Die Energiewende ist für Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft eine immense Herausforderung und großartige Chance zugleich. Sie bedeutet weit mehr als nur den Ausstieg aus der Kernenergie.

Die Energiewende ist die Nagelprobe für die Zukunfts- und Wandlungsfähigkeit einer westlichen Industrienation. Sie ist der Testfall, ob in einem relativ kurzen Zeithorizont die materiellen Grundlagen des Wirtschaftens und des Wohlstandes vollkommen verändert werden können, wenn das »alte« Entwicklungsmodell erkennbar zu scharfen Friktionen führen wird.

Die Energiewende ist auch mehr als nur ein gigantisches technisches Energie-Infrastrukturprojekt. Sie ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die in den kommenden Dekaden immer wieder neue soziale, ökologische und ökonomische Fragen aufwerfen wird. Die Gesellschaft muss darauf kontinuierlich Antworten finden.

Schon heute ist die Debatte deutlich weiter vorangeschritten als noch vor einem Jahr, die Probleme aber auch die Handlungsoptionen sind viel detaillierter beschrieben. Erste Ansätze, die vielfältigen Diskussionen zu strukturieren, sind gemacht.

In Ministerien und Verbänden wurden Plattformen und Foren etabliert, in denen vor allem technische Themen auf der Tagesordnung stehen. Doch letztlich bleiben diese Debatten fragmentiert. Die Energiewende läuft so Gefahr zu einem technokratischen Projekt zu werden, dem die positive Resonanz in der Gesellschaft verloren geht. Es fehlt ein verbindendes Element.

Die Aufbruchstimmung, mit der vor einem Jahr alte Gräben überbrückt werden konnten, droht deshalb zu schwinden. Lagerdenken macht sich wieder breit: Bund und Länder streiten über einen gemeinsamen Weg. Wirtschaft und Zivilgesellschaft reiben sich in Konflikten auf.

Singuläre Probleme werden von der Öffentlichkeit als Existenzbedrohung für die gesamte Energiewende wahrgenommen. Und nicht zuletzt wird im Ausland die Frage gestellt, ob die »German Energiewende« ein industriepolitisches Zukunftsprojekt ist oder eher ein waghalsiges Pokerspiel.

Diese Sorge muss die Ethikkommission »Sichere Energieversorgung« gehabt haben, als sie im Mai 2011 die umgehende Einrichtung eines Nationalen Forums Energiewende vorgeschlagen hat. Die Botschaft: Aus der Energiewende sollte ein nationales Gemeinschaftswerk werden. Es ist höchste Zeit, daran anzuknüpfen und die Fäden wieder zusammenzuführen.

Um solch ein Forum kraftvoll aufzustellen, braucht es ein starkes nationales Mandat mit einer echten Verankerung in Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Ein Nationales Forum Energiewende sollte deshalb durch einen Beschluss des Deutschen Bundestages in Berlin auf den Weg gebracht werden. Sechs Felder sollten dabei im Fokus stehen.