Früher Informatik, heute Yoga:

Maryia Drahavets, 29, ist Yogalehrerin in Frankfurt. Auf dem Zettel ein Hinweis auf ihr früheres Berufsleben

Maryia Drahavets : »Das Informatikstudium hat mir Spaß gemacht, aber ich hatte ständig Rückenschmerzen, weil ich so oft vor dem Computer saß. Einmal kam ich nach Hause, ich war lange an der Uni gewesen, war erschöpft. Während ich mir etwas kochte, googelte ich: Yoga Mainz. Das erste Studio klickte ich an, 20 Minuten später war die nächste Probestunde. Ich nahm das Essen vom Herd und ging los. Die Atmosphäre im Yogazentrum gefiel mir sofort. Die Menschen strahlten von innen. Am meisten beeindruckte mich, wie entspannt ich nach der Stunde war. Zum ersten Mal seit Langem war mein Geist ruhig. Meine Aufmerksamkeit war so geschärft, dass mir alle Farben viel intensiver vorkamen. Ich nahm an einem Anfängerkurs teil, und von da an habe ich jeden Tag Yoga geübt. Das war vor acht Jahren. Ich schloss mein Studium ab und nahm eine Stelle in einem IT-Unternehmen an. Gleichzeitig machte ich eine Ausbildung zur Yogalehrerin und begann auch zu unterrichten. Es macht mich glücklich, zu sehen, wie entspannt die Teilnehmer nach einer Yogastunde sind. Bei IT-Projekten weiß ich nicht, ob sie jemanden glücklich machen, deshalb habe ich den Job aufgegeben. Heute leite ich ein Yogazentrum, in dem ich auch mit meinem Mann und zwei Yoginis lebe. Ich verdiene viel weniger als früher, aber es funktioniert. Früher habe ich das meiste Geld für Yoga ausgegeben – jetzt kann ich mich kostenlos weiterbilden, jeden Tag.«

Früher Pädagoge, heute Kapitän

Timo Liebe aus Hamburg, 34, gibt für Greenpeace Bootsschulungen

Timo Liebe: »Meinen Zivildienst habe ich in einer Wohngemeinschaft für Menschen mit Behinderung gemacht, danach wollte ich einen sozialen Beruf ausüben. Deshalb habe ich mich für Sozialpädagogik eingeschrieben. Noch während des Studiums habe ich ehrenamtlich bei Greenpeace angefangen und bin da so reingewachsen. Auch meine einzige Bewerbung nach dem Abschluss habe ich deshalb an Greenpeace geschickt. Einfach, weil mich die Arbeit total begeisterte! Zum Glück haben sie mich genommen. Anfangs habe ich Camps und Demonstrationen organisiert, heute mache ich die Schlauchboot-Schulungen. Mittlerweile habe ich ein Kapitänspatent und das Patent zum Schiffsmaschinisten. Die Ausbildung habe ich zum Teil in meiner Freizeit, zum Teil bei Weiterbildungen von Greenpeace, zum Beispiel bei Sicherheitslehrgängen, erworben. Bei den Schlauchboot-Schulungen bilde ich die Teilnehmer in Handling, Navigation und Teamwork aus – und am Ende geht es 300 Kilometer über die Ostsee bis nach Kopenhagen, meistens im Winter, damit sich alle schon mal an widrige Bedingungen gewöhnen. Außerdem manage ich unser Schiff Beluga II, das heißt, ich koordiniere die Einsätze und Werftaufenthalte. Einmal sind wir mit Schlauchbooten im Morgengrauen über einen winzigen Fluss im Wendland getuckert. Ich war einer der Fahrer. Wir wollten zu einer Brücke, über die ein Castortransport rollen sollte – am Pfeiler wollten wir Kollegen absetzen, die nach oben klettern und dort ein Transparent entrollen sollten. Die Polizei hat uns erst kurz vor der Brücke bemerkt. Wir haben Vollgas gegeben, die Kletterer sind rausgesprungen. Unsere Boote wurden von den Polizeibooten abgedrängt – aber das Transparent war zu sehen. Auf dem Meer zu sein hat mich schon seit meiner Kindheit fasziniert. Schon deshalb bin ich froh über meinen Beruf. Erfüllend ist aber vor allem, dass ich etwas gegen die Zerstörung der Umwelt tue.«