Peugeot Auto- und FahrradtestVon A nach B

Ralph Geisenhanslüke fährt mit dem Auto und mit dem Fahrrad von zu Hause in die Redaktion. von Ralph Geisenhanslüke

Peugeot 508 RXH

Peugeot 508 RXH  |  © Hersteller

Autotest

Meine Straße ist verkehrsberuhigt, aber trotzdem eine Kampfzone: Parklücken quer, aus beiden Richtungen kommen sich gegenseitig überholende Radfahrer. Immer. Langsam reintasten. Der erste Radfahrer, rotgesichtig, klingelt vorsorglich von Weitem, hält drauf, umkurvt die Motorhaube in großem Bogen, macht Wischwasch-Geste, hinter ihm das Verfolgerfeld. Die Ampel nehmen alle bei Rot. Klassiker.

Erste Baustelle an der Urania. 500 Meter Stau. Fünf Minuten Stop-and-go. Ouvertüre zum Mitte-Wahnsinn, der täglich neue kreative Routen erfordert. Heute: Großer Stern, Brandenburger Tor, Reichstag. Sightseeing-Strecke. Acht Minuten für 300 Meter hinter Touristenbus. Regierungsviertel: Am Jakob-Kaiser-Haus ist die Fahrbahn so eng, dass ein Radfahrer den stehenden Wagen am Außenspiegel anstößt. Zeigt mir den Finger. Hey! Mein Öko-Gewissens-Display im Armaturenbrett sagt doch: »Null Emission«!

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Wegen Großbaustelle sechs Minuten für die letzten 150 Meter bis zur Garageneinfahrt. Massagesitz bringt den Puls wieder runter.

Am Ziel nach 7,2 Kilometern. Zeit: 35 Minuten. Beleidigungen: 2.

Peugeot 508 RXH
Motorbauart: 4-Zylinder-Diesel-Hybridmotor
Systemleistung: 147 kW (200 PS)
Verbrauch: 4,1 Liter
Basispreis: 41.900 Euro

Fahrradtest

Peugeot Mountain Bike RSM 01

Peugeot Mountain Bike RSM 01  |  © Hersteller

Erste Vollbremsung an der Grunewaldstraße, Berlin-Schöneberg: Links abbiegender Golf übersieht mich. Am Steuer: telefonierender Mann. Das Rad hat straffe Bremsen, liegt aber wegen Stollenbereifung schwammig auf der Straße, kritisch bei Ausweichmanövern. Winterfeldtstraße: verstopft mit Transportern in der zweiten Reihe. Handwerker, Paketboten. Telefonierende Autofahrerin reißt vor mir die Tür auf, ohne in den Spiegel zu sehen. Ziehe in den Gegenverkehr. Das war knapp. Hätte das Rad bloß eine Hupe. Klingeln hört ja keiner mehr. Außer es ist das Telefon.

Von A nach B
Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin

Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin  |  © .marqs/Photocase

1,3 Kilometer durch den Tiergarten: Enten schnattern, Bäume rauschen.

Zurück in der Realität: Touristenmassen am Brandenburger Tor. Alle gucken in die Luft. Noch gefährlicher: Touristen auf Fahrrädern, die in die Luft gucken. Dorotheenstraße: Diplomatenwagen zieht ohne Blinker aus Parkbucht, drängt mich gegen einen Bus. Ecke Friedrichstraße: Die Leute laufen bei Rot über die Straße. Defensivstfahrweise. Cool down.

Am Ziel nach 6,3 Kilometern. Zeit: 22 Minuten. Beinah-Unfälle: 3.

Peugeot Mountain Bike "RSM 01"
Rahmen: Carbon
Schaltung: 30-Gang- Kettenschaltung
Gewicht: 11,2 kg
Bremsen: hydraulisch
Basispreis: 2.199 Euro

Ralph Geisenhanslüke ist Autor der ZEIT

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Leserkommentare
    • GeorgFS
    • 06. Dezember 2012 15:01 Uhr

    Nette Idee Auto und Rad in der Stadt miteinander zu vergleichen, gefällt mir.

    Was mir deutlich zu kurz kommt: Aussagen zu den Vehikeln.

    Was ich "nicht glauben kann": dass der Autor mit einem der StVZO nach ungenügenden Rad unterwegs war und das auch noch öffentlich schreibt.

  1. .. sehe ich auch täglich, zigfach. Wirklich ein Klassiker.

    Es handelt sich um Autofahrer, die scheinbar gelbe Ampeln als "schnell, Gas geben" interpretieren, auch 100 Meter vor der Kreuzung.

    Dass ich diese Autos sehe liegt daran, dass ich als Fußgänger an der Querstraße auf Grün warte. Die wartenden Autofahrer weiter hinten kriegen das nicht mit, denn sie können die Ampel der Querstraße nicht sehen.

    So könnte der Eindruck entstehen, dass Rotlichtverstöße vor allem von den "anderen" begangen werden - stimmt aber nicht.

    2 Leserempfehlungen
  2. Der Artikel zeigt wieder sehr schön das Grundproblem beim Radfahren: Man hat keinen Platz. Entweder teilt man sich die Straße mit den Autos, oder den Fußweg mit den Fußgängern.
    Aber Radwege, die den Namen verdienen, gibt es so gut wie gar nicht. Als Ergebnis überall Konflikte und Gefahren - inklusive der Beschimpfung als Kampfradler, nur weil man ein bißchen Platz für sich selbst haben möchte.
    Das Autofahrer einfach so 10qm Straßenraum für sich beanspruchen (im Stand, beim fahren wird von Stadtplanern ein Platzbedarf von 100qm zugrunde gelegt) ist allgemein akzeptiert, der Radfahrer, der gerne mit ein bißchen Sicherheitsabstand 4qm haben möchte, ist ein Störfaktor.

    5 Leserempfehlungen
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    Hier in Bonn ist das eigentlich ganz gut gelöst. Auf der Straße sind gestrichelte Linien am rechten Fahrbahnrand, die einen für Radfahrer reservierten Bereich markieren. Dies wird auch von den Autofahrern respektiert und es gibt eigentlich kein großartiges Gedrengel. Das Problem mit den ohne nach hinten zu schauen aufgerissenen Türen ist damit natürlich nicht behoben.

    Mit einem nicht gem. StVZO zugelassenem Rad sind sehr viele Leute unterwegs, vor allem Rennräder und Mountainbikes haben meist keine Katzenaugen oder Beleuchtung und wenn, dann in der Regel eine eigentlich unzulässige.
    Da die Polizei aber wohl schon froh ist, wenn die Leute überhaupt Licht dranhaben (es gibt ja immer noch sehr Viele, die im Dunkeln in schwarzen Klamotten und völlig ohne Licht rumfahren), wird über die StVZO-Verletzungen vermutlich wohlwollend hinweggesehen.

    die ich so noch nicht kannte. Mal was gelernt. Danke.

  3. Hier in Bonn ist das eigentlich ganz gut gelöst. Auf der Straße sind gestrichelte Linien am rechten Fahrbahnrand, die einen für Radfahrer reservierten Bereich markieren. Dies wird auch von den Autofahrern respektiert und es gibt eigentlich kein großartiges Gedrengel. Das Problem mit den ohne nach hinten zu schauen aufgerissenen Türen ist damit natürlich nicht behoben.

    Mit einem nicht gem. StVZO zugelassenem Rad sind sehr viele Leute unterwegs, vor allem Rennräder und Mountainbikes haben meist keine Katzenaugen oder Beleuchtung und wenn, dann in der Regel eine eigentlich unzulässige.
    Da die Polizei aber wohl schon froh ist, wenn die Leute überhaupt Licht dranhaben (es gibt ja immer noch sehr Viele, die im Dunkeln in schwarzen Klamotten und völlig ohne Licht rumfahren), wird über die StVZO-Verletzungen vermutlich wohlwollend hinweggesehen.

    Antwort auf "Grundproblem"
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    • Bboy
    • 06. Dezember 2012 16:40 Uhr

    Ich wohne auch in Bonn, hab es mit dem Rad ca. 10 Minuten zur Arbeit. Ich werde durchschnittlich 1x im Monat fast angefahren, weil Rechtsabbieger zu faul sind, über die Schulter zu blicken, oder weil halt eben - gerade im Kreuzungsbereich - Autofahrer den Fahrradstreifen am Fahrbahnrand für sich beanspruchen.

    Sonst müsste man ja auf unter 1,5 Meter Sicherheitsabstand zum Auto auf der Nebenspur (Linksabbieger) runtergehen. Nicht auszudenken, wenn der dem eigenen Gefährt zu nahe käme.

    "Ausnahmen gelten nur für Rennräder, deren Gewicht nicht mehr als 11 kg beträgt, die dann an Stelle von Scheinwerfer, Schlußleuchte und Lichtmaschine einen Batterie-Scheinwerfer und ein Batterie-Rücklicht tragen dürfen."

    StVZO§ 67

    Richtig heißt es dort, in Abs. 11:

    "11) Für Rennräder, deren Gewicht nicht mehr als 11 kg beträgt, gilt abweichend folgendes:
    1. für den Betrieb von Scheinwerfer und Schlußleuchte brauchen anstelle der Lichtmaschine nur eine oder mehrere Batterien entsprechend Absatz 1 Satz 2 mitgeführt zu werden;
    2. der Scheinwerfer und die vorgeschriebene Schlußleuchte brauchen nicht fest am Fahrrad angebracht zu sein; sie sind jedoch mitzuführen und unter den in § 17 Abs. 1 Straßenverkehrs-Ordnung beschriebenen Verhältnissen vorschriftsmäßig am Fahrrad anzubringen und zu benutzen;
    3. Scheinwerfer und Schlußleuchte brauchen nicht zusammen einschaltbar zu sein;
    4. anstelle des Scheinwerfers nach Absatz 1 darf auch ein Scheinwerfer mit niedrigerer Nennspannung als 6 V und anstelle der Schlußleuchte nach Absatz 4 Nr.1 darf auch eine Schlußleuchte nach Absatz 5 mitgeführt werden. "

    Ja und wenn die Polizei tatsächlich kontroliieren will, ob mit der Beleuchtung alles stimmt, hat sie ne Menge zu tun, man nehme sich die Zeit zum Durchlesen des Beleuchtungs-Paragraphen.

    Zum Glück sind die meisten Polizisten sich bewusst, dass es eigentlich um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer geht - insofern sind sie tatsächlich froh, wenn jemand überhaupt irgendwie leuchtet.

    • Bboy
    • 06. Dezember 2012 16:40 Uhr

    Ich wohne auch in Bonn, hab es mit dem Rad ca. 10 Minuten zur Arbeit. Ich werde durchschnittlich 1x im Monat fast angefahren, weil Rechtsabbieger zu faul sind, über die Schulter zu blicken, oder weil halt eben - gerade im Kreuzungsbereich - Autofahrer den Fahrradstreifen am Fahrbahnrand für sich beanspruchen.

    Sonst müsste man ja auf unter 1,5 Meter Sicherheitsabstand zum Auto auf der Nebenspur (Linksabbieger) runtergehen. Nicht auszudenken, wenn der dem eigenen Gefährt zu nahe käme.

    Antwort auf "Gute Lösung"
  4. "Ausnahmen gelten nur für Rennräder, deren Gewicht nicht mehr als 11 kg beträgt, die dann an Stelle von Scheinwerfer, Schlußleuchte und Lichtmaschine einen Batterie-Scheinwerfer und ein Batterie-Rücklicht tragen dürfen."

    StVZO§ 67

    Antwort auf "Gute Lösung"
  5. Richtig heißt es dort, in Abs. 11:

    "11) Für Rennräder, deren Gewicht nicht mehr als 11 kg beträgt, gilt abweichend folgendes:
    1. für den Betrieb von Scheinwerfer und Schlußleuchte brauchen anstelle der Lichtmaschine nur eine oder mehrere Batterien entsprechend Absatz 1 Satz 2 mitgeführt zu werden;
    2. der Scheinwerfer und die vorgeschriebene Schlußleuchte brauchen nicht fest am Fahrrad angebracht zu sein; sie sind jedoch mitzuführen und unter den in § 17 Abs. 1 Straßenverkehrs-Ordnung beschriebenen Verhältnissen vorschriftsmäßig am Fahrrad anzubringen und zu benutzen;
    3. Scheinwerfer und Schlußleuchte brauchen nicht zusammen einschaltbar zu sein;
    4. anstelle des Scheinwerfers nach Absatz 1 darf auch ein Scheinwerfer mit niedrigerer Nennspannung als 6 V und anstelle der Schlußleuchte nach Absatz 4 Nr.1 darf auch eine Schlußleuchte nach Absatz 5 mitgeführt werden. "

    Ja und wenn die Polizei tatsächlich kontroliieren will, ob mit der Beleuchtung alles stimmt, hat sie ne Menge zu tun, man nehme sich die Zeit zum Durchlesen des Beleuchtungs-Paragraphen.

    Zum Glück sind die meisten Polizisten sich bewusst, dass es eigentlich um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer geht - insofern sind sie tatsächlich froh, wenn jemand überhaupt irgendwie leuchtet.

    Antwort auf "Gute Lösung"
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    weswegen eine Beleuchtung, die für Rennräder als ausreichend empfunden wird, nicht auch für alle anderen ausreichen sollte. Umgekehrt würde eher ein Schuh daraus, das schnellere Fahrzeug bräuchte eigentlich das bessere Licht. Gut, daß nicht jeder behördliche Blödsinn einfach so befolgt wird! Mir gibt das Hoffnung.

  6. weswegen eine Beleuchtung, die für Rennräder als ausreichend empfunden wird, nicht auch für alle anderen ausreichen sollte. Umgekehrt würde eher ein Schuh daraus, das schnellere Fahrzeug bräuchte eigentlich das bessere Licht. Gut, daß nicht jeder behördliche Blödsinn einfach so befolgt wird! Mir gibt das Hoffnung.

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