Automobilindustrie: Gemischter Ausblick
Allem Krisengerede zum Trotz: Deutschlands »Schlüsselindustrie«, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel sie nennt, schließt das Autojahr 2012 mit einer »durchaus positiven Bilanz« ab – die zieht jedenfalls Matthias Wissmann, der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Zwar bekam die Branche die Konjunkturschwäche in Westeuropa zu spüren. Aber außerhalb Europas profitierten die Kfz-Bauer von einer »sehr dynamischen Autokonjunktur«. Dank Ländern wie China, den USA, Russland oder Indien werde ihr Weltmarkt Ende 2012 um immerhin vier Prozent gewachsen sein, auf 68 Millionen Einheiten, so rechnet der VDA.
Besonders schön für die Deutschen ist, dass vor allem Chinesen und Amerikaner bis Ende November gar nicht genug BMW, Audi, Volkswagen, Porsche und Mercedes bekommen konnten. Rund jeder fünfte weltweit verkaufte Pkw kommt mittlerweile aus den Fabriken eines deutschen Konzerns. Im Premiumsegment, zu dem Marken zählen, die aufgrund ihres Images besonders hohe Preise für ihre Fahrzeuge erzielen können, beanspruchen die Deutschen sogar einen Weltmarktanteil von 80 Prozent. Positiver Nebeneffekt in diesem Jahr: Per Saldo legten die festen Jobs, also die Stammbelegschaften, bei Autobauern und Zulieferern in Deutschland zu – um 18.700 auf rund 784.500 Stellen.
Es wäre allerdings fehl am Platz, völlige Entwarnung für die Beschäftigten hierzulande zu geben. Zwar stieg der Ausstoß in den Auslandswerken der Konzerne kräftig an, die Inlandsproduktion und auch der Export aus Deutschland waren 2012 aber leicht rückläufig. Dahinter verbirgt sich etwa die schlechte Auslastung in den fast ausschließlich auf den europäischen Markt ausgerichteten Werken von Opel oder Ford.
Für 2013 gibt sich die Industrie dennoch gemäßigt optimistisch (es werde ein »forderndes Arbeitsjahr«, heißt es). Zwar ist für den flauen westeuropäischen Markt keine Erholung in Sicht, aber weltweit rechnet der VDA damit, dass sich der Wachstumskurs auf 70 Millionen Fahrzeuge fortsetzt, getragen vor allem von den kaufkräftigen Konsumenten in den USA und China.
Für viele Beschäftigte in Deutschlands Autofabriken bleibt es trotzdem ungemütlich. Neben Opel und Ford haben etliche Zulieferer und Lkw-Bauer mit der flauen Konjunktur zu kämpfen. MAN hat vorsorglich Kurzarbeit für das erste Halbjahr 2013 angemeldet.
Noch halten die meisten Unternehmen sogar ihre Zeitarbeiter in den Betrieben (Stand Oktober: 60.000). Erst einmal könnten die gefüllten Arbeitszeitkonten der Stammbelegschaften abgebaut werden, macht der VDA-Präsident den Seinen Mut. Man rechne 2013 mit einer stabilen Beschäftigungslage in der Branche. Ewig können Arbeitszeitkonten und Zeitarbeit freilich nicht als Puffer dienen. Vor allem, wenn die Absatzkrise in Ländern wie Frankreich, Italien oder Spanien andauert.




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