DIE ZEIT: »Tausche Bildung für Wohnen« heißt der Verein, den Sie gerade zusammen mit Ihrer Partnerin Christine Bleks in Duisburg gegründet haben. Wie soll das funktionieren?

Mustafa Tazeoğlu: Studenten können umsonst bei uns wohnen, wenn sie 15 Stunden in der Woche eine feste Gruppe von vier Kindern aus sozial benachteiligten Familien betreuen. Wir können 80 Kinder erreichen, bei einem Betreuungsverhältnis von eins zu vier, wenn das Projekt erst läuft.

DIE ZEIT: Was fehlt zur Umsetzung?

Tazeoğlu: Die Anschubfinanzierung für den Wohnraum. Wir suchen zwölf Zimmer auf 400 Quadratmetern, also ein ganz normales Gebäude, drei Stockwerke, unten eine Gewerbeeinheit. Davon stehen in Duisburg-Marxloh viele leer. Wir wollen, dass junge Akademiker hierherziehen. Für den Stadtteil ist der Tauschhandel ein guter Deal, weil die Bildungsarmut groß ist und wir so soziale Durchmischung anregen. Aber leider sind gerade viele Heuschrecken unterwegs, die die Immobilienpreise in die Höhe treiben. Wir haben zwar drei Objekte in Aussicht, aber noch keine passende Finanzierung. Das Haus ist die Grundlage für den Tausch. Für die Pilotphase werden wir es mieten, aber sobald wir es erwerben können, ist es unsere erneuerbare Energie.

DIE ZEIT: Trotzdem müssen Sie regelmäßig Geld reinbekommen.

Tazeoğlu: Im Moment können wir uns kleine Gehälter auszahlen, weil wir einen Wettbewerb der Vodafone-Stiftung für Sozialunternehmer gewonnen haben. Das Preisgeld reicht noch bis April. Das Programm ist aber darauf angelegt, sich selbst zu tragen. Wir rechnen damit, dass unser Projekt 180.000 Euro im Jahr kostet. Dafür setzen wir zum größten Teil auf Geld aus dem Bildungs- und Teilhabepaket – auf den Zuschuss für Freizeitaktivitäten, vor allem aber auf die Kostenübernahme für Nachhilfeunterricht. Da liegen enorm viel Gelder brach, weil die Leute nicht wissen, wie sie sie abrufen sollen. Rein rechtlich ist es kein Problem, da ranzukommen.

DIE ZEIT: Wer kann sich am Tausch beteiligen?

Tazeoğlu: Die Studenten müssen sich bewerben. Zusammen mit dem schulpsychologischen Dienst und erprobten Projekten wie Teach First erarbeiten wir zurzeit ein Auswahlverfahren. Es soll auf die Soft Skills der Bewerber ausgerichtet sein. Wir wollen keine ausschließlich fachlich geschulten Erzieher, sondern viele verschiedene junge Menschen, zu denen die Kinder aufschauen können.

DIE ZEIT: Die müssen aber auch auf den Job vorbereitet werden...

Tazeoğlu: Wir qualifizieren sie weiter mit Workshops und Seminaren, im Gegenzug erhalten sie Credit Points für ihr Studium. Hier arbeiten wir mit dem Rhein-Ruhr-Institut an der Universität Duisburg-Essen zusammen, das unser Projekt auch evaluiert. Ziel ist es, am Ende ein Handbuch zu haben – ein »How to do ›Tausche Bildung für Wohnen‹«. Darüber soll sich das Projekt auch anderswo etablieren.

DIE ZEIT: Wie kommen die Kinder in Ihr Programm?

Tazeoğlu: Wir konzentrieren uns zunächst auf Kinder zwischen acht und zwölf Jahren. Die Teilnahme wird über die Schulen organisiert, in Abstimmung mit Lehrern und Eltern. Wir hoffen, dass unsere Paten, gerade weil sie noch sehr jung sind, von den Familien als Fürsprecher der Kinder angenommen werden.