DrohnenDie Waffe der Überflieger
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 Drohnenschläge schafften deutlich mehr Terroristen, als sie eliminierten

Eine ähnliche Wirkung wie die Maxim Gun in den alten Kolonien erzeugen heute Drohnenangriffe in Pakistan. Sie eliminieren zwar Gegner, aber langfristig fachen sie den Hass gegen die USA weiter an. Mit jeder Rakete, die eine Drohne auf pakistanisches Staatsgebiet abschießt, befeuert sie zugleich den Extremismus. Schon 2003 fragte der damalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld: »Fangen wir mehr Terroristen, töten wir mehr, schrecken wir mehr ab, bringen wir mehr von ihrem Weg ab, als die radikalen Prediger, die Koranschulen anwerben, ausbilden und gegen uns ins Feld schicken?« Drohneneinsätze, bei denen immer wieder auch Unschuldige ums Leben kommen, tragen wesentlich dazu bei, dass dieser Wettkampf verloren zu gehen droht. Im Mai 2009 plädierte der ehemalige hochrangige Pentagon-Berater David Kilcullen vor dem US-Senat dafür, Drohneneinsätze ganz und gar zu beenden. Nach seinen Informationen hatte die Tötung von 14 Terroristen 700 Zivilisten das Leben gekostet. »Das macht 50 Zivilisten für jeden getöteten Militanten, eine Trefferquote von zwei Prozent.« Kilcullens Schlussfolgerung: Drohnenschläge schafften deutlich mehr Terroristen, als sie eliminierten.

Und es gibt noch einen Bumerangeffekt. Inzwischen sollen rund 60 Länder Drohnen entwickeln. Die Iraner »entführten« im vergangenen Jahr eine amerikanische Tarnkappendrohne des Typs RQ-170. Sie holten sie vermutlich mittels eines manipulierten GPS-Signals unversehrt vom Himmel. Stolz verkündeten die iranischen Revolutionsgarden diesen Erfolg und kündigten an, sie würden die Beute-Drohne durch reverse engineering nachbauen. Vor wenigen Tagen wiederholten sie nach eigenen Angaben den Coup mit einer kleineren Aufklärungsdrohne. Die Ankündigung, die erbeutete Waffe zu kopieren, war auch eine Warnung. Hisbollah, Irans Stellvertreterarmee im Libanon, steuerte zuletzt am 6. Oktober eine Drohne 200 Kilometer weit nach Israel hinein; erst 30 Kilometer vor dem Atomreaktor Dimona schoss ein israelischer Jet sie ab.

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Währenddessen arbeiten die westlichen Waffentechniker am nächsten Upgrade. Demnächst, glauben sie, könnten Drohnen den Schritt von der Automatik in die Autonomie vollziehen, sprich: allein auf Grundlage eigener Datenanalyse ein Ziel ausmachen und eliminieren. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat einen Bericht mit dem Titel vorgestellt: »Wie wir die Menschlichkeit verlieren. Ein Plädoyer gegen Killer-Roboter«. Darin wird mit guten Argumenten ein Verbot der geplanten Roboterwaffen gefordert. Wer Menschenrechtlern in dieser Frage nicht vertraut, der kann sich auch ans Militär halten. Der Ex-General David Deptula, bis vor Kurzem Chef der Luftaufklärung der U. S. Air Force, sagte unlängst dem britischen Fachblatt Jane’s Defence Weekly: »Technologisch können wir die Autonomie sehr weit treiben. Nicht die Technik wird der limitierende Faktor sein, sondern die Politik.«

Wenn schon Militärs warnen – vielleicht ist es dann Zeit zum Nachdenken.

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Leserkommentare
  1. Deutschland will Kampfdrohnen anschaffen und natürlich auch einsetzen.

    Damit die auch ordentlich zum Einsatz kommen können, gibt es jetzt das passende Weihnachtsgeschenk. Den Flugroboter "Zephyr" einer französischen Firma, der als Kinderspielzeug angeboten wird.
    Er hat eine Spannweite von 1,5m, kann 90km weit und über 5km hoch fliegen.

    Da können die Kinder und Jugendlichen schon mal vom Wohnzimmer aus üben.
    Ach übrigens, mit Kameras kann man das Gerät auch ausstatten, damit man schon mal verfolgen kann, was Nachbars so treiben.

    5 Leserempfehlungen
  2. "Technologisch können wir die Autonomie sehr weit treiben. Nicht die Technik wird der limitierende Faktor sein, sondern die Politik"

    Das soll eine Warnung sein?

    "Technologisch können wir die Ausstattung von Krankenhäusern verbessern. Nicht die Technik wird der limitierende Faktor sein, sondern die Politik."
    Ist meine obige Aussage etwa eine Warnung vor mehr Investitionen in Krankenhäuser?

    Zudem sind Drohnenangriffe an sich nicht verwerflich. Sie führen per se auch nicht zu diplomatischen Verwerfungen oder Extremismus. Drohnenschläge führen auch nicht zwangsläufig zu unnatürlich vielen zivilen Opfern.

    Dass Obama Drohnenangriffe auf Basis schwacher Berichte in fremden Ländern autorosiert und dabei zivile Opfer in Kauf nimmt, ist (s)eine politische Entscheidung.

    Das heist aber noch lange nicht, dass die Bundeswehr Soldaten in einem "legitimen" Gefecht 20 Minuten lang im Stich lassen sollte, nur weil der Autor keine Drohnen mag.

    Und noch ein Punkt: Auch die bisherige Waffentechnik wird und wurde teils falsch eingesetzt. Man denke kurz an Kunduz.

    4 Leserempfehlungen
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    > Das heist aber noch lange nicht, dass die Bundeswehr
    > Soldaten in einem "legitimen" Gefecht 20 Minuten lang im
    > Stich lassen sollte, nur weil der Autor keine Drohnen mag.

    Was haben die dort überhaupt verloren? Die Grundfrage über Sinn und Unsinn des Krieges wird nicht mehr gestellt.

    • Phils_1
    • 15. Dezember 2012 21:20 Uhr

    Um Drohnen effektiv einzusetzen, müssen die gleichen Gegebenheiten wie für Kampfjets bestehen: Luftüberlegenheit und Personal vor Ort, dass sie warten kann, da macht es auch keinen Unterschied ob der Pilot in den USA oder im Container im Camp in Afganistan sitzt. Drohnen sind nicht zielsicherer, billiger, nur deren einziger Vorteil in aktuellen Konflikten ist: Es interessiert keinen wenn sie verloren gehen, da kein Pilot drin ist, der verwundet oder getötet werden kann.
    Wobei das das wichtigste für die aktuellen Konflikte der westlichen Welt ist: Die Verschleierung des Krieges durch die Regierungen und den Menschen in den westlichen Staaten die Möglichkeit zu geben weg sehen zu können, nach dem Motto "keine Toten auf unserer Seite bedeutet kein Krieg". Darum sollte man nicht diskutieren, ob nun Drohnen gut oder schlecht sind, sondern was für eine langfristige Strategie sich Deutschland für Auslandseinsätze geben will.

    6 Leserempfehlungen
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    Die Drohnen sind wie das Maxim-Maschinengewehr, solange nur das Imperium darüber verfügt verhindern sie eigene Verluste bei imperialen Aufstandsbekämpfung, danach sind sie nur eine Waffen unter vielen.

    Und die Drohnen sind nichtmal besonders herausragende Waffen.

  3. Eine Frage Herr Bittner,

    wieso verwenden Sie das Wort "extralegal" im Zusammenhanhang mit Tötungen.

    Laut Duden gibt es dieses Wort nicht und eine kurze englischsschprachige Recherche hat ergeben, dass "extralegal" eins zu eins mit "illegal" übersetzt werden kann, was durchaus ein geläufiges Wort in der deutschen Sprache ist. Warum also diese Verschleierung um schlichtweg actionable, banned, black-market, bootleg, contraband, criminal, crooked, extralegal, felonious, forbidden, heavy*, hot*, illegitimate, illicit, interdicted, irregular, lawless, not approved, not legal, outlawed, outside the law, prohibited, proscribed, prosecutable, racket, shady, smuggled, sub rosa, taboo, unauthorized, unconstitutional, under the table, unlawful, unlicensed, unofficial, unwarrantable, unwarranted, verboten, violating, wildcat, und wrongful Sachen zu vertuschen?!

    7 Leserempfehlungen
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    ..."extralegal killing"

    (staatlicher) Auftragsmord.

    Das herr Bittner und DIE ZEIT sie nicht verwenden spricht für sich.

    • Xdenker
    • 15. Dezember 2012 21:41 Uhr

    Unsere Soldaten haben doch offenbar keine Luftnahunterstützung verdient, wenn sie im Auftrag unseres Landes in einem für uns sinnlosen Bürgerkrieg am Hindukusch ihr Leben riskieren. Dafür gäbe es ein sehr wirkungsvolles und den Feind abschreckendes Mittel: Den Kampfhubschrauber. Diese Unterstützung wird unseren Soldaten versagt.

    Wenn schon das Vorhandene nicht zum Einsatz kommt, warum dann Zusätzliches anschaffen. Das macht keinen Sinn. Diese Ausgaben kann sich unser Staat getrost sparen.

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    • Phils_1
    • 15. Dezember 2012 22:06 Uhr

    Hubschrauber sind auf dem Weg!

    http://www.handelsblatt.c...

    Das macht sehr wohl Sinn. Besser: es ist sinnvoll.

    Fir Kampfhubschrauber wurden bereits gekauft. Die Umsätze bei den Herstellern sind verbucht, die Hubschrauber abgeschrieben.

    Jetz muß Neues konsumiert werden. Man bedenke, wievielen Ingenieuren und Facharbeitern das Lohn und Brot bringt. Und natürlich auch Gewinne für die Kapitalhalter. Ich empfehle jetzt bereits Aktien oder Anteile der Waffenfirmen zu erwerben, bevor die Kurse anziehen.
    Außerdem - wenn alle Länder diese Roboter besitzen, dann kann man Abwehrdrohenen entwickeln und diese auch wieder an alle verkaufen. das ist Marktwirtschasft, das bringt Wachstum. Es kommt gar nicht darauf an, ob die Dinger nowendig sind oder nicht, es geht um die Wirtschaft.

  4. Das macht sehr wohl Sinn. Besser: es ist sinnvoll.

    Fir Kampfhubschrauber wurden bereits gekauft. Die Umsätze bei den Herstellern sind verbucht, die Hubschrauber abgeschrieben.

    Jetz muß Neues konsumiert werden. Man bedenke, wievielen Ingenieuren und Facharbeitern das Lohn und Brot bringt. Und natürlich auch Gewinne für die Kapitalhalter. Ich empfehle jetzt bereits Aktien oder Anteile der Waffenfirmen zu erwerben, bevor die Kurse anziehen.
    Außerdem - wenn alle Länder diese Roboter besitzen, dann kann man Abwehrdrohenen entwickeln und diese auch wieder an alle verkaufen. das ist Marktwirtschasft, das bringt Wachstum. Es kommt gar nicht darauf an, ob die Dinger nowendig sind oder nicht, es geht um die Wirtschaft.

    3 Leserempfehlungen
    • Xdenker
    • 15. Dezember 2012 22:32 Uhr

    ... dabei ist das Ding bei den Franzosen seit Jahren im Einsatz.

    Typisch deutsch, möchte man meinen.

    Ist nun die Bürokratie Schuld, dass den Soldaten bis heute der bestmögliche Schutz versagt wurde? Oder war genau das nicht doch politisch gewollt?

    Das ist die eigentlich spannende Frage, die der Minister seinen Fürsorglingen zu beantworten hat. Und die Antwort wird in jedem Fall peinlich.

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    ist ein funktionierendes gehirn und eine daran angeschlossene zunge
    auch für soldaten

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  • Schlagworte Antiterrorkampf | Krieg | Drohne | Pakistan | Afghanistan
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