Stuttgart 21 : Eine Blamage für die Bahn

Stuttgart 21 wird noch teurer. Trotzdem muss gebaut werden.

Das Milliardenprojekt Stuttgart 21 wird vielleicht noch einmal um eine Milliarde teurer. Der Bahnhof wird auch später fertig als geplant. Jeder, der dieses Projekt kennt, hat das erwarten müssen. So wie jeder auch weiß, dass das Geld anderswo viel dringender gebraucht wird, etwa beim Ausbau des Schienengüterverkehrs. Das alles macht einen Bahnhof mit zweifelhaftem Nutzen noch sinnloser.

Trotzdem dürfen der grüne Ministerpräsident und der grüne Oberbürgermeister von Stuttgart jetzt nicht »Stopp!« sagen. Trotzdem muss weitergebaut werden. Nicht weil ein Ausstieg zu teuer wäre. Sondern weil die in einem langen, demokratischen Verfahren herbeigeführte Entscheidung bindend ist. Der Streit um Stuttgart 21 mündete in einer monatelangen Schlichtung, bei einem Volksentscheid stimmten knapp 60 Prozent der Wähler in Baden-Württemberg für den neuen Bahnhof. Stuttgart 21 ist getragen vom Willen der Mehrheit. Die Demokratie ist mehr wert als eine oder zwei Milliarden Euro.

Ungerecht ist, dass am Ende nicht nur diejenigen den Bahnhof bezahlen, die ihn wollen, sondern auch alle anderen. Die Mehrkosten muss wohl vor allem die Bahn tragen, schließlich haben deren Ingenieure schlampig geplant. Nur: Die Bahn, das sind wir alle. Auch die Bremer und die Berliner und die in Hamburg lebenden Stuttgarter hängen mit drin.

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