Schauspielerin Fritzi Haberlandt"Ich brauche nicht so viele Reize, weil ich vollends mit meiner Innenwelt beschäftigt bin"

Seit Fritzi Haberlandt aufs Land gezogen ist, möchte sie nicht mehr weg: Ihr Garten und ihre Tagträume erfüllen ihre Bedürfnisse. Nur ein Katze fehlt zum Glück. von Ralph Geisenhanslüke

Schauspielerin Fritzi Haberlandt

Schauspielerin Fritzi Haberlandt  |  © Andreas Rentz/Getty Images

Oft frage ich mich, wie es wäre, wenn ich nicht mehr lange zu leben hätte und mir noch schnell meine Träume erfüllen müsste. Die Antwort auf diese Frage sagt viel darüber aus, was man wirklich will und wo man steht. Habe ich meine bisherigen Entscheidungen bewusst getroffen? Oder sind die Dinge mir einfach nur passiert? Wie viel ist davon Glück?

Viele Leute würden vielleicht sagen, sie möchten noch mal irgendwohin reisen und etwas Bestimmtes sehen. Mir fällt als Erstes ein, dass ich auf gar keinen Fall reisen würde. Das Wichtigste für mich wäre, dass ich zu Hause bleiben dürfte.

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Bei Reisen denkt man an fremde Länder, exotische Kulturen und neue Eindrücke. Ich denke an überfüllte Flugzeuge, Terminalwechsel, schlechte Hotels. Reisen ist auch eine Form von Demütigung. Du bist nur eine Nummer und musst schauen, dass du ein Plätzchen findest, wo du für ein paar Stunden sein darfst. Der Aufwand, um von A nach B zu gelangen, ist mir meistens zu groß.

Das kommt sicher auch daher, dass ich beruflich so viel gereist bin. Kolumbien ! Korea! Die Kollegen beneiden einen. Doch ich war immer diejenige, die klagte. Manchmal habe ich mich vor dem Abflug ganz feierlich von meinen Freunden verabschiedet, weil ich dachte, ich komme nicht lebend zurück. Hinterher fand ich es dann toll, und ich möchte diese Eindrücke auch nicht missen. Freiwillig hätte ich solche weiten Reisen aber nie gemacht.

FRITZI HABERLANDT

37, Schauspielerin, geboren in Ost-Berlin, ist im Theater wie im Kino erfolgreich. Von nächster Woche an ist sie mit Mario Adorf in dem Film »Die Libelle und das Nashorn« zu sehen

Ich fahre auch nicht in den Urlaub. Seit ich aufs Land gezogen bin, nach Brandenburg , muss ich überhaupt nicht mehr weg. Ich bin in der Natur, da geht’s mir gut. Vorher wusste ich gar nicht, wie sehr ich es liebe, im Garten zu sein. Mir war nicht klar, dass mir das eigentlich all die Jahre gefehlt hatte, deshalb konnte ich davon auch nicht träumen. Für mich wäre es undenkbar, mehr als einen Ort mein Zuhause zu nennen. Wenn ich einen Ort gefunden habe, an dem ich zufrieden bin, verlasse ich ihn ungern. Warum sollte ich mich nach einem weiteren umsehen?

Vermutlich brauche ich nicht so viele Reize von außen, weil ich vollends mit meiner Innenwelt beschäftigt bin. Ich bin eine intensive Tagträumerin. Das geht so weit, dass ich mich manchmal in den Arm kneifen muss. Es war für mich immer schon ein starker Antrieb, in meine Vorstellungswelten abzutauchen, mich in andere Menschen hineinzuversetzen, zu versuchen, so zu denken wie andere. Wieso sind sie da, wo sie jetzt sind? Was fühlen sie dabei?

Ich habe einen Traum
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Alle bisherigen Träume zum Nachlesen  |  © Miss Jones/Photocase

Bei der Frage nach den letzten Tagen geht es auch darum, was man ändern würde. Warum soll man immer sagen: Später mache ich mal dies und jenes. Wenn man etwas ändern will, sollte man es doch jetzt tun. Ich empfinde es als Privileg, nicht sagen zu müssen: Eigentlich müsste ich alles umkrempeln. Oft denke ich, dass ich jetzt gerade genau da bin, wo ich sein will. Ich sehe mich einfach auf der Gartentreppe sitzen. Mein größtes, immer wiederkehrendes Bedürfnis ist es, Zeit für mich zu haben. Davon abgesehen gehen meine Sehnsüchte derzeit nicht über den Wunsch nach einer Katze hinaus. 

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