Klimawandel : Was die Erde heiß macht
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Billige Kohle, knappes Öl und Bevölkerungswachstum

Verfluchte Kohle

Teures Öl ist gut für den Klimaschutz? Schön wär’s. Dann wäre womöglich das Ziel, den Anstieg der Erdtemperatur auf rund zwei Grad zu begrenzen, nicht in so weite Ferne gerückt. Der Preis für Erdöl hat sich in den vergangenen 20 Jahren schließlich kräftig erhöht. Das hatte allerdings nicht nur die erwartbare Wirkung, den Ölkonsum nur noch langsam ansteigen zu lassen, sondern obendrein eine überraschende und wenig erfreuliche Nebenwirkung: Weil der Kohlepreis weniger stark stieg als der Ölpreis, wurde Kohle im Vergleich zu Öl billiger – und wieder mehr gefragt. Die Kohle, ausgerechnet der schmutzigste und klimaschädlichste Brennstoff, erlebte eine regelrechte Renaissance. Allein im Jahr 2011 wuchs ihr Anteil am weltweiten Energiekonsum um fast drei Prozent.

© Anne Gerdes

Gefahr in der Tiefe

Wie lange dauert es noch, bis die Ölquellen nichts mehr hergeben? Bis kein Erdgas mehr da ist und schließlich keine Kohle? Die Energie- und Klimadebatte wird auch von der Angst vor dem Versiegen der Energiequellen angetrieben. Zu Unrecht. Tatsächlich lagert der meiste Kohlenstoff, der beim Verbrennen in klimaschädliches CO₂ umgewandelt wird, noch in der Erdkruste – und ist nicht schon in den Himmel befördert worden. Wäre es anders, dann brauchte es keine Klimapolitik; Rohstoffknappheit würde in dem Fall das Ende des Klimafrevels erzwingen. Die noch im Boden befindlichen immensen Mengen Energie lassen sich aber nicht leicht gewinnen. Ihre Förderung wird gefährlicher, schmutziger und teurer als die bisheriger Rohstoffe. Für den Klimaschutz ist das eine Chance.

© Anne Gerdes

Tabu Verhütung

Es gibt auf Klimakonferenzen ein tabuisiertes Thema: Bevölkerung. Niemand spricht über ihr rasantes Wachstum, weil man sonst auch über Verhütung reden müsste. Dabei wächst die Welt jedes Jahr um 83 Millionen Menschen – also etwa um ein Deutschland. Bis zum Jahr 2050 werden nach der Prognose der Vereinten Nationen knapp 10 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Zwar sinkt die Zahl der Geburten in europäischen Ländern wie Deutschland, aber in Entwicklungs- und Schwellenländern in Afrika und Asien wächst sie rasant. Natürlich steigt mit der Bevölkerung auch der Bedarf an Energie, Rohstoffen, Wasser und Nahrung. Dabei darf nicht vergessen werden, dass im Jahr 2011 ein Deutscher im Schnitt 9,90 Tonnen CO₂ emittiert hat, aber ein Laote nur 0,13 Tonnen.

© Anne Gerdes
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Kommentare

61 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Danke für die Zusammenstellung der

vielen Fakten, Übersichten und Tabellen.

Monokausal sollte man nie denken.

Bevölkerungswachstum in Kombination mit höheren Lebensstandard scheint die Erderwärmung zu beschleunigen.

Zur Zeit der Industrialisierung war das Bevölkerungswachstum auch in Deutschland besonders ausgeprägt.

Heute schrumpft die Bevölkerung.

Ob andere Länder eine ähnliche Entwicklung durchmachen werden, wer kann das schon hervorsagen?