Ernst Ludwig KirchnerNackt in der Natur
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 Das Skizzenbuch zeigt zentrale Motive aus Kirchners Werk

Zwischen 2.800 und 20.000 Euro kosten nun die 83 einzelnen Blätter, die die Galerie Koch aus dem ungewöhnlich großformatigen Skizzenbuch Nummer 159 anbietet. Zu den niedriger bewerteten Blättern gehören unter anderem spätere Darstellungen von Eishockeyspielern, die auch das Motiv für Gemälde abgaben, oder rasche Skizzen von tanzenden Frauenakten. Für 12.800 Euro wird die blattfüllende Federzeichnung einer Tänzerin angeboten, die sehr genau mit einem von Kirchner aufgenommenen Aktfoto von circa 1929 korrespondiert. 13.500 Euro kosten die beiden in schwarzer Kreide festgehaltenen Frauen mit Grammofon. Erst jetzt im Herbst 2012 sei die Entscheidung gefallen, das Skizzenbuch nicht als Ganzes, sondern als Einzelblätter zu verkaufen, bestätigt Gerd Presler. Sieben Seiten seien ohnehin schon vorher herausgerissen worden – vielleicht von Kirchner, vielleicht von anderen: »Zwischen 1968 und heute durchlief das Skizzenbuchschaffen von Ernst Ludwig Kirchner einen Wandel von fast völliger Nichtbeachtung zu hoher Wertschätzung.« Das jetzt angebotene Exemplar sei nicht nur deshalb besonders interessant, weil es mit 295 mal 205 Millimetern doppelt so groß wie die Mehrzahl der anderen Skizzenbücher Kirchners ist, sondern auch wegen der für ihn so zentralen Motive.

Sicher steckt hinter dem Verkauf der einzelnen Blätter also berechtigtes kommerzielles Kalkül. Die Nachlassverwaltung nämlich war und ist durchaus bemüht, noch auftauchende und für echt befundene Skizzenbücher dauerhaft vollständig zu erhalten. Unter anderem deshalb wurde das Kirchner-Museum in Davos in seiner heutigen Form 1992 auch als Forschungsstätte gegründet. Als zuletzt im Mai 2008 bei Lempertz in Köln ein komplettes Skizzenbuch mit 95 Skizzen aus den Jahren 1921 bis 1925 aus französischem Privatbesitz versteigert wurde, war es Wolfgang Henze, der dafür erfolgreich 85.000 Euro bot – es war dann 2010 in der großen Kirchner-Retrospektive im Frankfurter Städel zu sehen.

Als Einheit bleibt das Skizzenbuch Nummer 159 nun immerhin im aufwendigen Faksimilekatalog erhalten, der mit schwarzem Cover und abgerundeten Ecken wie das Original wirkt und ab 1. Dezember auch in der Galerie Koch für 15 Euro erhältlich ist: Dann werden in Hannover jene Blätter gezeigt, die jetzt in Köln nicht schon verkauft wurden.

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Leserkommentare
  1. 1. wobei

    sich mir die frage auftut wer dieses gekritzel das echt jeder schüler so zeichnen könnte als kunst deklariert?

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    Es handelt sich hier um ein Skizzenbuch, da wird eben auch mal gekritzelt - Vorbereitung zur "Kunst" (oder zu dem, was immer auch jeder darunter verstehen mag...).

  2. Es handelt sich hier um ein Skizzenbuch, da wird eben auch mal gekritzelt - Vorbereitung zur "Kunst" (oder zu dem, was immer auch jeder darunter verstehen mag...).

    Antwort auf "wobei"

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