Zwangsbehandlungen : Behandeln oder fixieren?

Ein neues Gesetz soll die Zwangsbehandlungen von psychisch Erkrankten neu regeln

Kategorisch lehnte die Patientin es ab, das Medikament für ihre Schilddrüse einzunehmen. Dabei hätte die an Schizophrenie leidende Frau das Hormonpräparat dringend benötigt. »Wir mussten abwarten, bis die Patientin fast ins Koma fiel«, erzählt Wolfgang Becker, Leiter des Klinikums Wahrendorff in Ilten bei Hannover. Erst dieser »rechtfertigende Notstand« gab dem Arzt das Recht, die helfende Arznei zwangsweise zu verabreichen.

In diese paradoxe Situation bringt die Psychiater ein Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) zum Betreuungsrecht vom Juni dieses Jahres. Bei der Entscheidung ging es um eine Frau, die wegen einer Psychose und Borderline-Persönlichkeitsstörung auf der geschlossenen Station einer psychiatrischen Klinik untergebracht worden war. Obwohl sie sich gegen eine Behandlung wehrte, wollte ihre gesetzlich berufene Betreuerin die Therapie erzwingen. Die BGH-Richter erklärten dies für unzulässig. Seitdem ist kaum noch ein Gericht dazu bereit, eine Zwangsbehandlung zu genehmigen – und die politische Debatte ist voll entbrannt.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie (DGPPN) drängt seither auf ein Ende der Rechtsunsicherheit. Anfang November legte das Justizministerium den Entwurf neuer gesetzlicher Regeln zur Betreuung vor. In dieser Woche sollten sie im Hauruckverfahren durchs Parlament gejagt werden – doch nach lautstarken Protesten müssen die hochsensiblen Fragen erst noch einmal gründlich debattiert werden.

Betroffen davon sind viele. Jedes Jahr werden rund 120.000 Menschen in Deutschland ohne ihre Zustimmung in einer psychiatrischen Klinik untergebracht – Tendenz steigend. Vor dem BGH-Beschluss erhielt jeder Zehnte dort gegen seinen Willen Medikamente, oft ein dämpfendes Neuroleptikum mit Nebenwirkungen. Diese Praxis weckt beängstigende Assoziationen, etwa an den Kinoklassiker Einer flog über das Kuckucksnest, in dem eine herrische Schwester psychiatrische Patienten auf Linie zwingt. Oder gar an die Aktion T, den Massenmord an Psychiatriepatienten während der Nazizeit.

Doch so brutal Zwangsbehandlungen erscheinen: Wenn Altersverwirrte ihr Insulin oder magersüchtige Mädchen das Essen verweigern, retten die ärztlichen Übergriffe Leben. Und bei akuten psychotischen Schüben können Psychopharmaka die Ängste von Menschen lindern, die bedrohliche Stimmen hören oder sich von Feinden umringt wähnen.

Seit die Gerichte die Zwangsmedikation nicht mehr erlauben, spitzt sich die Situation an vielen Kliniken zu. Allein in Ilten wurden im vergangenen halben Jahr 10 von 240 Patienten nicht therapiert, weil sie die Behandlung abgelehnt hatten. Wenn sie sich selbst oder andere gefährdeten, wurden sie stattdessen fixiert oder isoliert. Er sei als Arzt angetreten, um Patienten zu behandeln, sagt der Psychiater Becker. Nicht, um sie zu verwahren.

Als Ausweg schlug daher das Justizministerium in seinem Entwurf vor, dass stets ein Richter die Zwangsmaßnahme genehmigen müsse. Sie sei nur stationär zulässig und müsse auf sechs Wochen begrenzt sein. Die Therapien müssten dazu dienen, einen »drohenden erheblichen gesundheitlichen Schaden abzuwenden«, und Betreuer dürften Zwangsbehandlungen nur dann zustimmen, wenn der ihnen anvertraute Patient aufgrund seiner psychischen Krankheit selbst nicht in der Lage sei, die Notwendigkeit des Eingriffs zu erkennen. Doch die Opposition im Bundestag und auch einzelne Koalitionsabgeordnete sahen Nachbesserungsbedarf – und erkämpften nun zwei weitere Beratungswochen. Leicht wird die Debatte allerdings nicht.

Schon vor einem Jahr hat das Bundesverfassungsgericht über Zwangstherapien bei Straftätern befunden, die in der Psychiatrie untergebracht sind. Das Urteil: Solche Behandlungen verletzten in besonders schwerwiegender Weise das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. Die Verfassungsrichter schließen solche einschneidenden Maßnahmen zwar nicht vollständig aus, doch sie binden sie an Gesetze mit hohen Hürden. Beispielsweise müsse zunächst der »ernsthafte, mit dem nötigen Zeitaufwand und ohne Ausübung unzulässigen Drucks unternommene Versuch« erfolgen, eine »auf Vertrauen gründende Zustimmung« eines Betroffenen zu erreichen. Karlsruhe orientiert sich damit beim Umgang mit psychisch Kranken und Verwirrten an den Normen der UN-Konvention zu Rechten behinderter Menschen. Dieses Abkommen hat Deutschland 2009 unterzeichnet.

Im Geiste des Verfassungsgerichtsurteils musste auch der Bundesgerichtshof den freien Willen von Menschen verstärkt berücksichtigen, die Institutionen in extremer Weise ausgeliefert sind – und bemängeln, dass entsprechende Schutzvorschriften für Zwangsbehandlungen im Betreuungsrecht fehlten. Diese will die Koalition mit ihrem eiligen Gesetzentwurf jetzt nachliefern.

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Kommentare

138 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Mollath passt nicht

Der Fall Mollath passt nicht in DIESES Thema! Hier geht es nicht um Unterbringung, sondern um Zwangsbehandlung. Das sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Nur, weil beides um das Thema Psychiatrie geht, sollte das nicht vermischt werden.

Mollath ist - gegen seinen Willen - in einer psychiatrischen Klinik zwangsweise untergebracht. Er wird dort aber NICHT gegen seinen Willen behandelt. Die Behandlung, medikamentös wie Therapie, hat man ihm nahe gelegt, er hat sie aber abgelehnt. Das ist auch soweit respektiert worden!

Dass man ihm die Verweigerung so ausgelegt hat, dass er mangelnde Krankheitseinsicht zeigt und das als Begründung genommen hat, ihn weiter als gefährlich einzustufen, bezieht sich auch wieder nur auf das Thema Unterbringung.

Das Thema ist jedenfalls so heikel, dass es ein völliges Unding ist, es einfach so durchpauken zu wollen! Und das ohne die Betroffenen angemessen zu hören. Ein wirklicher Skandal.

Es muss sicherlich für Ausnahmefälle unter ganz strenger Vorgabe die Möglichkeit einer solchen Zwangsbehandlung geben können. Aber nicht so, wie es bisher vorgesehen ist und auch nicht dann, wenn Richter nur blind den Vorgaben der Ärzte folgen, wie sie es bei der Entscheidung über die Unterbringung auch tun (DA ist dann die Parallele zum Fall Mollath!)

Doch.....

Natürlich passt der Fall dazu. Auch die genannten Beispiele von Essstörung bis Shizophrenie wollen nicht unbedingt in der Klinik sein. Oder denken Sie, die fühlen sich dort wohl, aber wollen nicht behandelt werden?

Behandlung ist Behandlung. Man muss mit Zwangsmedikation und -unterbringung sehr vorsichtig sein, was die Rechtslage angeht. Und gerade bei psychischen Krankheiten können häufig keine Antikörper o.ä. festgestellt werden um die Krankheit zu diagnostizieren. Da müssen Gutachter ans Werk (bei den nicht so offensichtlichen Fällen) und wir haben ja gesehen, wie die teiweise in Zusammenarbeit mit der Justiz handeln.

Krankheitseinsicht

Hier geht es nicht um Straftäter.
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Breivik war die größte Zeit seines Lebens kein Straftäter.
Und genau darum geht es: Krankheitseinsicht und darum, wer entscheiden soll, ob (über)morgen Gefahr droht. Ich möchte das nicht.

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"...Ein körperlich Erkrankter dürfe schließlich die Behandlung verweigern, das müsse auch für einen geistig Erkrankten gelten. Wer sich über den Willen des Menschen hinwegsetze, degradiere ihn zu einem »Verwaltungsgegenstand"
Vs
"...Menschen mit Manien etwa könnten in ihren Hochphasen »ihre soziale und finanzielle Existenz ruinieren..."
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(Breivik hatte selbstverständlich keine Manie)
Diese zwei Sätze stehen im Widerspruch zueinander: Wenn also der Geist erkrankt ist, wieviel (gesunder) freier Wille bleibt übrig, um einschätzen zu können, dass man seine (oder Ihre oder meine) Existenz nicht ruiniert?
Breivik ist gesund - gestern und heute.
Sagt er.
Glaube ich nicht.
Glauben Sie?
Egal, zu spät.

Causa Mollath ist prototypisch...

Mollath ist - gegen seinen Willen - in einer psychiatrischen Klinik zwangsweise untergebracht. Er wird dort aber NICHT gegen seinen Willen behandelt. Die Behandlung, medikamentös wie Therapie, hat man ihm nahe gelegt, er hat sie aber abgelehnt. Das ist auch soweit respektiert worden!

Sie tun so, als ob die Nichtbehandlung im Falle Mollaths aus purem Gutmenschentum heraus erfolgt ist; dabei verkennen Sie, dass es für die fragliche Zwangsbehandlung keine Rechtsgrundlage gibt. Schlussendlich ist in der Causa Mollath einzig und alleine bekannt, dass er derzeit keine Medikation einnimmt.

Sehr richtig führen Sie auf, dass Mollath eben diese Verweigerung zum Nachteil gereichte. Die Brücke zu den Zwangsbehandlungen liegt in der Begründung des BGH in Bezug auf die Forensik: Eine Zwangsbehandlung einzig zur Erreichung des Vollzugsziel ist nicht zulässig.
Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass zuvor sehr wohl eine Zwangsbehandlung zur Erreichung von Vollzugszielen zulässig war, wobei das Vollzugsziel in der Causa Mollath offenkundig die beseitigung der gemeingefährlichen Unzurechnungsfähigkeit ist.

Hierbei spielt schon alleine die Kostenrechnung eine entscheidende Rolle: Causa Mollath kostet den Steuerzahler über 100.000€ pro Jahr. Eine umfassende und weitreichende Zwangssedierung mit Depotspritzen inkl. notwendiger Grundsicherung <10.000€.

Zum Titel

Sie fragen nicht unparteiisch "Behandeln oder fixieren?", doch leider will sich die Realität wieder mal nicht schwarz-weiß kategorisieren lassen.
Allzu häufig sieht es ganz anders aus, als der Artikel suggeriert: Es wird fixiert UND behandelt (beides gegen Patientenwillen) oder sogar, auch wenn dies offiziell nicht erlaubt ist, fixiert, UM ZU behandeln: angedrohte Fixierungen auf geschlossenen Stationen, die der Sanktionierung unerwünschten oder störenden Verhaltens dienen, sodass die Fixierung als eine Art Erziehungsmaßnahme daherkommt, kommen noch immer viel zu häufig vor. Sich hier für ein Gesetz auszusprechen, das Zwangsbehandlung erlaubt, um Fixierungen vorzubeugen, spricht vielen Erfahrungen mit der Psychiatrie Hohn. Häufig werden Fixierungen vorgenommen, um vom Patienten nicht erwünschte Behandlungen durchzuführen. Durch solche Behandlungen in einem vollkommen ausgelieferten Zustand (viele Patienten auf der geschlossenen Station sind durch frühe Missbrauchserfahrungen schwer traumatisiert)erfahren viele Patienten eine ernste (Re)Traumatisierung, die der Rehabilitation im Wege steht und eine psychische Störung chronifizieren kann, ganz abgesehen vom hierdurch persönlich erlittenen zusätzlichen Leiden.
Durch erlaubte Zwangsbehandlungen wird die Fixierung nicht verschwinden. Das machen Drohungen wie "Überlegen Sie sich das nochmal,sonst müssen wir Sie fixieren" deutlich, die auf die Funktion der Fixierung als Instrument des Maßregelns und der Einschüchterung hinweisen.

Sollte ich

jemals wieder eine Psychose bekommen, hoffe ich, dass ich zwangsbehandelt werde, wenn mit mir nicht zu reden ist.
Eine Bekannte von mir hatte gerade einen Rückfall und konnte nicht überzeugt werden, ihre Medikamente wieder zu nehmen. Sie wurde mit der Psychose entlassen, da keine Eigen- oder Fremdgefährdung vorlag und verwahrlost immer mehr. Das geht jetzt seit 4 Monaten so. Die Angehörigen sind verzweifelt.

positive Patientenverfügung

Dann legen Sie sich eine Patientenverfügung zu, in der sie festlegen, dasss sie auch gegen ihren Willen behandelt werden wollen.
Andere Leute, die unvermutet in eine solche Situation geraten, und sich deshalb noch nicht mit einer Patientenverfügung geschützt haben, lassen Sie bitte in Ruhe. Zwangsbehandlung ist eine Vergewaltigungserfahrung.

(Mir wurde Zwangseinweisung nach Hessischem Freiheitsentziehungsgesetz angedroht, es war eine leere Drohung, aber Anlass dafür, mich zum Thema zu informieren und mir eine Patientenverfügung GEGEN Zwangsbehandlung zuzulegen)

nicht medikamentös

Es ist schlichtweg falsch, dass man jeden Patienten, der an einer psychiatrischen Erkrankung leidet, lediglich mittels einfühlsamem und geduldigem Gespräch von der notwendigen Therapie überzeugen könnte, wie der vorletzte Absatz suggeriert.
Nicht selten macht eben ein Teil der Erkrankung die Nicht-Einsicht aus.

Interessant, aber nicht ungefährlich

Nicht selten macht eben ein Teil der Erkrankung die Nicht-Einsicht aus.

Ein KrankwagenTeam hatte mal eine Dame in einer Klink abzuholen, die unter akuter schizophrener Erregung litt und die Klinik sie nicht fachgerecht behandeln konnte. Kaum wollten das KrankenwagenTeam die Dame mitnehmen, brach Sie erneut in einem Zustand akuter schizophrener Erregung aus und schrie und wehrte sich.
Später stellte sich heraus, dass die Dame einer Verwechslung unterlag. Sie wollte lediglich jemanden in der besuchen. Da niemand die Dame ernst nahm, und jeder ihrer Versuche sich zu wehren das Bild der akuten schizophrenen Erregung "bestätigte", sollte sie "eingeliefert" werden.

Dieser grob skizierte Fall ereignete sich 1989.

Ein schönes Beispiel für "Einsicht", hm?

Das beweist nun gar nichts

Der geschilderte Fall in Kommentar 11 beweist nun gar nichts. Denn Verwechslungen kommen übarall vor, auch, z.B. bei der Strafverfolgung - und keiner hat deswegen das Strafrecht abgeschafft. Die wirkliche Frage ist doch, wie lange das System gebraucht hat, die Verwechslung aufzuklären. Dazu sagt Beitrag 11 aber nichts.

Richtig ist vielmehr, dass fehlende Krankheitseinsicht exitiert und eines der *Hauptprobleme* bei der Frage ist, ob und in wie weit man psychisch kranke Menschen behandeln darf oder sogar muss. Die Prozentsätze sind hoch: bei Schizophrenie mehr als die Hälfte (DSM-IV-TR), in manischen Zuständen möglicherweise noch höher. Das zu bagatellisieren ist nicht hilfreich.

Gegen Bagatellisierung bagetelisieren

Die wirkliche Frage ist doch, wie lange das System gebraucht hat, die Verwechslung aufzuklären. Dazu sagt Beitrag 11 aber nichts.

Das ist falsch interpretiert.
Sie haben das Kommentar 11 gar nicht verstanden, Verzeihung.
Es geht um die Einsicht des "Patienten" und jene Personenkreise, die festlegen wann eine Einsicht Einsichtigkeit darstellt.
Sehen Sie dies ein? Oder möchten Sie mich zu einer Diagnose über Kognition und Einsicht verleiten?
(kleiner Scherz in Anspielung, bitte nicht übel nehmen)

Richtig ist vielmehr, dass fehlende Krankheitseinsicht exitiert und eines der *Hauptprobleme* bei der Frage ist, ob und in wie weit man psychisch kranke Menschen behandeln darf oder sogar muss.

Ich bin gewillt Ihrer Argumentation dann zufolgen, wenn Sie mir erklären, was psychische Normalität ist, bzw. was ein normaler Mensch ist.
Als Internist haben Sie es einfacher eine erkrankte Niere zu diagnostizieren, weil es eine Definition einer gesunden, also funktionstüchtigen Niere gibt. Wenn Ihnen das Gleiche über Psyche gelingt, dann müsste Ihnen das Fehlen einer Einsicht unterstellt werden, mit der sich der sprichwörtliche Hund selbst in den ... beißt.

Erkennung einer psychischen Krankheit

Beitrag 22:
"Ich bin gewillt Ihrer Argumentation ... zu folgen, wenn Sie mir erklären, was psychische Normalität ist, ... [Es ist] einfacher eine erkrankte Niere zu diagnostizieren, weil es eine Definition einer gesunden ... Niere gibt. Wenn Ihnen das Gleiche über Psyche gelingt, ..."

Richtig ist, dass es eine abstrakte Definition eines "normalen" Menschen nicht gibt, so wie Beitrag 22 annimmt. Deshalb definiert man psychische Krankheit nicht als Abweichung vom Normalen. Sondern man orientiert sich ganz pragmatisch an einer Reihe von Krankheitssymptomen, die erkennen lassen, ob jemand an einer psychischen Störung leidet oder nicht. Auch wenn man also keine feste Definition hat, was "normal" ist, so weiß man in der Regel doch: *Das* sind *nicht* Merkmale eines Gesunden.

Wer sich nur theoretisch über krank oder gesund Gedanken macht, wird dies vielleicht als oberflächlich abtun. Wer ein zweiwöchiges Praktikum in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung gemacht hat, wird verstehen, was ich hier meine. Eine abstrakt-philosophische Annäherung bringt es hingegen nicht.

Natürlich gibt es Grenzfälle. Aber enorm viele Fälle sind ganz eindeutig. Und wenn die betroffenen Patienten dann meinen, sie wären nicht psychisch krank, dann spricht man von fehlender Krankheitseinsicht. Bei der Problematik der Gesetzgebung hier geht es um diese eindeutig psychisch Kranken ohne Einsicht.

Und da beißt sich die logische Katze nicht in den Schwanz.

Herrenmenschentum

Zitatanfang

Auch wenn man also keine feste Definition hat, was "normal" ist, so weiß man in der Regel doch: *Das* sind *nicht* Merkmale eines Gesunden.

Zitat ende

Es ist schön das es Herrenmenschen gibt die wissen was die "Merkmale eines Gesunden" sind.
Das hatten wir schon mal nicht nur im Dritten Reich, sondern auch bei der Homosexualität.
[...]

Gekürzt. Bitte nehmen Sie Abstand von Pauschalisierungen. Die Redaktion/mak

Herrenmenschentum ganz fehl am Platz

Es gibt objektive Kriterien die auch schon im Vorfeld genannt sind. Zwei weitere (Über)-Kriterien kann ich Ihnen gerne nennen.

1. Droht sich der psychotische Mensch sich selbst was anzutun? (Suizid)
2. Liegt eine Bedrohung für Leib und Leben im Umfeld des Menschen vor?

wird dies beides oder eines bejaht, wird der Mensch in seinem Zustand der Umwelt (die diesen Kriterien nicht entspricht) entzogen.

Das hat REIN GAR NICHTS mit den "Auswahlkriterien" der Nazis zu tun. Schauen Sie doch mal den Film "Hitlerjunge Salomon." Ein sehr eindrucksvoller Film, der zeigt wie die Auswahlkriterien der Nazis nicht in der Lage waren Menschen von Menschen zu unterscheiden.

Selbst- und/ oder Fremdgefährdung sind aber valide Kriterien. Auch die schon von einem Mitforisten beschriebenen Orientierungskriterien sind valide. 1:0 entweder ich kann sagen wer ich bin oder aber eben nicht weil ich desorientiert bin.

So far E.

angedichtete Selbstgefährdung

Ich habe zur Zeit selber mit einem Fall zu tun, da wollte eine Mutter ihre immer wieder leicht psychotische, aber komplett harmlose und meistens gutgelaunte Tochter endlich in psychiatrische Behandlung bringen. Die Mutter ist Psychiatriekrankenschwester, die wusste, wie sie das macht. Sie hat einfach erzählt, ihre Tochter hätte sie öfters angerufen und von Befehlen erzählt, sich umzubringen. Das hat gereicht für Zwangseinweisung. Es steht jetzt in allen Akten, die Tochter würde Stimmen hören.

Die Tochter war 1 Woche auf der geschlossenen Station, trotz dieser Situation gut gelaunt, aber auch ziemlich durcheinander. Hat aber niemanden gefährdet.
Dann hat sie der Arzt erpresst. "Sie nehmen jetzt diese Pille, in den nächsten 5 Minuten, sonst geben wir Ihnen eine Spritze". Seitdem nimmt sie Tabletten und beklagt sich über den Verlust der Lebensfreude, die sie früher hatte, aber durch die Neuroleptika nicht mehr. Sie ist mittlerweile entlassen. Ihr ambulanter Arzt lässt die Tabletteneinnahme durch einen Pflegedienst überwachen, wenn sie das mit dem Pflegedienst nicht mitmacht, "muß ich Sie einweisen". Leere Drohung meiner Einschätzung nach, aber sie ist eingeschüchtert, kein Wunder nach dem, was sie durchmachen mußte.
ambulanter Arzt: "Da Sie nicht krankheitseinsichtig sind, müssten Sie eigentlich stationär sein, nur wegen dem Pflegedienst weise ich Sie nicht ein"

angedichtete Selbstgefährdung

Pflegedienst: "Unterschreiben Sie das, dass wir bis 31.3.2013 kommen, sonst geht es wieder ab in die Klinik"
Wie gesagt, die Tabletten nehmen ihr die Lebensfreude weg. Sie beklagt sich bei den Ärzten darüber, das interessiert die aber nicht, die schreiben die gleiche Dosis weiter auf. Wenn sie sich eines Tages umbringen wird, dann wegen der Psychiatrie, nicht trotzdem.

Was kann unser "Gesundheits"system einem harmlosen Menschen alles antun, weil er die Diagnose "paranoide Schizophrenie" hat ? Die hat sie ja jetzt. Die stimmt nach psychiatrischen Kriterien auch, aber wie gesagt, sie ist ein harmloser Mensch, für sich und andere. Sie bekommt gesagt, ihr geäußerter Wille, nämlich dass die Tablettengabe beendet wird, sei nicht ihr "freier Wille" und deswegen brauche man sich nicht darum kümmern, was sie will oder nicht, das müssten andere (Betreuer, Psychiater) entscheiden. Pervers.

Ich hoffe, sie findet den Mut, auf ihrem Recht auf körperliche Unversehrtheit zu bestehen. Einen Anwalt hat sie schon, leider ist der nicht besonders engagiert.