GesellschaftskritikÜber schlechte Nachrichten

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J. K. Rowling im September in London

J. K. Rowling im September in London  |  © Ben Pruchnie/Getty Images

Wir von der Gesellschaftskritik bekommen viele konkurrierende Meldungen auf den Tisch, Trennungen, Abstürze, neue Lieben; zuletzt sogar eine Schlägerei zwischen den beiden Halle-Berry-Männern Gabriel Aubry und Olivier Martinez, die sich bei der Kindsübergabe krankenhausreif prügelten. Haben wir Journalisten tatsächlich, wie uns häufig vorgeworfen wird, eine besondere Lust daran, Menschen öffentlich zu demontieren? Lothar Matthäus behauptet das immer, wenn über eine gescheiterte Trainerstation und/oder Beziehung berichtet wird.

Und auch Lance Armstrong scheint zu glauben, die Medien interessierten sich nur deshalb für Doping, weil sie Helden fallen sehen wollen. Der Niedergang des Euro, des Bundespräsidentenpaares, im Sommer die drei verpassten Titel des FC Bayern – das alles ist in diesem Jahr auch schon den Journalisten angelastet worden. Und was wird erst die Schriftstellerin J. K. Rowling von unserer Branche denken, die, nach sieben Harry Potters, ihr erstes Erwachsenenbuch schrieb, das in den Feuilletons als »banal« und »erschreckend klischeehaft« tituliert wurde? Dass in den Redaktionen lauter schlecht bezahlte Kritiker in abgewetzten Cordhosen sitzen, die Spaß daran haben, anderer Leute Arbeit schlechtzumachen?

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Liebe Verlierer des Jahres 2012, es ist einfach so: Medien produzieren Nachrichten, der gemeinsame Nenner aller Nachrichten ist die Veränderung. Der Held, der sich als größter Betrüger von allen entpuppt, die Schriftstellerin, die ihre Zauberkraft verloren hat – das sind interessante Entwicklungen. Aber ebenso gerne drucken wir positive Veränderungen, Wendungen zum Guten, Happy Ends.

Gesellschaftskritik
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Klicken Sie auf das Bild, um weitere Artikel der Serie "Gesellschaftskritik" zu lesen.  |  © Frazer Harrison/Getty Images

Ein Foto von Gabriel Aubry und Olivier Martinez, das zeigt, wie sie in Venice Beach die kleine Tocher von Halle Berry durch die Luft schwenken? Es gibt Magazine, die würden dafür eine sechsstellige Summe bezahlen. Die Wulffs kriegen es hin – wunderbar! Tom Cruise verlässt Scientology, geht zurück an die Universität und erkennt, dass die Geschichte mit dem Raumschiff und den Operierenden Thetanen gar nicht stimmen kann – gekauft!

Lothar Matthäus begreift nach langen Gesprächen mit dem Teampsychologen eines Drittligavereins, bei dem er angeheuert hat, um das Handwerk des Trainierens von der Pike auf zu erlernen, die kompensatorische Funktion seiner bisherigen Partnerinnen und verliebt sich glücklich in eine 35-jährige, etwas farblose Historikerin mit eigenem Einkommen und eigenen Brüsten?

Ohne jetzt etwas versprechen zu können, aber das ist der Stoff, aus dem große Interviews in der ZEIT sind.

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte achten Sie auf ihre Wortwahl. Danke, die Redaktion/jz

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  • Serie Gesellschaftskritik
  • Schlagworte Lothar Matthäus | FC Bayern München | Medien | Doping | Einkommen | Handwerk
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