Niko Paech : Aufklärung 2.0

Der Oldenburger Ökonom Niko Paech ist ein radikaler Wachstumskritiker. Und er lebt vor, was er predigt.
Wachstumskritiker Niko Paech

Der Hörsaal ist rappelvoll mit jungen und alten Menschen. Sie füllen den Raum in der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Eichstätt-Ingolstadt. Am Eingang hat der örtliche Zeittausch-Ring einen Stand aufgebaut. »Tausche Reifenwechsel gegen Hochzeitstorte« steht auf einem gelben Faltblatt. Der Referent auf dem Podium müht sich mit dem Mikrofon ab. »Keine sehr fortschrittliche Technik«, witzelt er. Der 51-jährige Wissenschaftler aus Oldenburg wurde zuvor als »bekanntester Postwachstumsökonom Deutschlands« vorgestellt. »Wenn man das Wort bei Google eingibt, ist Niko Paech der erste Treffer«, sagt eine junge Frau von der Organisation sneep, dem »studentischen Netzwerk für Wirtschafts- und Unternehmensethik«, die den Norddeutschen eingeladen hat.

Dann legt Paech los. Was er zu sagen hat, ist eine Generalabrechnung mit dem herrschenden, auf stetigem Wachstum basierenden Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, mit dem globalen Wohlstandsmodell, mit dem alltäglichen Leben in Deutschland. Es sei ein System, das nur auf einer Plünderung der Natur beruhe und mit der sich abzeichnenden Verknappung wichtiger Ressourcen an sein Ende komme. Befreiung vom Überfluss heißt ein Büchlein, in dem er seine provokanten Thesen komprimiert hat.

Paech ist einer der wenigen seiner Zunft, die es wagen, Wachstum prinzipiell infrage zu stellen, und auch an der allseits gepriesenen green economy und dem von den Grünen propagierten green new deal lässt er kein gutes Haar. Paech geißelt »Effizienzmythen« ebenso wie die Idee, mehr Bildung sei eine Chance für »gutes Wachstum«. »Auch Bildung führt zu neuen Produkten, die das Leben vollrümpeln und die Umwelt zerstören.«

Es ist Paechs zweiter Auftritt in Ingolstadt. Viele Leute hätten beim ersten Mal keinen Platz mehr gefunden und den Veranstalter beschimpft. Deswegen sei er noch einmal gekommen, sagt er. Der Mann ist gefragt. »Ich habe vergangenes Jahr rund 80 Vorträge gehalten. Das ist aber nur ein Viertel oder ein Fünftel der Anfragen.« Auf Honorare verzichtet er in der Regel. »Ich lasse mir nur die Kosten erstatten.«

Mit seinen Thesen trifft Paech einen Nerv der Zeit. Wachstumskritik ist seit Ausbruch der Finanzkrise en vogue , obwohl viele Regierungen zugleich nach Ideen für noch mehr Wachstum suchen. Paech beklagt denn auch eine zunehmende Perspektivlosigkeit in der Ökonomie. »Die Kontroverse zwischen angebots- und nachfrageorientierter Makroökonomik bringt gar nichts«, sagt Paech. »Sie streiten nur über den Weg. Doch die Grundlinie, weiteres Wachstum zu induzieren und das überkommene, auf Expansion und Entgrenzung basierende Fortschrittsmodell aufrechtzuerhalten, stellt keine der beiden Schulen infrage.«

Unter Ökonomen, die oft trocken daherkommen, ist Paech eine echte Rampensau. Er hat als Moderator des Oldenburger Lokalfernsehens und Saxophonist zweier Rockbands Erfahrung gesammelt. Paechs Erfolgsgeheimnis ist nicht nur seine Fähigkeit, wirtschaftliche Zusammenhänge verständlich und witzig aufzubereiten, sondern auch seine persönliche Glaubwürdigkeit. Wenn er in seinen Vorträgen die Notwendigkeit betont, weniger zu konsumieren, kommt er gerne auf sein Sakko zu sprechen. »Das habe ich auf dem Flohmarkt gekauft und von einer Änderungsschneiderei anpassen lassen.« So kann er die Entrümpelung des Lebens vom »Wohlstandsschrott« glaubwürdig als ultimativen Freiheitsgewinn anpreisen.

Paech hat noch nie in einem Flugzeug gesessen, besitzt weder Handy noch Auto noch Eigenheim, ernährt sich vegetarisch. Auf dem Oldenburger Verschenkmarkt, den er als früherer Agenda-21-Beauftragter der Stadt mit gegründet hat, tauscht er gerne Alt gegen Alt. Sein Laptop gehört der Uni, sein letzter, privates Laptop war ein zehn Jahre altes Exemplar. »Ich konnte es nicht mehr unterwegs benutzen, weil der Batterieanschluss kaputt war«, sagt Paech. Inzwischen hat er ihn an die Freundin, eine Ökoköchin, weitergegeben. »Er macht Ernst mit dem Konsumverzicht, ohne dabei verbiestert zu wirken«, sagt Angelika Zahrnt, Ehrenvorsitzende des Bundes für Umwelt- und Naturschutz. Das komme bei jungen Leuten gut an.

Der Mann hätte das Zeug zu einer Kultfigur, zum Öko-Guru. »Das wäre ihm aber wohl zu unhinterfragt«, meint Philip Nehl, einer seiner Oldenburger Studenten. »Doch viele Studis bewundern seine Konsequenz.« Nehl macht gerade seinen Master in Sustainability Economics und Management. Ein Modul dieses Studiengangs über nachhaltiges Wirtschaften wird von Paech betreut. »Da geht es dezidiert um Wachstumskritik, wer da reingeht, kriegt wirklich eine Dusche«, erläutert Paech. Ansonsten hält sich der Ökonom an die Usancen seines Fachs. »Ich muss schon die klassische Theorie darlegen und will die Leute nicht indoktrinieren.« Allerdings weise er »aus Gründen wissenschaftlicher Akribie« auch auf »zwiespältige Sachverhalte« hin, etwa die Tatsache, dass lange Wertschöpfungsketten nur deshalb funktionieren könnten, weil Energie so billig sei.

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Kommentare

86 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Ein Fall für Schmidt , Steinbrück und die SPD

Die Moderne mit fehlendem Wachstum ist ja in ihren Anfängen überall sichtbar. Es wird wohl darauf ankommen sich darin zurecht zu finden. Paech ist schon ein spannender Ökonom. In seinen Arbeiten bereitet er hoffnungsvolle Anworten auf die aktuellen Fragen unserer Gesellschaften vor. In Zeiten galoppierdender Banken-, Realwirtschfts- und am Ende Volkswirtschtskriesen tut eine Aufklärung 2.0 Not. Wie wohl Helmut Schmidt und Peer Steinbrück auf Paech reagieren würden?

Gewiß ablehnend würden die SPD-Granden reagieren,

jedenfalls würde mich das Gegenteil überraschen. Die SPD ist als Wachstumskritikerin bisher nicht aufgefallen (von Einzelpositionen abgesehen). Ihr - mittlerweile kaum mehr eingelöstes - Konzept der Umverteilung setzt Wirtschaftswachstum voraus.
Meiner Ansicht nach hat Niko Paech recht. Die Absurdität unseres Wirtschaftens besteht doch schon sehr lange darin, nicht etwa Bedürfnisse zu befriedigen, sondern ständig neue schaffen. Scheinbedürfnisse, wohlgemerkt. Vor zehn Jahren gab's noch keine iPhones - trotzdem waren die Leute nicht weniger glücklich oder unglücklich, als heute. Viele Produkte erziehen uns unter dem Deckmantel von "Erleichterungen" wichtige Fähigkeiten ab, auf jeden Fall stehlen sie uns die Zeit, die wir mit anderen Menschen - oder auch mit uns selbst verbringen könnten. Macht man sich das klar, bedeutete eine Ökonomie und Gesellschaft, wie Paech sie anregen möchte, nicht "Verzicht", sondern "Gewinn" - nämlich von Freiheit.
Ich befürchte aber, daß die andere Seite, die ja nun mal am Konsumwahn verdient, Gegenmaßnahmen treffen würde, sollte die Anti-Wachstums-Idee signifikante Größenordnungen von Menschen ergreifen. Insofern kann, wer vom Wachstum redet, vom Kapitalismus nicht schweigen.

Schmidt und Steinbrück

##Wie wohl Helmut Schmidt und Peer Steinbrück auf Paech reagieren würden?##

Kennen Sie nicht das berühmte Schmidt-Zitat: "Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen"?
Die SPD ist die denkbar ungeeignetste Anlaufstelle für alles was gedanklich auch nur einen halben Meter über das hier und jetzt hinausragt.

Allerdings geht Paech auch den m.E. zum Scheitern verurteilten Weg des System-Reformismus, und möchte sich von Kapitalismus und Waren(!)wirtschaft nicht wirklich trennen.

Ein wesentlich radikaleres und m.E. interessanteres Konzept ist dieses hier:
http://wiki.eoslife.eu/in...

Schön, daß Niko Paech nicht nur Wasser predigt, sondern selber

Auch Wasser trinkt. Es wird niemand daran gehindert, seinem Beispiel zu folgen. Allerdings werden wir nur allzu oft bedrängt, solch ein Leben zu führen. Mögen seine Vorträge auch voll sein und viele von ihm begeistert sein, nur wieviele werden seinem Beispiel folgen. Langfristig wird sich eben doch Bequemlichkeit und Wohlstandsdenken durchsetzen.

Beispiele

neue Ansätze verfolgt z.B. P:M: in diversen schweizer Projekten:
Inhalt

Während schon fast ein Konsens darüber besteht, dass wir aus dem gegenwärtigen Wirtschaftssystem heraus müssen, ist noch nicht klar, wie das geschehen soll. Der Kapitalismus kann nicht einfach durch ein anderes System, eine Alternativökonomie, ersetzt werden, denn einer seiner Fehler ist ja gerade, dass er ein einheitliches System ist, das sich über alle natürlichen und menschlichen Besonderheiten hinwegsetzt und alles über denselben Kamm schert.

Der Autor plädiert statt dessen für ein Besinnen auf die Gemeinschaften: Leben kann nur gemeinsam gestaltet werden. Die Zukunft liegt in den Commons, also in Arrangements zur Herstellung und Erhaltung von gemeinsam genutzten Ressourcen. P.M. zeigt sehr konkret und detailliert, wie der Kapitalismus abgelöst werden kann, wie Gemeinschaften Märkte ersetzen können: eine Gebrauchsanweisung für das Gemeinglück.

»Solch ein kultureller Pluralismus wird unsere Überlebenschancen drastisch erhöhen und ganz nebenbei viel mehr Freude in unser Leben bringen. Die nötigen Investitionen sind minimal: Es kostet uns nur den Verzicht auf simple Weltbilder und lieb gewonnene Überzeugungen.« P.M.
http://www.edition-nautil...
http://www.neustartschwei...

ich halte es für schwierig in Zeiten

des immer stärker ausgeprägten Individualismus nun ausgerechnet mehr Gemeinschaft zu fordern. Natürlich können Sie fordern doch es ist nicht realisierbar. Auch Herr Paech lebt sehr individuell. Seine Ideen und Gedanken finde ich sehr gut und wichtig. Was mir fehlt ist der Ansatz diese Gedanken auch mehrheitsfähig zu machen. Denn nur dann wird auch der Gemeinschaft geholfen. Leider reagiert die Masse der Menschen nur auf positive Anreiz Signale und nicht auf Verzicht.

Gefährliche Statement im Gewand der Aufklärung

Diese Ansätze von Herrn Paech mögen für einen gebildeten urbanen Menschen auf den ersten Blick sympathisch anmuten - sind aber ebenso grundfalsch wie kompatibel mit dem Weltbild der Anhänger des bedingungslosen Grundeinkommens:

Der Glaube, individuelles Streben nach Gewinn, Wachstum und Wohlstand in unserer Kultur komplett transformieren oder gar abschaffen zu können, ist naiv und gar brandgefährlich; die Ideen kommen im Gewand der Aufklärung (z.B. "Nachhaltigkeit" - ein Schlagwort, was bei Anhängern dieser Ansätze allzu häufig missbraucht wird) daher, aber verheißen bei näherer Betrachtung nichts Gutes:
konsequent zu Ende gedacht hieße das beispielsweise, kranke Leute nicht mehr adäquat behandeln zu können, da diese ja mehr "Eigenleistung in regionaler Nähe" aufbringen müssen. Es ließen sich noch viele weitere Beispiele anführen...

Kulturelle und soziale Errungenschaften, die im weitesten Sinne mit Annehmlichkeiten
verbunden sind oder gar moralisch-ethischer Standard geworden sind (Schwächere brauchen die Hilfe der Gemeinschaft etc.), würden faktisch abgeschafft...
Wer das als Fortschritt und für einen "mutigen" Paradigmenwechsel hält, der täuscht.

Bestenfalls ist dieser Blick sozialromantisch - übrig bliebe eher ein in der Tat konservatives,gar reaktionäres Weltbild mit sozialdarwinistischen Zügen, mit dem der Herr Pasch dann ganz gewiss nicht mehr vor einer Horde "biodeutscher" Studierender kokettieren würde. Oder ist dies vielleicht doch die richtige Zielgruppe?

Menschen verbrauchen Ressourcen

Ob uns das gefällt, oder nicht: eine wesentliche Aufgabe der Menschheit in diesem Jahrtausend wird es sein, ihre eigene Zahl im Zaum zu halten. Denn Menschen (ver)brauchen Ressourcen, auch wenn man so nachhaltig lebt wie Herr Paech. Und Ressourcen werden einfach umso weniger, je mehr Menschen da sind. Eine simple und für jeden transparente Rechnung. Niemand redet davon die Kranken und Alten im Stich zu lassen, im Gegenteil: niemand sollte im Stich gelassen werden. Das gilt aber auch für die Gesunden, die Jungen, die Kinder, die, da muss ich TinaKaren einfach zustimmen, in anderen Teilen der Welt in viel erschreckenderem Maße und aus haarsträubend einfachen Gründen krepieren. Was das für eine Zivilisation sein soll, für die Sie hier eine Lanze brechen, lieber Berlinkenner, dat weeß ick nu wirklich nich!

Kurzum: die beste Nachhaltigkeit (und für mich gehört das, was Herr Paech hier vertritt, zum besten was ich bislang zum Thema gehört und gelesen habe) nützt uns langfristig gar nichts, wenn wir unsere Population nicht begrenzen. Freiwillig begrenzen, so wie Herr Paech seinen Konsum begrenzt. Die Freiheit, Gesetzen zu folgen, die sich der vernunftbegabte Mensch selbst gegeben hat. War das nicht Kant?

Ich bin erfreut über die Aufklärung 2.0

Nein wir leisten uns dies nicht. . .

..sondern es ist eine der seltenen und positiven Entwicklungen aus der Ethik heraus. Das ist eine Frage der Denkweise und , welch heutzutage abgeschroschenes Wort, der Werte. Folgt ein Mensch denen, wird er weniger zum gefährlichen Raubtier für seinen Mitmenschen. Folgt er ihnen nicht, wird er zu einer ständigen Gefahr mit Tötungsabsicht für seine Mitmenschen. Ihre vorgeschlagenen Massnahmen müssen nicht alternativ dazu sein und sind gut. Geld ist genug da, die Frage ist, wer greift es für was ab. Und existiert der Wille für solche Massnahmen.

So einfach ist es leider nicht

Denn der Level an medizinischem Fortschritt, an Praezision von Geraeten etc. ist nur moeglich innerhalb einer wirtschaftlichen Systems, das sich zu Lasten anderer (!)irrwitzige Vorteile verschafft. Die Welt ist heute nicht friedlicher als sie es je war - sie ist es nur fuer uns (!).Sie moegen das "Werte" oder zivilisatorischer Fortschritt nennen - man koennte aber auch sagen dass es grenzenloser Egoismus einiger Voelker gegenueber anderen ist. Es funktioniert nur unter der Bedingung der Abschottung, nur, wenn wir uns darueber einig sind, dass wir uns einigen (!) Menschen gegenueber solidarisch verhalten, anderen gegenueber aber nicht.

lol...

mit diesem Argument kann man sich leicht aller Verantwortung entledigen. Nur koennte der Planet realtiv leicht 5 mal so viele Menschen vertragen, die leben wie wie die, die auf dem afrikanischen Kontinent leben - aber nicht doppelt so viele, die leben, wie man in Europa so lebt. So lange einer von uns im Laufe seines Lebens so viele Ressourcen verbraucht, wie 20 Afrikaner, sollten wir die Loesung des Problems nicht in der Eindaemmung der Bevoelkerungsexplosion suchen.

Kantscher Idealismus ....

.... hilft nicht weiter.

Eine Gesellschaft muss extrem produktiv sein, um so etwas wie Umverteilung von begehrten Ressourcen auf hohem Niveau möglich zu machen (dazu gehört nicht nur Luxus, sondern auch gerade hochkomplexe Produkte und Dienstleistungen, die eben Menschen brauchen, um in unserem Verständnis menschenwürdig leben zu können. Wollen Sie etwa Behinderten verwehren, dass Rolltreppen an U-Bahn-Stationen weiter ausgebaut werden?)

Produktivität heißt leider ein Stück weit Wirtschaftswachstum. Das müssen die Kritiker des Wachstums ein Stück weit anerkennen.

Umwelt - und Klimaprobleme werden sich langfristig nur durch bahnbrechende Technologien lösen lassen und nicht über eine utopisch anmutende Verzichtsideologie, die in Demokratien (in denen wir alle sicher leben wollen) wohl auch kaum durchsetzbar sein dürfte….

Was hier so individuell und freigeistig im Sinne des Herrn Paschs und Welzers klingt (letztere aber noch der sympathischere und auch realistischer von beiden sein dürfte…), ist nur dann effektiv, wenn es alle machen und es eben keiner individuellen Entscheidungsdimension mehr entspricht - das aber nur um Preisgabe von demokratischen Freiheitsrechten. Es liefe auf eine Öko-Diktatur hinaus oder aber: um eine Randerscheinung im jetzigen bestehenden System.

Produktivität

unsere Gesellschaft IST extrem produktiv! "Umverteilung von begehrten Ressourcen auf hohem Niveau" wäre schon jetzt ohne weiteres möglich! Wir könnten 7Mrd. Meschen ernähren, kleiden, ihnen Zugang zu Bildung, Wasser, Energie, medizinischer Versorgung ermöglichen. Das dies nicht geschieht, ist keine Frage der Produktivität, sondern des Wirtschaftssytems, daß eben nur auf zahlungskräftige Nachfrage fokussiert, und so buchstäblich 1Mrd Menschen neben übervollen Tellern (ver)hungern läßt. Lieber wird das siebzehnte Haarwuchsmittel für den satten Westeuropäer produziert, als das Malariamittel für Afrika, es wird in musikspielende Klopapierhalter als Gadget für den überversorgten und gelangweilten Ami investiert statt in Toiletten in Südostasien, es werden künstliche Inseln im persischen Golf aufgeschüttet, Skiabfahrtshallen in Dubai errichtet, Luxusyachten und Privatjets gebaut, weil die verkauft werden können, nicht weil sie wirklich gebraucht würden! Was gebraucht wird, wird eben nicht produziert, weil diejenigen, die's benötigen, es nicht bezahlen können.
Das Ganze nennt sich "Kapitalismus", und solange man diese System nicht abschaffen will, ist es freilich müßig, den status quo zu beklagen!

Nun. . .

. . .sie haben Recht, aus der Gier entstehen, über Umwege, technische Innovationen, auch im medizinischen Bereich, der den Menschen hilft. Bisher hat dieser Grund leider auch bewirkt, das immer Zivilisationzentren entstanden, in denen die Lebensbedingungen angenehm sind. Zum Rande dieser Zentren hin und außerhalb sind die Lebensbedingungen schlechter bis barbarisch.Daher auch die Flüchtlinge, die Menschen,die hier in den Zentren besser leben wollen. Zu diesem Muster gehört natürlich auch die Abschottung. Die Situation, die wir heute haben, zeigt doch auf, was passiert wenn wir uns auch in den Zentren von einer in Handlungen umgesetzten Ethik verabschieden: Thema Zwei-Klassen-Medizin, zusammengestrichene Leistungskataloge der KK, Ablehnung lebensnotwendiger medizinischer Therapien. Das alles veranlassen Menschen, ohne eine umgesetzte Ethik, werden die wirklich gefährlich für ihre hilfebedürftigen Mitmenschen.

Steigende Produktivität reduziert Ressourcenverbrauch

- absolut oder relativ - und bewirkt so Wachstum.

Gemäß der Logik der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, nach welcher das Wachstum ermittelt wird, kann das BIP, also die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung, schon dadurch zulegen, dass die Vorleistungen, also der Ressourcenverbrauch, stärker abnehmen (oder schwächer zunehmen) als der Produktionswert, dass also die Produktivität des Ressourceneinsatzes steigt.

Wachstum an sich hilft aber fast niemandem

Durch welchen Anteil der heutigen Berufe, werden denn tatsaechlich noch "Werte" geschaffen? Wenn jemand damit sein Geld verdient anderen Versicherungen zu verkaufen, die sie nie brauchen werden, Plastikspielzeug herzustellen, das nach spaetestens einer Woche kaputt sein wird, Kleidung herzustellen, die einmal getragen wird und dann jahrzehntelang in einem Schrank haengt, Klingeltoene zu programmieren, die eine Woche lang von ein paar Millionen Teenagern geladen werden um dann wieder in Vergessenheit zu geraten, Diaetpillen herstellt, durch die niemand abnimmt - dann laesst sich damit kurzfristig ein bisschen Geld verdienen - bzw eigentlich nicht. Geld tauscht lediglich den Besitzer (in der Gesamtbilanz bleibt die Menge des Geldes gleich). An Werten wurde aber gar nichts (!) geschaffen - es wurden nur unnoetig Ressourcen verbraucht. Haetten die Kaeufer ihr offensichtlich ueberzaehliges Geld in einen Solidartopf eingezahlt um ohnehin noetige Sozialleistungen leichter finanzieren zu koennen, waere derselbe mittlere Lebensstandard viel ressourcenschonender erreichbar.

an berlinkenner

Es ist schön, dass Behinderte über Rolltreppen zum U-Bahnsteig kommen können. Unser Energiehunger führt systematisch dazu, dass andere Menschen nicht in unserem Verständnis menschenwürdig leben können. Ein Beispiel unter Vielen: Menschen wird das sie ernährende Land weggenommen, um Pflanzen für europäischen Biosprit anzubauen. Bitte keine Diskussion über dieses einzelne Beispiel, das ist austauschbar. Wollen Sie etwa solchen Menschen verwehren, dass sie sich ernähren können? Humanismus ist leider keine Leistung der 'hochentwickelten' Nationen, nur weil uns die positiven Effekte unserer Entwicklung öfter begegnen als die negativen. Und nur weil im Grundgesetz steht, dass die Würde des Menschen unantastbar ist, heißt das nicht, dass es auch wirklich Programm ist.

Umwelt- und Klimaprobleme wurden durch bahnbrechende Technologien verursacht. Natürlich können "bestimmte Technologien den Schaden anderer Technologien abschwächen". Den Glauben, dass unterm Strich Technologie Lösung dieser Probleme sein kann, halte ich aber für ungerechtfertigt.

Zur Ressourcenverknappung sagen Sie gar nichts. Genau die wird aber aller Wahrscheinlichkeit nach irgendwann die Öko-Diktatorin werden. Also warum nicht gleich schaun, was geht. Sie könnten auch Teil dieser Randerscheinung im jetzigen System werden. Was spricht dagegen?

Wenn die Kriesen galoppierden

dann brauchen wir natürlich Verzicht und Schrumpfung. Schluss mit dem ganzen Industriequatsch! Aufklärung 1.0 führte aus dem Mittelalter raus, Zweinull führt wieder rein. Charmante Lösung zur Überbevölkerung: Lebenserwartung halbieren, Kindersterblichkeit rauf! Dann ist auch genug da für den Rest, wer sein Fahrrad nicht selbst heil bekommt, der läuft, wer das nicht kann, der hat halt Pech. So Typen sind echt die Richtigen. Eine Idee mit weltweiter Strahlkraft! Der goldene Westen kapituliert freiwillig und im vorraus.
Der Herr Paech möge mal einem Land mit Bevölkerungswachstum und Youth Bulge erklären, dass es nicht weiter wachsen soll. Ein paar Lacher wird er ja bekommen, aber sonst?

Freiwillige Selbstbeschränkung wird global nie funktionieren (sieht man ja schon an den Klimagipfelchen). Wer's lokal versucht, der wird hinweggefegt.

Entschuldigung..

Ich hab mich verklickt und Ihren Kommentar empfohlen.

Empfehlen wollte ich etwas anderes . Und zwar Ihnen. Beschäftigen Sie sich umfangreich mit der Verfügbarkeit billigen Öls. Dann fragen Sie sich, welche der sie gerade umgebenden Güter existieren würden wenn wir kein Öl hätten. Selbst das Glas wasser neben Ihnen hatte in seinem Produktions und Transportprozess "Öl" eingebunden. Genaugenommen sind es die 5 Kubikkilometer Öl die wir Jährlich verbrauchen und deren Energiegehalt einem Einem Äquivalent von im Schnitt 60 Sklaven für jeden Menschen des Planeten vom Greis bis zum Säugling entsprechen , die für unseren Wohlstand verantwortlich sind.

Erinnern Sie sich an die Ölkrise ? Da fehlten am Weltmarkt nur 4% des Öls. Wenn der Peak of Oil durch ist, gegen 2020, werden wir Jährlich und sich schnell steigernd einen Rückgang von ca 3% erleben. Jährlich und für immer.

Sie haben nicht verstanden, dass der historisch einmalige Vorfall des findens und verwendens gespeicherter Sonnenenergie aus 200 000 000 Jahren unser Wachstum ermöglicht hat.

Das ist es worum es geht. Nicht Sozialromantik, nicht wunschdenken, keine Vision, sondern reine Notwendigkeit.

Und Entkopplung hat weltweit bisher nachweisbar noch nie funktioniert.

Wir brauchen vordenker wie Paech, um dann wenn die Krise eintritt, kluge Ideen parat zu haben. Denn vorher wird niemand handeln.