Joachim GauckWessen Präsident ist das?

Unter Rot-Grün-Verdacht: Die Personalpolitik von Joachim Gauck erzürnt die FDP. von 

Joachim Gauck

Joachim Gauck  |  © Odd Andersen/Joseph Eid/AFP/Getty Images

Wo Joachim Gauck in offizieller Mission auftaucht, teilen sich vor ihm die Massen wie die Wogen einst vor Moses. Gauck schreitet dann huldvoll die Reihen entlang, nickt freundlich lächelnd mal hierhin, mal dorthin und scheint ansonsten ganz ergriffen zu sein, von sich und seiner eigenen Bedeutung. Ich, Gauck, Pfarrer und Präsident.

Wenn er, sei es bei der Verleihung des Deutschen Umweltpreises , sei es beim Wirtschaftsgipfel der Süddeutschen Zeitung, mal wieder eine geschliffene Rede gehalten hat, eine Rede also, die rhetorisch so gar nicht an das Geschwurbel von Horst Köhler, an das Langatmige von Christian Wulff erinnert, eine Rede, in der viel Freiheit und wenig Alltagskram vorkommt, sind alle ganz begeistert davon, wie toll dieser Bundespräsident ist. Alle – bis auf jene, die ihn dazu gemacht haben.

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In der FDP herrscht Frust. Und massive Verärgerung . Die Liberalen haben sich einst gegen die Kanzlerin gestellt, um Gauck den Einzug ins Schloss Bellevue zu ermöglichen – und zum Dank dafür besetzt der Präsident die Schlüsselstellen in seinem Amt mit Sozialdemokraten und Grünen. Sie haben die Koalition mit der Union aufs Spiel gesetzt – und zum Dank dafür lässt Gauck sie links liegen. Sie haben für ihren Coup gleich doppelt bezahlt: mit der Selbstdemontage ihres Vorsitzenden vor laufender Kamera sowie mit Rachegelüsten bei der Union – und zum Dank dafür kommt vom Freiheitspräsidenten nichts, was der Freiheitspartei helfen könnte. Noch nicht einmal Inhalte. So sehen sie das in der FDP .

Zur Erinnerung: Als Wulff im Februar dieses Jahres als Bundespräsident zurücktrat, schwor Angela Merkel die Unionsspitze auf zwei Optionen für die Nachfolge ein: auf den Umwelt-Politiker Klaus Töpfer oder den evangelischen Bischof Wolfgang Huber. Den Grünsten der CDU oder einen SPD-Mann – beide empfand die FDP als Provokation, als unbotmäßiges Signal anderer Farbenlehren. Sie konterte, indem sie den Kandidaten von Rot-Grün, Gauck, zu ihrem machte und dies aus den laufenden Gesprächen mit Merkel heraus an die Presse durchsickern ließ. Es wurde laut im Kanzleramt, die Union drohte mit Koalitionsbruch, die Kanzlerin rettete ihre Regierung schließlich dadurch, dass sie einknickte. Zwei Tage später plauderte FDP-Chef Philipp Rösler beim ZDF-Lanz alles aus und verglich die Kanzlerin mit einem Frosch . Seitdem glaubt nur noch er selbst, dass Merkel ihn mag.

So viel Stress für gar keinen Ertrag. Als selbstverständlich betrachteten es die Liberalen zunächst noch, dass der frisch gekürte Präsident seinen engen Vertrauten David Gill, einen SPD-Mann, den Gauck seit seiner Zeit als Beauftragter für die Stasiunterlagen kennt, zum Chef seines Amtes machte. Dass Andreas Schulze, ein Mitarbeiter der Grünen-Fraktionschefin Renate Künast , Pressesprecher wurde und dafür die frühere Parlamentskorrespondentin des Bayerischen Rundfunks, Petra Diroll, gehen musste, gefiel zwar nicht allen, man nahm es jedoch hin, da Schulze den Job nur kommissarisch ausfüllen sollte, bis, so hieß es, eine Frau, katholisch, mit konservativem Profil und Nähe zu Schwarz-Gelb, gefunden sei.

Leserkommentare
  1. man könnte fast schadenfroh sein. Trotzdem, besser als Wulff.

  2. 2. Meiner

    Er ist der Präsident der Deutschen. Dazu muss man wissen: Den Deutschen kann man nie zufriedenstellen. Er motzt immer, selbst wenn er hat was er will. Es ist nicht gut genug. Der Deutsche strebt nach Perfektion, nach Gewinn, nach Maximierung all dessen, was gut, richtig, wichtig ist.

    In diesem Sinne: Gauck ist der Präsident der Deutschen. Es wäre nicht deutsch genug, würde man ihn eben einfach mögen. Oder ignorieren, wenn man ihn nicht mag.

    Gauck macht also alles richtig.

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    ... Sie übertreiben masslos.
    Wenn ich mir die überragenden Zustimmungswerte unserer Kanzlerin anschaue, bin ich immer wieder höchst erstaunt, mit wie wenig sich der Deutsche Michel zufrieden gibt.

    • ST_T
    • 28. November 2012 17:12 Uhr

    Ich verstehe das Gemecker auch nicht.
    Was erwartet man denn von einem Bundespräsidenten? Der deutsche BP ist lediglich nur Abnicker der Gesetze und Abhalter von Staatsbanketts. Politische Äußerungen können direkt kritisch genommen werden und er verliert seinen Job.
    Es ist unredlich, einen politischen BP zu verlangen wenn ihm eine politische Haltung nicht gewährleistet wird.
    Für Verfassungsfragen ist i.d.R. das Verfassungsgericht zuständig. Wird nur gerne vergessen.
    Aber Sie haben recht, dem deutschen Michel kann man es nicht recht machen...

    • siar
    • 28. November 2012 21:51 Uhr

    Ich schenke Ihnen meinen Anteil, Sie dürfen damit machen was Sie wollen.

  3. ist es zu verdanken das die deutsche Bevölerung überhaupt bemerkt hat das es das Amt gibt, vielleicht auch noch der Bildzeitung.

    Jedoch haben die letzten drei noch eine Gemeinsamkeit , die Aufmerksamkeit der Medien hat sich insbesondere durch die Informationsbreite im Internet erheblich verändert und nimmt doch auch Einfluss auf die Amtsführung.

    Ich fühle mich durch den amtierenden Bundespräsidenten gut repräsentiert.

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    • siar
    • 28. November 2012 21:58 Uhr

    Weizsäcker war ein sehr beliebter Päsident und wurde auch wahrgenommen.
    Gauck und die beiden Vorgänger haben geschafft, das das gute Ansehen des Amtes in der Bevölkerung massiv verloren hat.

  4. ... Sie übertreiben masslos.
    Wenn ich mir die überragenden Zustimmungswerte unserer Kanzlerin anschaue, bin ich immer wieder höchst erstaunt, mit wie wenig sich der Deutsche Michel zufrieden gibt.

    Antwort auf "Meiner"
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    "Mit wie wenig sich der Deutsche Michl zufrieden gibt"

    Weiß ja nicht, aber Gier ist abstoßend. Und wenn der tolle Deutsche Michel sich mal selbst nicht dauernd als ewigen Weltverbesserer betrachten würde, wäre er um einiges reicher.

    Warum überhaupt fühlen Sie sich schlecht, wenn ich sage, dass er MEIN Bundespräsident ist? Gibt es da bestimmte Gründe, warum meine Ansicht Ihnen auf die Füße tritt?

  5. Der FDP geht es wie ihren Wählern!!!

    "Aus dem Frust über Gauck spricht der Frust der FDP, dass nicht stimmt, was sie plakatiert: Die Leistung hat sich nicht gelohnt."

    Endlich hat auch die FDP kapiert, was der Wähler schon weiß. Allerdings darf man sich eben doch fragen: Von welcher "Leistung" spricht die FDP hier eigentlich? Den Arm gehoben zu haben? Einen Zettel benutzt zu haben? Verrückt. So geht's deren Wählern auch.

    Ich freue mich auf die Heuteshow.

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    #Ich freue mich auf die Heuteshow.#

    Ist doch total langweilig die Show!

    Von welcher "Leistung" spricht die FDP hier eigentlich? Den Arm gehoben zu haben? Einen Zettel benutzt zu haben?

    Sie erinnern sich: FDP = Klientelpartei ?

    Bei der FDP bekommt man nichts umsonst und für alles wird eine Gegenleistung erwartet. Gauck ist nach FDP-Logik in der Bringschuld. Irgentwas muss er der FDP jetzt geben, damit das Gleichgewicht der Märkte...ähhh...Kräfte wieder hergestellt wird.

  6. Schön, dass Herr Gauck sich von niemandem vorschreiben lässt, was er zu sagen und wen er einzustellen hat.

  7. Ein Präsident, der die Hinterbliebenen der NSU-Opfer auf ein erbetenes Gespräch warten lässt,
    http://www.tagesschau.de/...
    ist nicht mein Präsident.

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    Dafür hat er viel Verständnis für Nazis.

    http://www.migazin.de/201...

    Er hat ja schon quasi mit dem Amtsantritt die Uhr zurückgedreht. Das er sich nicht mit den Opfern treffen will, ist leider nur die konsequente Fortführung seiner Haltung.

    es ist vielleicht besser, wenn man von ihm dann auch garnichts mehr hört und sieht.

    >> nicht mein Präsident <<

    ... als "glückssüchtige Gesellschaft" abqualifiziert, weil wir den Tod von Soldaten im Auslandseinsatz nicht ertragen wollen, ist auch:

    Nicht mein Präsident.

  8. Gauck (mit) zum BP gemacht zu haben - allein darin zeigt sich schon die ganze Vermessenheit dieser Partei - war für die FDP ein Deal. Zu bezahlen mit Wohlverhalten und mit der Besetzung von gutdotierten Posten durch FDP-Gänger.
    Es wird höchste Zeit, diese scheinliberale Krämer-Partei namens FDP vom Hof zu jagen.

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    • pepe423
    • 28. November 2012 17:56 Uhr

    Die FDP ist schon erledigt. Leider haben wir damit noch immer die CDU, CSU und eine voellig überhebliche und sich selbst fremd gewordene SPD am Hals.

    Und das schlimme ist, irgendeiner von diesen ueblichen Verdaechtigen wird schon wieder gewaehlt werden.

    Aber viel Geld, das ist etwas anderes."
    George Bernard Shaw

    > http://commonman.de/wp/?p...

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