Euro-RettungIm Süden was Neues

Die Krise spitzt sich weiter zu? Von wegen: Die guten Nachrichten in Europa mehren sich. von 

Für Nouriel Roubini ist Pessimismus ein Geschäftsmodell. Der Starökonom aus New York sah die große Krise kommen, als alle noch an immerwährendes Wachstum glaubten. Seither geben die Leute viel Geld aus, um seine Untergangsvisionen zu hören.

Umso interessanter, wenn Roubini eine positive Botschaft zu verkünden hat. Wie am Montag dieser Woche. Da sagte er der italienischen Zeitung La Repubblica, die Lage in Europa habe sich »spürbar verbessert«. Das Vertrauen der Investoren kehre zurück.

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Dabei war es eigentlich alles andere als eine gute Woche. Griechenland erhält wieder einmal weiteres Geld, aber ein dringend benötigter Schuldenerlass scheiterte am Widerstand der Deutschen. Der Europäische Gerichtshof schmetterte eine Klage gegen den Rettungsfonds ESM ab. Doch am Freitag wurde ihm von der Ratingagentur Moody’s die Top-Bonitätsnote entzogen. Jetzt brauchen auch noch Spaniens Banken frisches Geld.

Und doch gibt es gute Gründe, warum »Dr Doom«, so Roubinis Spitzname, nun auf einmal Optimismus verbreitet: Die Anzeichen mehren sich, dass Europa auf dem richtigen Weg ist.

Man kann sie erkennen, wenn man Leuten wie Andrew Bosomworth zuhört. Bosomworth ist Deutschlandchef des amerikanischen Investmentgiganten Pimco, der knapp 2000 Milliarden Dollar verwaltet. Als die Politik die Krise noch leugnete, zog sich Pimco bereits aus Südeuropa zurück. Und steigt jetzt wieder ein. Das Engagement in Spanien und Italien werde »vorsichtig« hochgefahren, sagt Bosomworth. Die Amerikaner – sie glauben offenbar wieder an Europa.

Sie sind nicht die Einzigen. Nach Berechnungen der Commerzbank ist im Sommer erstmals seit eineinhalb Jahren wieder per Saldo Privatkapital in die Krisenländer geflossen. Damit müssen weniger Mittel über die Rettungsschirme mobilisiert werden – zur Erleichterung vor allem der Bundesregierung, die die Deutschen zumindest bis zu den Wahlen im September des kommenden Jahres nicht mit neuen unpopulären Hilfsgesuchen belästigen will.

Die Krisenländer sind vorangekommen

Beispiel Italien: Zwischen Juli und September wurden im Schnitt 11,5 Milliarden Euro pro Monat in das Land gebracht. In der Folge mussten sich Italiens Banken weniger Geld bei der Europäischen Zentralbank borgen. Das Volumen der ausstehenden Notenbankkredite in Südeuropa insgesamt ist seit dem Höchststand vom Mai um 81 Milliarden gefallen – auf zuletzt 784 Milliarden Euro. Nach Einschätzung von Ralph Solveen, Volkswirt bei der Commerzbank, hat vor allem EZB-Chef Mario Draghi die Wende erzwungen. Seine Ankündigung im Sommer, er werde einen Kollaps der Währungsunion verhindern, habe bei den Investoren »Eindruck gemacht«.

Zugleich sind die Krisenländer beim Umbau ihrer Wirtschaft vorangekommen. Die wurde vor der Krise von einem aufgeblähten Inlandsgeschäft am Laufen gehalten – vor allem in Spanien und Italien, wo ein Immobilienboom den Konsum anheizte. Nun werden von Lissabon bis Dublin Kosten gesenkt und neue Produkte auf den Markt gebracht. Das stärkt den Export und schafft die Voraussetzungen für ein gleichmäßigeres Wachstum.

Irland konnte die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen um neuneinhalb Prozent gegenüber dem Höchststand vor Ausbruch der Finanzkrise steigern, Spanien schaffte ein Plus von sieben Prozent und Portugal eines von gut sechs Prozent. Die Griechen tun sich mit dem Exportieren immer noch schwer, schließlich fehlt dem Land ein industrieller Kern. Doch es ist gerade dabei, sich gewaltige Kostenvorteile zu verschaffen.Allein in diesem Jahr werden die Lohnkosten je Produktionseinheit nach Schätzungen der EU-Kommission um 8,6 Prozent fallen.

Leserkommentare
  1. 17. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik und verfassen Sie differenzierte Beiträge. Danke, die Redaktion/jp

  2. ZEIT: "Die Amerikaner – sie glauben offenbar wieder an Europa"
    Nicht alle: http://tinyurl.com/c4zx6tu

    ZEIT: "Die Krisenländer sind vorangekommen - Beispiel Italien"
    "Vorankommen kann man auch anders interpretieren: http://tinyurl.com/cou8ocl, das Tempo geht unvermindert weiter, Italien ist in sieser Woche dem 2-Billionen-Euro-Schuldenclub beigetreten: http://tinyurl.com/bw7owlu. Lediglich die Verteilung der Schulden hat sich verändert: Dank etlicher Bürgschaften und Geschenkkörbe Angela Merkels, Mario Draghis "No-limit"-Bazooka-Drohung notfalls ohne Limit wertlose spanische Staatseinleihen gegen Euros (mit denen man etwa deutsche Autos kaufen kann) sowie Mario Montis Bilanz-Mogelei (Italiens Banken etwa werden künftig auf Kosten des ESM - also primär auf Kasse der bundesdeutschen Steuerzahler - saniert (Bestnote des ESM-Rettungsschirmes wurde durch Moody's prompt aberkannt) - übrigens werden dadurch Schäubles Luftbuchungen "Forderung gegen ESM" dadurch nicht überzeugender: Deutschlands realer Schuldenberg wächst rasant, die Ratingagenturen werden demnächst auch dort anklopfen.

    Und so gilt wohl, was Europa-Abgeordneter Nigel Farage kürzlich im EU-Parlament Barroso & Co. vor versammeltem Hause ins Gesicht sagte:: "I don't think money grows on trees, I think the money is limited of what the Germans, Dutch and Finish taxpayers" (http://tinyurl.com/bt783y8). Und Europa braucht noch rund 2,5 Bio. Euro, um den Boden des Fasses zu sichten

    6 Leserempfehlungen
  3. wer sich in diesem System wie bereichert, dann sollte es bei entsprechendem politischen Willen schon andere Auswege geben, als die Massen um ihr Eigentum und die jungen Menschen um ihre Biografien zu betrügen.

    Nur ein paar Gedanken:

    Da war mal was mit "sozialer Marktwirtschaft" und Solidargemeinschaft ...

    Griechenland (und nicht nur Griechenland) hat, soviel wohl bekannt ist, auch eine ganze Reihe Milliardäre ...

    Export setzt auch voraus, dass jemand importiert. - Da kann es m.E. nicht nur darum gehen, dass "Investoren" ihre Produktionsstätten unter dem Diktat von Dumpinglöhnen betreiben und diese Produkte dann von den Billigschmieden in die reicheren Länder (z.T. Herkunftsländer der Investoren) exportiert und dort zu höchstmöglichen Preisen verhökert werden, damit sich die "Investoren" maximal die Taschen füllen und dabei minimal Steuern zahlen, wie es letztens ebenso durch die Presse ging ...

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "@Der Doktor"
    • genius1
    • 15. Dezember 2012 14:50 Uhr

    Warum soll dann in Deutschland das Kurzarbeitergeld verlängert werden?

    Ich finde es auch immer so Berauschend, wenn die Löhne der abhängig Beschäftigten, Real gestiegen sein sollen, während 20 Millionen Rentner, weiterhin Kaufkraftverluste hinnehmen müssen.

    Mal wieder Zeit sich mit dem Geldschöpfungsprozess zu Beschäftigen:

    http://www.youtube.com/wa...

    Und was die Justiz davon hält:

    http://www.youtube.com/wa...

    Für Alle, die noch Illusionen haben, das es ihn Nicht treffen wird!

    6 Leserempfehlungen
  4. . . . da hört man gern eine gute Mär - und möchte auch gleich wieder ganz fest an den Weihnachtsmann glauben.

    3 Leserempfehlungen
    • tja_ja
    • 15. Dezember 2012 16:04 Uhr

    dann wirds in absehbarer Zeit in Europa knallen. Wer in Griechenland nicht in den Touristenregionen war oder griechische Normalbürger kennt, der weiß wie brutal die Situation ist. In Deutschland würde keiner auf die Idee kommen, dass Ärzte die Krankenhäuser putzen, der Patient sein Essen und sein Bettzeug selbst mitbringt und waschen muss, im Winter nicht mehr normal heizen kann und statt dessen illegal mit einem Holzofen die Wohnung beheizt und die Abgase durchs Fenster leitet. Auf der anderen Seite sind immer noch höchst korrupte Politiker und Beamte, die ihre Schäfchen ins Trockene gebracht haben und nun die Bevölkerung ausbluten lassen. Respekt vor der Bevölkerung die da noch nicht angefangen hat mit Waffen gegen die Regierung und die Beamten vorzugehen. Anstatt Banken und Investoren (auch die netten Sparer aus Deutschland) in die finanzielle Haftung zu nehmen riskieren wir eine paralysierte Gesellschaft heranzuziehen. Wenn Griechenland "gerettet" ist, ist die Gesellschaft kaputt und wir finden nur noch verbrannte Erde vor. Es ist an der Zeit Großinvestoren blechen zu lassen, das System zu bereinigen und zu läutern. All die Kredite, die gezahlt werden, dienen nur dazu die privaten Gläubiger schön dastehen zu lassen. Ein solch perverses System gehört abgeschafft.

    7 Leserempfehlungen
  5. 2 Leserempfehlungen
    • Centime
    • 15. Dezember 2012 20:21 Uhr

    "Die Krisenländer hätten etwa die Hälfte der nötigen Anpassung geschafft, sagt Klaus Regling, der Chef des ESM. "

    Diesen Satz lasse ich mir wie eine Droge ganz langsam einfloessen, vielleicht hilft es um nicht verrueckt zu werden.

    Moechte jemand mit mir diesen Satz bejubeln? Versteht man im Norden was dieser Satz fuer den einzelnen bedeutet im Sueden?

    Ich selbst resigniere. Lege mich zurueck, lutsche einen Drops und harre der Dinge.

    3 Leserempfehlungen

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