WeihnachtsmenüAlles in einen Topf
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Drei Stunden braucht ein Bollito misto

Bollito misto mit Polenta und glasierten Ingwerkarotten

Und auch das Bollito misto können Sie schon am Tag vor dem großen Festschmaus zubereiten, falls Sie jemand sind, der an Feiertagen gern ausschläft. Denn das »gemischte Gekochte«, das eigentlich »gemischtes Gesottenes« heißen müsste, weil die Brühe nie sprudelnd kochen darf, sondern immer nur leise sieden, es braucht seine Zeit. Rechnen Sie mit drei Stunden oder mehr! Und wenn Sie das Fleisch besonders saftig haben wollen, dann sollten Sie es vor dem Sieden kurz blanchieren: für ein paar Minuten in sprudelnd kochendes Wasser legen, dann herausnehmen und erst heiß, dann kalt abspülen.

Ich setze also 400 g Rindfleisch, das Huhn und das übliche Suppengemüse (Karotten, Sellerie, Petersilienwurzel, Lauch, alles in grobe Stücke geschnitten) in einem sehr großen Topf mit kaltem Wasser an, würze mit Salz, Lorbeerblättern und Gewürznelken und beobachte den Topf genau, während ich das Ganze erhitze. Irgendwann wird das Eiweiß aus dem Fleisch als Schaum an die Oberfläche steigen, aber wenn ich verhindere, dass die Flüssigkeit zu heiß wird, wenn sie also nie sprudelnd kocht, indem ich vielleicht manchmal etwas kaltes Wasser hinzugieße, kann ich mir das Abschöpfen ersparen: Irgendwann sinkt das Eiweiß von selbst ab, und die Brühe wird wunderbar klar. Ich kann sie am übernächsten Tag mit frisch gemachten Grießknödeln servieren – oder mit den klein geschnittenen Resten des Bollito misto, falls wider Erwarten nicht alles aufgegessen wird. Nach drei Stunden sollte das Fleisch gar sein.

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Als Beilage zum Fleisch darf Gemüse nicht fehlen. Ich empfehle glasierte Karotten mit Ingwer: Zucker in Butter schmelzen lassen, Karottenstücke und fein geschnittenen Ingwer dazu, mit etwas Brühe vom Bollito aufgießen und fertig schmoren lassen. Das geht auch noch kurz vor dem Festmahl, während man die andere Beilage vorbereiten sollte.

Als Tribut an die italienische Küche nämlich gibt es zum Bollito misto eine Polenta, und Polenta zu rühren ist – wenn man es richtig machen will – eine zeit- und kräfteraubende Angelegenheit: 250 g feinen Maisgrieß in 1 l kochendes Salzwasser rieseln lassen, dabei ständig rühren, die Hitze reduzieren, um nicht von dem blubbernden Brei verbrüht zu werden, und immer kräftig weiterrühren mit einem hölzernen Löffel, bis die Masse so fest und kompakt ist, dass sie sich von Topfwand und Löffel zu lösen beginnt. Das dauert ungefähr 10 bis 15 Minuten. In eine kalt ausgespülte Form füllen und abkühlen lassen. Kurz vor dem Servieren schneide ich fingerdicke Scheiben von der gestürzten Polenta und brate diese von beiden Seiten in reichlich Butter an. Mit Fleur de sel bestreuen.

Inzwischen habe ich das Bollito misto wieder erwärmt, einschließlich des Cotechino, also der Wurst, die ja meistens vorgekocht verkauft wird und nur noch zehn, fünfzehn Minuten in der heißen Brühe braucht. Ich schneide das Rindfleisch in Scheiben, ebenso das Hühnerfleisch, das sich jetzt gut von den Knochen lösen lässt, arrangiere beides mit den Wurstscheiben, den Karotten und der Polenta auf den Tellern und nehme die Ovationen meiner weihnachtlich gestimmten Tischgesellschaft entgegen.

Bollito misto mit Polenta und glasierten Ingwerkarotten

400 g Rindfleisch (Tafelspitz, Bürgermeisterstück)

1 Suppenhuhn

1 Cotechino (eine italienische Wurst)

Suppengemüse (Karotten, Sellerie, Petersilienwurzel, Lauch)

Salz, Lorbeerblätter, Gewürznelken

250 g feiner Maisgrieß, Fleur de sel

1 EL Butter, 1 EL Zucker 500 g Karotten, 1 Stück frischer Ingwer etwas Brühe vom Bollito

Leserkommentare
  1. ... für uns ist in diesem Jahr die Rückbesinnung auf Siebeck 2001 angesagt, denn wir haben eine wundervolle Wildschweinkeule geschenkt bekommen.

  2. Fleisch, Fleisch, Fleisch!

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    Hier mal eine Alternative:

    http://www.youtube.com/watch?v=7Xc5wIpUenQ

    Ich finde es auch krass mit welcher Selbstverständlichkeit und Kritiklosigkeit hier Woche für Woche Fleischgerichte angepriesen werden. Die tierethischen Argumente werden im Grunde kategorisch ausgeblendet und die ökologischen Aspekte dem eigenen Genuss untergeordnet. Als würde sich das zwangsläufig widersprechen.

    Es wäre wenigstens ein Kompromiss, wenn es parallel auch eine vegane/vegetarische Kolummne geben würde, als so unhinterfragt die Gewohnheiten des Mainstreams zu bedienen. Dabei gäbe es so viele Alternativen!
    Nicht zuletzt wäre das ja auch im Sinne der z.B. ökologischen Sensibilisierung, um die sich die ZEIT anderenorts so bemüht.

    Jonathan Safran Foer hat übrigens mit "Tiere Essen" ein exzellentes Buch geschrieben, das ganz unterschiedliche Perspektiven einnimmt. Als Weihnachtslektüre nur zu empfehlen.

  3. Antwort auf "Immer nur..."
  4. Dem Herrn Siebeck seine französischen Schneeinseln sind ein uraltes, ich weiß jetzt nicht ob originär deutsches, aber jedenfalls schon in zich Jahre alten Kochbüchern vorhandenes Traditionsrezept aus Uromas Zeiten. Vanillesuppe mit Schneeflocken. Kann man auch mit Trockenfruchteinlage machen
    http://goccus.com/rezept.php?id=1867

    Aber lustig, dass solch ein Rezept hier im Weihnachtsmenü auftaucht.

    Eine Leserempfehlung
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    • meresi
    • 27. Dezember 2012 6:53 Uhr

    ..kann nicht richtig sein. in österreich heisst das schneenockerl. ich nehm an in bayern auch, und wenn man sich die form ansieht. egal, wie auch immer, dieses gericht gibt es auch in polen,kroatien, serbien,ungarn usw...auch in der böhmische küche...aber was red ich da

  5. Ich finde es auch krass mit welcher Selbstverständlichkeit und Kritiklosigkeit hier Woche für Woche Fleischgerichte angepriesen werden. Die tierethischen Argumente werden im Grunde kategorisch ausgeblendet und die ökologischen Aspekte dem eigenen Genuss untergeordnet. Als würde sich das zwangsläufig widersprechen.

    Es wäre wenigstens ein Kompromiss, wenn es parallel auch eine vegane/vegetarische Kolummne geben würde, als so unhinterfragt die Gewohnheiten des Mainstreams zu bedienen. Dabei gäbe es so viele Alternativen!
    Nicht zuletzt wäre das ja auch im Sinne der z.B. ökologischen Sensibilisierung, um die sich die ZEIT anderenorts so bemüht.

    Jonathan Safran Foer hat übrigens mit "Tiere Essen" ein exzellentes Buch geschrieben, das ganz unterschiedliche Perspektiven einnimmt. Als Weihnachtslektüre nur zu empfehlen.

    Antwort auf "Immer nur..."
    • Morein
    • 01. Dezember 2012 16:28 Uhr

    Wer das Fest der Liebe und des Friedens feiern möchte wird doch sicherlich dabei nicht das Leid unschuldiger Tiere blutig auf seinen Essensteller genießen wollen. Weihnachten,das Fest der Liebe, eine gute Gelegenheit die Momente der Besinnung zu nutzen um sein bisheriges Verhältnis zu den Tieren,jenen unschuldigen und stimmlosen Wesen, deren sich der zivilisierte Mensch sich annehmen sollte wie seiner eigenen Kinder, zu überdenken. Es gibt keinen Grund sich mit Kadaver zu ernähren wo es doch genügend Alternativen gibt um sich Gesund und sehr Lecker zu nähren.
    Vegetarische Ernährung ist nicht nur gesünder, sondern erhält dem Menschen auch ein klares Bewusstsein und verhilft der Gesellschaft insgesamt zu einer friedlichen Ausrichtung. Wer solch Achtung dem Tiere gegenüber sich zulegt wird bei Gewalt gegenüber Menschen sicherlich erst recht sehr empfindsam sein.

    Eine zivilisierte Gesellschaft kann man an seiner Haltung gegenüber dem schwächsten und hilflosesten erkennen.

    Fehlen Ideen und Rezepte? Hier einige Tipps
    Rollbraten mit Broccoli-Füllung :
    http://www.hab-hunger-muss-essen.de/rezepte.php?id=64

    Eine Top Empfehlung der Veganen Küche :
    Vegane Rezepte : http://www.vegetarische-rezepte.com/veganerezepte/index.html

    Mein ganzes Leib & Leben, die Vedische Küche ..mmhhhh!*! :
    http://www.krishnatempel.de/html/downloads/rezepte/rezepte_gemuese.html

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    Warum so viele vegane/vegetarische Rezepte Fleischersatz-Rezepte sind. Es wimmelt von Tofuwürstchen, vegetarischen Rollbraten, veganer Leberwurst. Sie boten immerhin ein paar Beispiele indischer Küche an, bei denen das nicht der Fall ist.

    Was ich auch nie begreifen werde, ist die Moralinsäure überzeugter Vegetarier/Veganer. Um Ihnen meine Eßgewohnheiten zu beschreiben: ich esse an etwa 5 Tagen/Woche vegetarisch. Ich liebe gutes Fleisch und guten Fisch - das sind Festessen, auf die ich mich oft wochenlang freue. Wie z.B. auf ein Weihnachtsmenue. Das ist es wert, in aller Ausführlichkeit beschrieben und diskutiert zu werden. Und zwar ohne persönliche Anwürfe wie die Ferndiagnose mangelnder Liebe. Doch: ich möchte gelegentlich ein 'unschuldiges Tier' auf meinem und den Tellern meiner Lieben. Meine Liebe setze ich dafür ein, es mit größter Andacht und Sorgfalt zuzubereiten. Mit der Schuld, daß für meinen Genuß ein Tier starb, kann ich leben.

    Wissen Sie, was mich noch wundert? Unter den Artikeln mit vegetarischen/veganen Rezepten findet sich so gut wie nie ein Vegetarier/Veganer ein. In der Regel tauschen sich dort die Gleichen aus, denen u.a. Sie mangelnde Liebe und Unzivilisiertheit unterstellen.

    Was mich zum Schluß kommen läßt: derlei Missionstrieb hat ganz andere Hintergründe als eine bessere Welt und vor allem: als Genuß. Um den geht es übrigens unter der Rubrik Essen & Trinken.

    @Artikel - wahrscheinlich bin ich ein Spiesser, aber mir fehlt ein köstliches Sößchen!

  6. Tolles Rezept!
    Abwechslungsreich, beherrschbar, verführerisch - und außerdem so schön zu lesen!

  7. mögen doch bitte Kolumnen wie hier ignorieren und in eigenen Foren sich ergießen. Missionare jeglicher Glaubensrichtung sind i.A. weltweit unerwünscht.

    Trotzalledem allen ein Frohes Fest, und, Danke, Herr Siebeck :)

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