Berliner SchulenGroße Pause für immer!

In Berliner Schulen lernen Kinder vor allem eins: Sich nicht anzustrengen. von 

Ein paar Kinder aus meinem Bekanntenkreis haben jetzt in der Schule Entspannungsunterricht. Die Kinder machen es sich gemütlich, hören beruhigende Musik und üben autogenes Training.

Wenn man einer aktuellen Umfrage glaubt, haben Kinder Entspannung heute dringend nötig. Offenbar sind schon Grundschulkinder dem Burn-out so nahe wie Topmanager. Laut einer Studie des deutschen Kinderschutzbundes fühlt sich jedes dritte Kind in der zweiten und dritten Klasse von Hausaufgaben und Schule gestresst. Die Hälfte der Kinder wünscht sich mehr Erholung. Und in fast allen Bundesländern ist Schule bei Kindern der Stressfaktor Nummer eins. In Berlin natürlich nicht.

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Als ich auf der Suche nach der richtigen Schule für meine Tochter war, schaute ich mir die Schule in der Nachbarschaft an. Eine Lehrerin führte am Tag der offenen Tür einen Pulk von aufmerksamen Eltern durch das Gebäude. Statt Tischen und Stühlen befanden sich in den Schulräumen dicke Teppiche, Kuschelecken und Kletterwände. Die Kinder lümmelten herum, betrachteten Bücher oder malten. Die Schule, erfuhr ich, orientiere sich an Montessori-Regeln. Hier bestimmten die Kinder ihr Lerntempo selbst.

Die Eltern stellten beim Rundgang allerlei Fragen. Welchen Gender-Ansatz man auf der Schule verfolge. Ob es Vollwertkost gebe und auch ein laktosefreies Menü. Auf alles wusste die Lehrerin eine Antwort. Nur als ich fragte, wie viele Kinder denn nach der vierten Klasse ein Gymnasium besuchten, gab es peinliches Schweigen. Die Lehrerin meinte, es komme immer wieder mal vor, dass ein Kind nach der vierten Klasse auf einem Gymnasium angemeldet würde. »Aber auf der Schule kommt es nicht in erster Linie auf Leistung an, sondern darauf, dass das Kind gut durch die wichtigen Phasen des Lebens begleitet wird«, fügte sie hinzu. Dieser Satz hat mich erstaunt. Ist es nicht Aufgabe der Schule, den Kindern etwas beizubringen? Während es meine Aufgabe ist, sie durch das Leben zu begleiten?

Zweimal lebenslänglich Schule

Zugegeben, als Kind hätte ich eine Schule mit Lümmelkissen geliebt. Die Schule, die ich besuchte, hatte Tische und Stühle. Und ich habe sie gehasst. Nach meinem zweiten Schultag wollte ich wissen, wie lange ich noch zur Schule gehen muss. Höchstens 13 Jahre, sagte meine Mutter. Für einen Sechsjährigen heißt das: zweimal lebenslänglich. Die Schule war voller Lehrer, die mir das Gefühl gaben, ich sollte mich mehr anstrengen. Am besten so wie die Strebermädchen in der ersten Reihe. Ständig wurde man verglichen, keiner interessierte sich für meine wahren Interessen. Und dazu noch dieser Stress mit den Noten.

In Berlin wollte man es besser machen. Dank einer Schulreform gibt es jetzt nicht nur an den von Montessori-Pädagogik beseelten Grundschulen entschleunigten Unterricht. Die Grundschule dauert sechs Jahre, wobei einige Gymnasien sehr gute Schüler bereits in der fünften Klasse aufnehmen. Und es gilt das jahrgangsübergreifende Lernen: Die erste und zweite, manchmal auch die dritte Klasse, werden zusammen unterrichtet. Es gibt keinen frontalen Unterricht mehr, in dem der Lehrer den Stoff an der Tafel vorträgt und abfragt. Stattdessen korrigieren die Kinder gegenseitig ihre Arbeitshefte, arbeiten projektbezogen und in Gruppen. Der Lehrer tritt eher als Lernberater auf.

Wer etwas weiter im Stoff ist, soll nicht durch die schwächeren Kinder in der Klasse gebremst werden. Und wer etwas länger braucht, kann sich die Zeit nehmen, die er benötigt. Während manche schon fünf Arbeitshefte durchgearbeitet haben, sind andere erst beim zweiten. In der Theorie klingt das vernünftig. Ein Bekannter erzählte jedoch, sein Sohn habe von der Lehrerin Anweisungen bekommen, mal eine Woche nichts zu lernen, damit die Schwächeren den Rückstand aufholten. Er solle lieber spielen. Auf die Art lernt man nicht viel. Erst neulich wurde in einer Studie dokumentiert, dass Berliner Kinder im vierten Schuljahr über ungefähr so viel Wissen verfügen wie bayerische Kinder im dritten. Sie haben eben ihr eigenes Tempo, die Berliner Kinder, könnte man sagen. Sie lernen erst dann lesen, wenn die Münchner Streber schon auf das Gymnasium gehen. Bei anderen länderübergreifenden Tests hatten einige Berliner Schulleiter zum Boykott aufgerufen: Die Kinder würden schon die Aufgabenstellung nicht verstehen, so ein Test könnte sie zusätzlich frustrieren.

An Berliner Schulen haben die Kinder eine entspannte Zeit – und verlassen sie als Bildungsgeschädigte. Ein Viertel der Kinder kann in der vierten Klasse keinen Text lesen oder verstehen und nur ansatzweise schreiben. Ist das Chancengleichheit?

Als ich die Schule verließ, stellte ich fest, dass die Welt kein bisschen freundlicher ist. Wer einen Arbeitsplatz sucht, wird gnadenlos mit anderen verglichen. Es wird vorausgesetzt, dass man schreiben und rechnen kann. Ich habe die Schule gehasst, aber sie hatte recht.

Wir haben uns bei der Schule für unsere Tochter dann doch lieber für eine mit Tischen und Stühlen im Klassenzimmer entschieden. Und einmal in der Woche lernen wir zu Hause Mathe. Meine Tochter sagt, ich soll mich mal entspannen.

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Leserkommentare
    • milli47
    • 06. Dezember 2012 10:31 Uhr

    Freude, dann der Stress - so habe ich Schule erlebt und das ist verdammt lange her. Trotzdem war es richtig, denn sonst hätte ich weder die Matura (Deutschland Abitur) geschafft. Und wahrscheinlich auch nicht das Studium. Deto mein Sohn, ein Mathematikverweigerer, der es trotzdem zur Matura und einem erfolgreichen Studium geschafft hat. Das ganze Berufsleben ist mit Druck verbunden, wie sollen die kleinen Stressverweigerer jemals in ein Berufsleben integriert werden?

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    • ST_T
    • 06. Dezember 2012 12:06 Uhr

    Lebt man auch ohne viel Stress und hat trotzdem ein anständig geregeltes Leben.
    Der Stress ist eine prägnante Zivilisationskrankheit der größten Industrieländer als auch der Länder, die bei PISA an der Spitze stehen.

    Stress muss auch auf der Arbeit nicht unbedingt der Fall sein, das hängt vom Unternehmen ab. Nur ist in Deutschland es sehr verpöhnt, ein eigenständiges Leben nach eigenen Regeln zu leben, alles muss im Konsens mit der Gesellschaft stehen. Kritische Geister sowie vor allem Menschen, die sich ihren Beruf selbst aussuchen sind unerwünscht.
    Ironischerweise aber suchen sich alle erwachsenen Menschen ihren Beruf selbst aus, was nichts anderes heißt, als dass sie sich freiwillig in eine solche Tretmühle begeben.

    Man kann 12-Stunden-Schichten als extrem stressig erleben oder man ist am Ende zwar erledigt aber stolz darauf, was man getan hat. Die Wahl dazu liegt bei jedem selbst.

    Das Schulsystem hingegen lässt kaum eine Wahl offen. Ich war auch auf einer so oft niedergemachten Montessori-Schule und habe trotzdem ein sehr gutes Abitur und bald auch meinen Studienabschluss in der Tasche.

    Vielleicht eine kleine psychologische Anmerkung: Druck erzeugt immer Gegendruck und wird so nie etwas bringen. Ich würde mal eher behaupten, dass man in Berlin das Geld nicht einmal an den wichtigsten Stellen ausgibt (Klassengröße, vernünftige Betreuung etc.), sondern es stattdessen - rein nach ökonomischen Gesetzen - Banken und sinnlosen Großprojekten in den Schlund wirft.

    Das selektierende deutsche Schulsystem erlaubt viel Ungerechtigkeit, schlechte Lehrer können sich hier austoben

    • gorgo
    • 07. Dezember 2012 17:10 Uhr

    Es gibt noch eine andere Sicht auf Schule als entweder Streß-und-Leistung oder Entspanntlerne-ohne-Leistung.

    Ich bin im Großen und Ganze sehr gern zur Schule gegangen - und habe dort viel gelernt. Mein Unterricht war in hohem Maße konventionell, manchmal ohne Zweifel nervig, hat aber die meisten Kinder, auch die aus damals wenig vor-gebildeten Bauernfamilien durchgebracht.

    Unsere Lehrerinnen wussten (!) ziemlich viel. Wenn Lehrer oder Lehrerin einigermaßen fähig waren, habe ich mich für Wissen (!) und Nachdenken (!) mit Begeisterung begeistern lassen. Wissen als Selbstzweck, als etwas, das einen mitreißt, auch wenn es Mal komplizierter wird - kann man sich das heute vielleicht nicht mehr vorstellen? Sich gerne (!) auch Mal Anstrengen - auf der Basis möglichst breiter Kenntnis (!) und eines Könnens (!), das man sich über längere Zeit (!)sogar selbst erarbeitet hat - wo bleibt das in dieser simplen Gegenüberstellung von Leistung (Hass, Abneigung) und Genuß (Nicht-Lernen-Müssen)??

    Übrigens war es damals keine Katastrophe, wenn man durchschnittlich um drei herum lag, wie ich. Dazu brauchte man - kaum zu glauben - auch Mal eine fünf, wenn man einige Fächer mehr mochte und darin gut war... Ich fand das angemessen - mehr nicht.

  1. Sechs Jahre Grundschulzeit gab es in Berlin schon als die Mauer noch stand. Und vermutlich auch als der Kanzler noch Bismarck hieß. In Brandenburg gibt es auch sechs Jahre. Gut möglich das dieser Ansatz -mag man ihn gut heißen oder nicht- aus der Zeit stammen als Berlin noch Teil der Provinz Brandenburg war.

    Aber es ist definitiv nicht das Ergebnis einer Schulreform in den letzten Jahren.

    11 Leserempfehlungen
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    Das kann ich bestätigen. Und es ist heute noch in Berlin oftmals kaum anders als die letzten Jahrzehnte zuvor. Viele Gymnasien haben noch gar keine vierte und fünfte Klasse. Nach der vierten Klasse auf ein Gymnasium zu gehen ist eine optionale Sache, die praktisch gar nicht unbedingt möglich ist, weil das nächste Gymnasium, das Unterricht ab vierter Klasse anbietet, viel zu weit weg oder völlig ausgelastet ist. Jede Berliner Grundschule bietet daher sechs Klassenstufen an.

  2. Meiner Meinung nach ist es im Bildungssystem wichtig auf Extreme aller Art zu verzichten, denn diese gesellschaftliche Aufgabe ist zu wichtig um an ihr herum zu experimentieren.
    Das im Artikel erläuterte Beispiel zeigt nur zu gut, dass die Grundaufgaben der Schule, z.b die Schaffung eines breiten Bildungsnivaus, mit so einem System nicht mehr erfüllt werden. Auf der anderen Seite ist auch eine zu stark leistungsorientierte Schule nicht in der Lage ihre Aufgabe der Integration möglichst aller gesell. Milieus zu sichern.

    RN

    2 Leserempfehlungen
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    Bildung zu vermitteln und nicht "alle gesellschaftlichen Milieus" zu "integrieren".

    Und was erreicht man durch das Vermitteln von Bildung??
    Richtig die Integration in das gesellschaftliche Leben. Ohne Bildung kaum oder schlechte Teilhabe an der Gesellschaft und hinzu kommt das der heutzutage leider größte Integrationsfaktor der Arbeitsmarkt ist (zugleich auch Ursache für Ausschluss aus G.).
    Je geringer die Bildung desto schwieriger der Zugang zum Arbeitsmarkt und desto geringer die gesellschaftliche Integration.

    RN

    • Nibbla
    • 06. Dezember 2012 10:37 Uhr

    Der Autor, der es geschafft hat, meinte es war gut so, weil die Welt ist grausam und er hat es zu was geschafft und nun erzählt er die Gewinner Sicht.

    Das Kind spürt den Stress wirklich und sucht Erholung, weil bessere Lösungen fallen nicht ein. Es ist nur ein Kind!

    Aber es gibt diesen Stress:
    Von klein auf wird einen gesagt Ellenbogen raus. Du wirst es eh nicht schaffen. Denke frei. Sei Kreativ. Sei Freundlich. Setzt dich Durch. Hab Mitleid. Sei Grausam. Entfalte dich. Pass dich an. Ich will doch nur dein Bestes. Die Welt ist Grausam, drum geb ich dir gleich Noch eine mit.

    Und falls man es trotzdem schafft, dann denkt man sich war doch alles nicht so schlecht.

    Dass Problem ist mitlerweile das Gefühl es sowieso nicht zu schaffen.
    Warum sich Anstrengen, wenn es sowieso nie genug ist. Dann lieber lernen sich mit wenig zufrieden zugegeben.
    Hartz 4 ist nicht schön (irgendwie ist dieser Irrglaube verbreitet)
    aber wenn man nie die Erfahrung gemacht hat, dass Anstrengung sich lohnt, dann wird es schwer sein den Arsch zu erheben. (Jetzt ist die logik der Neoliberalen nehmt ihnen das Essen weg, dann lernen sie schon für 3€ pro Stunde zu Arbeiten. Aber off Topik)

    Und zuletzt die Frage, warum glaubt jeder die Welt muss grausam sein?
    Es gibt weniger Gründe als jemals zuvor. Wir haben Frieden, Essen, Sicherheit. Maschienen die uns vieles Abnehmen, aber der Stress und die Kälte ist geblieben.. war früher doch alles besser?Nein! Aber wenn man gute Arbeit fand, konnte man aufsteigen

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    Entfernt. Bitte äußern Sie sich sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/au

    • HarryDD
    • 06. Dezember 2012 12:00 Uhr

    Sehr geehrte Dame oder Herr,

    ich habe Ihren Kommentar amüsiert gelesen. Wissen Sie warum?

    1. Sie sind der Fall, den der Autor des von Ihnen kritisierten Artikels beschrieben hat. Nur, dass sie bereits der Schule entwachsen sind. Darf ich fragen, wo Sie zur Schule gingen?
    2. Ich kann Ihrem Anliegen nicht folgen, welches Sie zu äußern versuchen. Was wollen Sie eigentlich sagen? Das habe ich ab der 5. Klasse gekonnt! Und wenn nicht, dann gab es die entsprechende Note!
    3. Die Rechtschreibung ist so schlecht, dass es vermutlich die Note „5“ wäre. Ich rede hier nicht von Tippfehlern oder besonders schwierigen Themen der Orthografie. Bitte machen Sie sich mit der Groß- und Kleinschreibung vertraut. Kommata dürfen verwendet werden. Nein, Adjektive – das sind die Eigenschaftsworte – werden immer noch nicht mit Großbuchstaben begonnen! Ja, Sätze enden i.d.R. mit einem Satzbauzeichen.

    Dies führt mich zu der Feststellung, dass es in der Bundesrepublik leider eine Tugend geworden ist, den Schnabel aufzureißen, auch wenn es nur so von Fehlern strotzt. Bei allem Respekt, jeder darf eine Meinung haben und muss eine Meinung haben. Aber stört es Sie nicht und ist es Ihnen nicht unheimlich peinlich, dass Sie es auf so eine Weise tun?

    Der Autor hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Schule ist eben kein endloses Vergnügen, sondern auch Arbeit! Sie sind ein Beispiel dafür, dass es dennoch eine Notwendigkeit ist.

    PS: Schreib Dich nicht ab! Lerne Lesen und SCHREIBEN!

    kommen Essen, Sicherheit und die "Maschienen die uns vieles Abnehmen" ?

    Vielleicht gibt sie eine Stimme denjenigen, die man allgemein als "Verlierer" bezeichnet. Sie fordern ihren Teil vom Kuchen.
    Und ich gebe ihnen Recht.
    Sie haben vielleicht schlechtere Gene, schlechtere Voraussetzungen, schlechtere Familienverhältnisse, schlechtere Kinderstuben.

    Es gibt so viele verschiedene Menschen. So viele Schicksale. So viele verschiedene Glaubenssätze/Dogmata. Es gibt keine Lebensgeschichte zwei Mal.
    Warum soll es also nicht verschiedene Schultypen und Lehransätze geben? Und warum soll nicht jede Familie für sich entscheiden dürfen, für welche sie sich entscheiden will? Stichworte Individualität und Toleranz gegenüber derselbigen.

    ich wiess nicht recht, wir der Begriff der Grausamkeit hier nicht ein wenig ueberstrapaziert? Sicher, fuer die Kinder, die hungrig zur Schule kommen und Angst haben auf dem Pausenhof verpruegelt zu werden, ist es das sicher. Aber was den Rest angeht: Is es wirklich so schlimm, in einem warmen Raum an einem Tisch zu sitzen und viel Neues zu erfahren? Mit regelmaessigen Pausen und Treffen mit Freunden? Es gibt auch Kinder, die gerade das als "Glueck" erleben, weil ihr Elternhaus chaotisch ist, und ihnen die Schulroutinen Ruhe und Sicherheit vermitteln. Und selbst fuer die, die das nicht gerade geniessen, ist es deshalb noch lange nicht "grausam".

  3. Komisch, ich kenne aus meinem Umfeld (Familie, Freunde, Klassenkameraden der Kinder) eigentlich hauptsächlich Kinder, die neugierig und wissbegierig sind.
    Lernen oder Leistungswillen (in einem eher sportlichen Sinn) muss nicht zwingend mit Stress zu tun haben, das kann auch Freude machen und motivieren. Wobei momentan durch Kreuz- und Quer-Vergleichs- und Leistungsstandstest-Gedöns allenthalben auch viel zu viel Wind gemacht wird - und ob DAS zielführend ist wage ich zu bezweifeln.
    Ich kenne Montessori-Pädagogik auch nicht als leistungsferne Kuschelpädagogik. Aber ich finde auch nichts schlecht daran, wenn es ein Wechselspiel aus Leistung und Entspannung gibt, vor allem im Ganztagsschulbereicht. Vermutlich ist der Artikel eher polarisierend gefasst.
    Schön wäre es, wenn die Räume die enstehen wenn der Druck rausgenommen wird, zur Entwicklung freien und eigenständigen Denkens genutzt werden könnten. Wir brauchen für die Zukunft definitv keine Menschen, die das Wissen, das unsere Welt an die Wand gefahren hat lediglich reproduzieren können - sondern Innovation und Problemlösung.

    37 Leserempfehlungen
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    meinte ich die Klasse meines Jüngsten beschrieben zu haben. Er hatte eine wunderbare Grundschulzeit mit viel Entspannung, leiser klassischer Musik im Unterricht, Epochenarbeit, Projektarbeit und einer Lehrerin, die in der Lage war, wirklich jedes der 22 Kinder nach seiner Leistungsfähigkeit zu fördern (ws für meinen Sohn bedeutete, dass er in Klasse 4 eben Matheaugaben einer 5. Klasse machte und begann, Englisch zu lernen, was damals noch nicht üblich war in den Grundschulen).
    Das Elend begann erst auf dem Gymnasium, als man mit einem Kind, das gern lernte, aber durchaus auch selbstbestimmt, nicht gut umgehen konnte. Er hat trotzdem Abitur gemacht und studiert.
    Lieber Herr Prüfer, gönnen Sie Ihrem Kind doch eine schöne, entspannte Schulzeit. Warum müssen schon kleine Kinder in eine Tretmühle gesteckt werden und ihnen vorgemacht werden, dass nur Leistung zählt?

    • xy1
    • 06. Dezember 2012 19:06 Uhr

    "Wir brauchen für die Zukunft definitv keine Menschen, die das Wissen, das unsere Welt an die Wand gefahren hat lediglich reproduzieren können - sondern Innovation und Problemlösung."
    1. Um Innovationen hervorzubringen, müssen Sie erst sich das bestehende Wissen fundiert aneignen - und das erfordert verdammt viel Anstrengung. Eine Innovation die auch in der Praxis funktioniert hervorzubringen efordert auch sehr viel Arbeit, Selbstdisziplin, Stehvermögen (Edison: Erfindung ist 1% Inspiration, 99% Transpiration).
    Wie das bestehende Wissen die Welt an die Wand gefahren hat, müssten Sie auch erklären - trotzi steigender Anzahl von Menschen steigen Wohlstand (zugegeben nicht überall gleichmässig), Lebenserwartung, etc.

  4. 6. Danke!

    Ein so wichtiger Artikel, der ein wirkliches Problem anspricht und die Frage aufwirft:

    Was ist Schule?

    Eine Anstalt, in der junge Menschen fachliches Wissen erwerben sollen, und immanent soziale Fähigkeiten entwickeln sollen?

    Oder eine Anstalt, in der Kinder solange aufgehoben sein sollen, wie die Eltern bei der Arbeit sind? Wenn sie Glück haben, schnappen sie ja noch ein paar Brocken auf.

    Es ist UNGLAUBLICH, auf welch beschämende Art und Weise wir unsere eigenen Kinder für dumm verkaufen, ihnen nichts zutrauen, ihnen keine Härte zumuten, sie wirklich wie Kinder (im pejorativen Sinne) behandeln.

    Ich studiere selber Lehramt in Bayern und wenn ich die Schulpädagogen an meiner Uni reden höre bekomme ich manchmal regelrecht Angst. Sätze wie: "Kinder müssen heutzutage nicht mehr viel lernen, die Welt ist so komplex und ändert sich so schnell, das lohnt sich nicht."

    Vielleicht ist diese Entwicklung politisch so gewollt: In oben beschriebenen Schulen braucht man ja keine fachlich qualifizierten Lehrer, sondern "nur" Erzieher. Das spart dem Staat viel Geld.

    Und die Eltern, die für ihre Kinder eine wirkliche Ausbildung wollen? Die schicken ihre Kinder auf Privatschulen. Und die können sich nur wohlhabende Schichten leisten.

    Ich seh in 20 Jahren bei uns Zustände wie heute in den USA. Wer kann meidet eine "public school", wer Geld hat zahlt und "kauft" sich den Zugang zu guten Unis und guter Bildung.

    Aber man will seinen Kindern ja was gutes tun...

    39 Leserempfehlungen
    • S.W.
    • 06. Dezember 2012 10:45 Uhr

    lassen Sie uns an Ihren Erfahrungen in den nächsten Jahren teilhaben.... Sie werden sehen, dass manche Dinge anders sind, als sie auf den ersten Blick scheinen.
    Ein Grundschule mit vielen Abgängen nach der vierten Klasse? Das ist kein Zeichen von Leistungsstärke, sondern Flucht. Und mit dem dritten Kind auf einer Montessorischule kann ich Ihnen versichern: Selbstbestimmt lernt es sich viel besser. Meine Kinder haben den Übergang auf die weiterführende Schule super geschafft.
    Und: Wenn Ihre Tochter eines Tages seltsame Sachen zu Hause erzählt ("die Lehrerin hat gesagt, ich soll eine Woche nichts lernen"), dann fragen sie doch noch mal nach. Bei der Lehrerin ;)

    16 Leserempfehlungen
    • HerrS
    • 06. Dezember 2012 10:46 Uhr

    Ich habe oftmals den Eindruck, dass jegliche Reaktion auf eine Studie zum Schulsystem extreme Reaktionen auslöst.
    Nach der PISA-Studie mussten die Schüler bis nachmittags büffeln, nach der Warnung vor Burn-Outs wird herumgelümmelt. Jedem objektiv denkenden Menschen ist klar, dass das nicht die Lösung sein kann. Leider ist das Thema Schule aber immer mit sehr vielen Emotionen besetzt - u.a. weil sich viele Eltern selbst einen extremen Druck erschaffen, dass die Zukunft des Kindes zerstört ist, wenn es keine optimale Schulausbildung bekommt.

    Ich möchte aber auch noch einmal betonen, dass Montessori-Pädagogik nichts damit zu tun hat, dass Schüler den Tag in der Kuschelecke verbringen, weil sie gerade nicht lernen möchten. Es gibt zahlreiche nationale und internationale Studien, die belegen, dass Montessori-Schüler mindestens ebenbürtige Leistungen erbringen, teilweise sogar besser als die Schüler der Regelschulen sind. Nur muss man diese Pädagogik auch beherrschen und sich nicht an einzelnen Punkten ("Bei uns gibt es keine Noten!") festklammern.

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  • Schlagworte Eltern | Entspannung | Gymnasium | Lehrer | Nachbarschaft | Schule
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