PersonenrätselLebensgeschichte

von Wolfgang Müller

Sechs Tage war sie alt, als ihr Vater starb und einen Scherbenhaufen hinterließ. Zu allem Unglück, jammerte er auf dem Totenbett, komme nun auch noch die Geburt einer Tochter. Seine kluge Frau aber nahm beherzt die Angelegenheiten des Mädchens in die Hand. Die Strategin im Heiratsschach verlobte die Kleine zum ersten Mal mit sechs Monaten. Allerdings dachte sie nicht daran, die damit verbundenen Bedingungen zu erfüllen. Sie versteckte das Kind, das deshalb entführt werden sollte, kündigte die Verlobung auf und gab einem anderen Kandidaten das Jawort. Mit fünf Jahren, die es in verschiedenen Verstecken verbracht hatte, ging es in Begleitung von vier Gleichaltrigen und Gleichnamigen an Bord, um in der Familie ihres Zukünftigen aufzuwachsen. Zehn Jahre später feierte sie Hochzeit mit dem schwächlichen Knaben, mit achtzehn war sie Witwe. Sofort stellte sich die Frage einer neuen Heirat, Anwärter gab es genug.

Sie aber entschied, mit Unterstützung ihres Halbbruders das Erbe des Vaters anzutreten, und kehrte in ihr Heimatland zurück. Schon bei den Willkommensfeiern schlug ihr Opposition entgegen. Als sie einen jüngeren Cousin heiratete, wandte sich auch der Halbbruder von ihr ab. Nur Monate später zettelte ihr Mann ein Komplott gegen sie an, vor ihren Augen wurde ihr Sekretär umgebracht. Zum Schein floh die Hochschwangere mit ihrem Mann. Im Jahr darauf wurde er ermordet. Die Gerüchte, sie habe ihre Hand im Spiel gehabt, verstummten nie, zumal sie kurz darauf die Ehe mit dem mutmaßlichen Mörder einging. Das verziehen ihr auch die Getreuesten nicht. Sie wurde festgesetzt, bezirzte einen ihrer Wächter, floh und begab sich im Nachbarland unter den Schutz einer Verwandten. Der Dauerkonflikt zwischen den beiden bewog diese, ihre Mitschuld an dem Mord klären zu lassen und sie unter Arrest zu halten.

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18 Jahre lebte sie in Gefangenschaft, die sie nicht daran hinderte, sich an Verschwörungen zu beteiligen, um ihre Schutzherrin zu beseitigen und sich an deren Stelle zu setzen. Ein fingiertes Komplott überführte sie schließlich des Hochverrats. Ihr spektakulärer Tod machte die Intrigantin zur Märtyrerin. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 48:

Ken Loach (*17. Juni 1936), britischer Filmemacher und Kämpfer für soziale Gerechtigkeit, drehte u. a. "Riff-Raff" (1991). Aktuell im Kino "The Angels’ Share"

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