Hewlett-Packard"Autonomy ist einzigartig"

Volker Smid, Deutschland-Chef von Hewlett-Packard, verteidigt die umstrittene Übernahme der britischen Softwarefirma Autonomy und erklärt die künftige Strategie des Computerherstellers. von 

DIE ZEIT: Herr Smid, war Hewlett-Packard naiv – oder Autonomy kriminell?

Volker Smid: Wir haben die Angelegenheit den Behörden übergeben. Ich kann und möchte dem Ergebnis der Ermittlungen nicht vorgreifen.

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ZEIT: HP hat die britische Softwarefirma im vergangenen Jahr für rund elf Milliarden Dollar gekauft, jetzt müssen fast neun Milliarden Dollar abgeschrieben werden, weil sie offenbar viel weniger wert ist. Haben Ihre Anwälte und Wirtschaftsprüfer das nicht bemerkt?

Smid: Man kann die Frage nach der Sorgfaltspflicht natürlich stellen. Aber sollte es bei Autonomy tatsächlich die Energie gegeben haben, relevante Informationen zurückzuhalten oder zu verändern, war das womöglich nicht sofort zu entdecken. Abgesehen von der Diskussion um den Kaufpreis dürfen wir aber nicht vergessen, dass die Software von Autonomy für uns und unsere Kunden einen großen Nutzen hat.

ZEIT: Auch sonst liefert HP in letzter Zeit negative Schlagzeilen. Den Titel »weltgrößer Computerhersteller« soll Ihnen nun auch noch der chinesische Produzent Lenovo weggeschnappt haben. Was ist los mit HP?

Smid: Die Medien spitzen das etwas zu stark zu. Ich bin seit vier Jahren im Unternehmen, und von außen betrachtet, ist da wirklich viel passiert. Wir hatten unter anderem mehrere Führungswechsel. Manche sagen, wir hätten unsere Strategie geändert. Aber das stimmt nicht. Es gab lediglich einige Unruhen, als der frühere Vorstandschef Léo Apotheker die Frage gestellt hat, ob wir das Geschäft mit Personal Computern künftig noch brauchen. Doch das war nach drei Monaten geklärt. Heute wissen wir, dass Infrastruktur-Technik den Kern unseres Unternehmens ausmacht.

Affäre um Autonomy

Der amerikanische Computerhersteller Hewlett-Packard (HP) steht im Zentrum einer Bilanzaffäre. Kürzlich teilte das Unternehmen aus Palo Alto mit, es müsse im vierten Quartal des Jahres 2012 knapp neun Milliarden Dollar abschreiben. Verantwortlich dafür sei vor allem das erst im Herbst vergangenen Jahres für rund elf Milliarden Dollar gekaufte britische Softwareunternehmen Autonomy. Laut HP haben ehemalige Führungskräfte von Autonomy vor der Übernahme womöglich einige wichtige Finanzdaten manipuliert und »aufgebläht«.

Ermittlungen

Autonomy sowie dessen Gründer und Exchef Mike Lynch bestreiten die Vorwürfe. HP übergab den Fall der amerikanischen Börsenaufsicht sowie der britischen Antibetrugsbehörde SFO. An der Wall Street fiel der Aktienkurs von HP am Tag der Nachricht um rund zehn Prozent, der Konzern wurde deswegen von einem Aktionär bereits auf Schadensersatz verklagt. HP beschäftigt weltweit rund 330.000 Mitarbeiter und wird von der ehemaligen eBay-Chefin Meg Whitman geführt. Die Entscheidung zum Kauf von Autonomy fiel noch in die Amtszeit ihres Vorgängers, des deutschen Managers Léo Apotheker.

ZEIT: Was meinen Sie damit?

Smid: Einerseits Personal Computer, Drucker und Server. Andererseits die Software, die sie veredelt. Wer heute ein Smartphone benutzt, ist mit dieser Infrastruktur verbunden. Der normale Nutzer merkt das nicht, wenn er eine App aufruft. Im Hintergrund werden dann viele Informationen verarbeitet. Das macht HP. Ohne uns wären Smartphones nicht smart.

ZEIT: Die eigenen Smartphone-Pläne hat HP wieder beerdigt. Dabei wurde erst vor ein paar Jahren die Firma Palm für mehr als eine Milliarde Dollar gekauft, um eigene Geräte samt Betriebssystem anbieten zu können…

Smid: Die Entscheidung zum Stopp war aus heutiger Sicht richtig. Um eine relevante Rolle im Weltmarkt für Smartphones spielen zu können, hätten wir Geld investieren müssen, das uns bei der Weiterentwicklung unserer Infrastruktur und Dienstleistungsangebote gefehlt hätte. Apple und Android hätten wir nur mit unglaublichem Aufwand einholen können. Und bevor wir etwas halb gar machen, machen wir es lieber gar nicht.

ZEIT: Dem Konzern steht weltweit nun der Abbau vom 29.000 Arbeitsplätzen bevor. Wie viele werden es in Deutschland sein?

Smid: Hierzulande beschäftigen wir rund 10.300 Mitarbeiter. Der Abbau von 450 Stellen steht bereits fest, aber was unsere Dienstleistungssparte angeht, sind die Überlegungen noch nicht abgeschlossen. Das bringt natürlich Unruhe ins Unternehmen. Aber vergessen Sie nicht, dass HP in den vergangenen drei Jahren weltweit mehr als 30.000 neue Arbeitsplätze geschaffen hat. Allein in Deutschland ist die Belegschaft in diesem Zeitraum um über 20 Prozent gewachsen.

Leserkommentare
    • va
    • 07. Dezember 2012 18:44 Uhr

    Als einfacher Benutzer der digitalen Welt ist man doch weit entfernt, sich detaillierte Gedanken zu machen, was mit all dem passiert, was man in die Tastatur haut. Dass hier mit Milliarden Dollar oder Euro jongliert wird, zeigt doch wie sehr man in den oberen Konzernetagen daran interessiert ist die unstrukturierten Daten (Mails, Blogs etc.) auf verwertbare informationen zu durchkämmen. Wir werden uns noch umschauen, was wirklich möglich ist. "1984" von George Orwell ist doch längst überholt nicht nur in technischer Hinsicht.

  1. denkt in ganz großen Kategorien, wie seine Kollegen von IBM.
    Vielleicht ein wenig zu groß:
    Das Windows besser gegen digitale Angriffe geschützt werden kann nehme ich ja noch als Scherz.
    Das er aber seine Software damit anpreist das im Falle eines Korruptionsverdacht schnell 10 Mrd. E-Mails nach irgendwas gescannt werden können ist doch eher traurig.

    Aber so isses bei HP, jedem Menge grau melierte Herren die sich zwar prima präsentieren und verkaufen können (sicherlich auch alle im 1,90'er Gardemaß), aber leider fehlt Ihnen das wichtigste: Eine echte Vision und, was noch wichtiger ist, eine Identifikation mit den eigenen Produkten.

    Und das ist der Grund warum niemand mehr das Zeugs freiwillig kauft, sondern nur noch am Arbeitsplatz sieht wo die Dinger sich mit Monsterrabbatten eingeschlichen haben.

    Im Grund genommen ist HP schon Noname.

    Wie gesagt es fehlt die Vision: Keiner hat die: Nicht Herr Balmer und nicht Herr Smid.

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    • thedaT
    • 07. Dezember 2012 23:15 Uhr

    zeugt von sehr grossem Abstand zur Materie. Dabei noch den Hinweis auf BigBlue, die ja auch wohl nix können, klaro. IBM war schon immer ein Kindergarten. Der Windows Hinweis auf Unsicherheit krönt es dann endgültig.

    = unter ComputerBild Niveau.

    Windows7 ist gerade dabei in Enterprises ausgerollt zu werden und löst endlich XP ab. Wer meint das Windows "unsicher" ist als Client hat ziemlich `ne Nullsendung am Laufen. Hier ist nicht die Rede von Klitschen die es sich leisten können das manuell Software ausgerollt wird, oder User irgendeinen Dreck installieren können, dabei sind auch Aufrufe von Websites und unprotokollierte Screenshots gemeint. Es geht hier um Produktionsprozesse in Hochlastumgebungen in denen pro Minute richtig Asche verdient wird.

    HP noname... lol. Selbst in der untersten Preisschiene wird dort Top-Qualität und Service angeboten. Auf Plotterebene gibt es nach-wie-vor keine Alternativen.

    Aber na, ZOnline ist kein IT-Forum, Schwamm drüber.

  2. Bwahahaha. Ein Schenkelklopfer jagt den nächsten.

    • keibe
    • 07. Dezember 2012 23:09 Uhr
    • keibe
    • 07. Dezember 2012 23:12 Uhr

    "Ohne uns wären Smartphones nicht smart"

    Natürlich nicht. Vergleiche:

    "Computerhersteller HP entlässt 27.000 Mitarbeiter"

    http://www.zeit.de/wirtsc...

    Das ist in der Tat "smart".

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • JD
    • 08. Dezember 2012 1:18 Uhr

    Jemals was davon gehört, dass man Äpfel nicht mit Birnen vergleichen soll. Nicht zu fassen, was für unglaublich unterbel... Kommentare hier zu sehen sind -.-

    • thedaT
    • 07. Dezember 2012 23:15 Uhr

    zeugt von sehr grossem Abstand zur Materie. Dabei noch den Hinweis auf BigBlue, die ja auch wohl nix können, klaro. IBM war schon immer ein Kindergarten. Der Windows Hinweis auf Unsicherheit krönt es dann endgültig.

    = unter ComputerBild Niveau.

    Windows7 ist gerade dabei in Enterprises ausgerollt zu werden und löst endlich XP ab. Wer meint das Windows "unsicher" ist als Client hat ziemlich `ne Nullsendung am Laufen. Hier ist nicht die Rede von Klitschen die es sich leisten können das manuell Software ausgerollt wird, oder User irgendeinen Dreck installieren können, dabei sind auch Aufrufe von Websites und unprotokollierte Screenshots gemeint. Es geht hier um Produktionsprozesse in Hochlastumgebungen in denen pro Minute richtig Asche verdient wird.

    HP noname... lol. Selbst in der untersten Preisschiene wird dort Top-Qualität und Service angeboten. Auf Plotterebene gibt es nach-wie-vor keine Alternativen.

    Aber na, ZOnline ist kein IT-Forum, Schwamm drüber.

    Antwort auf "Der Mann...."
    • JD
    • 08. Dezember 2012 1:18 Uhr

    Jemals was davon gehört, dass man Äpfel nicht mit Birnen vergleichen soll. Nicht zu fassen, was für unglaublich unterbel... Kommentare hier zu sehen sind -.-

  3. fühlt echt auf den Zahn der Zeit (die physikalischen Größe). Was HP, Apple und Google/Android machen ist genau das, was den Printmedien zu knabbern gibt. HP und co verändern den Markt mit ihrer Infrastruktur, ihren Smartphones und Tablets, was das Nutzerverhalten ändert und damit die Form der Nachfrage. Die Nachfrage nach Information ändert sich. Und damit die Welt, mit der auch die Printmedien zurechtkommen müssen. Das hier ist ein Aspekt des Wandels den man gerade zu FR und FTD lesen kann.

    Das ist schon irgendwie surreal irre. Alles ist vernetzt.

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