Paketdienst DHL : Wenn der Postmann gar nicht klingelt

Der Paketdienst DHL beschäftigt Subunternehmen. Mit grotesken Folgen. Erlebnisse eines frustrierten Kunden.

Bis vor wenigen Wochen hätte man unsere DHL-Paketboten in Paris ausstellen können. Als Urmaß für Zuverlässigkeit, direkt neben dem Urmeter. Ein Päckchen von Amazon war am nächsten Tag bei uns, oder es wartete – wenn wir nicht zu Hause waren – im Blumenladen nebenan. So konnten wir uns den Weg zur Post sparen. Das war wie ein Gesetz. Dann aber begann Merkwürdiges. Wir warteten plötzlich zwei, drei, vier Tage auf bestellte Pakete. Nichts. Jemand fragte nach, ob meine Adresse tatsächlich stimme. Er habe ein Päckchen für mich zurückerhalten. Drei andere Postsendungen, die wir erwarteten, schienen verschollen.

Nachhaken in der zuständigen Postfiliale. Vor mir in der Schlange beklagt sich eine Frau über eine nicht zugestellte Bestellung. »Wohnen Sie im Bezirk 13?«, fragt der Mann am Schalter und erklärt, ohne die Antwort abzuwarten: »Da ist ein schwarzes Schaf unterwegs.«

Als ich an der Reihe bin und meine Adresse sage, händigt mir der Mann binnen Minuten die verschütt geglaubten drei Pakete aus, seit Tagen liegen sie in der Filiale, denn auch wir wohnen, wie ich nun erfahre, im Bezirk 13, dem neuen Bermudadreieck von Hannover. Es fehlte die Benachrichtigungskarte im Briefkasten. Auch die virtuelle Verfolgung scheiterte. Mittels einer Sendungsverfolgungsnummer kann man im Internet sehen, wo es bei der Lieferung hakt. Liegt das Päckchen noch im Paketzentrum? Oder schon im Fahrzeug des Zustellers? In unserem Fall galt es laut virtueller Sendungsverfolgung als zugestellt. Die Empfehlung des netten Mannes am Postschalter: Wir sollten uns beim DHL-Kundenservice beschweren, er und seine Kollegen hätten die Segel gestrichen, ihre Beschwerden würden von den zuständigen Verantwortlichen ignoriert. Nach dem Telefonanruf bei der – immerhin kostenfreien – DHL-Hotline (Motto: »Wir sind für Sie da!«) passiert: gar nichts. Im Gegenteil. Es wird schlimmer. Kurz vor ihrem Urlaub hat eine Nachbarin ein Geburtstagsgeschenk für ihre Schwiegermutter in spe bestellt. Von DHL wurde das Geschenk womöglich direkt in die Postfiliale geliefert, zumindest wartete es dort tagelang. Bei einem anderen Nachbarn türmen sich anderntags die Pakete. Das schwarze Schaf hat sie bei ihm abgeliefert, natürlich ohne die anderen Hausbewohner zu informieren. Um sicherzugehen, Päckchen und Pakete auch zu erhalten, müssen wir deshalb in diesen Tagen zunächst zur Post marschieren und dann einmal bei allen im Haus klingeln. Vielleicht ist ja was für uns abgegeben worden.

Wer das schwarze Schaf sein soll, das wissen wir mittlerweile. Nach der wütenden Beschwerde unserer Nachbarin gaben die Beschäftigten der Postfiliale das nächste Detail preis. Der Mann, der die Zustellung bisweilen verweigert, sei nun einmal bei einem Subunternehmen beschäftigt und habe offensichtlich keine Lust auf seinen Job. Es ist ein junger Mann, der bei einer Fremdfirma angestellt, aber von seinen Kollegen im gelb-roten Poloshirt nicht zu unterscheiden ist, ganz sicher aber schlechter bezahlt wird.

Das konnten die Bewohner unseres Hauses nicht ahnen: Die Gewerkschaft ver.di und DHL haben einen Vertrag abgeschlossen, wonach bis zu 990 Zustellbezirke, also rund drei Prozent des gesamten DHL Zustellnetzes, bundesweit an Fremdfirmen vergeben werden können. So will die Gewerkschaft flächendeckende Dumpinglöhne verhindern, gesteht Lohneinbußen an manchen Orten aber eben doch zu.

Unser Bezirk ist somit zum Versuchsballon geworden, und wo immer wir heute bestellen, wird derjenige, der die Pakete bringt, eines mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht: fair bezahlt. Allerdings: Die Konkurrenten Hermes, GLS oder dpd beschäftigen fast komplett nur Subunternehmen.

Mitarbeiter der Post erhalten nach Unternehmensangaben einen Einstiegslohn von mehr als elf Euro die Stunde, bezahlte Überstunden, Urlaubs- und Weihnachtsgeld kommen noch dazu. Im Falle ihrer »Servicepartner«, wie eine Sprecherin der Post mitteilt, kann sie weniger konkret werden: »Die genaue Höhe der dort gezahlten Monatslöhne ist uns nicht bekannt.« DHL legt aber Wert darauf, dass das Unternehmen »keine Form von Lohndumping« toleriere. In Wahrheit, so sagen es Gewerkschafter, könne die Post das aber kaum verhindern. Zu schnell gründeten sich neue Anbieter jenseits der Tariflandschaft und zahlen nicht selten Stundenlöhne um fünf Euro, 60-Stunden-Wochen sind keine Seltenheit.

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Kommentare

88 Kommentare Seite 1 von 16 Kommentieren

DHL-Zustellung verschärfte Version

Die geschilderten Probleme mit der DHL-Zustellung habe ich seit einiger Zeit auch. Es gibt aber noch, zumindest in Frankreich, eine verschärfte Variante. Nach einem missglückten Zustellungsversuch fand ich ein Benachrichtigungkärtchen vor. Ich sollte entweder über das Formular auf der Homepage oder telefonisch unter der angegebenen Nummer Kontakt aufnehmen. Die Telefonnummer führte zu einer Ansage, die ... auf die Homepage verwies. Keine Möglichkeit, eine lebende Person zu sprechen oder eine Nachricht zu hinterlassen. Auf der Homepage gab es eine schöne Eingabemaske, in die man Zustellnummer und Stücknummer eintragen musste. Leider hatte der Zusteller eine der Nummern falsch auf das Benachrichtigungskärtchen übertragen. Und ein Feld "Zustellung trotz falscher Zustellungsnummer" gab es natürlich nicht. Was hätte der Buchbinder Wanninger in einem solchen Fall getan ?
Dahinter stecken natürlich auch die von Ihnen gut geschilderten Abläufe, Personalabbau, nicht motiviertes Personal etc.

Neue Verbraucherinitiative im Netz

Heutzutage haben wir in vielen Zustellbezirken leider Arbeitsbedingungen für die Fahrer, die eine ordentliche Zustellung gar nicht mehr erlauben und die Zusteller quasi zwingen, in einer rechtlichen Grauzone zu arbeiten. So ist es angesichts einer nicht mehr zu bewältigenden Menge zuzustellender Sendungen eher wohl die Verzweiflung, die manche Zusteller dazu treibt, hier und dort nur noch Nachrichten einzuwerfen, statt zu klingeln. . .

Dennoch können wir als VerbraucherInnen, die zum Teil wirtschaftlich und beruflich von einem funktionierenden Versand durch DHL abhängig sind, nicht umhin, auf bestehende Mißstände und Mängel bei der Zustellung hinzuweisen und gemeinsam darauf zu reagieren. Als Verbraucherinitiative setzen wir uns dabei aber gleichzeitig auch für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Zusteller bei DHL ein.

DHL Kundenservice: Netzweite Verbraucherproteste im Mai

Auf die Deut­sche Post/ DHL könn­ten ab dem kom­men­den Monat Mai un­ru­hi­ge­re Zei­ten zu­kom­men. Denn zum ers­ten Mal haben kri­ti­sche Kun­din­nen und Kun­den des Pa­ke­tri­e­sens nun zu Protesten und Ak­tio­nen gegen "Fehlentwicklungen und strukturelle Probleme bei DHL" auf­ge­ru­fen.

Hin­ter­grund der ins Rol­len ge­kom­me­nen Ver­brau­cher­kam­pa­gne ist dabei:
die be­reits seit ge­rau­mer Zeit an­ge­spannte und aus Sicht der Initiatoren zum Teil ka­ta­stro­pha­l an­mu­ten­de Si­tua­ti­on beim Ver­sand­we­sen von Deut­sche Post / DHL, bei der vie­ler­orts und in zahl­rei­chen Zu­stell­be­zir­ken von einer re­gu­lä­ren und ge­ord­ne­ten Zu­stel­lung kaum mehr die Rede sein könne.

Kri­ti­siert werden aber auch die "teil­wei­se un­zu­mut­ba­ren Ar­beits­be­din­gun­gen für die Zu­stel­ler von DHL und deren Sub­un­ter­neh­men, sowie die zu­letzt be­kannt ge­wor­de­nen Ver­let­zun­gen von Ar­beit­neh­mer­rech­ten des glo­bal ope­rie­ren­den Kon­zer­nes im Aus­land."

Die ge­plan­ten Ak­tio­nen sol­len sich dabei kei­nes­wegs al­lein auf DHL kon­zen­trie­ren.

Mit ins Vi­sier der Kam­pa­gne sollen viel­mehr auch On­line­shops und Ver­sand­häu­ser ge­ra­ten, die ihre Waren der­zeit aus­schließ­lich über DHL ver­sen­den, bzw. den Kun­dInn­nen beim On­line-Ein­kauf keine in­di­vi­du­ell wähl­ba­ren Ver­san­d­al­ter­na­ti­ven zu einem Ver­sand über DHL an­bie­ten.

In Wien

ist es bei uns üblich gewesen, nix zu bekommen. Ich habe einmal angerufen, und nachgefragt, wie oft denn der Zentrale gemeldet worden war, dass ich meine Pakete übernommen habe. Da hat großes Schweigen geherrscht. Im Grunde ist es eine Verarsche am Kunden, denn ich bezahle immerhin für den Transport, und sehe nicht ein, warum ich dann auch noch meinem Paket hinterherlaufen soll.
Aber es liegt nur nicht an DHL - alle anderen sind genauso schlecht von der Zustellqualität. Wobei es eine Ausnahme gibt, die aber einiges kostet: UPS.
Zum ganzen Artikel fällt mir die Reportage von G. Wallraff ein, als er bei der GLS gearbeitet hat ..http://www.faz.net/aktuel...

... UPS? nie wieder!

"Wobei es eine Ausnahme gibt, die aber einiges kostet: UPS."

Oho. Da kann ich aber auch Negatives berichten. Habe UPS lange benutzt, obwohl es höllisch teuer ist.
Dann, beim vorerst letzen Mal, kam nach drei Monaten eine Mahnung. Eine Mahnung? wieso? = Ich telefoniere zuvor mit UPS, bekomme einen Preis (der dem zuvor auf deren Webside errechneten entspricht), der Kurier kommt, nennt den gleichen Preis, ich bezahle bar und fertich is.
Nun eben mal nicht: Mahnung nach 3 Monaten von UPS über knapp 4 Euro. Hä? Wieso?
Langsam stellt sich raus: Angeblich kostete die Leistung knapp 100 Euro (über 30 Euro mehr meine gezahlten 66 Euro) und die Mahnung war über die Zinsen (!) der angebliche fehlenden 30 Euros. Kurios bis absurd.

Ich habe denen ordentlich den Marsch geblasen und nix kam mehr, Ruhe im Karton; allerdings kam nicht mal eine Entschuldigung.
Ab diesem idiotischen Verhalten der UPS nutze ich "DHL Express" -- bis jetzt, toi toi toi, ohne Probleme.