Die Krisenländer hätten etwa die Hälfte der nötigen Anpassung geschafft, sagt Klaus Regling, der Chef des ESM. Selbst die bislang eher skeptische Bundesbank erkennt inzwischen an, dass sich im Süden etwas tut. In ihrem jüngsten Monatsbericht spricht sie von »ersten Schritten zur Herstellung wettbewerbsfähiger Kostenstrukturen«.

Auch die Deutschen scheinen sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Wegen der über Jahre hinweg sehr geringen Lohnzuwächse fiel die größte Volkswirtschaft Europas als Absatzmarkt praktisch aus. Deutschlands Unternehmen konnten zudem billiger produzieren als ihre Konkurrenten im Rest Europas. Nun steigen die Löhne hierzulande erstmals wieder stärker als im europäischen Ausland. Die Deutschen haben also mehr Geld zur Verfügung, um Waren aus Italien oder Portugal zu kaufen. Und die Wettbewerbsvorteile gegenüber italienischen und portugiesischen Unternehmen verringern sich. Nach Berechnungen der Bundesbank ist der deutsche Überschuss im Außenhandel auf ein Sechstel des Vorkrisenstandes geschrumpft.

Bislang war die große Sorge der Deutschen, dass die Schuldenstaaten das Reformieren einstellen, wenn ihnen geholfen wird. Doch diese Befürchtungen scheinen sich nicht zu bewahrheiten. Die Optimisten unter den Experten gehen davon aus, dass vorerst keine neuen Rettungspakete mehr nötig sind und die Krise im kommenden Jahr abflaut.

Kommt Wachstum in Gang?

Dazu allerdings müsste das Wachstum in Gang kommen – und ob das gelingt, ist die große Unbekannte in dieser Phase der Krise.

Nach Schätzungen der Kommission wird die Wirtschaft in allen Peripherieländern in diesem Jahr schrumpfen. Auch 2013 sieht es demnach nicht viel besser aus. Für die Bundesregierung ist die Flaute eine unvermeidliche Begleiterscheinung des wirtschaftlichen Heilungsprozesses nach den Kreditexzessen der vergangenen Jahre. Je länger sie allerdings anhält, desto schwerer wird es für die betroffenen Staaten, sich wieder zu erholen: Weil Arbeitskräfte, die zu lange keinen Job haben, ihre Qualifikationen verlieren. Oder weil die klugen Köpfe das Land verlassen.

Vor allem aber wird die Bevölkerung auf eine schwere Probe gestellt. Griechenland hat in den vergangenen vier Jahren fast ein Viertel seiner Wirtschaftsleistung verloren, einen solchen Kurs hält kein Land lange durch. Das Linksbündnis Syriza, das den Rettungsmaßnahmen kritisch gegenübersteht, liegt in den Umfragen schon seit Wochen vorn.

Wenn die Reformskeptiker die Oberhand gewinnen, könnte sich also schnell wieder Panik breitmachen. Nicht nur in Griechenland. Dieser Gefahr ist man sich in Brüssel bewusst. In der Kommission wurde die Marschroute ausgegeben, kleinere Zielverfehlungen beim Defizitabbau zu tolerieren – um zu verhindern, dass neue Sparrunden die Wirtschaft noch tiefer abstürzen lassen. Unumstritten ist das allerdings nicht.

Es kann also noch einiges schiefgehen. Aber offensichtlich ist so viel geschehen, dass Schwarzmaler Roubini es nicht mehr für ausgeschlossen hält, dass die Währungsunion mit all ihren Mitgliedsstaaten diese Krise übersteht. Vielleicht braucht er bald einen neuen Spitznamen.