LiebeskolumneHat sie ihn verraten?

Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Hat sie ihn hintergangen? von Wolfgang Schmidbauer

Vater schmollt, Kind und Mutter Hand in Hand

Hat sie ihn hintergangen, weil sie eine andere Meinung vertreten hat?  |  © Thomas K./Photocase

Die Frage: Als Klaus und Felicitas nach ihrem Erstgeborenen noch eine Tochter bekamen, waren sie überglücklich. Beide sind selbstständige Architekten. Klaus beschloss, ein paar Jahre lang weniger zu arbeiten und sich um die Kinder zu kümmern.

Nach drei Jahren spricht die Tochter immer noch nicht, sie scheint in ihrer Entwicklung zurückzubleiben. Klaus ist mit der Kleinen zur Impfung beim Arzt, und dieser beruhigt ihn – es gebe eben Spätentwickler. Felicitas glaubt das nicht und bringt das Mädchen in eine Spezialambulanz.

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Als Klaus davon hört, ist er zornig. »Du hättest mich fragen müssen!«, sagt er. »Du kannst das doch nicht einfach hinter meinem Rücken tun. Ich fühle mich verraten und verkauft.«

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Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer

Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer  |  © Neophoto/Photocase

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Felicitas hat keinen Fehler gemacht – und doch wäre es klug von ihr, sich bei Klaus zu entschuldigen. Ein womöglich behindertes Kind macht beide Eltern sehr verwundbar. Ehen geraten angesichts der Aufgabe, die damit verbundenen Kränkungen zu verarbeiten, häufig in eine Krise. Auch selbstkritische Partner müssen damit ringen, sich nicht dadurch zu entlasten, dass sie ein Versagen des Partners konstruieren. Das ist Suche nach einem Sündenbock.

Klaus ist besonders verwundbar, weil er sich stark für die Kinder engagiert und Verantwortung übernehmen will. Er erlebt Felicitas’ Aktion als respektlose Einmischung, in der vielleicht etwas zutage kommt, wovon er nichts wissen will.

Die Liebeskolumne

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Sein aktuelles Buch Kassandras Schleier. Das Drama der hochbegabten Frau ist bei Orell Füssli erschienen.

Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine Mail an liebeskolumne@zeit.de

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Leserkommentare
  1. ... scheinen es die beiden sehr zum Nachteil ihrer selbst und vor allem der Kinder nicht so zu haben. Wenn es in solch wichtigen Dingen zu derartigen Alleingängen kommt, schtimpt was Grundlegendes im Vertrauensverhältnis nicht.

    • KarlK
    • 09. Januar 2013 8:38 Uhr

    Dieser (halbe) Satz von Ludwig Erhard gilt nicht nur in der Wirt-, sondern auch in der Partnerschaft. Felicitas hat Klaus überrascht. Nun sind Überraschungen in einer Beziehung nicht immer schlecht - aber eben auch nicht immer gut. Miteinander reden vor dem Tun ist meistens nicht verkehrt.
    Der zweite Teil von Erhard passt übrigens auch gut für Paare: " - tue was du sagst". Aber das ist ein anderes Thema...

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  • Serie Liebeskolumne
  • Schlagworte Liebe | Kinder | Ehe | Familie und Partnerschaft
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