Schwarz gestrichen ist der Flachbau im Berliner Stadtteil Weißensee , auf die Wände sind rotgelbe Flammen gemalt. Über der Straße liegt Novembernebel, es dämmert bereits. Neben der schweren Eingangstür: eine Überwachungskamera. Wer als Journalist eingelassen werden will, muss sich anmelden. Vor der Tür noch mal das Telefon gezückt, eine knarzige Stimme sagt: "Alles klar, kommt jemand." Dann öffnet sich die schwere Tür. Ein junger Mann in Trainingsjacke, Jogginghosen. Kurze Musterung, und man ist drin.

Schummriges Licht, schwarze Wände, Männer auf breiten Ledersofas, hinter einem Tresen brüht jemand Kaffee auf. Es ist ein bisschen wie in einem Jugendclub, nur tragen sie hier Lederkutten mit Totenkopf-Logo. Die meisten haben sich eine Glatze rasiert und sind tätowiert, einige auch im Gesicht.

Willkommen bei den Hells Angels .

Auf einem Monitor haben die Männer im Blick, dass gerade ein Polizeiwagen am Haus vorbeirollt. Das kommt hier häufig vor. Im April erst schlugen 34 Kugeln aus einer automatischen Waffe in das Mauerwerk ein, die Polizei zählte sie, aber herausgefunden, wer geschossen hatte, hat sie nicht.

Zur Zeit des Anschlags ist dieses Haus noch ein Vereinsheim der Bandidos gewesen, so heißt der andere große Motorradclub in Berlin . Dessen Mitglieder haben sich in den letzten Jahren schwere Kämpfe mit den Hells Angels geliefert, ihren großen Konkurrenten. Jetzt aber sind es die Hells Angels, die hier zu einem Gespräch einladen.

In diesem Jahr ist die undurchsichtige Welt der Motorradclubs ziemlich durcheinandergeraten: Die Behörden drohten mit Verboten , und um diesen zuvorzukommen, lösten sich einige Gruppen der Berliner Bandidos und der Hells Angels kurzerhand auf – aus Angst, Motorräder, Lederkutten und das Inventar der Vereinshäuser könnten beschlagnahmt werden. Viele Bandidos, auch die Männer in Weißensee, haben sich in diesem Chaos den Hells Angels angeschlossen.

Dabei sind diese besonders unter Druck geraten: Ihr berüchtigtstes Charter – so heißen die Ortsgruppen des Clubs – "Hells Angels Berlin City" wurde im Mai verboten .

Seit Jahren machen die Hells Angels im ganzen Land so von sich reden, vor allem durch Gewalt. In Kiel geht die Polizei einem Mordverdacht nach; vorige Woche wurde ein Hells Angel in der Nähe von Offenburg erschossen. Bundesweit haben in diesem Jahr auf Anordnung der Behörden zehn Hells-Angels-Charter verschwinden müssen.