SpionageDie Verschwörung gegen Brandt
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Allein im ersten Jahr entstehen Kosten von 160.000 Mark

Der Nachrichtendienst ist teuer. Allein im ersten Jahr entstehen für die Quellen Kosten von 160.000 Mark. Eine wichtige Rolle bei der Finanzierung spielt der Verein, den Stauffenberg und seine Unterstützer im Januar 1971 ins Leben rufen: der Arbeitskreis für das Studium internationaler Fragen in München. Der Verein überweist Geld an Stauffenberg. Vorsitzender wird der Herausgeber des Rheinischen Merkurs, Otto B. Roegele, Stellvertreter wird der ehemalige Minister für die Fragen des Bundesverteidigungsrates, Heinrich Krone. Das Amt des Schatzmeisters übernimmt der Rechtsanwalt und CSU-Landtagsabgeordnete Alfred Seidl, eine höchst schillernde Figur. Seidl, ein überzeugtes NSDAP-Mitglied, verteidigte in den Nürnberger Prozessen Rudolf Heß und Hans Frank und bemühte sich lebenslang um die Freilassung von Heß. Nach dem Tod Seidls wurde bekannt, dass ihn eine enge politische Freundschaft mit dem DVU-Chef Gerhard Frey verband. Die Akten des Arbeitskreises, die Aufschluss über die Arbeit des Vereins liefern könnten, befinden sich im Nachlass von Exminister Krone. Sie sind vom Archiv der Konrad-Adenauer-Stiftung mit Verweis auf Persönlichkeitsrechte gesperrt.

Fest steht: Bis Mitte der siebziger Jahre braucht Stauffenberg die finanzielle Unterstützung von CDU und CSU. Dem ZEITmagazin liegen Ausarbeitungen vor, wonach die Christdemokraten in den ersten beiden Jahren je 100000 Mark beigesteuert haben. Dazu kommen Unternehmensspenden, die nicht weiter aufgeschlüsselt werden. Überliefert ist, dass Sayn-Wittgenstein den ehemaligen Deutsche-Bank-Chef Hermann Josef Abs umwarb, der bayerische Staatsminister Franz Heubl den Unternehmer Rolf Rodenstock. Guttenberg bemühte sich um den ehemaligen Flick-Generalbevollmächtigten und CSU-Abgeordneten Wolfgang Pohle.

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Ein wichtiger Helfer von Stauffenberg wird sein ehemaliger BND-Kollege Hans Langemann, der zuerst den Dienst leiten sollte. Er arbeitet seit November 1970 für die Olympischen Spiele in München und verfügt über Geld des Landes Bayern. Mit den Landesmitteln soll er geheime Zuträger finanzieren, die ihn auf Gefahren für die Sommerspiele hinweisen. Allein 1971 liegt sein Budget bei 91254 Mark, ein Jahr später sind es 108491 Mark. Ab März 1971 übernimmt Stauffenberg Langemanns Berichte mit einem Vorspann für seinen Dienst: Die Meldungen, heißt es, stammten aus einem "Bereich, dessen Koordinierung vorbereitet" werde.

Im November 1970 wird Henry Kissinger erneut von einem Informanten Stauffenbergs aufgesucht. Mittlerweile ist der deutsch-sowjetische Vertrag unterschrieben, die Unterzeichnung des Warschauer Vertrags steht kurz bevor. Dieses Mal weiß Kissinger offensichtlich, dass sein Gast der Opposition zuarbeitet. Hier wird er nicht ausgehorcht, sondern er gibt der CDU und CSU vertrauliche Ratschläge, wie sie sich gegenüber Brandt verhalten sollen. Der Zuträger zitiert Kissinger mit den Worten: "Es mag möglich sein, die gegenwärtige Regierung zu stürzen, offen bleibt aber, ob hierfür nicht Risiken eingehandelt werden, die eine CDU/CSU-Regierung in größte Schwierigkeiten bringen kann." Der Amerikaner weist laut Bericht darauf hin, dass die sowjetische Regierung die Zustimmung beider großen Parteien im Bundestag für die Ostverträge wünsche. Auf diese Weise würde auch bei einem Mehrheitswechsel das Abkommen nicht infrage gestellt. Soll also die Opposition Verantwortung für die Verträge übernehmen, wie es auch die SPD fordert? Kissinger favorisiert demnach eine andere Taktik: "Ich würde eher dafür plädieren, die Ratifizierung zu verzögern und in dieser Zeit die Resultate der recht unterschiedlichen sowjetischen Praktiken in der Weltpolitik genauer zu beobachten, der Bundesregierung die Verantwortung für die Ratifizierung selbst zu überlassen."

Kissinger rät jedoch der Quelle zufolge den Unionsparteien davon ab, ihre offene Konfrontation fortzusetzen. Die CDU/CSU-Fraktion lehnt es nämlich ab, einen Beobachter zu den Verhandlungen des Warschauer Vertrags in die polnische Hauptstadt zu entsenden. Im Dezember 1970 weigert sich Fraktionschef Rainer Barzel, den Kanzler zur Vertragsunterzeichnung zu begleiten. So ist er nicht dabei, als Brandt am Ghetto-Ehrenmal einen Kranz niederlegt und auf die Knie fällt. Die Bilder dieser Geste erreichen die ganze Welt und werden zum Symbol der neuen Ostpolitik.

Das kommende Jahr 1971 ist das der zähen Verhandlungen. Amerikaner, Franzosen, Briten und Sowjets beraten in endlosen Runden, wie sie das Leben in West-Berlin verbessern können. Die Alliierten haben die Hoheit über die geteilte Stadt. Die östliche Seite müsste garantieren, dass West-Berlin von der Bundesrepublik aus jederzeit ohne große Kontrolle erreichbar ist. Bisher ist die Anreise ein Abenteuer, das viele Stunden dauern kann. Am 3. September 1971 können die Botschafter der Alliierten endlich das Viermächteabkommen unterzeichnen. 

Zwei Wochen später reist Kanzler Brandt überraschend auf die ukrainische Halbinsel Krim. In einem Vorort Jaltas, Oreanda, trifft er Leonid Breschnew in dessen Ferienhaus. Das bringt Brandt in die Kritik: Zum einen wird ihm vorgeworfen, habe er mit seinem Abstecher auf die Krim die westlichen Partner überrumpelt. Zum anderen wirken Breschnew und Brandt auf den Bildern wie in einem gemeinsamen Urlaub: Sie fahren mit dem Boot über das Schwarze Meer, gehen zusammen schwimmen. Offiziell sprechen die beiden unter anderem über die Folgen des Viermächteabkommens.

Leserkommentare
  1. Diesen tollen Artikel würde ich jetzt gerne direkt bezahlen. Wirklich wahr, denn genau solchen Journalismus brauchen wir. Warum nur ist hier nirgends ein "KAUF MICH" Knopf integriert? Warum jammern die Verlage so laut über Geld, das Google ihnen angeblich klaut, anstatt das Netz endlich mal zu nutzen, um Geld zu VERDIENEN?

    Alleine dieser Artikel wäre mir jetzt gerade den Preis einer Ausgabe der ZEIT wert gewesen. Vielleicht gehe ich morgen zum Kiosk und kaufe mir einfach eine ZEIT, aber schön wäre es doch gewesen, wenn es jetzt hier einen kleinen, EINFACHEN Bezahlmechanismus gäbe (nicht so ein langwieriger Anmeldeprozess wie man ihn durchlaufen muss wenn man nur einen enzelnen Kommentar loswerden will :( ), mit dem ich Ihnen einen Obulus zukommen lassen könnte.

    Naja. Trotzdem ein erschütternder Artikel. Wenn man so etwas liest, fragt man sich, warum so viele Medien Verschwörungstheorien als Blödsinn abtun. Was muss denn noch alles aufgedeckt werden, damit auch unsere 4. Gewalt mal zu dem Schluss kommt, dass unser gesamtes System bis zum Kinn in einem tiefen Morast steckt? Nur darf man so etwas ja inzwischen gar nicht mehr aussprechen, ohne gleich für geistig umnachtet erklärt zu werden.

    Leider fürchte ich, dass dieser Kommentar die Moderation nicht übersteht, also raubmordkopiere ich ihn mir direkt in mein Blog. Aber keine Angst, ich werde kein Geld dafür verlangen, dass Sie meine geistige Leistung auf Ihrer Website veröffentlichen.

    Mit frdl. Grüßen, ein Zahlungswilliger

    2 Leserempfehlungen
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    wenn Sie bedauern, dass der Artikel keinen "Bezahl-Button" hat:
    Sie koennen gerne einfach einen, Ihrer Meinung nach, angemessenen Betrag online, oder via Bank, an den Herausgeber senden- Man nennt dies eine Ueberweisung, und sie benoetigt in der Regel weniger als 239 Woerter.

    Schoenen Advent.

    • skjoell
    • 02. Dezember 2012 14:06 Uhr

    ich würds generell begrüßen, Artikel bestimmter Autoren kostenpflichtig abonnieren zu können, so dass diese mir ohne weiteres Zutun zugeschickt werden. Die komplette "Zeit" möchte ich nämlich nicht mehr abonnieren; nicht, wenn ich daran denke, welche Texte ich dadurch mitfinanziere. Deutlicher werde ich wohl besser nicht. ;)

    • unico
    • 02. Dezember 2012 14:47 Uhr

    Den Artikel finden sie im aktuellen ZEITmagazin, nicht der ZEIT.
    Im Übrigen fand ich ihn auch äußerst spannend und die Reaktion der CDU/CSU ("Keine Ahnung", "Kein Kommentar") bezeichnend und beschämend.

    LG

    • AndreD
    • 03. Dezember 2012 15:37 Uhr

    meldet sich heute Frank Rieger vom CCC.

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/digitales-denken/leistung...

    Ein sehr kluger Artikel. :-)

    Ja, ich würde auch Geld für den Artikel bezahlen, aber leider ist die ZEIT unfähiger als die taz, die immerhin Flattr und andere Bezahlmöglichkeiten integriert hat.

  2. Was ist denn hier los? Brenzliger Stoff und keiner liest?

    Sonst: Globke, Kiesinger, zu Guttenberg und Strauß und Gehlen. Das hätte man sich doch nur in seinen wildesten Verschwörungstheorien ausgemalt! Echt grandios. :D

    Weiterhin erfüllt es mich mit einiger Freunde, am selben Tag gleich zwei sehr gute Artikel lesen dürfen (diesen und jenen über die PR der sog. Klimaskeptiker). Ich kann dem ersten Kommentator nur zustimmen und ergänzen, dass solche Artikel in der Tat einen Anreiz für ein Abonnement darstellen. Liebe Zeit, keine Angst vor umfänglichen und komplexen Themen. Wir können damit umgehen und zahlen dafür dann auch gern.

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    wäre vielleicht ein besserer Titel gewesen. Die Bezugnahme auf Brandt suggeriert "alte kamellen, natürlich gab es da eine Verschwörung" und weckt dadurch wenig Interesse.

    Ob dieser Geheimdient je ein Ende fand bleibt eine spannende Frage.

  3. 3. Danke!

    Danke frau Waske für ihren Artikel. Ich hoffe, man liest noch mehr von ihnen.

    • Gallier
    • 30. November 2012 16:15 Uhr

    Jahrzehnte lang wird die Gefahr vor der Linken in Deutschland beschworen. Und wo waren/sind die echten Verfassungsfeinde? In der CDU/CSU, ein Sammelbecken für NSDAP-Mitglieder und -anhänger.
    Vor solchen "Freunden" der demokratischen Grundordnung kann einem nur bange sein.

  4. Starker Artikel ... und natürlich starker Stoff.

    Noch etwas sprachlos, auch ein Danke von mir.

  5. Kein wunder, dass sich kaum jemand dafür interessiert, neu ist die Geschichte nämlich nicht.

    So oder so ähnlich wurde es bereits hier beschrieben:

    Gegen Freund und Feind. Der BND: Geheime Politik und schmutzige Geschäfte, Peter F. Müller (Autor), Michael Mueller (Autor), Erich Schmidt-Eenboom (Autor), 2002

    http://www.amazon.de/Gegen-Freund-Feind-Der-BND/dp/3498044818

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    • hairy
    • 02. Dezember 2012 10:31 Uhr

    wusste das nicht... und glaube doch, dass viele von solchen zuständen auch nichts wussten. trotz vielleicht schon eher publizierter bücher...

  6. ich "Osrbüro" aufgebaut hatte, dessen Aktenbstände dann auch einem unerwarteten Brand zum Opfer gefallen sind?

    MfG KM

  7. hat sich bis heute nicht viel geändeert. Da werden Linke vom BND beobachtet während Rechte jahrelang morden können.
    Eine soveräne Staatsenscheidung gibt es ach bis heute nicht ohne das OK der USA.
    Als Schröder den Irak- Krieg ablehnte mußte er abtreten. Frau Merkel, die damals zu Bush reiste versicherte, daß das nicht die entscheidung des deutschen Volkes sei und damit log wurde danach Kanzlerin.
    Die Absage der Teilnahme an völkerrechtswidriger Krieg der USA wurde von der CDU- CSU als Anlaß genommen Schröder für den Bruch der amerikanisch - deutschen Freundschaft verantwortlich zu machen.
    Guaqntanamo etc. stören die Freundschaft nicht. Das ist keine Freundschaft das ist vasallenhaft. Noch heute.
    Traurig aber wahr, Deutschland ist das einzige Land was unter Besatzung glücklich und zufrieden scheint.

    Eine Leserempfehlung

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