Berliner Schulen : Große Pause für immer!

In Berliner Schulen lernen Kinder vor allem eins: Sich nicht anzustrengen.

Ein paar Kinder aus meinem Bekanntenkreis haben jetzt in der Schule Entspannungsunterricht. Die Kinder machen es sich gemütlich, hören beruhigende Musik und üben autogenes Training.

Wenn man einer aktuellen Umfrage glaubt, haben Kinder Entspannung heute dringend nötig. Offenbar sind schon Grundschulkinder dem Burn-out so nahe wie Topmanager. Laut einer Studie des deutschen Kinderschutzbundes fühlt sich jedes dritte Kind in der zweiten und dritten Klasse von Hausaufgaben und Schule gestresst. Die Hälfte der Kinder wünscht sich mehr Erholung. Und in fast allen Bundesländern ist Schule bei Kindern der Stressfaktor Nummer eins. In Berlin natürlich nicht.

Als ich auf der Suche nach der richtigen Schule für meine Tochter war, schaute ich mir die Schule in der Nachbarschaft an. Eine Lehrerin führte am Tag der offenen Tür einen Pulk von aufmerksamen Eltern durch das Gebäude. Statt Tischen und Stühlen befanden sich in den Schulräumen dicke Teppiche, Kuschelecken und Kletterwände. Die Kinder lümmelten herum, betrachteten Bücher oder malten. Die Schule, erfuhr ich, orientiere sich an Montessori-Regeln. Hier bestimmten die Kinder ihr Lerntempo selbst.

Die Eltern stellten beim Rundgang allerlei Fragen. Welchen Gender-Ansatz man auf der Schule verfolge. Ob es Vollwertkost gebe und auch ein laktosefreies Menü. Auf alles wusste die Lehrerin eine Antwort. Nur als ich fragte, wie viele Kinder denn nach der vierten Klasse ein Gymnasium besuchten, gab es peinliches Schweigen. Die Lehrerin meinte, es komme immer wieder mal vor, dass ein Kind nach der vierten Klasse auf einem Gymnasium angemeldet würde. »Aber auf der Schule kommt es nicht in erster Linie auf Leistung an, sondern darauf, dass das Kind gut durch die wichtigen Phasen des Lebens begleitet wird«, fügte sie hinzu. Dieser Satz hat mich erstaunt. Ist es nicht Aufgabe der Schule, den Kindern etwas beizubringen? Während es meine Aufgabe ist, sie durch das Leben zu begleiten?

Zweimal lebenslänglich Schule

Zugegeben, als Kind hätte ich eine Schule mit Lümmelkissen geliebt. Die Schule, die ich besuchte, hatte Tische und Stühle. Und ich habe sie gehasst. Nach meinem zweiten Schultag wollte ich wissen, wie lange ich noch zur Schule gehen muss. Höchstens 13 Jahre, sagte meine Mutter. Für einen Sechsjährigen heißt das: zweimal lebenslänglich. Die Schule war voller Lehrer, die mir das Gefühl gaben, ich sollte mich mehr anstrengen. Am besten so wie die Strebermädchen in der ersten Reihe. Ständig wurde man verglichen, keiner interessierte sich für meine wahren Interessen. Und dazu noch dieser Stress mit den Noten.

In Berlin wollte man es besser machen. Dank einer Schulreform gibt es jetzt nicht nur an den von Montessori-Pädagogik beseelten Grundschulen entschleunigten Unterricht. Die Grundschule dauert sechs Jahre, wobei einige Gymnasien sehr gute Schüler bereits in der fünften Klasse aufnehmen. Und es gilt das jahrgangsübergreifende Lernen: Die erste und zweite, manchmal auch die dritte Klasse, werden zusammen unterrichtet. Es gibt keinen frontalen Unterricht mehr, in dem der Lehrer den Stoff an der Tafel vorträgt und abfragt. Stattdessen korrigieren die Kinder gegenseitig ihre Arbeitshefte, arbeiten projektbezogen und in Gruppen. Der Lehrer tritt eher als Lernberater auf.

Wer etwas weiter im Stoff ist, soll nicht durch die schwächeren Kinder in der Klasse gebremst werden. Und wer etwas länger braucht, kann sich die Zeit nehmen, die er benötigt. Während manche schon fünf Arbeitshefte durchgearbeitet haben, sind andere erst beim zweiten. In der Theorie klingt das vernünftig. Ein Bekannter erzählte jedoch, sein Sohn habe von der Lehrerin Anweisungen bekommen, mal eine Woche nichts zu lernen, damit die Schwächeren den Rückstand aufholten. Er solle lieber spielen. Auf die Art lernt man nicht viel. Erst neulich wurde in einer Studie dokumentiert, dass Berliner Kinder im vierten Schuljahr über ungefähr so viel Wissen verfügen wie bayerische Kinder im dritten. Sie haben eben ihr eigenes Tempo, die Berliner Kinder, könnte man sagen. Sie lernen erst dann lesen, wenn die Münchner Streber schon auf das Gymnasium gehen. Bei anderen länderübergreifenden Tests hatten einige Berliner Schulleiter zum Boykott aufgerufen: Die Kinder würden schon die Aufgabenstellung nicht verstehen, so ein Test könnte sie zusätzlich frustrieren.

An Berliner Schulen haben die Kinder eine entspannte Zeit – und verlassen sie als Bildungsgeschädigte. Ein Viertel der Kinder kann in der vierten Klasse keinen Text lesen oder verstehen und nur ansatzweise schreiben. Ist das Chancengleichheit?

Als ich die Schule verließ, stellte ich fest, dass die Welt kein bisschen freundlicher ist. Wer einen Arbeitsplatz sucht, wird gnadenlos mit anderen verglichen. Es wird vorausgesetzt, dass man schreiben und rechnen kann. Ich habe die Schule gehasst, aber sie hatte recht.

Wir haben uns bei der Schule für unsere Tochter dann doch lieber für eine mit Tischen und Stühlen im Klassenzimmer entschieden. Und einmal in der Woche lernen wir zu Hause Mathe. Meine Tochter sagt, ich soll mich mal entspannen.

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Kommentare

273 Kommentare Seite 1 von 34 Kommentieren

Zuerst die

Freude, dann der Stress - so habe ich Schule erlebt und das ist verdammt lange her. Trotzdem war es richtig, denn sonst hätte ich weder die Matura (Deutschland Abitur) geschafft. Und wahrscheinlich auch nicht das Studium. Deto mein Sohn, ein Mathematikverweigerer, der es trotzdem zur Matura und einem erfolgreichen Studium geschafft hat. Das ganze Berufsleben ist mit Druck verbunden, wie sollen die kleinen Stressverweigerer jemals in ein Berufsleben integriert werden?

In anderen Ländern

Lebt man auch ohne viel Stress und hat trotzdem ein anständig geregeltes Leben.
Der Stress ist eine prägnante Zivilisationskrankheit der größten Industrieländer als auch der Länder, die bei PISA an der Spitze stehen.

Stress muss auch auf der Arbeit nicht unbedingt der Fall sein, das hängt vom Unternehmen ab. Nur ist in Deutschland es sehr verpöhnt, ein eigenständiges Leben nach eigenen Regeln zu leben, alles muss im Konsens mit der Gesellschaft stehen. Kritische Geister sowie vor allem Menschen, die sich ihren Beruf selbst aussuchen sind unerwünscht.
Ironischerweise aber suchen sich alle erwachsenen Menschen ihren Beruf selbst aus, was nichts anderes heißt, als dass sie sich freiwillig in eine solche Tretmühle begeben.

Man kann 12-Stunden-Schichten als extrem stressig erleben oder man ist am Ende zwar erledigt aber stolz darauf, was man getan hat. Die Wahl dazu liegt bei jedem selbst.

Das Schulsystem hingegen lässt kaum eine Wahl offen. Ich war auch auf einer so oft niedergemachten Montessori-Schule und habe trotzdem ein sehr gutes Abitur und bald auch meinen Studienabschluss in der Tasche.

Vielleicht eine kleine psychologische Anmerkung: Druck erzeugt immer Gegendruck und wird so nie etwas bringen. Ich würde mal eher behaupten, dass man in Berlin das Geld nicht einmal an den wichtigsten Stellen ausgibt (Klassengröße, vernünftige Betreuung etc.), sondern es stattdessen - rein nach ökonomischen Gesetzen - Banken und sinnlosen Großprojekten in den Schlund wirft.

Die gibt es

Klassische "Aussteiger"-Länder, davon gibt es zuhauf. Sie setzen vermutlich fälschlicherweise Stress mit Anstrengung gleich und können so schlussfolgern, ein Land, wo man ohne Anstrengung glücklich werde, gäbe es nicht. ST_T hat aber nun einmal hervorragend beschrieben, dass Stress und dessen Begleiterscheinungen keinesfalls das zwingende Beiprodukt von Fleiß und Anstrengung ist, sondern ein modernes Konstrukt, das sich ergibt, wenn Erwartungshaltung und Realität in einem ungesunden, da nicht selbst bestimmten Verhältnis zueinander stehen.

Ach ja, Bhutan mit seinem Bruttonationalglück.

Was kommt dabei heraus? Gbit es Erkenntnisse über den tatsächlich vorhandenen Streßpegel?
Das zweite gesuchte Merkmal war übrigens, daß es in den betreffenden Ländern ein "anständig geregeltes Leben" gibt. Das ist natürlich ein sehr weiches und subjektives Kriterium, und sicherlich würden viele Menschen, besonders zivilisationsmüde Menschen aus Westeuropa aus der Entfernung der Auffassung sein, daß das Leben in Bhutan absolut "anständig geregelt" ist. Die Mehrheit der Deutschen jedoch würde ein Absinken der wirtschaftlichen, sozialen, medizinischen etc.pp. Standards auf das Niveau Bhutans als nicht mehr "anständig geregelt" empfinden. Möglicherweise würden sogar viele Bewohner Bhutans finden, daß diese Standards in Deutschland irgendwie "anständiger" sind als in ihrem bruttonationalglücklichen Land.

Welche Länder haben Sie denn noch auf Lager? "Rund um das Himalaya-Gebirge"... Also in Nepal bin ich schon gewesen. Auch Streß, Armut, maoistische Terroristen usw.usf. - ein Vorbild für Deutschland? Naja, die Maßstäbe sind halt verschieden.

Wissen-Wollen

Es gibt noch eine andere Sicht auf Schule als entweder Streß-und-Leistung oder Entspanntlerne-ohne-Leistung.

Ich bin im Großen und Ganze sehr gern zur Schule gegangen - und habe dort viel gelernt. Mein Unterricht war in hohem Maße konventionell, manchmal ohne Zweifel nervig, hat aber die meisten Kinder, auch die aus damals wenig vor-gebildeten Bauernfamilien durchgebracht.

Unsere Lehrerinnen wussten (!) ziemlich viel. Wenn Lehrer oder Lehrerin einigermaßen fähig waren, habe ich mich für Wissen (!) und Nachdenken (!) mit Begeisterung begeistern lassen. Wissen als Selbstzweck, als etwas, das einen mitreißt, auch wenn es Mal komplizierter wird - kann man sich das heute vielleicht nicht mehr vorstellen? Sich gerne (!) auch Mal Anstrengen - auf der Basis möglichst breiter Kenntnis (!) und eines Könnens (!), das man sich über längere Zeit (!)sogar selbst erarbeitet hat - wo bleibt das in dieser simplen Gegenüberstellung von Leistung (Hass, Abneigung) und Genuß (Nicht-Lernen-Müssen)??

Übrigens war es damals keine Katastrophe, wenn man durchschnittlich um drei herum lag, wie ich. Dazu brauchte man - kaum zu glauben - auch Mal eine fünf, wenn man einige Fächer mehr mochte und darin gut war... Ich fand das angemessen - mehr nicht.

Richtig, wenn Sie überzeugt davon sind,

daß es z.B. in Bhutan weniger Streß gibt und das Leben dort trotzdem voll anständig geregelt ist, dann ist das ja ok. Allerdings wüßte ich gern, worauf ihre Überzeugung gründet. Die durchschnittliche Lebenserwartung in Bhutan liegt ca. 13-14 Jahre unter der in Deutschland. Sind die Menschen dort vielleicht gar nicht sooo entspannt? Oder sterben sie früher wegen zu viel Entspannung?
Was ist nun mit den anderen voll entspannten Ländern, die es "zuhauf" gibt?

Ein langes Leben sagt nichts über Qualität aus

"Die durchschnittliche Lebenserwartung in Bhutan liegt ca. 13-14 Jahre unter der in Deutschland. Sind die Menschen dort vielleicht gar nicht sooo entspannt?"

Die hohe Lebenserwartung in westlichen Ländern hat mit der medizinischen Versorgung und dem Überangebot an Nährstoffen in Verbindung mit dem weitestgehend körperlich nicht fordernden Lebensalltag der Gesellschaft zu tun. Daraus auf Lebensqualität zu schließen, ist reichlich naiv.

Dank der Schulreform 6 Jahre?

Sechs Jahre Grundschulzeit gab es in Berlin schon als die Mauer noch stand. Und vermutlich auch als der Kanzler noch Bismarck hieß. In Brandenburg gibt es auch sechs Jahre. Gut möglich das dieser Ansatz -mag man ihn gut heißen oder nicht- aus der Zeit stammen als Berlin noch Teil der Provinz Brandenburg war.

Aber es ist definitiv nicht das Ergebnis einer Schulreform in den letzten Jahren.

Re: Dank der Schulreform 6 Jahre?

Das kann ich bestätigen. Und es ist heute noch in Berlin oftmals kaum anders als die letzten Jahrzehnte zuvor. Viele Gymnasien haben noch gar keine vierte und fünfte Klasse. Nach der vierten Klasse auf ein Gymnasium zu gehen ist eine optionale Sache, die praktisch gar nicht unbedingt möglich ist, weil das nächste Gymnasium, das Unterricht ab vierter Klasse anbietet, viel zu weit weg oder völlig ausgelastet ist. Jede Berliner Grundschule bietet daher sechs Klassenstufen an.

Extreme unbedingt vermeiden!

Meiner Meinung nach ist es im Bildungssystem wichtig auf Extreme aller Art zu verzichten, denn diese gesellschaftliche Aufgabe ist zu wichtig um an ihr herum zu experimentieren.
Das im Artikel erläuterte Beispiel zeigt nur zu gut, dass die Grundaufgaben der Schule, z.b die Schaffung eines breiten Bildungsnivaus, mit so einem System nicht mehr erfüllt werden. Auf der anderen Seite ist auch eine zu stark leistungsorientierte Schule nicht in der Lage ihre Aufgabe der Integration möglichst aller gesell. Milieus zu sichern.

RN

Ach ja!?

Und was erreicht man durch das Vermitteln von Bildung??
Richtig die Integration in das gesellschaftliche Leben. Ohne Bildung kaum oder schlechte Teilhabe an der Gesellschaft und hinzu kommt das der heutzutage leider größte Integrationsfaktor der Arbeitsmarkt ist (zugleich auch Ursache für Ausschluss aus G.).
Je geringer die Bildung desto schwieriger der Zugang zum Arbeitsmarkt und desto geringer die gesellschaftliche Integration.

RN

Hier stoßen zwei Gegensätze zusammen...

Der Autor, der es geschafft hat, meinte es war gut so, weil die Welt ist grausam und er hat es zu was geschafft und nun erzählt er die Gewinner Sicht.

Das Kind spürt den Stress wirklich und sucht Erholung, weil bessere Lösungen fallen nicht ein. Es ist nur ein Kind!

Aber es gibt diesen Stress:
Von klein auf wird einen gesagt Ellenbogen raus. Du wirst es eh nicht schaffen. Denke frei. Sei Kreativ. Sei Freundlich. Setzt dich Durch. Hab Mitleid. Sei Grausam. Entfalte dich. Pass dich an. Ich will doch nur dein Bestes. Die Welt ist Grausam, drum geb ich dir gleich Noch eine mit.

Und falls man es trotzdem schafft, dann denkt man sich war doch alles nicht so schlecht.

Dass Problem ist mitlerweile das Gefühl es sowieso nicht zu schaffen.
Warum sich Anstrengen, wenn es sowieso nie genug ist. Dann lieber lernen sich mit wenig zufrieden zugegeben.
Hartz 4 ist nicht schön (irgendwie ist dieser Irrglaube verbreitet)
aber wenn man nie die Erfahrung gemacht hat, dass Anstrengung sich lohnt, dann wird es schwer sein den Arsch zu erheben. (Jetzt ist die logik der Neoliberalen nehmt ihnen das Essen weg, dann lernen sie schon für 3€ pro Stunde zu Arbeiten. Aber off Topik)

Und zuletzt die Frage, warum glaubt jeder die Welt muss grausam sein?
Es gibt weniger Gründe als jemals zuvor. Wir haben Frieden, Essen, Sicherheit. Maschienen die uns vieles Abnehmen, aber der Stress und die Kälte ist geblieben.. war früher doch alles besser?Nein! Aber wenn man gute Arbeit fand, konnte man aufsteigen

Leider haben Sie den Nagel auf den Kopf getroffen!

Sehr geehrte Dame oder Herr,

ich habe Ihren Kommentar amüsiert gelesen. Wissen Sie warum?

1. Sie sind der Fall, den der Autor des von Ihnen kritisierten Artikels beschrieben hat. Nur, dass sie bereits der Schule entwachsen sind. Darf ich fragen, wo Sie zur Schule gingen?
2. Ich kann Ihrem Anliegen nicht folgen, welches Sie zu äußern versuchen. Was wollen Sie eigentlich sagen? Das habe ich ab der 5. Klasse gekonnt! Und wenn nicht, dann gab es die entsprechende Note!
3. Die Rechtschreibung ist so schlecht, dass es vermutlich die Note „5“ wäre. Ich rede hier nicht von Tippfehlern oder besonders schwierigen Themen der Orthografie. Bitte machen Sie sich mit der Groß- und Kleinschreibung vertraut. Kommata dürfen verwendet werden. Nein, Adjektive – das sind die Eigenschaftsworte – werden immer noch nicht mit Großbuchstaben begonnen! Ja, Sätze enden i.d.R. mit einem Satzbauzeichen.

Dies führt mich zu der Feststellung, dass es in der Bundesrepublik leider eine Tugend geworden ist, den Schnabel aufzureißen, auch wenn es nur so von Fehlern strotzt. Bei allem Respekt, jeder darf eine Meinung haben und muss eine Meinung haben. Aber stört es Sie nicht und ist es Ihnen nicht unheimlich peinlich, dass Sie es auf so eine Weise tun?

Der Autor hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Schule ist eben kein endloses Vergnügen, sondern auch Arbeit! Sie sind ein Beispiel dafür, dass es dennoch eine Notwendigkeit ist.

PS: Schreib Dich nicht ab! Lerne Lesen und SCHREIBEN!

Ach bitte,

wenn die Orthographie des Kommentars, auf den Sie antworten, schon stört, dann ist das doch ein wenig pedantisch (was durchaus in Ordnung geht), hat vor allem aber mit der Sache nicht viel zu tun - ich erinnere mich da an Physikprofessoren, deren Rechtschreibung und Satzbau auf Grundschulniveau lagen und dennoch nicht als Wettbewerbsverweigerer oder Leistungsschwach gelten können.

Inhaltlich hat der Kommentator doch lediglich darauf hingewiesen, daß die Härten, die wir den Kindern heutzutage zumuten, nur in einem gewissen Weltbild sinnvoll sind und das dieses Weltbild inzwischen eigentlich obsolet ist. Ein großer Teil der jungen Generation hat dies bereits gemerkt.

Drittens stört mich die Arroganz, sowohl des Artikelverfassers, als auch Ihres Kommentares. Beide klingen so, wie typische Aussagen der Generation der heute 40-60-Jährigen: Menschen, die es in jeder Hinsicht einfacher hatten, als die nachkommenden Generationen, dennoch im Burnout gelandet sind und es nun den jungen Leuten schwerer machen wollen, um ihr Ego zu befriedigen.

Was mich auf George Carlin bringt, der dieses Phänomen auf den Punkt gebracht hat:
http://www.youtube.com/wa...

Tja aus der Tasache raus, dass sie mein Anliegen nicht folgen

können oder nicht verstehen oder vlt auch nur nicht nachvollziehen, entsteht eine Abhandlung voller Beleidigungen über meine Rechtschreibung gespickt mit Zynismus. Es gibt wichtigeres im Leben als Orthographie und auch wenn noch genug Fehler in meinen Text sind, denke ich dass es möglich sein sollte, bischen mit Mühe zu verstehen.

"Von klein auf wird einen gesagt Ellenbogen raus. Du wirst es eh nicht schaffen. Denke frei. Sei Kreativ. Sei Freundlich. Setzt dich Durch. Hab Mitleid. Sei Grausam. Entfalte dich. Pass dich an. Ich will doch nur dein Bestes. Die Welt ist Grausam, drum geb ich dir gleich Noch eine mit."
Hier benutzte ich Großbuchstaben um zu betonen (Ausrufezeichen hätten es auch getan). Ansonsten hab ich ein paar Fehler reingehauen, aber meine Aussage war weniger Hass, Kälte und Hochnäßigkeit und den seh ich leider in ihren Text. Wurde es ihnen beigebracht oder haben sie es sich selbst beigebracht?

Ps auch Arbeit kann Freude machen. Ich habe es selber lange nicht geglaubt...
PPS. Nicht nur sondern auch ist das Thema. Ewiger Kindergarten ist langweilig, aber Zuchtanstallt ist nicht besser.

Dann tut es mir leid, mich nicht verständlicher gemacht zu haben

aber Oh mein Gott ist wenig konstruktiv :-*

In Bayern läuft es zum Teil besser, weil es eine Struktur gibt. Aber zugleich wird Neugier und Freude rausgesaugt und entweder man passt sich leicht an und wird belohnt oder man bleibt liegen und kriegt vom Rest eine drauf.
"Selber schuld!" "Da hab ich kein Mitleid!" "Hätte er sich halt mehr Anstrengen müssen!" "Hat mir auch nicht geschadet!" (Wenn möglich mit möglichst viel Hass in der Stimme)

Und es scheint mir, dass die Leute stolz darauf sind ihr Mitgefühl verloren zu haben. Muss man in gewisser Sicht auch um zu bestehen. Aber diese extreme Individualisierung ohne Sicht auf die Verlierer scheint mir nicht das Beste für die Gesellschaft zu sein. (siehe Amiland)

Komplexität

ist nicht unbedingt ein Anzeichen grammatischer Schwäche (sonst würden wissenschaftliche Arbeiten aussehen wie die Bild-Zeitung).

Inhaltlich zeigt die Tatsache, daß ich weder von Ihnen, noch von HarryDD, ein argumentum ad rem gelesen habe, daß in den Schulen der Vergangenheit zwar viel Wert auf Orthographie, aber wenig auf Wissenschaftstheorie, Logik und Dialektik gelegt wurde.

Rechtsschreibung und Fähler....:-)

Nett, war schon immer so, das Form vor Inhalt geht und Otrhoooografiie DAS Kriterium für die Zugehörigkeit zum Bürgertum stand.
.
Der tragt keinen Schlips, also ist seine Meinung/Stimme nichts WERT! Über Geldanlagen rede ich nur mit Leuten im Anzug:-)))....
.
Hast damit gerade den gesamten Bildungskanon in die Tonne geklopft. Orginalstexte von Lessing bis ...., von Gaus bis.... sind damit, (da nicht DUDEN) incl. dieser Leute wohl nicht mehr brauchbar?

folgewndes.....

als 83er Jahrgang hab ich eine Rechtschreib-Reformen direkt miterleben dürfen,
ich war damals in der 4.oder 5.Klasse.
Mein Jahrgang hat folgendes dazu gelernt

"Ihr habt ja grad erst die alte Schreibweise gelernt und jetzt extra alles nochmal neu lernen ist für die Lehrer umständlich,
also schreibt einfach immer wie ihr wollt"

fragen sie einfach mal jeden x-beiebigen 25-30jährigen, das zieht sich teilweise bis in den Deutsch LK der Oberstufe dieses fragwürdige Vorgehen.... ;)

Zu Lessings Zeiten gab es im deutschen Sprachraum ...

....noch keine verbindlich geregelte Rechtschreibung.
###
Das zeigt doch, dass es auch ganz gut ohne geht, oder mit einer gewissen Bandbreite;)
###
Mal eine (gewagte?) These:
.
Als nur 1-5 % "lesen und schreiben" konnten, war das ein Privileg und ein Wettbewerbsvorteil!
.
Bei fast durchgehender Lese/Schreibfähigkeit müssen wir uns anders absichern;))
.
Wenn dann auch noch >50% das Abitur machen....... wird uns bestimmt etwas einfallen, um den Wettbewerbsvorteil unserer Gruppe/Schicht/Klasse.... zu erhalten.
.
Bildungspolitik als Klassenkampf? Machmal kommt mir das so vor!
.
Meint
Sikasuu
.
Ps. Von der Adlerfeder.... bis zum I-YXZ/Stern anf der Motorhaube...... Wir sind schon eine archische Spezies:-)

Dass es da eine Menge unsinniger

Regelungen und unklarer Kann-Bestimmungen gibt, bestreitet niemand. Trotzdem gibt es ein Minimum an Regelungen, die sich auch durch die Reform kaum geändert haben, wie z.B. die Großschreibung von Nomen, das Dehnungs-h und Satzschlusszeichen. In vielen heutigen Schüler/innen/texten, auch der höheren Klassen, hat man den Eindruck, dass das nie in der Schule besprochen und geübt wurde ...

@Nibbla

Ich würde niemals sagen "Selber schuld" oder selbstgerecht-fromm auf die 'Eigeninitiative' des Menschen verweisen. Im Gegenteil bin ich überzeugt, dass es überwiegend eine Illusion ist zu glauben, man hätte die Dinge, die man geschafft hat, ganz alleine geschafft. Denn entweder hatte man gute Freunde, eine von Zuversicht geprägte Familienstimmung oder einfach nur anständige Chefs, Erzieher, Ausbilder, Dozenten, Lehrer und so weiter. Allen von uns wurde etwas gegeben, aber alle von uns wurden auch schon in einem bestimmten Maße ungerecht behandelt.

Auf jeden Fall sollte jeder, der sich weiterbilden will, der etwas ändern, an sich arbeiten will - auch wenn das alles ein wenig hochtrabend klingen mag (ich finde im Moment keine klügere Wortwahl) -, auch dementsprechend Unterstützung erfahren. DAS und nur DAS ist das eigentliche Subsidiaritätsprinzip, das eigentliche Prinzip der sagenumwobenen Eigenverantwortung.

Diese heißt aber nicht - und alle, die anders reden, reden nur deshalb so, um faul und unmanierlich von IHRER Verwantwortung abzulenken -, dass ein Mensch alles alleine schaffen muss, dass er ein reines Vernunftwesen zu werden hat oder es ihm den Teufel auszutreiben gilt. Diese doch recht religiös-moralische Tendenz unserer Gesellschaft, gestützt von der CDU, ist gefährlich und gehört bekämpft.

Im Übrigen benutze ich Begriffe wie 'Verlierer', 'Gewinner', 'Unterschichten' etc. nicht. Nur darum schrieb ich Ihnen meinen Kommentar.

schwarz-weiß

ich muss zugeben dass mich ihr kommentar auch ziemlich irritiert hat. in meinen augen übertreiben sie maßlos und stellen der kritischen berichterstattung des autors über berliner schulen ein bild gegenüber dass ebenso abzulehnen ist.
aus der ablehnenden haltung gegenüber blümchenpädagogik herzuleiten dass man sich mit neoliberalem gedankengut marktorientierte zuchtanstalten herbeisehnt ist nicht nachvollziehbar.

leider wollen viele das heraushören wenn man sich für (größtenteils)frontalunterricht und notengebung ausspricht.

Dann sind unsere Meinungen ja gar nicht wirklich verschieden :-)

Ich hatte viel zu viel Glück, als dass ich glauben könnte, was besseres zu sein und zuviele gesehen, die mir ähnlich waren und zB nicht das Abitur geschafft haben oder keinen Beruf gefunden haben, der sie erfüllt. (Paar zum Glück dann übern 2. Bildungsweg. Es ist nicht alles schlecht in Bayern. ^^)

Aber ich denke schon, dass man Wörter wie Gewinner, Verlierer, Bildungsschicht und Arbeiterschicht verwenden kann. (vlt triffts "Überlebender des Systems" besser)
Es kann nur leicht missverstanden werden und kann verstehen, dass man sie meiden will. (Gerade Unter und Oberschicht)

Gewinnen heisst nicht besser, Verlieren nicht schlechter. Bildung ist nicht besser, wenn man es nicht mal mehr schafft sich in ein Kind hineinzuversetzten.

Aus einer Zeit, als ungelernte Arbeit noch gefragt war...

Und Kreativität und Inovation nicht so dringend gebraucht wurde, sondern man mit einfacher Arbeit es noch zu was bringen konnte.

Leider geht das heutzutage nicht mehr so leicht.

Und ab einen gewissen Niveau wollen die Leute leider selber Denken. (vlt nicht alle, aber genug)
Und ich bin der Meinung, dass wird den Leuten stark im Frontalunterricht ausgetrieben.
Das totale Gegenstück mit null Struktur funktioniert natürlich auch nicht.
Man braucht Struktur um zu lernen und um dann sich wieder von ihr zu lösen. (so lernt man Sprache, Musik, Laufen und da gehts auch, ganz ohne Hass und es ist viel schwieriger als einfaches Rechnen)

Gift...

"Aber stört es Sie nicht und ist es Ihnen nicht unheimlich peinlich, dass Sie es auf so eine Weise tun?"

Wo Sie's gerade ansprechen: Peinlich ist mir persönlich als Deutsch-Amerikaner, wenn ich mitansehen muss, wie jemand seinen Landsmann (?) in die Pfanne haut, weil der seine Argumente nicht in einwandfreiem Deutsch vorträgt. Wobei Fremdschämen wohl der bessere Ausdruck ist. Halb-fremd also. Das ist so vergiftet und so zynisch, dass ich mich frage, was hier kompensiert werden muss.

Ich wünsche Ihnen ein erfülltes Leben und hoffe inständig, dass Sie nie, ob durch Altersdemenz oder ähnliches, in die Situation kommen werden, wo Sie niemand mehr ernst nimmt, weil ihre äußere Form nicht den Ansprüchen genügt.

So unrecht hat die Autorin auch wieder nicht...

Vielleicht gibt sie eine Stimme denjenigen, die man allgemein als "Verlierer" bezeichnet. Sie fordern ihren Teil vom Kuchen.
Und ich gebe ihnen Recht.
Sie haben vielleicht schlechtere Gene, schlechtere Voraussetzungen, schlechtere Familienverhältnisse, schlechtere Kinderstuben.

Es gibt so viele verschiedene Menschen. So viele Schicksale. So viele verschiedene Glaubenssätze/Dogmata. Es gibt keine Lebensgeschichte zwei Mal.
Warum soll es also nicht verschiedene Schultypen und Lehransätze geben? Und warum soll nicht jede Familie für sich entscheiden dürfen, für welche sie sich entscheiden will? Stichworte Individualität und Toleranz gegenüber derselbigen.

"Grausamkeit"

ich wiess nicht recht, wir der Begriff der Grausamkeit hier nicht ein wenig ueberstrapaziert? Sicher, fuer die Kinder, die hungrig zur Schule kommen und Angst haben auf dem Pausenhof verpruegelt zu werden, ist es das sicher. Aber was den Rest angeht: Is es wirklich so schlimm, in einem warmen Raum an einem Tisch zu sitzen und viel Neues zu erfahren? Mit regelmaessigen Pausen und Treffen mit Freunden? Es gibt auch Kinder, die gerade das als "Glueck" erleben, weil ihr Elternhaus chaotisch ist, und ihnen die Schulroutinen Ruhe und Sicherheit vermitteln. Und selbst fuer die, die das nicht gerade geniessen, ist es deshalb noch lange nicht "grausam".

Stimmt nicht

Die Rechtschreibreform wurde mir in der 7.Klasse oder 8. beigebracht innerhalb einer Woche die vereinfachten Regeln dargelegt und die Lehrer sagten, dass sich zwar einige Zeitungen weigerten, aber letztendlich es die deutsche Sprache gemeinsam mit Österreich und der Schweiz betraf und die Regeln sicher nicht zurückgenommen werden würden.

Vielleicht ist das der Unterschied zwischen den Lehrern, die einen geben Meinungen wieder, die anderen zeigen den Kontext auf und erklären warum die Dinge so sind wie sie sind.

Meine Rechtschreibung und vor allem Grammatik halte ich selbst auch nicht für das Optimum - aber ich bin auch kein Germanist, ich wollte Ingenieur werden (bin es auch geworden) und war wirklich froh, als ich von der langweiligen Grundschule, wo ich immer nach 15 Minuten fertig war mit der Klassenarbeit endlich auf eine Schule kam, nach 4 Jahren, wo ich lernen musste, was lernen bedeutet.
Das schlimmste für ein Kind, das weiß ich aus meiner Erfahrung, ist, wenn Interesse und Neugier da ist und es ständig abgebremst wird, anstatt dass es gefördert wird. Eine totlangweilige Grundschule werde ich meinen Kindern nicht antun. Spaß daran zu haben, Wissen zu erlangen, das kann man lernen und fördern. Ich lese heute noch gerne fachfremde Bücher, behaupte ein ganz nettes Allgemeinwissen zu haben und freue mich über alles was neues aus der Wissenschaft kommt.

Ich hoffe, dass ich meinen Kinder dieses Neugier näher bringen kann und kein Lehrer dies zerstört.