Weiterbildung MedizintechnikWas kann dieses Gerät?

Ein Interview mit Josef Guttmann, der Ärzte technisch weiterbildet von Claudia Füssler

DIE ZEIT: Herr Professor Guttmann, der von Ihnen entwickelte Studiengang Physikalisch-Technische Medizin an der Uni Freiburg ist mit dem Deutschen Weiterbildungspreis ausgezeichnet worden. Was haben Sie, was andere nicht haben?

Josef Guttmann: Ich glaube nicht, dass wir generell anders sind als andere berufsbegleitende Online-Masterstudiengänge. Wir haben den Preis vor allem für unsere Idee bekommen.

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ZEIT: Was ist daran so einzigartig?

Guttmann: Die Vielfalt an medizinischer Technik, mit der Ärzte heute umgehen und sich auskennen müssen, ist ganz erheblich und wächst immer weiter. Man braucht kompetente Leute, die die Geräte richtig einsetzen können und mehr wissen, als wo sich der An-und-Aus-Schalter befindet und wie man die Werte abliest. Mit unserem Studiengang versuchen wir, dieses Defizit zu kompensieren.

ZEIT: Also Ärzte, die auch Ingenieur können?

Guttmann: Nein, so weit gehen wir nicht, im Vordergrund steht die Medizin. Wir erklären, wie die Geräte funktionieren, die sie tagtäglich einsetzen. Denn nur jemand, der die gesamten technischen und damit therapeutischen Möglichkeiten eines Gerätes kennt, kann diese auch ausschöpfen.

ZEIT: Zum Beispiel?

Josef Guttmann

 Josef Guttmann bildet Ärzte technisch weiter.

Guttmann: Ein Beatmungsgerät hat so viele Einstellmöglichkeiten, dass auch ein gestandener Intensivmediziner schnell überfordert ist. So werden – unwissentlich – Therapieoptionen übersehen.

ZEIT: Kann man denn online lernen, wie man so ein Gerät richtig bedient?

Guttmann: Wir verstehen unseren Studiengang mitnichten als erweiterten Bedienungsanleitungskurs. Es geht uns ernsthaft um ein vertieftes Verständnis der medizintechnischen Prinzipien. Wie arbeitet etwa ein Sensor, und welche Messgenauigkeit ist zu erwarten? Da erlaubt das Medium des E-Learnings ganz detaillierte Einblicke, wir nutzen zum Beispiel Fotodokumentationen und eigens gedrehte Videos. Natürlich ersetzt das nicht den praktischen Umgang mit medizintechnischen Geräten, daher gibt es einmal pro Semester eine einwöchige Präsenzphase.

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Leserkommentare
  1. Meiner Meinung nach werden die Grundlagen, auf denen die jeweiligen Geräte zu wenig vermittelt.
    Das mag zwar im erten Moment kein gewinnträchtiges Wissens ein, wird aber dringend benötigt, um die ganze Sache einschätzen zu können. Um sagen zu können, wo die Grenzen liegen, wie sehr man welchem Ergebnis vertraut etc.

    Was ganz anderes:
    Liebe Zeit, bitte schließen sie sich nicht der Sprachvergewaltigung an. Niemand kann Ingenieur, Kanzler oder Energiewende.
    Jedem Menschen mit etwas Sprachgefühl tut das einfach weh.

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