Ex-BundespräsidentWulff und der Maulwurf
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 Christian Wulff sucht eine neue Rolle

Das Dokument ist eine Mischung aus kleinteiligen Auflistungen von Geschenken und Gegengeschenken aus Vera Glaesekers Reisetagebuch ("Thunfisch für Abends", "Alabaster-Windlicht für Manfred"), gravierenden Vorwürfen, die seitens des LKA nahegelegt werden (Bestechlichkeit gemäß § 332 StGB), und unfreiwillig komischer Justizsprache: "Der Kosename Schnulli ist ... nicht im Ansatz geeignet eine zulasten meines Mandanten gehende Indizwirkung zu entfalten."

Glaeseker beruft sich neben der Freundschaft zu Schmidt, die die zahlreichen Gegengaben bezeugen sollen, auch darauf, dass es für die Übernachtungen bei dem Eventmanager zahlreiche Zeugen gebe – unter anderem seinen früheren Chef Christian Wulff.

Doch für die Frage, ob Glaeseker sich der Korruption schuldig gemacht hat, ist aus staatsanwaltschaftlicher Sicht weder allein ausschlaggebend, ob zwischen Schmidt und Glaeseker ein Vertrauensverhältnis bestanden habe, noch ausschließlich, ob Wulff von den Urlauben wusste, sondern auch, ob er davon ausgehen konnte, dass dafür bezahlt wurde. Weil man Wulff nichts nachweisen kann, so Glaesekers Befürchtung, und um nicht mit ganz leeren Händen dazustehen, könnte die Staatsanwaltschaft gegen ihn Anklage erheben.

Scham wegen der NSU-Morde

Der frühere Bundespräsident geht indessen fest davon aus, dass das Verfahren gegen ihn eingestellt wird. Vorsichtig bastelt Wulff an einem Comeback. Anders als Karl-Theodor zu Guttenberg zieht er nicht ins Ausland. Er bleibt in dem Klinkerhaus in Großburgwedel wohnen, mit dem der ganze Ärger begann. Doch auch Wulff operiert fürs Erste aus einer Art selbst verordnetem Exil heraus. Seinen ersten Auftritt absolvierte er vor wenigen Wochen in Seoul vor dem World Knowledge Forum, bei der Adenauer-Stiftung am Comer See sprach Wulff über Integrationspolitik. Vergangenen Mittwoch trat er zum ersten Mal wieder in Deutschland auf. In der holzvertäfelten Aula der Uni Heidelberg sprach Wulff über "Gesellschaft im Wandel", ein bisschen schmaler, ein bisschen grauer, aber ansonsten wirkte er zum ersten Mal seit Monaten wieder, als sei er bei sich, auch die nach 3-D-Brille aussehende Lesehilfe hatte er wieder zugunsten des alten randlosen Modells abgelegt.

Wulff sprach darüber, wie er sich geschämt habe, als er den Opfern der NSU-Morde gegenübergesessen habe, weil auch er es für plausibel gehalten habe, dass es sich bei den sogenannten "Dönermorden" um Beziehungstaten im kriminellen Milieu gehandelt habe. Das Thema Integration will er weiterhin zu seinem machen.

Beide hoffen auf die Justiz

Die Deutschen haben Wulff fallen lassen, doch in der Gemeinde der Türken und Deutschtürken wird er verehrt wie eine Ikone. Nicht nur wegen des Satzes, der Islam gehöre zu Deutschland, auch weil er als erster deutscher Politiker eine Deutschtürkin zur Ministerin machte, Aygül Özkan. Bei den Migranten gilt Wulff als einer, der nicht nur redet, sondern auch handelt. Bei den Deutschen gilt er als einer, der das höchste Amt in den Dreck gezogen hat. Wie wird sich das Bild ändern, falls das Verfahren tatsächlich eingestellt wird? Wird sich der Sturm der Empörung dann gegen die Staatsanwaltschaft wenden? Wird dann vergessen sein, dass es Wulff selbst war, der sich im Amt unmöglich gemacht hat, bevor ihn die Justiz zu Recht oder zu Unrecht zum Rückzug zwang?

Er sucht eine neue Rolle. Er sei nun in der Lernphase, so Wulff in Heidelberg, als junger Altpräsident. Zu seinem Fall sagt er nichts. Wulff hofft auf die deutsche Justiz. Bernd Busemann, sein alter Feind, tut das vermutlich auch.

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Leserkommentare
  1. amtierende Bundespräsident steht doch auch für und mit dem niedersächsischen Klüngel aller Piech und Konsorten mit in der Verantwortung, derer kann er sich ebenso wenig entziehen wie sein Freund Mappus in Baden Würtenberg.

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  2. Als Bewohner der Region habe ich seit Jahren immer mal wieder Kontakt auch zu Offiziellen, zu Ämtern, Gerichten und Behörden und ich habe den Eindruck: Hannover ist was ganz Besonderers. Als Schutzgeldopfer habe ich mich umgetan und habe das sichere Gefühl, dass die Polizei hier an echten Ermittlungen überhaupt nicht interessiert ist. Auch der Umgang mit Ämtern und Behörden hat hier seine Eigenheiten.
    Wer dann auch noch erfährt, dass sich der MP Wulff gerade noch rechtzeitig selbst ernannter Staatsanwälte versichern konnte, dann auch erst gar nicht und dann mehr als schleppende ermittelt zu werden scheint, kommen eigene gar nicht so alte Erinnerungen zurück. Erinnerungen daran, dass z.B. eine Beschwerde wegen Untätigkeit der Ermittlungsbehörden in einer Strafanzeige gegen mich gipfeln musste und konnte. Eine Fussstreife in Steinhude hatte angeblich auf einem Samstagmorgen um 8.15h in meinem Schaufenster Pornovideos gefunden und auch fotografiert. Leider hatte ich aber weder Pornos noch ein Schaufenster. Dafür wurde mein Hinweis auf den Haupttäter, der in SAT1 in AkteX live und in Farbe zu sehen war, mit dem Hinweis abgeschmettert: Wir können uns nicht alle Filme ansehen. In Bückeburg verwies man mich dann als ich den Täter live entdeckkt hatte nach Wunstorf verwiesen, weil da ja der Sachbearbeiter sitze. -Ob der Täter auf den Sachbearbeiter gewartet hätte, wage ich heute noch zu bezweifeln.

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    Sehr geehrte heidelerche,

    siebzehn Jahre lang habe ich in Hannover gewohnt, hatte mit Polizei, Standesamt und sonstigen Behörden zu tun und kann nur unterstreichen, dass ich Ihre Erfahrungen nicht teile. Die Erfahrung, die ich gemacht habe, ist folgende: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es hinaus. Wenn man einen Beamten, der die letzten fünf Stunde Verständnis für die Individualprobleme des gesamten Spektrums der Bevölkerung - von cholerisch bis depressiv, dumm bis überschlau - zeigen musste, nicht mit der gleichen Freundlichkeit und Geduld behandelt, mit der man auch selbst behandelt werden möchte, nun dann wird der Beamte seine administrative Aufgabe erfüllen. Meine Erfahrung ist, dass hannoversche Beamte, die freundlich behandelt werden, zumindest freundlich und hilfreich sind, oft genug jedoch über die Grenzen der Pflicht hinaus Bemühungen unternehmen, um zu helfen. Als Beispiel sei eine Beamtin genannt, die nicht nur auf meine Anfrage schnell und präzise antwortete, sondern mich auch darüber aufklärte, dass ich mein Ziel - die Beschaffung eines administrativen Dokuments - durch eine schriftliche Anfrage bei einer bestimmten Stelle eines anderen Amtes wesentlich schneller und kostengünstiger erreichen würde.

    Als Ausländer, nicht in Deutschland wohnend, aber in diesem Land seit vielen Jahren geschäftlich tätig, auch als Geschäftsführer deutscher Firmen, kann ich bestätigen, dass deutsche Amtsträger in der Regel ein absolut korrektes Verhalten an den Tag legen. Das habe ich ebenfalls in Hannover erlebt. Auch der deutschen Polizei sei an dieser Stelle ein Kränzchen gewunden. Es ist in der Tat so: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück.

  3. Warum ist Herr Wulff finanziell abgesichert er als Herr Glaeseker? Warum haben Seine Versorgungsansprüche und Pensionen keinen Bezug zu einer Verurteilung?

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    Berufsbeamtentums gegenüber Politikern, die sich die Beamtenrechte zubilligten (sogar noch mehr), jedoch nicht die Pflichten. - Im übrigen wäre nach einer Verurteilung von Christian Wulff über seine Pensionsbezüge zu entscheiden. -

  4. ich hoffte der mob hat sich beruhigt, nachdem er das bauernopfer mit gabel und fackeln aus dem dorf gejagt hat...

    schlimm, der deutsche und sein unterdrückter frust macht mir angst!

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    • angste
    • 05. Dezember 2012 20:40 Uhr

    einen großen Zapfenstreich und mehr als 200.000 € jährlichen Sold würd ich nicht grad als "mit gabel und fackeln aus dem dorf gejagt" bezeichnen.

    • Bashu
    • 05. Dezember 2012 20:50 Uhr

    Wulff hatte ja schon zu MP Zeiten große Feinde in der Partei. Man denke an die gestreuten Gerüchte, Wulffs Frau hätte mal was im "Rotlicht-Milieu" zu schaffen gehabt.

    Die CDU scheint ein Sumpf zu sein, auf der einen Seite die Schnorrer, die's geschafft haben, auf der anderen Seite die Neider (also die Schnorrer, die es nicht geschafft haben)...

    Sie müssen nur Angst haben, wenn Sie Bundespräsident, bestechlich und mit Maschmeyer befreundet sind. Ansonsten ist der Deutsche, außer den Hells Angels in Hannover, harmlos.

  5. Laut Grundgesetz kann ein Bundespräsident nur bei einer schweren Straftat oder einem Verfassungsbruch abgesetzt werden und auch dann nur mit einer 2/3 Mehrheit im Bundestag und BVfG.
    Nun geht es bei Wulff laut SPIEGEL gerade mal um 400 Euro. Dafür braucht es 24 Ermittler, 4 Staatsanwälte und 20.000 Seiten. Dafür wurden aber auch en masse Rechtsgrundsätze über Bord geworfen wie etwa die Unschuldvermutung, die Achtung der Würde und Rechte eines Beschuldigten oder die besonderen Rechte eines Bundespräsidenten aus dem GG.
    Wer ist nun dafür verantwortlich - die Medien, die täglich neue Vorwürfe hochgeschrieben haben und selbst vor einem Bobbycar nicht zurückgeschreckt sind oder ein Staatsanwalt der von den Medien öffentlich dazu gedrängt wurde, ein Verfahren einzuleiten. Da gibt etwa den BILDreporter Martin Heidemann, der auf diese Frage antwortet - Reporter hätten nur getan, was ihre Pflicht sei, dass andere sei Sache der Staatsanwaltschaft. Ich dachte immer - wer falsche Vorwürfe in Die Welt setzt ist dafür auch verantwortlich.

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    Das ist lachhaft, aber leider bitterer Ernst, die Show, die da um ein paar Lappalien abgezogen wird, die sich Herr Wulff geleistet hat. Da muss jemand ein Rieseninteresse daran haben, Herrn Wulff auf unwürdigste Weise auszuspionieren. Diese Person muss Staatsanwaltschaft und Presse und andere Detektive in ein Abhängigkeitsverhältnis gebracht haben, sonst wäre ein Fliegendreck nicht zum Elefanten aufgeblasen worden, - letztlich auf Kosten des Steuerzahlers.

    Ich lebe in Paraguay und musste heute schon, als ich die Nachrichten gehört habe, an Herrn Wulff denken: Unser Staatspräsident, Federico Franco (liberale Partei) ist heute in die USA geflogen auf Einladung einer Erdölfirma, die im Chaco das schwarze Gold explorieren und fördern will. Und Franco will sie dazu ermuntern. Es wurde in den Medien ausdrücklich betont, dass für diese Reise keine Steuermittel zum Einsatz kommen, sondern die Reise von der interessierten Firma finanziert wird. Das will hier das Volk und die Presse unbedingt hören, nachdem die zahlreichen Weltreisen des Vorgängers im Amt (Ex-Befreiungstheologe) auf Staatskosten massiv angeprangert worden waren...
    Das ist auch eine Sichtweise und ein Stück weit gesundes Volksempfinden. Es muss nicht alles in der Welt aus dem sehr beschränkten deutschen Sichtwinkel betrachtet werden.

  6. das viele -u.a. auch die frau bundeskanzlerin- diesen show-maker sooo dramatisch überschätzt und an die macht gebracht haben.

    => herr wulff leidet darunter (sicherlich sogar sehr), an frau merkel prallt das -wieder mal- einfach ab.

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  7. von Wulff sind exorbitant. Da kommt es nun auch nicht mehr auf die Ermittlungskosten der Staatsanwaltschaft an.
    Der Mann hat das höchste Amt der Bundesrepublik mit seiner Raffgier und seiner Vorteilsinanspruchnahme beschädigt.
    Weshalb sollte hier jemand Mitleid haben, zumal der Deliquent alle Privilegien aus seiner recht kurzen Amtszeit ohne jegliche moralische Bedenken in Anspruch nahm und nimmt. Der Berufsstand des Politikers hat mit seinem Namen weiter an Zuspruch verloren und "wulffen" wurde zum Inbegriff für verdeckte Vorteilsnahme ohne Gewissen und für fehlenden moralischen Anstand, wie ihn auch ein Herr Steinbrück als König der Nebenverdienste offenbart.

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    • x30st
    • 06. Dezember 2012 6:03 Uhr

    "Die Versorgungsansprüche und Pensionen von Wulff sind exorbitant. Da kommt es nun auch nicht mehr auf die Ermittlungskosten der Staatsanwaltschaft an."

    Da haben Sie, wie warhscheinlich viele Deutsche, wohl den Blick dafür verloren was wichtig und was unwichtig ist, was viel und was wenig ist. Gut 200.000 Euro ist Wulffs Ehrensold pro Jahr. Die bisherigen Ermittlugskosten von 2 Mio. (siehe Artikel) würden immerhin den Ehrensold 10 Jahre finanzieren. Aber auch das sind - für sich alleine genommen - Peanuts.

    Die derzeit einkalkulierten MEHRkosten für den Flughafen BER betragen laut Wikipedia zum Beispiel etwa 1,7 Mrd. EUR. Davon ließe sich Wulffs Ehrensold 8500 (!) Jahre bezahlen. Ähnliche Vergleiche lassen sich zum Beispiel zu S21 ziehen mit womöglich noch höhere Mehrkosten. Vielleicht gibt es auch noch weit größere Fälle davon...

    Aber sich nun tatsächlich über Wulffs Ehrensold aufzuregen, das ist vollkommen unverhältnismäßig und letzenendlich der boulevardesken Darstellung unserer Medien geschuldet. Die wirkliche Verhältnismäßigkeit ist in der Berichterstattung, die Trennung von Wichtigen und Unwichtigem ist oft nicht mehr vorhanden, gerade der gesamte Fall Wulff zeigt dies ganz deutlich.

    "Raffgier" würde ich bei Herrn Wulff zu erkennen meinen, wenn er Rolexuhren gesammelt und nicht seine einzige als Sicherheit bei einem Freund der Familie verpfändet hätte.

    Der Mann war (so stand es in dem verlinkten "Rolex"-Artikel) nach der Scheidung chronisch klamm, lebt doch eigentlich recht biederlich und hat sich im Abglanz des Glamour-Umfeldes gewerblicher Wirtschaftsführer etwas gesonnt.

    Und zum "wulffen" also sich freihalten lassen gehört untrennbar "Schausten" als Währungseeinheit für Übernachtungsentgelte bei Freunden.

    In der Causa Wulff geht es um andere Motivation als reine Wahrheitsfindung, die nach allem, was bisher geschrieben wurde auch gar nicht mehr gelingen kann.

  8. geweckt, dass es das Mollath-Phänomen oder auch NSU-Phänomen in breiterer Streuung und tieferen Abgründen gibt, als vermutet.

    Ich persönlich denke, dass es kaum noch um Wulff, sondern um die gesamten Verflechtungen geht. Das wäre interessant und natürlich, was genau hat Wulffs Fall konkret begünstigt, außer seinen eigenen so stümpferhaften Leugnungsversuchen. - Obwohl ich nach dem Artikel fast nicht mehr sicher bin, ob Wulff sich stümperhaft zur Wehr setzte, weil er selbst tatsächlich im weiteren Sinne 'unschuldig' war. Aber dann sollte man sich nicht mit diesem Fall aufhalten, sondern wirklich graben.
    Es scheint hier in D allemal Zeit zu sein, die Besen zum kräftigen kehren rauszuholen.

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