Dr. Dr. Rainer Erlinger fragt:

Ein befreundetes Paar will nach zwei Jahren Beziehung nun zusammenziehen. Allerdings wohnt er in einer dieser Wohnungen in Berlin , die man nie aufgeben will: Altbau, gut gelegen, niedrige Miete, weil der Vertrag schon älter ist. Die Wohnung wäre auch groß genug für beide, er müsste nur etwas Platz schaffen.

Sie zögert jedoch, weil sie das Gefühl hätte, dass sie bei ihm eindringt und es immer seine Wohnung bliebe. Er kann ihre Bedenken verstehen und sogar ein bisschen teilen. Er wäre bereit, deshalb seine Wohnung aufzugeben.

Aber wenn sie eine neue Wohnung mieten, könnten sie sich bei den aktuellen Mietpreisen nur mehr eine halb so große leisten. Was sollen sie tun?

Wolfgang Schmidbauer antwortet:

Mir gefällt die Sorgfalt, mit der die beiden überlegen, was passiert, wenn zwei Liebende einen gemeinsamen Raum gestalten. Ebendeshalb traue ich ihnen zu, dass sie einen Kompromiss gestalten können.

Ängste (wie die, als Eindringling und Fremdkörper erlebt zu werden) können wir unter günstigen Umständen besiegen; der Mietmarkt leistet viel härteren Widerstand.

Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer

Ich schlage eine Strategie vor, welche die Bedenken ausräumt, ohne dass die günstige Wohnung aufgegeben wird. Die Partner legen die Fiktion zugrunde, dass die Wohnung leer ist, und teilen sie gerecht in zwei Teile, als hätten sie sie gemeinsam angemietet. Dann wird verhandelt, bis sich beide in ihren Revieren wohlfühlen.