MemSo sehen unsere Sieger aus

Wenn Erzrivalen um die Wette posten: Bilanz einer Facebook-Schlacht von 

Diese Entdeckung auf einem Berliner Spielplatz gefiel 1335 Betrachtern.

Diese Entdeckung auf einem Berliner Spielplatz gefiel 1335 Betrachtern.  |  © ZEITmagazin

Es war ein harter Kampf. Plötzlich reichte es nicht mehr aus, alle sieben Tage das bestmögliche Magazin zu veröffentlichen. Nun musste die ZEITmagazin- Redaktion tagtäglich und rund um die Uhr lustiger, schneller, besser sein als die Konkurrenz. Drei stürmische Herbstwochen lang. Das hatten wir uns selber eingebrockt.

Und das kam so: Seit April 2010 bringen wir auf der Facebook-Seite des ZEITmagazins (die mittlerweile mehr als 112.000 Leuten »gefällt«) jeden Tag ein bis drei »Statusmeldungen«: aktuelle Anmerkungen, Fundstücke aus dem Netz, dazu Nachrichten rund ums ZEITmagazin, am Sonntagabend kommentieren wir mit unseren Lesern ausgiebig den neuesten Tatort. Ähnliches machen bei Facebook inzwischen fast alle Zeitschriften weltweit, so auch das SZ -Magazin . Ausgerechnet die machen es, leider Gottes, ziemlich gut.

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Und so beschlossen beide Magazine, aus dem bis dahin unausgesprochenen Wettbewerb unserer Facebook-Seiten ein echtes Duell zu machen: Welche Redaktion bringt im Laufe von drei Wochen den beliebtesten Online-Post zustande? Das Format: Bild mit kurzem Text.

Die ganz großen Welthits dieses Genres entstehen nicht in Redaktionskonferenzen. Sie gehen als siegreiche Giganten hervor aus einer permanenten Schlacht zwischen zig Millionen Ideen im unendlichen Pixelmeer. Für durchsetzungsfähige Ideen hat sich der Begriff »Mem« etabliert. Der Evolutionsbiologe Richard Dawkins hat das Wort 1976 erfunden, um das kulturelle Gegenstück zum Gen zu benennen, eine »Gedankeneinheit«. Um Erfolg zu haben, muss ein Mem weder schön noch wahr sein. Es muss nur, irgendwie, »klick« machen.

Unsere erfolgreichsten Wettbewerbsbeiträge sind alle aus Assoziationen entstanden, die wir zu einer »Gedankeneinheit« montiert haben: Als Lance Armstrong wegen Dopings sämtliche Tour-de-France-Titel aberkannt wurden, fiel uns ein anderer Armstrong ein. Halle Berry und Tom Hanks auf dem Wetten, dass..? -Sofa erinnerten uns mit ihrer Genervtheit an eine andere TV-Sendung, die genüsslich Promis demütigt. Und in der Minute, als Barack Obama als Wahlsieger feststand, morgens gegen 5.17 Uhr, posteten wir ein dickes »Uff«. Sehr gut lief der Schnappschuss eines Kollegen: ein altes Kinderbuch mit dem schönen Titel Ich habe einen Traum, während der knallhart kalkulierte Einsatz süßer Tierfotos, wider Erwarten, nur mittelgut ankam.

Wie sehr die Konkurrenz unsere Seiten belebte, fiel dann bald auf: »Große Erfolge mit dem Posten lustiger Bildchen erzielen die Magazine der ZEIT und der Süddeutschen Zeitung « , schrieb der Branchendienst Meedia in einem Bericht über die Facebook-Aktivitäten deutscher Medien. In einem Ranking der Seiten mit den aktivsten Nutzern schaffte es das ZEITmagazin dort auf Platz drei (hinter zwei Fernsehserien, sieben Plätze vor unseren süddeutschen Konkurrenten).

Doch bei allem Erfolg: Nach diesen drei verschärften Konkurrenzwochen ziehen wir den Hut vor den Großmeistern des Online-Humors: globalen Witzgeneratoren wie »TSTHIS«, »Street Art in Germany« oder »LOL Wall«. Dort hatten wir auch das Foto entdeckt, das wir, außer Konkurrenz, während des ersten Schneefalls posteten. Es bekam mit großem Abstand die meisten »Likes« in der Geschichte unserer Facebook-Seite. 17.802 Leuten gefiel: ein Hase aus Schnee.

Die beliebtesten Statusmeldungen des ZEITmagazins finden Sie auf Facebook oder in der gedruckten Ausgabe. Wie das »SZ-Magazin« versucht hat, den Wettbewerb zu gewinnen, sehen Sie dort. 

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    • Schlagworte Barack Obama | Doping | Facebook | Fernsehserie | Kinderbuch | Redaktion
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