BerufswechselFrüher Informatik, heute Yoga

von Frederik Jötten

Früher Informatik, heute Yoga:

Maryia Drahavets, 29, ist Yogalehrerin in Frankfurt. Auf dem Zettel ein Hinweis auf ihr früheres Berufsleben

Maryia Drahavets : »Das Informatikstudium hat mir Spaß gemacht, aber ich hatte ständig Rückenschmerzen, weil ich so oft vor dem Computer saß. Einmal kam ich nach Hause, ich war lange an der Uni gewesen, war erschöpft. Während ich mir etwas kochte, googelte ich: Yoga Mainz. Das erste Studio klickte ich an, 20 Minuten später war die nächste Probestunde. Ich nahm das Essen vom Herd und ging los. Die Atmosphäre im Yogazentrum gefiel mir sofort. Die Menschen strahlten von innen. Am meisten beeindruckte mich, wie entspannt ich nach der Stunde war. Zum ersten Mal seit Langem war mein Geist ruhig. Meine Aufmerksamkeit war so geschärft, dass mir alle Farben viel intensiver vorkamen. Ich nahm an einem Anfängerkurs teil, und von da an habe ich jeden Tag Yoga geübt. Das war vor acht Jahren. Ich schloss mein Studium ab und nahm eine Stelle in einem IT-Unternehmen an. Gleichzeitig machte ich eine Ausbildung zur Yogalehrerin und begann auch zu unterrichten. Es macht mich glücklich, zu sehen, wie entspannt die Teilnehmer nach einer Yogastunde sind. Bei IT-Projekten weiß ich nicht, ob sie jemanden glücklich machen, deshalb habe ich den Job aufgegeben. Heute leite ich ein Yogazentrum, in dem ich auch mit meinem Mann und zwei Yoginis lebe. Ich verdiene viel weniger als früher, aber es funktioniert. Früher habe ich das meiste Geld für Yoga ausgegeben – jetzt kann ich mich kostenlos weiterbilden, jeden Tag.«

Früher Pädagoge, heute Kapitän

Timo Liebe aus Hamburg, 34, gibt für Greenpeace Bootsschulungen

Timo Liebe: »Meinen Zivildienst habe ich in einer Wohngemeinschaft für Menschen mit Behinderung gemacht, danach wollte ich einen sozialen Beruf ausüben. Deshalb habe ich mich für Sozialpädagogik eingeschrieben. Noch während des Studiums habe ich ehrenamtlich bei Greenpeace angefangen und bin da so reingewachsen. Auch meine einzige Bewerbung nach dem Abschluss habe ich deshalb an Greenpeace geschickt. Einfach, weil mich die Arbeit total begeisterte! Zum Glück haben sie mich genommen. Anfangs habe ich Camps und Demonstrationen organisiert, heute mache ich die Schlauchboot-Schulungen. Mittlerweile habe ich ein Kapitänspatent und das Patent zum Schiffsmaschinisten. Die Ausbildung habe ich zum Teil in meiner Freizeit, zum Teil bei Weiterbildungen von Greenpeace, zum Beispiel bei Sicherheitslehrgängen, erworben. Bei den Schlauchboot-Schulungen bilde ich die Teilnehmer in Handling, Navigation und Teamwork aus – und am Ende geht es 300 Kilometer über die Ostsee bis nach Kopenhagen, meistens im Winter, damit sich alle schon mal an widrige Bedingungen gewöhnen. Außerdem manage ich unser Schiff Beluga II, das heißt, ich koordiniere die Einsätze und Werftaufenthalte. Einmal sind wir mit Schlauchbooten im Morgengrauen über einen winzigen Fluss im Wendland getuckert. Ich war einer der Fahrer. Wir wollten zu einer Brücke, über die ein Castortransport rollen sollte – am Pfeiler wollten wir Kollegen absetzen, die nach oben klettern und dort ein Transparent entrollen sollten. Die Polizei hat uns erst kurz vor der Brücke bemerkt. Wir haben Vollgas gegeben, die Kletterer sind rausgesprungen. Unsere Boote wurden von den Polizeibooten abgedrängt – aber das Transparent war zu sehen. Auf dem Meer zu sein hat mich schon seit meiner Kindheit fasziniert. Schon deshalb bin ich froh über meinen Beruf. Erfüllend ist aber vor allem, dass ich etwas gegen die Zerstörung der Umwelt tue.«

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Leserkommentare
  1. Du hast bizarre Arbeitszeiten
    - wie die Prostituierten

    Du wirst bezahlt, um Deinen Kunden glücklich zu machen
    - wie die Prostituierten

    Dein Kunde bezahlt viel, aber Dein Chef kassiert das Geld
    - wie bei den Prostituierten

    Du hast einen Stundenlohn aber Deine Arbeitszeit endet wenn die Arbeit erledigt ist
    - wie bei den Prostituierten

    Auch wenn Du gut bist, bist Du nie stolz auf Deine Arbeit
    - wie die Prostituierten

    Du wirst bezahlt, um Fantasien Deines Kunden zu befriedigen
    - wie die Prostituierten

    Es ist schwierig für Dich eine Familie zu haben und zu halten
    - wie bei den Prostituierten

    Wenn Du gefragt wirst, worin Deine Arbeit besteht, kannst Du es nicht richtig erklären
    - wie die Prostituierten

    Deine Freunde verlassen Dich und Du bleibst zurück mit Typen wie Dir
    - wie die Prostituierten

    Der Kunde bezahlt das Hotel und die Arbeitszeit
    - wie bei den Prostituierten

    Dein Boss hat ein wunderschönes Auto
    - wie bei den Prostituierten

    Wenn Du zu einem Kunden auf “Mission” gehst, kommst Du mit einem großen Lächeln an
    - wie die Prostituierten

    Aber wenn Du deine Arbeit erledigt hast, bist Du schlecht gelaunt
    - wie die Prostituierten

    Um Deine Fähigkeiten zu beweisen, musst Du grauenvolle Tests bestehen
    - wie die Prostituierten

    Der Kunde möchte immer weniger bezahlen und Du musst trotzdem Wunder vollbringen
    - wie die Prostituierten

    Wenn Du morgens aufstehst, denkst Du: “Ich kann das nicht ein Leben lang machen”
    - wie die Prostituierten

    Schönen Feierabend (!)
    Ein ITler.

    10 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Bitten verzichten Sie auf Anfeindungen. Danke, die Redaktion/cv

    1 Tag als Prostituierter. Chef können Sie auch gerne mal probieren, ich kann Ihnen aber jetzt schon sagen, den ganzen Tag im tollen Auto rumfahren wird nicht ausreichen.

    Wortwahl genug Spielraum für Interpretation gelassen, aber die wurden von der Redaktion nicht gesehen oder akzeptiert.

    Das der Text von 1) durchgeht, Kritik aber nicht, trifft nicht meinen Geschmack an Stil und Inhalt.

    So verschieden können Ansichten sein.

    .. vielleicht erleichtert es das Grauen am Montag :-)

    Noch vor 10 Jahren war es mein Traumjob, Systementwickler. Dafür nahm ich auch Augen-, Rücken- und Kopfschmerzen in Kauf. Auf die Dauer komplex und schnell arbeiten zu müssen, laugt aus. Und ein Danke ist selten. 'Hätten wir was Anständiges gelernt ...'
    Vielleicht liegts am Internet, alles schneller, besser und umsonst. Keine Wertschätzung.

    Ich kann gut massieren, aber damit verdiene ich wohl nicht mal die Hälfte. Tischler? Erfinder? Musiker? Oder auswandern? zu faul ...

  2. 2. [...]

    Bitten verzichten Sie auf Anfeindungen. Danke, die Redaktion/cv

    3 Leserempfehlungen
  3. 1 Tag als Prostituierter. Chef können Sie auch gerne mal probieren, ich kann Ihnen aber jetzt schon sagen, den ganzen Tag im tollen Auto rumfahren wird nicht ausreichen.

    Eine Leserempfehlung
  4. Wortwahl genug Spielraum für Interpretation gelassen, aber die wurden von der Redaktion nicht gesehen oder akzeptiert.

    Das der Text von 1) durchgeht, Kritik aber nicht, trifft nicht meinen Geschmack an Stil und Inhalt.

    So verschieden können Ansichten sein.

    2 Leserempfehlungen
  5. .. vielleicht erleichtert es das Grauen am Montag :-)

    Noch vor 10 Jahren war es mein Traumjob, Systementwickler. Dafür nahm ich auch Augen-, Rücken- und Kopfschmerzen in Kauf. Auf die Dauer komplex und schnell arbeiten zu müssen, laugt aus. Und ein Danke ist selten. 'Hätten wir was Anständiges gelernt ...'
    Vielleicht liegts am Internet, alles schneller, besser und umsonst. Keine Wertschätzung.

    Ich kann gut massieren, aber damit verdiene ich wohl nicht mal die Hälfte. Tischler? Erfinder? Musiker? Oder auswandern? zu faul ...

    2 Leserempfehlungen
  6. Also ich finde die Geschichten doch etwas dünn..

    Warum? Weil, bis auf die Pokerspielerin alle fast unmittelbar nach ihrer erfolgreichen Erstausbildung einen "Berufswechsel" vollzogen haben. Mit weniger als 5 Jahren Berufserfahrung gilt man als Berufsanfänger und muss noch seinen Platz am Arbeitsmarkt finden. Ich hätte Geschichten für spannender gefunden, bei dem die Personen wirklich etwas riskiert haben.

    Eine Leserempfehlung
    • rws
    • 13. Januar 2013 12:55 Uhr

    Alle vier haben einen Beruf gelernt und dann innerhalb kürzester Zeit gemerkt, dass das nichts für sie ist. Entsprechend haben sie ihre Entscheidung korrigiert. Soweit so normal. Alle stehen erst am Anfang ihres neuen Weges. Ob der auch trägt, zeigt sich erst in 10 Jahren.

    Der Weg von Herrn Fleischmann ist für einen Bergführer aus der Großstadt normal (auch das Studium). Das soll nicht seine Leistungen schmälern, sondern nur aufzeigen, dass viele Bergführer einen anderen Beruf haben. Die Ausbildung zum Bergführer setzt einen durchtrainierten und fertig ausgebildeten Alpinisten voraus. Schon um überhaupt einen anständigen Tourenbericht zusammen zu bekommen braucht man Zeit. In diesen Jahren des "Erfahrungsammelns" vor der Bergführerausbildung haben die meisten die Schule bereits abgeschlossen und müssen von irgendetwas leben. Eine Lehre oder ein Studium ist da nur konsequent. Und dann bleibt immer das Risiko: Was ist, wenn die körperliche Leistungsfähigkeit durch Krankheit oder Unfall plötzlich den Anforderungen nicht mehr genügt?

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