Games-Entwickler : Wir können auch Kunst!
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Die Daddel-Kids von früher sind erwachsen geworden

»Ich möchte Welten aufbauen, in die man abtauchen kann«, sagt Cevat Yerli, 34, Entwickler von Crysis. »Deshalb sind unsere Spiele auch aus der Ego-Perspektive. Ich will ein möglichst intensives Erlebnis, es soll nichts zwischen dem Spieler und der Welt stehen.«

Als Kind zog Yerli mit seinen Eltern und seinen beiden Brüdern aus der Türkei nach Deutschland. Der Vater schenkte ihnen einen Computer. Die drei Brüder begannen zu spielen. Und dann begannen sie, Spiele zu entwickeln. 1997 gründeten sie ihre Firma, nannten sie Crytek und produzierten Ego-Shooter. »Ich habe schon immer mit einem Augenzwinkern gesagt, dass Spielemachen schwieriger ist als Filmemachen«, sagt Yerli. »Bei Computerspielen gibt es eine lineare Handlung im Hintergrund, aber dazu kommen Interaktionen, die es dem Spieler erlauben, etwas zu verändern, und dabei trotzdem die Handlung vorantreiben. Das sind konzeptionell ganz andere Herausforderungen als beim Film.«

Crytek, das kleine Start-up aus Coburg, ist heute eines der größten Spieleunternehmen Deutschlands. Eine Firma mitten in Frankfurt, mit großem Budget, sieben Standorten auf der Welt und über 800 Mitarbeitern. Die Produktionen der drei Brüder zeigen, dass der schlichte Widerspruch zwischen schlechten Ballerspielen und guten Nischengames Quatsch ist. Die Daddel-Kids von früher sind erwachsen geworden und machen aufwendige, trickreiche und manchmal auch nur schlicht kommerziell erfolgreiche Games.

Wie Filme befriedigen Spiele unterschiedliche Bedürfnisse – Blockbuster haben ihre Berechtigung genauso wie Arthouse-Produktionen. In beiden gibt es Schrott und Langeweile. Aber es gibt auch Entwickler mit Hingabe und außergewöhnlichen Fertigkeiten. Nur: Um wahrgenommen zu werden, geht es auch um Haltung. Sehen sie sich als Künstler, die Kreativen dieser Branche?

»Um Gottes willen nein«, sagt Cevat Yerli von Crytek. »Solche Gedanken mache ich mir nicht.«

»Na ja«, sagt Krystian Majewski, der Indie-Entwickler, »ich möchte zumindest künstlerische Spiele machen.«

»Ja«, sagt Jan Müller-Michaelis von Daedalic, »definitiv, ich bin Künstler.«

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Kommentare

8 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Statt dessen

sind praktisch alle "AAA" Titel jetzt wie amerikanische Filme. Lächerlich oberflächliche Charaktere, die typischen Zutaten Blut, Sex und Testosteron sowie Explosionen; die Storys sind praktisch sämtlichst reduzierbar auf die Motive Erfolg/Aufstieg, Rache, Gewalt, und (seltener, v. a. im asiatischen Bereich) kitschigste Lovestorys.

Da muss man schon schmunzeln, wenn man hier liest "Spiele sind Kunst" oder sogar "alle Spiele sind Kunst". Wer das behauptet, meint auch, "Der Hobbit 2" oder "The Expendables" oder Katy Perry sei Kunst.

Kunst ist grundsätzlich erstmal abzugrenzen von reiner Unterhaltung - während letztere nur der Zerstreuung dient und einfach so "wegkonsumiert" wird, ist erstere (nach meiner Definition) gekennzeichnet von Gedanken und Gefühlen des Künstlers, denen er in einer ganz bestimmten Weise Ausdruck verleiht... es wird zur Interpretation und eigenen Gedanken angeregt und dadurch eventuell eine Botschaft transportiert.

Es wird aber bei Blizzard, EA Games usw. immer nur das gleiche Lied wiederholt weil es der stumpfsinnige PS/Xbox-Sofa-Konsument leicht verdauen kann und deshalb kauft.

Da könnte ein bisschen Kulturgremium vielleicht nicht schaden. Wenn man da alles dem freien Markt überlässt, überlebt halt am Ende nur der massenkompatible, bequeme Dünnschiss.

Die Glotze ist Tot

Jetzt modert sie heftig riechend vor sich hin.

Die Computerspiele leben.

Langsam aber sicher werden Computerspiele nicht mehr in Bausch und Bogen abgelehnt. Das finde ich gut. Wir Spieler haben uns gegen jedwede Vorwürfe immer und heftigst gewehrt. Mit Recht!

Ob Spiele Kunst sind, ich meine Ja. Und das ist Kunst, die macht sogar Spaß. Der Spieler selbst nimmt aktiv an dieser Kunst Teil. Wenn ein Spiel richtig gut ist, dann wird der Spieler zum Teil der Kunst. Sein Geschick bestimmt das Fortkommen im Spiel. Und die Spielzeit natürlich. Stundenlanger Einsatz ist kein Thema.

Wer sich über ein Spiel informieren will, der schaut sich ein Lets Play auf YT an Edna bricht aus gibt es dort auch zu sehen, gespielt von Gronkh:

http://www.youtube.com/wa...

Zu wenig Fördergelder. Das wird schon stimmen. 2 Millionen gegen 300 Millionen. Das sollte sich ändern. Immerhin werden Welten online gebaut und nachgebaut in Minecraft:

http://www.zeit.de/digita...

http://www.youtube.com/wa...

Wie schon geschrieben, es gibt da immer einen Zeitfaktor.

Och nö, vielleicht lieber nicht (mit ;-) )

Wenn ich mir so anschaue, was passiert, wenn Sachen zu "Kunst" erklärt werden... vielleicht ist es doch besser, sich die Kunst vom Leibe zu halten :-o . Und dann noch dazu nur für "schnöden Mammon", will sagen: Fördermittel?

Dann doch lieber "Spiel" bleiben, würde ich meinen.

MGv Oyamat