehmen) sich so eindeutig und im Interesse einer sinnvollen Integration (denn es geht auch um Rechte, die wir in unserer Gesellschaft erst erstritten haben) erklärt. Gerade von den Verbänden in Deutschland hört man ja in diesen Dingen sehr wenig, und wenn wenig kritisches. Meist wird so ein Thema dann von einem Akteur wie Sarrazin beleuchtet (oh, das wird was, wer in der ZEIT diesen Namen nennt wird meist argumentativ gesteinigt, egal welche Auffassung er vertritt) und es kommt zur üblichen Aufregung der Verbände (Frau Roth eilt meistens auch noch hinzu..), aber über die Probleme wird wenig oder nichts gesprochen.

    Auf der anderen Seite ist es ja auch wieder komisch, dass Sie dann als "muslimische Juristin", dieses Prädikat wird Ihnen ja in der ZEIT in der Überschrift ausgestellt, über mehr Argumentationsgewicht verfügen. An sich müsste ja jeder so einen Artikel schreiben können... Aber wie gesagt, gelungener Beitrag, es geht ja auch um Prävention, um wachsame Demokratie und Rechtsstaat...

  5. "Nach den Themen Zwangsheirat und Ehrenmorde wird uns in den nächsten Jahren das Thema Islamische Paralleljustiz Kopfschmerzen bereiten."
    Wer ist denn "uns"?
    Wer hat da "Kopfschmerzen"?
    Da werden doch wieder alle nationalistischen Überheblichkeiten und rechtsextremistischen Randgruppen bedient.
    Als Einwanderungsland sollte die BRD sich endlich um die Schaffung einer echten Willkommenskultur bemühen und nicht die zukünftigen Renten- und Pensionszahler wegen ihrer kulturellen Eigenarten diskriminieren.

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    "uns" sind wir, die deutschen Bürger, die sich zum Rechtsstaat und zur Demokratie bekennen, das ist die Mehrheit, und das ist auch gut so.

    Sonst darf "uns" in anderen Zusammenhängen benutzt werden, sei es Anti-Atomkraft oder sonstwas, nur hier sehen Sie die Autorin als Wegbereiterin für nationale Kräfte? Die suchen sich erst Ihren Weg, wenn diese parallele Rechtswelt verankert ist. Mir ist aber egal was rechte Spinner machen, als Demokrat hänge ich an unsrem Rechtsstaat und möchte keine Bürger, vielleicht ja Frauen in diesen gesellschaftlichen Szenen, bei einer Scheidung entrechtet sehen. Also habe ich dabei auch Kopfschmerzen, so wie Frau Ates.

    Richtig ist, dass wir Fremde willkommen heißen sollen. Die Migranten kommen aber oft, das vergessen Sie leider, weil wir hier nicht die Scharia haben, sondern einen funktionierenden Rechtsstaat (ich weiß jetzt kommen wieder einige und beklagen Einzelfälle, aber ein Rechtsstaat kann nicht immer im Ansinnen des Klägers gerecht sein und ferner wird in Deutschland schon noch alles verfolgt und juristisch aufgearbeitet). Natürlich kommen die Migranten auch wegen der Wirtschaft, aber die blüht(e) in Deutschland auch nur, weil es hier Rechtssicherheit gibt.

    • sibeur
    • 07. Dezember 2012 21:07 Uhr

    Ich - als Ausländer - sehe es vollkommen ein, wenn deutsche Kultur hier und da bevorzugt wird. Ich sehe vollkommmen ein, wenn trotz Religionsfreiheit, hier und da christliche Sitten bevorzugt werden. Das gehört eben zu deutscher Geschichte dazu.

    Ich sehe jedoch nicht ein, wenn eine Ausländergruppe einer anderen bevorzugt wird. Auch wenn Muslime mehr Wähler haben. Man darf Sie anderen Ausländern gegenüber nicht bevorzugt behandeln. Es gibt in Deutschland auch Russen, Juden, Vietnamesen, Jugoslawen und und und. Das sollte man nicht außer Acht lassen. Ich bin zwar kein Jude, aber ich habe z. B. schon mal gesehen, wie die deutsche Polizei in eine fremde Wohnung eingedrungen ist und eine iraelische Fahne niedergerissen hat, weil draußen muslimischer Mob eine antiisraelisch Demonstration veranstaltet hat und sich von dieser Fahne provoziert fühlte. Deutschland tat sich natürlich schon immer leicht jüdische Symbole abzureisen. Aber die richtige Antwort in so einer Situation ist nicht die Fahne abzureisen, sondern jeden, der sich provoziert fühlte auf die Verdächtigerliste zu setzen. Wer mit 18 sich durch eine israelische Fahne provoziert fühlt, der wird mit 28 Bomben basteln.

    @ karlfriedrich666 Was fällt denn nach Ihrer Meinung nach alles darunter? Da muss gar nicht gleich der Ehrenmord zitiert werden. Bleiben wir ruhig bei der Ungleichstellung der Geschlechter, der Verfolgung von Homosexualität und der Intoleranz gegenüber anderen Religionen. Vor dem Recht sind alle gleich und das Recht selbst ist für alle gleich. Oder wie sehen Sie das?

    Haben Sie die Kennzeichnung "Satire" vergessen?

  6. Es darf keine Schattenjustiz geben. Während Fahrerflucht und selbst kleinste Kratzer in Deutschland radikal nachgeandet werden, dürfen Schattenjustizfälle nicht mit Milde rechnen. Ein Autokratzer ist dagegen lächerlich.

    Wenn Deutschland bei einem Autokratzer so massiv gründlich reagiert, d.h. schon bei simplen Sachbeschädigungen, ist es nahezu "krank" zumindest bei eigenwilligen Rechtsbeugungen nicht zu reagieren. Das ist kein Spaß. Ägypten wird nach der gewählten islamischen Regierung in einen Religionsfundamentalismus abgleiten. Spätenstens wenn Mehrheiten entsprechend die Gestze anpassen. Dann müssen Richter entsprechend ahnden. Dann wird das dunkle Zeitalter beginnen. Deutschland ist glücklicherweise weit davon entfernt. Selbst in großen Teilen der Türkei wäre es unwahrscheinlich.

    Religion darf kein Selbstzweck sein, der demokratische Strukturen unterdrückt und Minderheiten "im Sinne des vermeintlichen Glaubens" Schaden zufügt.

  7. "Selbst ernannte Friedensrichter müssen sich weder vor Richtern noch vorm Verfassungsschutz fürchten, denn der deutsche Staat und die deutschen Gerichte sehen nicht, dass es eine Paralleljustiz, auch Schattenjustiz genannt, überhaupt gibt"

    Ich habe nicht den Eindruck, dass diese Paralleljustiz "dem deutschen Staat" unbekannt ist. Ich denke, dass ganze wird bisher unter dem Deckmäntelchen "Mediation" verkauft und als Entlastung der Justiz gesehen.

    "Sobald genügend krasse Fälle von Paralleljustiz vorliegen"

    Ich bin froh über den Denkanstoß von Frau Ateş, aber ohne konkretere Beispiele macht sie sich leider angreifbar (vgl. Kommentar 1).

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